Den Erzählungen der Erde lauschen – 8 einzigartige Erlebnisse im katalanischen Geopark Orígens

In den katalanischen Pyrenäen liegt der Unesco-Geopark Orígens. Auf einem Gebiet von 2.040km2 erwarten den Besucher hier ebenso facettenreiche wie atemberaubende Erlebnisse. Hier kann man auf den Spuren von Dinosauriern wandern oder entlang schwindelerregender Hohlwege tiefe Schluchten durchqueren. Höhlenmalereien und historische Gemäuer werfen Schlaglichter auf die Entwicklungsgeschichte des Menschen in einer Region abseits der großen städtischen Zentren.

Santa Engracia © Jordi Peró

Dieser abgeschiedenen Lage verdankt der Geopark Orígens den erwiesenermaßen klarsten Sternenhimmel Kataloniens. Wer den Geheimnissen des Universums näher kommen möchte, hat dazu im Parc Astrònomic Montsec die besten Möglichkeiten. Und es gibt noch viel mehr zu entdecken. Einige der Highlights des Geoparks haben wir Ihnen auf diesen Seiten bereits vorgestellt. Mit diesem Beitrag wollen wir den Erlebnisraum der katalanischen Pyrenäen aus einer neuen Perspektive vorstellen. Wir laden Sie ein zu einer Reise durch Erdgeschichte und einer Tour zu den Top 8 des Geoparks Orígens.

Eine Schwelle zwischen den Zeiten

Die Unesco Geoparks sind Gebiete, in denen erdgeschichtliche Phänomene in besonders eindrucksvoller Weise erfahrbar werden. Geoparks fungieren als eine Art Schwelle zwischen den Zeitaltern. Geologische Entwicklungen sind hier in besonders eindrucksvoller und charakteristischer Weise sichtbar. Sie ermöglichen einen Blick in die ferne Vergangenheit und geben uns die Möglichkeit zu verstehen, wie Landschaften entstehen und sich formen. Andererseits helfen sie uns, die gegenwärtige Situation dieser Orte und die Entwicklungen der hier lebenden Pflanzen, Tiere und Menschen besser zu begreifen. Zwar stehen im Zentrum eines Geoparks die geologischen Besonderheiten des Ortes. Dennoch gibt es hier auch eine Menge Raum, um uns daran zu erinnern, dass die Entwicklung von Leben und Kultur immer auf den Besonderheiten der Erde und ihre Landschaft aufsetzt.

Sant Gervas © Jordi Pero

Ein Kaleidoskop der Geologie

Im Geopark Orígens erzählen Fels und Gestein ihre 550 Millionen Jahre umspannende Geschichte. Das Gebiet birgt eine große Vielfalt an Landschaften und geologischer Besonderheiten. Die ältesten Gesteinsschichten liegen im Norden in den Gletschertälern des Vall de Fosca. In der Mitte und im Süden charakterisieren große Senken die Landschaft. Ablagerungsgestein, durchsetzt von Fossilien, gibt Einblicke in die tiefgreifenden Wandlungen, die dieses Gebirge erfahren hat, dass einst Teil des Meeres war.

Beeindruckende Felsformationen im Geopark Orígens ©Jordi Peró

Die Top-8 des Unesco-Geoparks Orígens

Die letzten Dinosaurier Europas

In Geoparc Orígens finden sich Spuren und fossile Reste der letzten in Europa lebenden Dinosaurier. Sie stammen aus einer Epoche kurz vor dem entgültigen Aussterbender der großen Echsen. Die Vielfalt und Qualität der hiesigen Funde fasziniert seit langem die Forscher. Auf Basis der hier gefunden Knochen, Eier und Spuren werden immer wieder neue Spezies beschrieben. Zu den beeindruckendsten Schätzen des Gebietes gehört der fünf Meter lange, versteinerte Hals eines Dinosauriers. In den Museen Conca Dellà in Isona und Dinosfera in Coll de Nargó sind solche und ähnlich faszinierende Funde zu besichtigen. Überdies werden dort auch geführte Besuche der Ausgrabungsstätten angeboten. Sie führen in jene Gebiete, in denen vor 67 Millionen Jahren diese Giganten der Erdgeschichte lebten und ihre Spuren im Fels hinterließen. Weitere Infos gibt es hier.

Auf den Spuren der Dinosaurier © Jordi Peró

Abenteuer in schwindelerregenden Schluchten

Im Verlaufe der Zeitalter gruben Flüsse tiefe Schluchten in die Felsformationen des Montsec. Der Congost de Montrebei, den man auch den „Grand Canyon Kataloniens“ nennt, ist hierfür ein berühmtes Beispiel. Auf Hohlwegen mit schwindelerregend schönen Aussichten kann man den Congost de Montrebei wandernd entdecken. Doch auch Radfahrer finden faszinierende Routen durch diese wilde Natur. Wer das Landschaftswunder lieber vom Wasser aus erkunden möchte, hat dazu bei verschiedenen Kayaktouren Gelegenheit. Sie haben etwas ausgefallenere Wünsche? Hier gibt es auch die Möglichkeit zum Rafting und zum Klettern. Nicht zuletzt haben Sie die Gelegenheit, den Geopark vom Heißluftballon aus der Vogelperspektive auf sich wirken zu lassen. Eine tolle Option sind auch die 4×4-Touren, bei denen Sie weite Teile des Geoparks kennenlernen. Weitere Infos gibt es hier und hier.

