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Palau de la Música Catalana und Hospital de Sant Pau – 2 Meisterwerke des Modernisme

Welche drei Begriffe kommen Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie das Stichwort Modernisme bzw. Katalanischer Jugendstil hören? Wir raten mal. Vermutlich denken Sie als erstes an Barcelona, Gaudí und die Sagrada Familia.

Der Modernisme hat Barcelona in unnachahmlicher Weise geprägt. Ohne ihn wäre das Gesicht der katalanischen Hauptstadt ein anderes. Allerdings ist der große Antoni Gaudí nicht der einzige Architekt des Modernisme, dessen Werk Besucher wie Einheimische immer wieder aufs Neue fasziniert. Lluis Domènech i Montaner war einer der inspiriertesten Kollegen Gaudís. Daher hat seine architektonische Handschrift eine Vielzahl außergewöhnlicher Bauwerke geprägt. Der Konzertsaal Palau de la Música Catalana und das Hospital de Sant Pau sind die wohl berühmtesten Repräsentanten der Architektur Domènech i Montaners. Sie vereinen in vollendeter Weise Form und Funktion. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass beide Gebäude im Jahr 1997 den Status Unesco Welterbe erhielten.

Lluis Domènech i Montaner, MNAC Barcelona, Porträt von Ramon Casas

Perlen des Modernisme

 

Wir stellen Ihnen hier das Hospital de Sant Pau und den Palau de la Música Catalana vor. Beide Gebäude entstanden in der späten und doch produktivsten Schaffensphase Domènech i Montaners. Der vielseitig interessierte Architekt, der für Tageszeitungen schrieb, Bücher verfasste und intensiv seinem Interesse für Archäologie nachging, war viele Jahre auch eine treibende Kraft in der katalanischen Politik.  Ab 1904 zog er sich jedoch aus allen politischen Ämtern zurück. Seine Fähigkeit, auf identitätsstiftende Weise Schönheit und Funktionalität in  der Architektur zu verbinden, erreichte in der Folge einen neuen Höhepunkt.

Hospital Sant Pau

Das Hospital de Sant Pau von Lluis Domènech i Montaner entstand etwa zur gleichen Zeit wie die Sagrada Familia, der Antoni Gaudí die letzten Jahrzehnte seines Lebens widmete. Beide Gebäude liegen im Stadtteil Eixample. Die kurze Avinguda Gaudí verbindet das Querschiff der Sagrada Familia mit dem Eingangspavillon des Hospital Sant Pau. Gemeinsam sind beiden Bauten der Drang nach neuen Ausdrucksformen und die neogotischen Elemente. Während jedoch Gaudí in der Sagrada Familia seiner mystischen Ader himmelstrebenden Ausdruck verlieh, verband Domènech i Montaner im Hospital Sant Pau die Ästhetik des Modernisme mit strengsten funktionalen Anforderungen.

Aufriss eines Pavillons des Hospital Sant Pau

Der Mensch im Mittelpunkt

Das Hospital Sant Pau war in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts fraglos das modernste Krankenhaus Barcelonas. Dabei stand der Mensch im Mittelpunkt der Planung – und zwar nicht nur in Bezug auf seine körperlichen, sondern auch auf seine seelischen Bedürfnisse. Lange bevor wissenschaftliche Studien belegt hatten, dass Patienten in Zimmern mit Blick ins Grüne schneller gesund werden als diejenigen, die auf Beton und Asphalt schauen, legte Domènech i Montaner das Hospital Sant Pau als eine grüne Oase inmitten der Stadt an.

Licht und Luft waren zentrale Elemente seiner Überlegungen. Das Hospital Sant Pau setzt sich zusammen aus einer ganzen Reihe sogenannter Pavillons, den ehemaligen Stationen, die gemeinsam ein Park-Krankenhaus mit vielen offenen Bereichen bildeten. Bis heute säumen Kastanien, Linden und Orangenbäume die zentrale Promenade. Duftende Heilpflanze wie Lorbeer, Lavendel und Rosmarin wachsen in Beeten am Straßenrand. Die Ausrichtung der Gebäude zur Nord-Süd-Achse des Geländes sorgte für maximale Sonneneinstrahlung in den kalten Monaten. Im Sommer hingegen schützten große Jalousien vor der Hitze.

Hauptfassade des Hospital de Sant Pau © Pepe Encinas

Ein Lebenswerk

Das Hospital Sant Pau besteht aus annähernd 30 Gebäuden und bildete sozusagen eine Stadt innerhalb der Stadt. So ist es nicht verwunderlich, das Domènech i Montaner an diesem Projekt von 1903 bis zu seinem Lebensende im Jahr 1924 arbeitete. Mehr als zehn Jahre lang traf sich der Architekt jeden morgen mit seinen Mitarbeitern. Zu diesen zählten neben seinem Sohn Pere, der das Projekt im Jahr 1930 nach modifizierten Plänen fertigstellte, auch die Architekten Catà, Bona und Puig i Janer. Weiterhin waren die Bildhauer Pau Gargallo und Eusebi Arnau Teil des Teams, außerdem der Formengießer Francesc Modollel und der Keramiker Francesc Lata.

