Teil 2: Von den Geheimnissen Alter Mauern

Der Stolz eines Künstlers und das Archäologische Museum

Überquert man nun den schmalen Fluss Galligants, gelangt man zur Plaza de Santa Llúcia mit der romanischen Kirche de Sant Pere de Galligants aus dem 10. Jahrhundert. Deren fantastische Rosette mit einem Durchmesser von 3,5Metern beeindruckt nicht nur den heutigen Besucher; sie war offenbar auch der ganze Stolz ihres Erbauers, der nicht umhin konnte, die Welt von seiner Großtat wissen zu lassen: „Que tots coneixin que Pere va fer la finestra“ („Dass ein jeder wisse, dass Peter das Fenster gemacht hat“) lautet die spätlateinische Inschrift, die der Künstler in den oberen Teil der Rosette eingelassen hat.
Die Kirche Sant Pere de Galligants ist jedoch nicht allein wegen ihrer Rosette von Interesse, sondern auch deshalb, weil sie das Archäologische Museum beherbergt. Dank einer überschaubaren Größe und interessanten Ausstellungsstücken von der Frühgeschichte bis zur Besatzung durch die Römer ist es bestens für einen Besuch mit Kindern geeignet.

Sant Pere Galligants – Girona – Katalonien © Imagen M.A.S

Ein Spaziergang entlang der Römischen Stadtmauer

An die römische Epoche erinnert auch die monumentale Stadtmauer, die zu einem archäologischen Spaziergang einlädt. Ihre Nordfront stammt tatsächlich noch aus römischer Zeit, während die karolingische Verlängerung im 10. Jahrhundert erbaut wurde. Für Eltern mit Kindern ist die Stadtmauer der perfekte Ort für einen entspannten Spaziergang, der nicht nur so gut wie anstrengungslos ist, sondern auch reichlich Abwechslung für kleine und große Spielkinder bietet: Die beiden Türme Torre Cornèlia und Torre Julia sind großartige Aussichtspunkte, die nicht nur weite Blicke über die Stadt, sondern auch auf die Berge, die Burg Castell de Montuïc und das Vall de Sant Daniel bieten.

El Call – Das jüdische Viertel

Das jüdische Viertel von Girona zu finden ist kein Problem. Von der Kathedrale aus nimmt man die Straße La Força und schon ist man da. Die Herausforderung besteht nun darin, herauszufinden, wie man in dem Gewirr von Straßen, Treppchen und in-, um- und über- einandergebaute Häuser die Orientierung behält. Eine Möglichkeit ist es, die Orientierungsrunde durch die Altstadt auszuprobieren, die das Fremdenverkehrsamt vorschlägt. Sie dauert etwa zwei Stunden und ist für alle Altersklassen geeignet. Eine ebenfalls reizvolle Möglichkeit besteht darin, sich auf den labyrinthischen Zauber des Viertels einzulassen und sich einfach einmal gepflegt zu verlaufen. Schließlich befinden wir uns hier in einem der besten erhaltenen jüdischen Stadtteile der Welt, der nicht selten die Kulisse großer Kinofilme bildet. Wer wissen möchte, wie der mittelalterliche Alltag im Call aussah, der sollte einen Besuch im Centre Bonastruc Ça Porta bzw. Museu Jueu (Jüdisches Museum) einplanen und sich dort nach Möglichkeit auch einer geführten Tour durch das Call anschließen. (45min, 6,-€)

Call Jueu © David Back/Mat&Vänner