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La Val d’Aran: Wo Katalonien wie die Schweiz aussieht

Escunhau, Casarilh, Unha – diese Ortsnamen hören sich auch für katalanische Ohren exotisch an. Ist das vielleicht Portugiesisch? Doch weit gefehlt. Vielmehr handelt es sich um das Aranesische, eine Variante des Okzitanischen, das einst im Südfrankreich gesprochen, aber längst vom Französischen verdrängt wurde. Überlebt hat es nur im Arantal, einem etwa 620 Quadratkilometer großen Gebiet im Nordwesten Kataloniens an der Grenze zu Frankreich, das ein bisschen so etwas wie ein Land im Land ist. Lange Zeit war es von Spanien aus gar nicht zugänglich. Erst 1924 verband die kurvenreiche Straße über den zweitausend Meter hohen Bonaiga-Pass das Tal mit seinen südlichen Nachbarn. 1948 kam dann auch der lange Tunnel nach Vielha hinzu. Danach öffnete sich das Val d’Aran nach und nach der Außenwelt und im Zuge dessen auch für Touristen.

Pobles-Salardu©Val d'Aran

Die kommen inzwischen in Strömen in die einmalig schöne Gebirgslandschaft zwischen Nationalpark Aiguestortes und Aragón. Wo um die dreißig Prozent mehr als 2000 Meter hoch bieten sich ideale Bedingungen zum Wandern, Bergsteigen, Mountainbiken, Reiten und im Winter auch zum Skifahren. An Schnee mangelt es ohnehin nicht. Denn der Bonaigua-Pass, der „Pass des guten Wassers“, den man auf dem Weg von Süden ins Val d’Aran passieren muss, ist zugleich eine Wetterscheide. Von der mediterranen geht es in die atlantische Klimazone und damit in eine Gegend, die wesentlich wasserreicher und grüner ist als das restliche Katalonien. Im Sommer strotzen die Almwiesen in dem einzigen nach Norden ausgerichteten Pyrenäental nur so vor Saft, sodass von ihm auch als der „katalanischen Schweiz“ die Rede ist. Im Winter bedenkt es Frau Holle mit einer dementsprechend üppigen weißen Pracht. Die wissen die Skifahrer im Wintersportgebiet Baqueira-Beret zu schätzen, das zu den Top-Skistationen der Iberischen Halbinsel gehört. Auch die spanische Königsfamilie gehörte lange Zeit zu den Stammgästen. Nachdem er die roten und schwarzen Pisten hinunter gesaust ist, ließ sich seine Majestät Juan Carlos gern in der Casa Irene von Arties verwöhnen. Inzwischen haben Besucher nicht nur in Sachen Gastronomie die Qual der Wahl. Es gibt auch  Beherbergungsbetriebe jeder Art und Kategorie vom Chalet zum Luxus-Hotel. Zudem stehen im Val d´Aran gleich zwei behagliche Paradores – in Vielha und Arties. Und doch – das ist das Schöne am Val d´Aran -, ist das Tal bei allem heutigen Reichtum ganz bodenständig geblieben. Mit wunderbaren romanischen Kirchlein, archaisch anmutenden Dörfern, schiefergedeckten Häusern. Und natürlich der Olla aranesa, jenem deftigen Eintopf aus verschiedenen Fleischsorten, Blutwurst, Kichererbsen, Kartoffeln, Kohl und Möhren, der kulinarische Visitenkarte der Region ist. Dazu leisten sich die rund 9000 Einwohner nach wie vor den Luxus ihrer eigenen Amtssprache, die hier neben Katalanisch und Spanisch in der Schule gelehrt wird. Bis aufs 13. Jahrhundert gehen auch Institutionen wie der Conselh Generau d´Aran mit dem Síndiv an der Spitze zurück, der das Tal verwaltet. Die Autonomie in Sachen Bildung, Kultur und Gesundheitswesen verdankt es einem Referendum, bei dem es sich im Mittelalter statt zu Frankreich zur katalanisch-aragonesischen Krone bekannte. Zum Dank wurde es vom damaligen König mit besonderen Privilegien ausgestattet. Die respektiert auch Katalonien. Schließlich ist es stolz auf seine kleine Schweiz.

 

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