Im Land der Zisterzienser: Familienabenteuer zwischen Klöstern, Höhlen und Kathedralen des Weins

Fast haben wir uns schon daran gewöhnt: Wohin auch immer in Katalonien man sich wendet, man trifft auf alte Mauern, die dramatische, spannende, ergreifende oder kuriose Geschichten zu erzählen scheinen. Man kann das natürlich auch andersherum betrachten und sagen, Katalonien ist ein Land mit einer spannenden und wechselvollen Geschichte, die in einer einzigartigen Architektur ihren Ausdruck fand. Für den Landstrich Conca de Barberà im Hinterland der Costa Daurada trifft zweifellos beides zu. Faszinierende Klöster, tief unter der Erde verzweigte Höhlen und die sogenannten Kathedralen des Weins hüten einen großen Schatz an Geschichten. Zweifellos sind sie aber auch Ausdruck der ganz besonderen historischen Umständen ihrer Entstehung. Wenn Sie und ihre Kinder gerne wissen möchten, weshalb es in Katalonien nicht nur gottgeweihte Kathedralen, sondern auch die Kathedralen des Weines gibt, weshalb nach Armut strebende Mönche reich wurden oder auch, wie das Leben der Menschen hier während der Altsteinzeit aussah, dann machen Sie sich auf zu einem Streifzug durch das Land der Zisterzienser!

Weltkulturerbe: Das Zisterzienserkloster Santa Maria de Poblet

Das Zisterzienserkloster Poblet ist das wohl berühmteste unter den drei katalanischen Zisterzienserklöstern, die über die sogenannte Ruta del Cister miteinander verbunden sind.
Poblet, Santes Creus und Vallbona de Monges sind Träger eines fast tausendjährigen Erbes architektonischer Kunstfertigkeit, deren erklärtes Ziel es war, den Bewohnern des Klosters den Weg zu innerer Stille und Kontemplation zu ebnen. So zumindest hatten die Gründer des Ordens es gewollt, als sie sich im 11. Jahrhundert vom üblichen Pomp der Katholischen Kirche distanzierten, um sich in Stille und Bescheidenheit auf das Wesentliche zu besinnen.

Santa María de Poblet © Turisme Tarragona

Spenden fürs Himmelreich und die katalanische Kultur

Bekanntlich war ein solches Leben aber auch damals schon nicht jedermanns Sache, während andererseits auf die himmlische Herrlichkeit nach dem Tode auch niemand verzichten mochte. Wer es sich leisten konnte, spendete deshalb zum Wohle der Klöster und ihrer Mönche, und hoffte, dass auch diese Bemühungen beim Herrn auf Anerkennung stoßen würden. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich eine enge Beziehung zwischen dem katalanisch-aragonesischen Adel und den Zisterzienser-Klöstern. Diese setzten die Spenden in sakrale Baukunst um, was vielleicht nicht der reinen Lehre des Ordens entsprach, der Nachwelt jedoch ein kulturelles und künstlerisches Erbe bescherte, das seines Gleichen sucht. 1991 deklarierte die UNESCO Poblet als eines der größten und best erhaltenen Zisterzienserklöster der Welt zum Weltkulturerbe.
Ob die adeligen Spender des romanisch-gotischen Meisterwerkes in den Himmel kamen, wissen wir nicht. Mit Sicherheit können wir aber sagen, dass die Grabmäler einer ganzen Reihe von Monarchen des katalanisch-aragonesischen Adels in der Abteikirche von Poblet liegen, was das Kloster zu einem Inbegriff katalanischer Identität werden lies.

© Turisme Tarragona

Eintauchen in eine Welt der Stille

Santa Maria de Poblet  liegt umgeben von einem Wald mit frischen Quellen am Fuße des Gebirges Muntanyes de Prades in einer fruchtbaren Landschaft. Hier gedeihen Wein, Getreide und Oliven, darüber hinaus ist die Landschaft auch wie geschaffen, für eine entspannte Familienwanderung. Wir empfehlen deshalb, den Besuch des Klosters von Poblet mit einer Wanderung auf einem Abschnitt der Zisterzienserroute GR 175 zu verbinden. Eine schöne Option ist die 11km lange Route vom mittelalterlichen Dorf Montblanc bis Poblet, die auch mit Kindern problemlos zu bewältigen ist. Eine ausgelassene Erkundungstour in den lichten Mittelmeerlandschaften gibt allen die Möglichkeit, sich noch einmal richtig auszutoben, bevor der ruhigere Teil des Ausflugs ansteht.
Kaum tritt man durch das große Portal ins Innere des Klosters, wird es merklich kühler und die gleißende Helle eines Mittelmeermorgens weicht dem sanft gefilterten Licht, das durch die Fenster fällt. Es ist still, nur ein Brunnen gluckst leise. Die Welt da draußen scheint unendlich weit entfernt und vor uns öffnet sich ein stilles und wundersames Universum, das seit fast tausend Jahren seinen eigenen Gesetzen folgt.
Info: www.poblet.cat

