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Las Terres de l’Ebre – Sanfte Persönlichkeit, turbulente Geschichte

Reisfelder und Dünen prägen den Landstrich, an dem der Ebro mit dem Mittelmeer zusammentrifft. Das als Biosphärenreservat unter Schutz stehende Gebiet ist ein Rückzugsort für heimische Vögel und Zugvögel, die in der stillen Weite dieser Landschaft ein Paradies finden. Wer die Ruhe liebt, die gute Gastronomie und die Geschichte einer alten Kulturlandschaft, der liebt auch das Ebrodelta.
Das Hinterland des Deltas mit den bizarr zerklüfteten Felsformationen lädt ein zu aktivem Naturgenuss. Darüber hinaus bietet es jedoch die Möglichkeit, die jüngere Geschichte Kataloniens kennen und verstehen zu lernen. Noch immer hallen die Ereignisse der Schlacht am Ebrodelta hier in den Dörfern nach, die es verstanden haben, sich auf konstruktive Weise mit den Schrecken der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Manche dieser Dörfer sind eng mit der Geschichte großer Persönlichkeiten verbunden. Bestes Beispiel hierfür ist Horta de San Joan, das Refugium und Inspiration für den jungen Pablo Picasso. Neben Natur, Geschichte und Kultur prägt noch ein weiterer Aspekt das Ebrodelta auf ganz besondere Weise: eine maritime Gastronomie, köstliche Weine und beste Olivenöle. Also auf, es gibt viel zu entdecken.

 

Der Naturpark Ebrodelta

Wenn der Mensch beginnt, Einfluss auf eine Naturlandschaft zu nehmen, führt das in der Regel zu einem Artenrückgang in Flora und Fauna. Doch im Ebrodelta scheinen andere Gesetze zu wirken als anderswo. Hier hat der Eingriff des Menschen nicht zu einem Artenrückgang geführt, sondern zur Entstehung eines einzigartigen neuen Lebensraumes, der nun als Naturpark Ebrodelta unter Schutz steht. Bis zum 19. Jahrhundert wurde das Delta nur als Weideland genutzt, da die salzhaltigen Böden für herkömmliche Landwirtschaft ungeeignet waren. Dann begann man, hier Reis anzubauen. Zu diesem Zweck wurden große Mengen an Süßwasser aus dem Ebro ins Delta geleitet und es entstand eine faszinierende Vielfalt von Lebensräumen für Vögel, Fische und Amphibien. Süßwasser- und Brackwasserlagunen, mit Röhricht bewachsene Ufergebiete, Sumpflandschaften und Weideflächen – nicht zuletzt die Reisfelder selbst, prägen dieses Mosaik von Biotopen. Bis zu  350 verschiedene Vogelarten leben heute hier, manche verbringen als „Standvögel“ ihr ganzes Leben zwischen den Reisfeldern, andere überwintern hier und auch viele Zugvögel nutzen das Ebrodelta als Rastplatz.

Ebrodelta ©Joan Sánchez Moreno

 

Tortosa

Tortosa, die Hauptstadt des Landkreises Baix Ebre, blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Ihre Stadtmauern stammen aus römischer Zeit, die grandiose Festung stammt aus der Periode der maurischen Besatzung vom 8.-12. Jahrhundert. Diese Castell de Sant Joan genannte Festung ist das absolute „must see“ von Tortosa. Sie beeindruckt nicht nur mit charakteristischer maurischer Architektur, sondern auch mit weiten Blicken über die Stadt und den Fluss. Weitere sehr sehenswerte Monumente sind die gotische Kathedrale Santa Maria und der Bischofspalast von Tortosa, der als einer der schönsten Kataloniens gilt. Mit den Reales Colegios hat der Dominikaner Orden Tortosa drei außergewöhnliche Gebäude hinterlassen, die teils im gotischen Stil und teils im Stil der Renaissance erbaut wurden. Darüber hinaus hat auch der Modernismus in Tortosa seine Spuren hinterlassen. Es lohnt sich ein ausgiebiger Bummel durch die alten Straßen und Gassen der Stadt, in der es jede Menge zu entdecken gibt. Das gilt nicht nur für die Architektur, sondern auch und ganz besonders für die Kulinarik. Tortosa ist berühmt für die gelungene Kombination von Produkten aus heimischen Gemüsegärten mit Fisch und Meeresfrüchten aus dem Ebrodelta und gebirgstypischen Fleischgerichten. Darüber hinaus sind die hiesigen Konditoreien weit über die Stadtgrenze hinaus berühmt.