Montrebei © Jordi Pero

Die geheimnisvolle Welt der Tiere

Die zerklüfteten Naturlandschaften der Pyrenäen und Vorpyrenäen machen es dem Menschen nicht leicht, hier zu siedeln. Umso wohler fühlen sich die Tiere in der Stille dieser Bergwelt. So sind zum Beispiel alle vier in Europa heimischen Geierarten im Naturschutzgebiet Boumort anzutreffen, einer Gegend, in der besonders viele Wildtiere heimisch sind. Entsprechend abwechsungsreich ist das Angebot zur Tierbeobachtung. Ganz besonders gilt das im Herbst, wenn das grandiose Schauspiel der Hirschbrunft die Beobachter in seinen Bann zieht. Infos zu entsprechenden Touren finden Sie hier und hier.

Bartgeier im Geopark Orígens © Albert Cereza

Den Sternen nah sein

Die Serra del Montsec ist ein hervorragendes Gebiet für die nächtliche Beobachtung des Sternenhimmels. Geringe Niederschlagsmengen, ein hoher Anteil wolkenloser Nächte über das Jahr und vor allem die geringe Lichtverschmutzung bieten optimale Voraussetzungen für astronomische Aktivitäten. Als Starlight Reserve gilt der Himmel über dem Montsec nicht nur als bester Sternenhimmel Kataloniens, sondern auch als einer der besten der Welt. Im hiesigen Centre d’Observació de l’Univers erwartet ein 3D-Planetarium die Besucher. Überdies gibt es auch eine Sternwarte, welche direkte Blicke in die Weiten des nächtlichen Himmels ermöglicht. Diese Erfahrung gewinnt im Geopark Orígens eine besondere Qualität. Mit dem hier geschärften Bewusstsein für die Prozesse, die unserem eigenen kleinen Planeten seine ewig im Wandel begriffene Gestalt gaben, ist der Blick auf ferne Himmelskörper umso berührender. Weitere Infos gibt es hier

Roca Bolet im Starlight Reserve Montsec © Kike Herrero

Höhlen, Burgen und alte Gemäuer

Nicht nur die verschiedenen Epochen der Erdgeschichte sind im Geopark Orígens für Besucher erfahrbar. Auch die Entwicklung des Menschen von der Frühgeschichte bis in unsere Tage hat in dieser Region Spuren hinterlassen. Das Interpretationszentrum Espai Orígens in Camarasa bietet geführte Besichtigungen zu Höhlen an, in denen die Spuren der ersten menschlichen Siedler der Region bis heute sichtbar sind.

Römische Geschichte wird im Museum Conca Dellà in Isona besonders greifbar. Die in der Antike Aeso genannte Stadt, war eine wichtiges Zentrum der Romanisierung Kataloniens. Burgen wie die von Mur, Llordà und Àger verbreiten hingegen mittelalterliche Stimmung und erinnern an jene Epoche, in denen Grafen und ihre Vasallen die Geschicke des Landstrichs bestimmten. Weitere Infos gibt es hier.

Im Geopark Orígens findet man beeindruckende Gemäuer aus unterschiedlichen Epochen © Jordi Peró

Minen und Industriekultur

Wie gewinnt man eigentlich Salz? Das ist nur eine der Fragen, auf die man im Geopark Orígens Antwort findet, zum Beispiel in Gerri de la Sal oder dem Museum Casa de la Sal (Salzhaus). Ebenfalls einen Besuch wert ist das Hydroelektrische Museum in Capdellà, ebenso die verschiedenen Wasserkraftwerke der Region. Sie wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut und versorgten ganz Katalonien mit Strom. Derzeit kann man die Wasserkraftwerke in Capdella (Museu Hidroelèctric de Capdella), Camarasa (Espai Orígens) und Talarn (La Central) besuchen.

Das Hydroelektrische Museum im Vall de Fosca

Wasser und Feuer – Feste und Traditionen

Eine der berühmtesten Traditionen der katalanischen Pyrenäen sind die Falles. Mit Fackeln und Feuer  heißt dieses Fest den Sommer willkommen. Von der Unesco als Welterbe ausgezeichnet, faszinieren die Falles mit ihrer Choreographie und Atmosphäre. In Pobla de Segur feiert man dieses Fest am 17. Juni, in anderen Teilen der Pyrenäen sind sie eine Tradition der Johannisnacht.

Während bei den Falles das Feuer im Mittelpunkt der Festlichkeiten steht, ist bei der Festa dels Raiers Wasser das zentrale Element. Auf den wilden Gebirgsflüssen der Pyrenäen war das Handwerk der Flößer hart, risikoreich und hoch geschätzt. Die alten Techniken und Traditionen der Flößer werden durch die Festa dels Raiers lebendig gehalten. In Pobla de Segur feiert man sie Anfang Juli, in Coll de Nargó hingegen Mitte August.

Die Raiers von Coll de Nargo

Traditionsreiche Gastronomie und Wein mit geologischem Bouquet

Eine der Höhepunkt der Pyrenäenkultur ist bekanntlich ihre traditionsreiche Gastronomie. Öl, Gemüse, Obst und Wein sind die wichtigsten Elemente der hiesigen Kulinarik. Berühmt sind aber auch Fleischprodukte wie girella oder xolís. Wer die vielen aromatischen Pflanzen, die hier heimisch sind, näher kennenlernen möchte, hat dazu Gelegenheit im Parc de les Olors in Claverol.
Eine weitere Besonderheit sind die Weine des Gebirges, deren besonderen Charakter man in vielen kleinen Bodegas kosten kann. Unter dem Motto „Vom Fels ins Glas“ veranstaltet Eureka SGN Weinproben mit Einblicken in die Geologie des Ortes. Weitere Infos gibt es hier.

Gastronomie genießen im Geopark Orígens © Jordi Peró und Llibert Cases

Weitere Infos zum Geopark Orígens gibt es unter: http://www.geoparcorigens.cat/

 

Eva Hakes: