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Reial Monestir de Santes Creus – Die Welt der Zisterzienser

Das Reial Monestir Santa Maria de Santes Creus ist eines von drei Zisterzienserklöstern, die als kulturelle Höhepunkte der Ruta del Cister oder Zisterzienserroute gelten. Santes Creus liegt im Alt Camp am Ufer des Gaià. Dieser Fluss hatte lange eine natürliche Grenze zwischen maurisch besetzten und christlichen Gebieten gebildet .




Foto: Miguel Raurich

Santes  Creus – Ein Ort der Widersprüche

Santes Creus gilt als das lieblichste der drei Zisterzienserklöster der Ruta del Cister. Dennoch erinnern seine Außenmauern aus gutem Grund an eine Festung. Es gilt als eines der bedeutendsten und besterhaltenen Zeugnisse der Zisterzienserarchitektur auf der Iberischen Halbinsel. Dennoch bricht es ganz klar mit den strengen Regeln der Baukunst, die vom Ordensgründer Bernhard von Clairvaux vorgegeben waren. Diese scheinbaren inneren Widersprüche erzeugen nicht nur architektonische Spannung, sie erzählen auch eine Geschichte. Deren mannigfaltige Erzählstränge sind nicht minder überraschend als der fantastische Figurenreichtum des gotischen Kreuzgangs von Santes Creus. Wäre es nach Bernhard von Clairvaux gegangen, hätte es diesen so allerdings niemals geben dürfen.

Ull_Viu Santes Creus via photopin (license)

Leben an der Grenze

Als Santes Creus im Jahr 1150 gegründet wird, trägt der Landstrich am Rio Gaià den Namen Nova Catalunya. Dieses „Neue Katalonien“ ist erst vor kurzem den maurischen Besatzern der Iberischen Halbinsel abgerungen worden. In der Nähe widersetzen sich noch immer einige maurische Enklaven den immer mehr Land gewinnenden Christen. Um die zurückgewonnenen Gebiete halten zu können, müssen diese wiederbevölkert und im Sinne des Christentums rekultiviert werden.

Die Zisterzienser

Der katalanische Adel gewinnt schnell Klarheit darüber, wer die idealen Kandidaten für diese Aufgabe sind. Es gibt genau eine Gruppe von Menschen, die einerseits über die notwendige Bildung und Erfahrung in der landwirtschaftlichen Erschließung und Verwaltung großer Gebiete verfügt und andererseits bereit ist, im Namen des Herrn nicht nur Risiken einzugehen, sondern auch hart zu arbeiten.

 

 

Für die Wiederbevölkerung der Nova Catalunya ist es ein historischer Glücksfall, dass just zu diesem Zeitpunkt eine Reformbewegung das monastische Leben erfasst hat. Viele Mönche verlassen ihre alten Klöster. Die Wirren des Investiturstreits haben bei ihnen ein Bedürfnis nach religiöser Erneuerung hinterlassen. Mit kritischen Augen blicken Sie auf die gängige Praxis einer buchstabengetreuen Auslegung der klösterlichen Regeln. Diese legitimiert Ausschweifungen und die Anhäufung von Reichtum. Die Reformer hingegen sehen das persönliche Gewissen als entscheidende Instanz. Sie suchen ein Leben in Stille und Einfachheit.

Bete und arbeite

Mitte des 12. Jahrhunderts genießt der Orden bereits einen ausgezeichneten Ruf. Da körperliche Arbeit einen hohen Stellenwert im Tagesablauf der Mönche hat, erweisen sie sich als besonders geschickt in Land- und Wasserwirtschaft. Ein weiteres Charakteristikum des Zisterzienserordens ist die zurückgezogene, einsame Lebensweise. Die Klöster werden fernab städtischer Zentren mitten in der Natur gegründet. Nicht zuletzt sind die Zisterzienser talentierte Architekten.