Tortosa und der Fluß Ebro ©Miguel Raurich

 

Schloß Miravet, Karthause von Escaladei und Centre Picasso

Miravet ist eines der schönsten und malerischsten Dörfer des Ebrodeltas. Es liegt in einem kleinen Tal, umgeben von den Gebirgszügen der Sierras de Cardó auf der einen und dem Fluss Ebro mit seinen dichten Küstenwäldern auf der anderen Seite. Ein reiches künstlerisch-historisches Erbe macht Miravet zu einem lohnenden Ausflugsziel: die alte Kirche, die Flußwerft, die mittelalterliche Mühle, eine althergebrachte Kunsthandwerkstradition und insbesondere die auf einem Berg gelegene Templerfestung wecken das Interesse der Besucher. Diese gilt als bestes Beispiel für die romanisch-militärische Architektur des Templerordens im gesamten Okzident und ist somit der Höhepunkt eines Besuches in Miravet.
Die Karthause von Escaldei im Gemeindegebiet von Morera de Montsant gilt als das bedeutendste historische Monument  und gehört derzeit zum Museu de Catalunya. Das Kloster wurde im 12. Jahrhundert als erstes Karthäuserkloster von Alfons dem Keuschen  gegründet und bis ins 19.Jahrhundert immer wieder erweitert. Die umgebenden Ländereien als Herrschaftsgebiete des Priors von Escaladei erhielten damals den Namen Priorat, der sich schließlich auf den gesamten Landkreis ausweitete. Mit der Säkularisierung schwand die Macht des Klosters ab den 1830er Jahren und die Mönche mussten Escaladei verlassen. Wer das alte Kloster besucht, erfährt in einem Film spannende Einzelheiten zur Geschichte des Ortes und kann die architektonische Entwicklung des Gebäudes anhand originalgetreuer Modelle nachverfolgen.
Das Centre Picasso ist eine Hommage an Pablo Picasso und seinen Aufenthalt in Horta de Sant Joan, das hochwertige Reproduktionen aller Werke ausstellt, die der Künstler hier geschaffen hat. Picasso selbst hat seine starke affektive Verbindung zu Horta einmal mit dem Satz ausgedrückt: „Alles, was ich weiß, habe ich in Horta gelernt.“ Hier hatte der Maler Zeit zu schauen, zu beobachten und zu lernen. Das Ergebnis dieses Prozesses spiegelt sich im Centre Picasso wider, dessen unterschiedliche Stockwerke verschiedenen Aspekten der Beziehung des Malers mit dem Gebirgsdorf gewidmet ist: Das Erdgeschoß zeigt Fotografien, persönliche Gegenstände und Erinnerungen Picassos, die erste Etage Faksimiles der Werke, die beim ersten Aufenthalt (1898/99) entstanden und die zweite Etage zeigt die frühen Werke des Cubismus, die hier 1909 entstanden.

Miravet ©Miguel Raurich

 

Die Kathedralen des Weines der Terra Alta

Die Kathedralen des Weines zählen zu den faszinierendsten architektonischen Meisterleistungen Kataloniens. Entstanden gegen Ende des 19. Jahrhundert, sind sie Ausdruck einer klugen, stolzen und kämpferischen Haltung im Angesicht der Krise. Nachdem die Reblausplage innerhalb weniger Jahre praktisch die gesamten Rebpflanzen Kataloniens  vernichtet hatte, machten sich die Weinbauern an den Wiederaufbau – und sie erhielten Unterstützung vom Staat und von den Architekten des Modernismus. Mit den Kathedralen des Weines entstand eine einzigartige Infrastruktur, welche die ästhetischen Prinzipien des Modernismus mit den gestiegenen Anforderungen der Produktion im 19. Jahrhundert verband. Für die Kathedralen des Weines der Terra Alta zeichnete César Martinell verantwortlich, ein Architekt, der einen Sinn für Ästhetik mit einem Sinn fürs Praktische vereinigte. In seiner Arbeit suchte er das Gleichgewicht zwischen Nutzwert, Wirtschaftlichkeit und Ästhetik. Dieses Ideal hielt er so hoch, dass er schließlich selbst lernte, wie Wein hergestellt wurde, um die entsprechenden Produktionsorte besser designen zu können. Spannende Infos über die Kathedralen des Weines der Terra Alta gibt es unter: www.catedralsdelvi.cat

Katedral des Weines in Pinell de Brai © Patronat de Turisme de la Diputació de Tarragona – Terres de l’Ebre

 

Wein und Olivenöl des Priorat

Auf den steilen Schieferhängen des Priorat gedeiht ein Wein, der inzwischen Weltruf genießt. Die Region ist Kataloniens einziges DOC-Anbaugebiet, die hiesigen Weine mit der typisch mineralischen Note haben einen unverkennbaren Charakter. Die Weinrouten des Priorat sind eine magische Reise zu Wein- und Naturgenuss. Sie ermöglichen, nicht nur den Wein, sondern auch eine einzigartige Naturlandschaft näher kennenzulernen. Die Weinbauern und Winzer des Priorat haben der zerklüfteten Gebirgslandschaft Meter für Meter der elegant geschwungenen Weinterrassen abgerungen, die heute für den relativen Wohlstand der Region verantwortlich sind. Doch der Priorat ist nicht nur berühmt für seinen Wein, sondern auch für sein Olivenöl. Neugierige Genießer entdecken nicht nur hervorragende Olivenöle, sondern auch die Geheimnisse ihrer Produktion auf den Routen des Olivenöls im Priorat.