Ein perfektes Zusammenspiel

Dass diese Zusammenarbeit fruchtbar war, zeigt sich in dem perfekten Zusammenspiel von Funktionalität und dekorativer Gestaltung. Bestes Beispiel hierfür ist der Grundriss der Pavillons. Ein jeweils rechteckiger Saal mit vorgelagerter Rotunde und terrassenförmigem, von einem Türmchen flankierten Vorbau, wurde den modernen hygienischen Anforderungen des frühen 20. Jahrhunderts in intelligenter Weise gerecht. Die kaminförmige Struktur der in den Rotunden untergrebrachten Untersuchungssäle, sorgte für eine gute Entlüftung der Gemeinschaftssäle der Patienten. Überdies zielte die vollständige Auskleidung von Wänden, Böden und Decken auf die Vorbeugung der Übertragung von Krankheiten ab. Gleichzeitig verliehen solche Elemente dem Krankenhaus jedoch auch die ihm eigene, ruhige und optimistische Atmosphäre.

Die Pavillons

1909 wurde der Verwaltungspavillon fertiggestellt, der auch als Eingang zum Hospital dient. Weitere Pavillons, in denen Untersuchungs- und Operationsräume untergebracht waren, wurden 1911 fertiggestellt. Die Verbindung zwischen den einzelnen Pavillons bilden unterirdischen Gänge, die schon für sich sehenswert sind. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Lluis Domènech i Montaner bereits im Jahr 1912 einen Preis der Stadt Barcelona für sein Werk.
Kein Wunder, denn bereits der Verwaltungspavillon ist eine Augenweide voller geheimnsivoller Effekte: Deckenkuppeln, geschmückt mit schimmernden Keramikfliesen, prunkvolle Treppen, neogotische Bögen, Laternen aus farbigem Glas, helle Galerien, gewölbte Decken, Mosaike und durchbrochene Balustraden machen bereits den Besuch dieses ersten Pavillons zu einem echten Genuss für die Sinne.

Details der Innenausstattung des Hospital Sant Pau © Miguel Ángel Herrero Varela und Imagen M.A.S.

Recinte Modernista Sant Pau

Heute ist das Hospital de Sant Pau Sitz verschiedener Institutionen, die innovative Arbeit im Bereich Gesundheit und Nachhaltigkeit leisten. Darüber hinaus ist der Recinte Modernista Sant Pau auch ein Kulturzentrum mit einem weitgefächerten Programm von Konferenzen bis zu Konzerten unterschiedlicher Art. Weitere Infos zu geführten Besichtigungen und aktuellen Veranstaltungen gibt es hier: https://www.santpaubarcelona.org

 

Palau de la Música Catalana

El Palau de la Música Catalana ist ein Schmuckstück der Architektur des Modernisme. Darüber hinaus ist er weltweit der einzige Konzertsaal, der zum Unesco-Welterbe erklärt wurde. Ebenso wie sechzig Jahre zuvor das Gran Teatre de Liceu, wurde auch der Bau des Palau de la Música Catalana aus privaten Spenden wohlhabender Industrieller finanziert. Seit 1908 ist er Sitz des Orfeó Català, des bedeutendsten Chors Kataloniens.

Der im Stadtviertel Born gelegene Palau de la Múscia gilt als eines der größten und gewagtesten Werke Domènech i Montaners. Berühmt ist er insbesondere für seine nach innen gewölbte bunte Glaskuppel, durch die das Tageslicht strahlt und den Konzertsaal in magisch anmutendes Licht taucht.

Orgel und Glaskuppel sind bestimmende Elemente des Konzertsaals © Imagen M.A.S.

Ein Gesamtkunstwerk

Glas war ein Material, das Domènech i Montaner besonders faszinierte und in vielen seiner Bauwerke eine zentrale Rolle spielt. Darüber hinaus sind jedoch auch Bildhauerei, Mosaik und Schmiedekunst zentrale Gestaltungselemente des Palau de la Música. Dessen Dekor ist von so überbordender, facettenreicher Schönheit, dass sich in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts einige Intellektuelle darüber empörten. „Das Gebäude sei als Konzertsaal ungeeignet.” befanden sie, denn die Vielzahl visueller Reize mache es unmöglich, sich auf die Musik zu konzentrieren.

Die Musen der Musik von Eusebi Arnau © Imagen M.A.S.

Katalanische Kultur von ihrer schönsten Seite

Erfreulicherweise gewannen diese musikalischen Puristen keinen größeren Einfluss. Der Rest der Katalanen liebte den Palau mit seinen weichen Bögen und gewundenen Formen, den floralen Ornamenten und Skulpturen. Im Jahr seiner Fertigstellung erhielt der einzigartige Konzertsaal den Preis der Stadt Barcelona als bestes Gebäude des Jahres. Die Mehrzahl der dekorativen Arbeiten stammte aus der Hand regionaler Künstler. Neben den typischen floralen Elementen des Modernisme zieren viele Elemente katalanischer Kultur und Geschichte das Bauwerk.

Domènech i Montaner behielt bei seiner Arbeit jedoch die Akustik ebenso wie die visuelle Gestaltung im Auge. Im Laufe  der Jahre waren hier Größen wie Richard Strauss, Igor Stravinsky und Anton Webern zu Gast. Und natürlich bietet der Palau de la Música Catalana auch heute noch ein spannendes musikalisches Programm. Darüber hinaus gibt es geführte Besichtigungen, bei denen Besucher in die vielen kleinen und großen Geheimnisse dieses einzigartigen Konzerthauses eingeweiht werden. Weitere Infos gibt unter: https://www.palaumusica.cat/

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