So ist es nicht verwunderlich, dass die Familie Montcada, als eine der einflussreichsten Adelsfamilien Kataloniens, im Jahr 1150 eine erste Schenkung an das Kloster Grandselve bei Toulouse macht. Dieses sendet Mönche nach Katalonien. Nach einigen Ortswechseln wird das Kloster Santes Creus schließlich im Alt Camp an den Ufern des Flusses Gaià gegründet.

Abbildungen: Wikimedia Commons

Das 13. Jahrhundert: Ein Königskloster

Der Ort ist gut gewählt. Für die ausgedehnten Ländereien ist Dank der Nähe zum Fluss die Wasserversorgung garantiert, so dass die Landwirtschaft bald erblüht. Die erste Phase des Klosterbaus erstreckt sich über etwa 100 Jahre. Unter der Leitung von Pere de Valldaura, dem ersten Abt von Santes Creus, werden die Baupläne im typischen Zisterzienserstil nach dem Vorbild des Herkunftsklosters Grandselve angefertigt.  1174 beginnt man mit dem Bau der Basilika, in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts expandiert das Kloster aufgrund vieler Schenkungen durch den Adel. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wird Santes Creus schließlich Grabstätte der Herren der „Krone von Aragón“. Dieses vom 12. bis zum 16. Jarhundert  bestehende Staatengebilde umfasste Katalonien und Aragon. In Santes Creus liegt zum Beispiel  Pere el Gran (Peter der Große), König von Aragón und Graf von Barcelona, begraben.

14.-16. Jahrundert: Ein Ort der Macht und der Kultur

Auch während des 14., 15. und 16. Jahrhunderts ist Santes Creus aus verschiedenen Gründen ein einflussreicher Akteur in Katalonien. Einerseits steht es in enger Verbindung zum 1316 gegründeten Ritterorden von Montesa, für den es den Prior stellt. Andererseits kann es im 15. Jahrhundert die Besitzunen des Nonnenklosters Bonrepòs aufnehmen und somit auch die sterblichen Überreste der Königin Margarita de Prades, was dem Kloster einmal mehr Prestige verleiht. Im 16. Jahrhundert ist  Santes Creus Schauplatz intensiver kultureller Aktivität und hütet in seiner Bibliothek eine Vielzahl von Manuskripten und Inkunabeln.

Bibliothek Santes Creus. Foto: Alberto Gonzalez Rovira auf Flickr, Lizenz: CC BY 2.0

17. Jahrhundert: Der Niedergang beginnt

Im Jahr 1616 muss das Kloster Santes Creus sich in die neu gegründete Zisterzienserkongregation der Krone von Aragón eingliedern. Von da an wird der Abt nicht mehr auf Lebenszeit ernannt, sondern für einen Zeitraum von drei Jahren. Zu diesem Zeitpunkt beginnt der Niedergang des Klosters. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts führen verschiedene politische Ereignisse – unter ihnen die napoleonischen Kriege und der wachsende Einfluss liberaler Kräfte – zur Auflösung der klösterlichen Gemeinschaft im Jahr 1835. Von diesem Zeitpunkt an beginnt das Klostergebäude zu verfallen. Dieser Prozess wird beschleunigt, als das Kloster im Jahr 1870 zum Gefängnis von Tarragona umfunktioniert wird. Erst 1921 deklariert man Santes Creus zum Historischen Monument und beginnt die alten Mauern zu restaurieren.

Die Architektur der Zisterzienserklöster

Die Zisterzienser legten von Anfang an Wert auf einheitliche Bauten, Bräuche und Tagesabläufe in den Klöstern. Deshalb ähneln sich alle Zisterzienserklöster in ihrer Struktur. Der hier abgebildete idealisierte Grundriss eines Zisterzienserklosters veranschaulicht schematisch die Architektur von Santes Creus und den anderen Klöstern der Ruta del Cister. Zwar weichen die konkreten Klöster der Route hier und da in der Realisation von diesem idealisierten Vorbild ab. Die Abbildung unten ist trotzdem geeignet, sich eine Vorstellung vom Leben der hiesigen Mönche zu machen. Wenn man mit der Maus über den Grundriss fährt, erscheinen Icons, die mit weiterführenden Informationen zu den einzelnen Räumen verknüpft sind

 

Abbildung: Carla Cristiana Carvalho, Lizenz: CC BY 2.0

Baugeschichte

Als der Bau des Klosters im Jahr 1174 begonnen wurde, folgte man zunächst genau den von Bernhard von Clairvaux vorgegebenen Bauregeln. 1221 wurde die Basilika eingeweiht, die mit ihrem Zinnenkranz von außen fast einer Festung gleicht. Ihr Innenraum ist in seiner Klarheit und Strenge eine beispielhafte Repräsentation zisterziensischer Baukunst. Etwa zur gleichen Zeit begannen die Arbeiten an einem ersten Kreuzgang, von dem noch das Brunnenhaus erhalten ist, dessen schlichte Dekoration sich deutlich von den später erbauten Teilen des Klosters unterscheidet. Aus dieser ersten Bauperiode stammen auch die Sakristei, der Kapitelsaal und das Parlatorium. Oberhalb dieses Bereiches wurden wenig später die Schlafräume der Mönche erbaut.

Fotos: Servicios Editorials Georama und Imagen M.A.S.

Ein einzigartiger Kreuzgang

1313 begann man mit dem Bau eines neuen Kreuzgangs, obwohl der alte noch nicht fertiggestellt worden war. Dieser neue Kreuzgang wurde 1341 eingeweiht. Er distanziert sich vom reinen Stil des Zisterzienserklosters und begeistert heutige Besucher mit dem ausladenden Reichtum seiner figurativen Darstellungen. Fabelwesen nehmen in diesem gotisch inspirierten Herzstück des Klosters einen bedeutenden Raum ein. Die Abkehr von der „reinen architektonischen Lehre“ des Bernhard von Clairvaux ist unter anderem der Tatsache geschuldet, dass Santes Creus im 13. Jahrhundert von Pere el Gran als königliche Grabstätte gewählt wurde. Auch sein Sohn Jaume el Just und dessen Eherfrau Blanca de Anjou wurden später in prunkvollen Gräbern im spätgotischen Stil im Querschiff der klösterlichen Basilika bestattet. In diesen Zeitraum zu Beginn des 14. Jahrhunderts fällt auch der Bau des Palau Real, des Königlichen Palastes des Klosters. Santes Creus gewinnt an Prestige und Einfluss. Es kommt zur Gründung von Tochterklöstern in Valldigna bei Valencia und Altofonte in Sizilien. Darüberhinaus ist Santes Creus an der Gründung des Ritterordens von Montesa beteiligt.

Fotos: Toni Vidal und Imagen M.A.S.

Aufstieg und Fall

1366-77 wurde das Gebäude zu Verteidigungszwecken mit Mauerzinnen versehen. Im Jahr 1452 kam es zur Auflösung des Nonnenklosters Bonrepòs. In der Folge wurden dessen  Güter nun zwischen dem Kartäuserkloster Escaladei und Santes Creus aufgeteilt. Auf diese Art gelangten die sterblichen Überreste der Königin Margarita de Prades nach Santes Creus. Darüber hinaus gibt es eine Hypothese, nach der auch Teile des Kreuzgangs aus Bonrepòs stammen.
Im Jahr 1640 wurde ein neuer Abtspalast über dem ehemaligen Armenhospital erbaut, 1733 erbaute man die Krankenstation und erweiterte das Refektorium, das im Zuge dieses Umbaus seine gotischen Züge verlor. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde auch das Portal der Asunción (Mariä Himmelfahrt) fertiggestellt, bevor das Kloster im 19. Jahrhundert aufgrund der politischen Lage verlassen wurde. 1921 erhielt Santes Creus den Status „Monument Nacional“.

 

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