Bellmunt del Priorat ©Maria Rosa Ferré

 

Die Spuren des Bürgerkriegs in Corbera de l’Ebre

Am 25. Juli 1938 begann die Schlacht am Ebro. Sie endete am 16. November 1938 und hat sich als eine der blutigsten Schlachten des spanischen Bürgerkriegs in die kollektive Erinerung eingebrannt. Spanien war gespalten in die Anhänger der Republik mit ihrer linksgerichteten Regierung einerseits und die nationalistischen Anhänger Francos andererseits, die für den von Hitler unterstützten Faschismus standen. In der Schlacht am Ebro gingen 130.000 Menschen in den Tod. Das Netz der Ursachen dieser Tragödie verzweigt sich weit in der gesamteuropäischen Politik dieser Epoche; ihre Auswirkungen sind als stumme Mahnmale der Zerstörung im Gebiet der Terres de l’Ebre bis heute sichtbar. Ein besonderes Beispiel hierfür ist Poble Vell de Cobrera d’Ebre. Das alte Dorf wurde im Verlauf der Ebroschlacht durch Luftangriffe vollständig zerstört, die Bewohner zogen in den unteren Teil der Gemeinde um. Das unbewohnbar gewordene alte Dorf ist seit 1992 ein Mahnmal gegen den Krieg. Hinweistafeln informieren über die historischen Ereignisse. In der Region gibt es insgesamt 5 Interpretationszentren zur Ebroschlacht. Nähere Infos unter www.batallaebre.org

Corbera d’Ebre ©Rafael López-Monné

 

Die Grünen Wege der Terra Alta

Nichts ist schöner, als die Landschaften des Ebrodeltas in ruhigem Tempo mit dem Fahrrad zu erkunden. Die Vies Verdes bzw. die Grünen Wege der Terra Alta bieten dafür das perfekte Wegenetz. Sie verlaufen aus stillgelegten Bahntrassen und sind bequem auch für diejenigen zu befahren, die auf ebenen Untergrund angewiesen sind, seien es Genussradler, Rollstuhlfahrer oder Familien mit Kinderwagen. Zu den Stationen auf dieser Tour zählt Pinell de Brai mit der berühmten Kathedrale des Weins Celler Cooperatiu, deren Architekt der Gaudí Schüler Cesar Martinell war. 5 Kilometer weiter wartet die uralte Kapelle Santuario de la Fontcalda mit einer Thermalquelle in unmittelbarer Nähe. In Prat de Comte ist die alte Pfarrkirche Sant Bartolomeu einen Besuch wert. Ein weiterer Höhepunkt ist Horta de Sant Joan mit dem Centre Picasso und dem Ecomuseo Els Ports.

Ebrodelta © ACT. Lluís Carro

 

L’Ametlla de Mar

Zum Abschluss der Tour gibt es dann noch einmal Strand und Meer pur. Der alte Fischerort L’Ametlla de Mar bietet seinen Besuchern ein breitgefächertes Angebot einzigartiger Erlebnisse. Fahren Sie im Morgengrauen mit den Fischern aufs Meer hinaus und erleben Sie den Arbeitsalltag zwischen Meer und Hafen! Machen Sie Ihren ersten Tauchgang oder entdecken Sie die Küste auf einer Kanutour. Oder schwimmen Sie mit den Thunfischen auf einer Expedition entlang der Küste des Golfs von Sant Jordi. Während einer Katamaranfahrt entlang der Küste erfahren die Teilnehmer einiges über die Geschichte und die biologischen Besonderheiten des Roten Thunfischs in L’Ametlla de Mar. Später können sie mit hunderten dieser riesigen Fische in einem Meeresbecken schwimmen und diese füttern. Als krönenden Abschluss der Aktivität bietet sich eine Verkostung der maritimen Köstlichkeit in einem der zahlreichen Restaurants von l’Ametlla de Mar an. Viel Vergnügen!

L’Ametlla de Mar – Küste des Golfs von Sant Jordi ©Miguel Angel Alvarez

 

 

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