Top 10 der Weingebiete

Haben Sie schon mal einen spritzigen Cava von Codorníu oder Freixenet probiert? Einen fruchtigen Viña Sol? Oder einen vollmundigen Rotwein aus dem Priorat? Viele trinken hierzulande katalanische (Schaum-)Weine, ohne zu ahnen, woher sie kommen.

Dabei ist Katalonien mit 60 000 Hektar Rebfläche Spaniens zweitgrößte Weinregion. Dazu kommen noch einmal 30 000 Hektar Rebfläche, auf der die Trauben für Cava gedeihen. Von dem Schaumwein, der wie der Champagner per Flaschengärung hergestellt wird, stammen sogar 90 Prozent aus Katalonien. Nachdem hier schon seit mehr als zweitausend Jahren Wein angebaut wird, produzieren die Kellereien heute 165 Millionen Flaschen Weißwein, 66 Millionen Flaschen Rotwein und 245 Millionen Flaschen Cava. Für die Qualität bürgen insgesamt zwölf Herkunftsbezeichnungen – katalanisch Denominació d’Origen, kurz DO – genannt.

In den letzten zehn oder fünfzehn Jahren haben nicht nur junge ambitionierte Winzer dafür gesorgt, dass sich die Qualität sprunghaft verbessert hat. Jedes Anbaugebiet bringt – je nach landschaftlichen Gegebenheiten – auch Weine mit ganz eigener Persönlichkeit hervor. Wer dem einen oder anderen Tropfen auf den Geschmack gekommen ist, möchte sich vielleicht auch mal vor Ort nach ihm umsehen. Mit etwas Glück kann er dabei im Herbst auch eins der feuchtfröhlichen Weinfeste miterleben. Ansonsten laden unzählige Kellereien zur Besichtigung ein. Manche sind wahre Jugendstilkathedralen, andere locken mit Weinmuseen, außerdem – wie könnte es anders sein – natürlich mit einer Verkostung. Hier die wichtigsten Weinanbaugebiete, die einen Ausflug lohnen:

 

DO Alella

Der Ausflug in das Gebiet der DO Alella ist genau das Richtige, wenn man den Besuch in Weinbergen und Kellereien mit einem erfrischenden Bad im Mittelmeer verbinden will. Denn es liegt nur ein paar Kilometer nördlich von Barcelona an der Maresme-Küste, wo die Meeresbrise für konstante Feuchtigkeit sorgt. Schon vor zweitausend Jahren wurden hier Weine gekeltert, von denen die römischen Dichter Plinius der Ältere und Martial in ihren Werken schwärmten. Heute gedeihen auf den meist granithaltigen, sandigen Böden Garnatxa Negra-Trauben für milde Rotweine und Pansà Blanca für duftende Weißweine. Besonders zu empfehlen ist der Besuch in der 1906 gegründeten Genossenschaft Alella Vinícola, deren Keller von dem Jugendstilarchitekten Jeroni Martorell i Terrats erbaut wurde.

 

DO Conca de Barberà

Dieses Weingebiet ist ein Muss für Architekturfreunde. Denn hier gibt es gleich sechs bedeutende Jugendstilkellereien zu besichtigen: die Genossenschaften von L’Espluga de Francolí und Sarral des Architekten Pere Domènech i Roura sowie die vier von Cèsar Martinell entworfenen Kellereien in Barberà, Rocafort de Queralt, Montblanc und Pira. Eingebettet in ein Becken zwischen den Städten Tarragona und Lleida, das von mehreren Flüssen durchlaufen wird, gedeihen in der Conca de Barberà Rosés der Weinsorte Trepat, die leicht, frisch und dennoch ausdrucksvoll sind. Die Weißweine werden vor allem aus Chardonnay-Trauben gemacht, die relativ milden Rotweine aus Garnatxa Tinta, Tempranillo und Trepat. Besonders sehenswert ist das Weinmuseum Museu de la Vinya i el Ví in Prenafeta. Auf dem Weg dorthin liegen auch Burgen und wehrhafte Städtchen wie Montblanc mit seiner alten Stadtmauer.