Weinkeller, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat

Zweifellos kultivierten schon die Zisterzienser Wein in der Conca de Barberà. Bis heute bildet der Weinbau nicht nur die Lebensgrundlage der Region, er ist auch integraler Bestandteil ihrer Identität. Als Weinregion mit geschützer Ursprungsbezeichnung D.O. steht Conca de Barberà für erlesene Qualität. Das gilt nicht nur für die Weine selbst, sondern ganz besonders für deren Herstellungsorte, die Bodegas. Diese sind Meisterwerke der modernistischen Baukunst, die  Ästhetik und Funktionalität in großartiger Weise verbinden. Die Architekten Pere Domènech und César Martinell verschmolzen hier die himmelstrebenden Elemente der Gotik mit der funkensprühenden Kreativität des Modernismus und erschufen so Weinkeller, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte. Im Gegensatz zu den herrlichen Klöstern der Region, wurden die „Kathedralen des Weins“ jedoch nicht von den Reichen und Adeligen finanziert, sondern von landwirtschaftlichen Genossenschaften. Diese industrielle Spielart der modernistischen Baukunst ist  ein Ausdruck der Solidarität mit all jenen Weinbauern, die nach dem katastrophalen Reblausbefall Ende des 19 Jahrhunderts unter Aufbietung all ihrer Kräfte die Weinwirtschaft der Region neu aufbauten.

Celler Cooperatiu de l’Espluga de Francolí © Marc Castellet

Die Route zu den Kathedralen des Weins

Die Route zu den Kathedralen des Weins führt durch die ursprünglichen und oft uralten Dörfchen der Region von Montblanc, nach L’Espluga de Francolí, wo auch das Weinmuseum und die fantastische Höhle  Cueva Font Major zu finden ist, nach Pira und Sarral, nach Rocafort de Queralt und Barberà de la Conca. In Montblanc lässt sich die Besichtigung des 1919 von César Marinell i Brunet geschaffenen dreischiffigen Weinkellers hervorragend mit einer geführten Besichtigung durch das mittelalterliche Städtchen verbinden. Seine Kirchen, Plätze und alten Sträßchen sind zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert, ganz besonders reizvoll für Kinder ist jedoch der Spaziergang über die alte Stadtmauer, der eine ganz neue Perspektive auf das mittelalterliche Ensemble ermöglicht.
Übrigens: Montblanc ist überregional berühmt für seine Mittelalterwoche (Setmana Medieval), die im Frühling stattfindet. Die Traditionen und Feste jener Tage werden hier neu zum Leben erweckt: Ob mittelalterliches Handwerk, die königliche Parade oder eine Begegnung mit dem katalanischen Schutzpatron Sant Jordi, hier gibt es für große und kleine Besucher viel Erstaunliches zu entdecken.

Celler Cooperatiu de Gandesa © Marc Castellet

Eine Welt unter der Erde: Die Höhle von Font Major

Das Dorf L’Espluga de Francoli ist mit seinem Weinmuseum und dem großartigen Weinkeller im modernistischen Stil eine attraktive Station auf der Route der Kathedralen des Weins. Tief unter der Erde verborgenen liegt hier außerdem ein atemberaubendes Höhlensystem: Seine Entwicklungsgeschichte reicht etwa 40 Millionen Jahre zurück in die Vergangenheit, seine Galerien verzweigen sich auf etwa 3.600m und seine Siedlungsgeschichte lässt sich von der Altsteinzeit bis in die Epoche der Iberer verfolgen. Das Höhlenmuseum Cova de la Font Major stellt die Nutzungsgeschichte der Höhle nach und zeigt in chronologischer Anordnung die Bewohner der Altsteinzeit, die Neandertaler und den Homo sampiens in Alltagsszenen: am Feuer sitzend, die Kinder haltend, bei der Zubereitung des Essens oder beim Schlafen. Die geführte Besichtigung dauert etwa 75 Minuten, kleine Archäologen können hier auch einen Workshop zu professionellen Ausgrabungstechniken besuchen. Die mutigsten Besucher sind eingeladen, sich auf die außergewöhnlichste Reise ihres Lebens zu begeben: Im Neoprenanzug und mit Helm und Stirnlampe ausgerüstet führt die von Experten begleitete Abenteuertour durch einen unterirdischen Fluss und faszinierende Höhlengalerien tief ins innere der Erde bis zur Sala de la Biela. Info unter www.covesdelespluga.info

 

 

Catalan Tourist Board Team: