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4 Schmuckstücke des Modernisme im Hinterland von Barcelona

Was ist modernistische Architektur? Auf den ersten Blick vor allem eins: Dekorativ! Fließende, von der Natur inspirierte Formen, farbenfrohe Glasmalereien, elegante Kunstschmiedearbeiten und einzigartige Mosaike sind kennzeichnende Elemente des katalanischen Modernismus. Hand in Hand mit der charakteristischen Ästhetik des Modernisme ging jedoch auch ein gesellschaftlicher Wandel.

Der Modernisme in Katalonien war begleitet von einer Sehnsucht nach Erneuerung der kulturellen Identität. So ist es nicht verwunderlich, dass seine Prinzipien sich schon bald in unterschiedlichen kulturellen Bereichen widerspiegelten. Kunst und Literatur wurden von dieser Strömung ebenso erfasst wie die Gestaltung des öffentlichen Raumes, das Arbeitsleben und die Wirtschaft.

Industrie und Modernisme

Umgekehrt wiederum verdankt der Modernisme seine weite Verbreitung den besonderen wirtschaftlichen Entwicklungen seiner Zeit. Seine Erfolgsgeschichte ist nämlich auch auf das Engagement der zu großem Reichtum gelangten katalanischen Industriellen zurückzuführen. Diese hatten den Ehrgeiz, den umliegenden Ländern Europas das Bild eines modernen Kataloniens zu vermitteln. Daher beauftragten sie für den Bau ihrer Residenzen und Fabriken die fortschrittlichsten Architekten des Landes.

Der Wunsch dieser katalanischen Industriellen „modern zu sein“ ging mit dem Bestreben einher, den Geschmack zu verfeinern, das Auge zu schulen und eine erhöhte Sensibilität für die Architektur und die angewandten Künste zu entwickeln. Insofern waren Kataloniens Industrielle jener Zeit ideale Auftraggeber für inspirierte Architekten wie Gaudí, Domènech i Montaner, Puig i Cadafalch und viele andere.

Die Stadt Barcelona ist weltberühmt für ihre grandiosen Beispiele modernistischer Architektur. Doch auch jenseits der katalanischen Metropole finden sich beeindruckende Bauten des Modernismus. Die Provinz von Barcelona hütet viele architektonische Schmuckstücke aus jener Zeit. Wir stellen Ihnen heute vier einzigartige modernistische Bauwerke in der Provinz Barcelona vor. Sie sind nicht nur schön anzusehen, sondern auch besonders geeignet, das komplexe Zusammenspiel geschichtlicher Ereignisse und kultureller Strömungen jener Zeit zu verstehen. Viel Spaß auf einer Reise zu Architektur und Geschichte in der Provinz Barcelona.

Details der Casa Coll i Regàs © Nani Arenas

Mataró: Casa Coll i Regàs

Casa Coll i Regàs ist ein Wahrzeichen von Mataró, der Hauptstadt der Region Maresme. Das Haus war Wohnsitz des Textilunternehmers Joaquim Coll i Regàs. Der mit dem Bau beautragte Star-Architekt Puig i Cadafalch stellte das Gebäude im Jahr 1898 fertig. Seitdem hat es von seinem Glanz nichts eingebüßt, wie Besucher bei verschiedenen geführten Besichtigungen erfahren können. Sie interessieren sich für Glasmalerei, Schmiedekunst, Keramik, Mosaike und weitere angewandte Künste des Modernisme? Dann buchen Sie die Führung „La Casa Coll i Regàs, com a mostra de les arts modernistes“ (Casa Coll i Regàs als Repräsentation der Künste des Modernisme).

Sie interessieren sich eher für Geschichte? Dann ist die Führung „La Casa Coll i Regàs, com a mostra d’una època“ (Casa Coll i Regàs als Spiegel einer Epoche) Ihre Wahl, die samstags und sonntags stattfindet. Für Familien ist der ebenfalls an Wochenenden stattfindende Workshop MATERIALITZ’ART ein echtes kreatives Erlebnis. Bei diesem erfährt man nicht nur viel über Design, Materialien und Techniken, die beim Bau verwendet wurden. Die Besucher dürfen überdies auch selbst kreativ werden und modernistisch inspirierte „Kunstwerke“ erarbeiten. Weitere Infos gibt es hier.

Terrassa: Museu de la Ciencia i de la Tècnica de Catalunya

Ein völlig anderes, aber nicht minder interessantes Beispiel für modernistische Architektur ist die ehemalige Textilfabrik Vapor Aymerich, Amat i Jover in Terrassa. Anfang des 20. Jahrhunderts vom Archiktekten Lluís Muncunill entworfen, gilt sie als eines der bedeutendsten Beispiele modernistischer Industrie-Architektur in Katalonien. Heute ist sie Sitz des Katalanischen Museums für Wissenschaft und Technik (mNACTEC). Dessen Ziel ist die Vermittlung von Wissen über Wissenschafts-, Technik- und Industriekultur in Katalonien.