Barberà de la Conca © Edgar De Puy Fuentes

 

DO Costers de Segre

Ganz im Westen Kataloniens, in der Provinz Lleida, liegen die rund 40 000 Hektar großen Weinanbaugebiete, die unter der noch jungen Herkunftsbezeichnung Costers de Segre zusammengefasst werden. Bedeutend ist sie unter anderem, weil hier erstmals in Katalonien mit eher unüblichen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot und Chardonnay experimentiert wurde. Im Zusammenhang mit dem Kontinentalklima, heißen, trockenen Sommern und kalten Wintern bringen sie aromatische Weißweine, fruchtige Rosés und intensive Rotweine hervor. Wer sich für Ökoweine interessiert, sollte den Bodegas Cercavins und Casa Pardet in Verdú einen Besuch abstatten, wo an jedem 12. Oktober auch die Festa de la Verema i del Ví gefeiert wird. Sehenswert ist außerdem die Weinkellerei von Raimat, ein Werk des Architekten Rubió i Bellver aus dem Jahre 1904, sowie die bereits 1780 gegründete Bodega Castell del Remei mit einer alten Mühle und Brennerei. Und wer sich in der Bodega L´Olivera in Vallbona de les Monges umschaut, sollte nicht versäumen, einen Blick in das dortige Nonnenkloster zu werfen.

Castell d’Encus © Marc Castellet

 

DO Empordà

Schon die Griechen brachten die ersten Rebstöcke in das Hinterland der Costa Brava, wo die Trauben kräftiger Sonneneinstrahlung, starken Tramuntana-Winden und der Feuchtigkeit des Meeres ausgesetzt sind. Aus denen werden – dank einer neuen Generation von jungen Winzern – inzwischen auch Spitzenerzeugnisse gekeltert. Ansonsten sind neben fruchtigen Rosés, spritzigen Weißweinen und eher leichten Rotweinen der Sorten Garnatxa und Cabernet Sauvignon Süßweine wie die Garnatxa de l’Empordà Spezialität der Region. Wer durch die sanfte Hügelland um Figueres fährt, kann sich nicht nur in unzähligen Bodegas zu seinem Lieblingstropfen durchtrinken, sondern lernt auch wunderschöne, mittelalterliche Dörfer wie Peralada kennen, in denen ein Kloster mit romanischem Kreuzgang und ein Schlossensemble mit Spielcasino und großzügigem Landschaftspark überdauert haben.

Aiguaviva © Maria Rosa Ferré

DO Montsant

Erst 2001 geschaffen, ist diese Herkunftsbezeichnung Synonym für besonders erlesene Tropfen. Die Weine der Kellerei Celler Laurona rangieren der renommierten Fachzeitschrift Wine Spectator zufolge unter den hundert besten der Welt. Dabei ist das Gebiet mit 2000 Hektar ebenso klein wie der Ertrag, den die rund fünfzig Kellereien dem kontinentalen Klima mit großen Temperaturschwankungen abringen. Doch aus Rebsorten wie Tempranillo, Garnatxa und Carinyena machen sie potente Rotweine, aus Garntxa Blanca und Macabeu Weißweine, außerdem Likörweine wie Mistela und Süßweine wie den Vimblanc. Besonders sehenswerte Weinkellereien sind der Celler Agrícola Falset-Marcà in Falset sowie das Gebäude der Genossenschaft von Cornudella de Montsant, die beide vom Jugendstilarchitekten César Martinell errichtet wurden. Auch die Dörfer selber, verschachtelte Häuseransammlungen auf felsigen Hügeln, sind beliebte Fotomotive.

 

DO Penedès

Der sanft gewellte Penedès südlich von Barcelona ist mit 25 000 Hektar Rebfläche Kataloniens größtes Weinanbaugebiet, hier haben auch bekannte Marken wie Freixenet, Codorníu oder Miguel Torres ihren Sitz. Dabei umfasst die Herkunftsbezeichnung drei unterschiedliche Regionen. Während im Baix Penedès vor allem Weißwein hergestellt wird, werden im Penedès Central die Xarel.lo- und Macabeo-Trauben angebaut, die für die Cava-Produktion gebraucht werden, im Penedès Superior gedeiht wiederum die Rebsorte Parellada, aus der leichte, aromatische Weißweine, fruchtige Rosés, intensive, aber relativ leichte Rotweine sowie Perlweine gekeltert werden. Inmitten der lieblichen Hügellandschaft stechen die Weinorte Vilafranca del Penedès und Sant Sadurní d’Anoia hervor, wo nicht nur einige der renommiertesten Kellereien Spaniens ihren Sitz haben. In Vilafranca ist in einem mittelalterlichen Schloss aus dem 13. Jahrhundert auch ein Museum für katalanische Weinkultur untergekommen, das mit Ausstellungen, Vorträgen und Weinproben die Geschichte des Weins aufbereitet.

