Teil 2: Leben am Fluss

Dem Meer entgegen: Auf einem Treidelschiff über den Ebro

Was den Katalanen heutzutage ihre komfortablen Autobahnen sind, war ihren Vorfahren vor einigen hundert Jahren der große Fluss Ebro: Ein Verkehrs- und Handelsweg und darüber hinaus eine angenehme Reiseroute durch wunderbare Landschaften. Alle wichtigen Waren, sei es Holz, Reis, Weizen oder Wolle, wurden auf sogenannten Treidelschiffen über den Ebro Richtung Küste transportiert. Das war bequem, denn die Strömung des Flusses treibt so ein Treidelschiff ganz entspannt flussabwärts. Allein flussaufwärts ist das Treideln ein wenig anstrengender, denn dann muss jemand den Kahn ziehen, und zwar gegen die Strömung. Am Ebro erledigten diesen Job in früheren Jahrhunderten Pferde, was für die Kultiviertheit der Katalanen in einer Zeit spricht, zu der man andernorts auch ohne zu zögern Menschen vor die Treidelschiffe spannte.
Auch heute kann man den Ebro per Treidelschiff erkunden, beispielsweise auf dem Llaüt (katalanisch für Treidelschiff) El Roget. Äußerlich gleicht El Roget den alten Treidelschiffen, doch er ist mit einigen komfortablen Elementen ausgestattet, auf welche die Reisenden vor 400 Jahren verzichten mussten. Zu diesen zählt nicht nur ein Motor, sondern vor allem die Audioguides, welche über Sehenswürdigkeiten am Fluss informieren,  zum Beispiel über das mittelalterliche Dorf Miravet. Die Geschichte seiner trutzigen Templerfestung wird nicht nur die kleinen Besucher faszinieren.
Info: www.llautloroget.com

Llagut Lo Sirgador a Miravet ©  Patronat de Turisme de la Diputació de Tarragona - Terres de l'Ebre

Ebroküche und Ebrokreuzfahrt

Für alle, die nicht nur gerne Bötchen fahren, sondern darüber hinaus auch eine Vorliebe für regionale Fisch- und Reisspezialitäten haben, ist Casa Nuri der Top-Tipp. Das Restaurant ist nicht nur berühmt für seine exzellente regionale Küche, sondern verfügt auch über einige kleine Schiffe für „Kreuzfahrten“ auf dem Ebro. Unser Tipp: Buchen Sie die 45minütige Tour bis zur Ebromündung am Mittelmeer für den frühen Abend und genießen Sie die Magie des Lichts der Blauen Stunde!
Info: www.creuersdeltaebre.com

Ebrodelta @ font - Mariano Cebolla

Was die Rohrdommel stört – Das Ebrodelta in Gefahr

Wenn der Mistral von Nordosten weht, ist die Sicht so klar, dass der Blick vom Gebirgsmassiv Els Ports über das gesamte Ebrodelta bis zum Meer reicht. Vor dem Auge des Besuchers erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem, dessen gefährdete Schönheit sich am besten bei einem Besuch im Interpretationszentrum MónNatura Delta erfassen lässt. Die Auen und Sumpfgebiete des Deltas bieten einer Vielzahl unterschiedlicher Vogelarten eine Heimat. Vor allem für Zugvögel ist das Ebrodelta ein wichtiger Ruheplatz, doch auch für die Standvögel, die gefiederten „Dauerbewohner“ des Deltas ist das Delta ein unersetzlicher Lebensraum. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nahm das Ebrodelta jährlich etwa 10 Meter an Größe zu. Der Bau von Stauseen und die nun ausbleibende Zufuhr von Lehmsanden hat jedoch zur Konsequenz, dass das Delta heute im Rückzug begriffen ist. Der Lebensraum von etwa 360 verschiedenen Vogelarten ist in Gefahr.
Was das bedeutet, begreifen nur diejenigen wirklich, die sich die Zeit nehmen, die gefiederten Bewohner des Deltas näher kennenzulernen: Rohrweihe und Reiher, Rohrdommel, Zwergtaucher und Flamingo geben sich gerne die Ehre, wenn ungefiederte Zweibeiner auf den Beobachtungsplattformen in aller Stille das Fernglas zücken. Probieren Sie es aus und genießen Sie die Stille auf der Schwelle zwischen Himmel, Land und Meer am Ebrodelta.

Ebrodelta. Llacuna del Garxal © Patronat de Turisme de la Diputació de Tarragona - Terres de l'Ebre