Das Museum beherbergt eine Vielzahl verschiedener aktueller Ausstellungen. Diese können so unterschiedlichen Themen wie der Textilfabrik, dem Ursprung des Universums und dem menschlichen Körper gewidmet sein. Zum permanenten Ausstellungsfundus gehören u.a. historische Haushaltsgeräte, Schreibmaschinen, medizinische Apparaturen, Transportmittel, Computermodelle und vieles mehr. Weitere Infos über die vielen verschiedenen Ausstellungen, Kollektionen und Aktivitäten für Familien gibt es hier.

 

Ein weiteres Beispiel für die modernistische Baukunst Lluís Muncunills in Terrassa ist die Masia Freixa. Infos gibt es hier oder auf Deutsch hier.

La Garriga: L’Illa Raspall

L’Illa Raspall ist ein Ensemble modernistischer Gebäude, das in ganz Katalonien einzigartig ist. Der Gebäudeblock besteht aus vier Häusern, nämlich Casa Barbey, Torre Iris, La Bombonera und Casa Barraquer. Manuel J. Raspall erbaute sie zwischen 1910 und 1913. Diese Jahre fallen einerseits zusammen mit einem Höhepunkt kreativer Schaffenskraft des Architekten und andererseits mit dem Höhepunkt des Sommertourismus des frühen 20. Jahrhunderts im Vallès. L’Illa Raspall trägt den Status eines Kulturdenkmals bzw. Bé Cultural d’Interès Nacional. Die vier zum Komplex gehörenden Gebäude bilden eine stilistische Einheit, unterscheiden sich jedoch durch ihre charakteristische Farbgebung. So wählte der Architekt Rosa für Casa Barbey, Gelb für Torre Iris, Grün für La Bombonera und Blau für Casa Antonio Barraquer.

L’Illa Raspall ermöglicht einen hervorragenden Einblick in die erste Schaffensphase von Manuel J. Raspall, der zur zweiten Generation der Architekten des Modernisme zählte. Überdies weckt ein Besuch dieses Gebäudekomplexes auch das Bewusstsein für die vielen Veränderungen, die la Garriga in den letzten hundert Jahren erlebt hat. Es empfiehlt sich, den Besuch im kleinen Interpretationszentrum an der Plaça del Silenci zu starten. Lohnend sind auch die geführten Besichtigungen, die jeden zweiten Samstag im Monat stattfinden. Wer sich einen ersten Eindruck verschaffen möchte, kann L’Illa Raspall schon einmal hier einen virtuellen Besuch abstatten.

Museu d’Art de Cerdanyola: Cedanyola del Vallès

Das heutige Museu d’Art de Cerdanyola wurde vom Architekten Gaietà Buïgas ursprünglich als Theater-Kasino für die Sommergäste des Ortes erbaut. Später wurde es von Gaietàs Cousin, dem Architekten Eduard M. Balcells renoviert, der es zur Sommerresidenz umfunktionierte. Heute ist das geschichtsträchtige Gebäude Sitz des Museu d’Art de Cerdanyonla (MAC).

Als solches widmet es sich der Aufgabe, die künstlerische Produktion Cerdanyolas einerseits zu erforschen und zu erhalten und andererseits für Interessierte zugänglich zu machen. Der Schwerpunkt der Ausstellungen liegt auf den Epochen Modernisme, Novecentisme und Art Déco. Die Rolle Cerdanyolas als kulturelles Zentrum jener Zeit wird in den Ausstellungen greifbar, ebenso die Präsenz der Künstler, die in verschiedener Weise mit dem Ort verbunden waren. Darüber hinaus sieht sich das MAC jedoch auch als Raum für zeitgenössische Kunst.

Das im Jahr 2009 eingeweihte Museum hütet einen reichhaltigen Fundus mit Werken von Künstlern wie Ismael Smith, Josep Llimona, Josep de Togores, Eduard Maria Balcells y Francesc Juventeny. Ein Höhepunkt der Ausstellung sind jedoch sicherlich die „Damas de Cerdanyola“. Sie sind ein exquisites Beispiel für die Glaskunst des katalanischen Modernisme, das inzwischen wieder zu seinem Ursprungsort zurückgefunden hat und nun Teil der Daueraustellung „Vom Modernismus zur Art Déco“ ist.

Museu d’Art Cerdanyola

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