Caves Ventura Soler © Marc Castellet

 

DO Pla de Bages

Der Besuch dieses Weinanbaugebiets lässt sich ideal mit dem des Klosters Montserrat verbinden, das in nächster Nähe inmitten des gleichnamigen Gebirges mit seinen bizarren Felszacken thront. Nachdem schon im 10. Jahrhundert die Mönche des Klosters Sant Benet de Bages in dem Mittelgebirgsklima mit kalten Wintern und wenig Niederschlägen Rebensaft kelterten, stellen heute zwölf Kellereien aromatische Rosé- und Rotweine sowie eher leichte Weißweine her. Einige davon, wie der Celler Cooperatiu d’Artés, laden auch zu Führungen ein. Besondere Spezialität der Region ist die auchtochthone Traube Picapoll. Diese Sorte mit kleinen Kernen, zarter Schale und charakteristischen Punkten reift zwar war nur langsam. Umso mehr wissen Kenner den fruchtigen, gelb leuchtenden Weißwein zu schätzen, der aus ihr hergestellt wird.

 

DO Priorat

Gut versteckt im Hinterland der Provinz Tarragona bringt das 1600 Hektar kleine Anbaugebiet Priorat Spitzenerzeugnisse hervor, die international zunehmend Beachtung finden. Bereits die Kartäusermönche haben 1262 damit begonnen, rund um Bilderbuchdörfer wie Gratallops, Porrera oder Morera de Montsant Reben anzupflanzen. Die Erträge, die dem extrem trockenen Klima und dem schieferartigen Licorella-Boden abgerungen werden, sind zwar gering. Doch die Qualität kann sich schmecken lassen. Aus den Rebsorten Garnatxa und Carinyena werden schwere, potente Rotweine gekeltert, die lange in Eichenfässern reifen, und auch die Weißweine aus Garntaxa Blanca und Pedro Ximénez fallen intensiv aus. Dabei stellt der Celler Burgos-Porta in einem Gehöft aus dem 17. Jahrhundert auch Öko-Weine her. Besondere Highlights sind die Kellerei Joan Simó in Porrera mit einer Sonnenuhr aus dem Jahre 1887 und das Gebäude der Bodega Masia Duch aus dem 12. Jahrhundert, das einst zum Kartäuserorden von Escaladei gehörte. Besonders innovativ ist wiederum die Kellerei Buil & Giné in Gratallops, die Besucher mit Segways durch die Weingärten schickt.

Porrera © Marc Castellet

 

DO Tarragona

Schon die Römer haben sich zwischen Costa Daurada und dem Unterlauf des Ebro im Weinanbau betätigt, heute umfasst die Herkunftsbezeichnung 7300 Hektar Rebfläche in verschiedenen Landkreisen. Auf den kalkhaltigen Böden mit mildem mediterranem, teils sehr heißen Klima gedeihen Garnatxa, Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir, die die Grundlage für kräftige, aromatische Rotweine und kirschrote Rosés bilden. Aus Macabeu-, Parellada- und Xarel.lo-Trauben werden wiederum fruchtige, leuchtende Weißweine mit mäßigem Alkohol- und Säuregehalt gekeltert. Mittendrin liegt die Jugendstilstadt Reus. Neben vielen sehenswerten Gebäuden steht hier die im Stil des Modernisme erbaute Estació enològica, eine Art Weinversuchsstation. Außerdem lädt die Bodega De Muller zu Besuch und Degustation ein.

 

DO Terra Alta

Im südlichsten Anbaugebiet Kataloniens an der Grenze zu Aragonien dominiert ein trockenes Klima mit viel Sonne, das für kräftige Weine mit hohem Alkoholgehalt sorgt. Auf Terrassenfeldern, in Tälern und Ebenen rund um Gandesa werden die Rebsorten Garnatxa Blanca, Garnatxa Peluda und Maçola für rubinrote Rotweine angebaut sowie die Sorten Macabeu und Garntaxa Blanca für Weißweine. Besondere Spezialität sind süße Firnweine, die fünf Jahre lang in Eichenfässern reifen. Nicht allein zu den Gastronomietagen mit Weinfest Ende Oktober lohnt es, der Region einen Besuch abzustatten. Auch der Espai del Vi i de l´oli, ein Dokumentationszentrum zum Thema Wein und Öl in Gandesa, lockt ganzjährig mit Ausstellungen und Kursen. Von hier führt die Weinroute durch die Weingärten der Region zur Jugendstil-Weinkellerei des Architekten Cèsar Martinell in Pinell de Brai.

Pinell de Brai © Lluís Carro

Catalan Tourist Board Team: