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Auf der Zisterzienserroute durch das Hinterland von Tarragona

Tief in die tausendjährige Geschichte Kataloniens eintauchen und gleichzeitig wunderschöne Landschaften entdecken – dazu lädt die Ruta del Cister, die Zisterzienserroute im Hinterland Tarragonas ein. Hügel wechseln ab mit kleinen Gebirgen, dazwischen verstecken sich hübsche Dörfer, Weinberge und drei völlig unterschiedliche, aber einzigartige Klöster. Manchmal scheint die Zeit hier völlig still zu stehen, wenn man durch die tausendjährigen Sakralbauten läuft. Und die Ruhe und Weltabgeschiedenheit, die sie ausstrahlen, wird einen noch eine ganze Weile begleiten. Bis einen der Verkehr, ein Supermarkt oder Restaurant wieder ins Hier und Jetzt zurückholt. Man sollte sich genügend Zeit lassen, um alles auf sich wirken zu lassen. Im Übrigen sind auch die kurvenreichen Straßen nicht zum Hetzen angetan.

 

Santa Maria de Poblet © Josep M. Palau Riberaygua

 

Fährt man von Tarragona aus landeinwärts in Richtung Lleida, sind die quirlige Stadt, Küste und Strände schnell vergessen. Bald tauchen die gezackten Festungsmauern von Montblanc auf, dann die Hügel des Prades-Gebirges, Weinberge, schließlich die mächtige Anlage des Reial Monestir de Santa Maria de Poblet. Es ist eins der größten und prachtvollsten Königsklöster Spaniens – und eindrucksvolles Zeugnis der Baukunst der Zisterzienser, das nicht zufällig zum Welterbe der UNESCO zählt.

 

Santa Maria de Poblet © Imagen M.A.S.

 

Warum es gerade hier entstanden ist? Dazu muss man wissen, dass das Gebiet einst hart umkämpft war, bis die Mauren schließlich besiegt waren. Danach galt es, das Land neu zu beleben. Genau das hatten sich die Zisterzienser zur Aufgabe gemacht, als sie um 1151 hierher kamen und mit Hilfe von Raimund Berengar IV, dem Grafen von Barcelona, das Kloster begründeten. Tatsächlich gelang es den Mönchen, die Gegend in ein blühendes Land zu verwandeln. Zugleich machten sie aus dem Kloster kulturelles Zentrum mit bedeutender Bibliothek und großer Ausstrahlung. Schon bald nach seiner Gründung erwählten es auch die Könige von Aragonien zu ihrer Grabstätte. So fanden hier acht Herrscher, zum Teil auch ihre Gemahlinnen die letzte Ruhe. Dabei ist ein Kloster selten so gut gesichert wie dieses. Zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert errichtet, ist es von einem dreifachen Mauerring umschlossen. Durch die Goldene Pforte gelangt man auf einen großen Hauptplatz mit einer Pilgerherberge und der spätromanischen Katharinenkirche. Aber erst wenn man das Königstor durchschritten hat, öffnet sich einem der innere Bereich, der wiederum von einem Wehrgang mit Zinnen, Schießscharten und elf Meter hohen Türmen geschützt ist.

Herzstück von Poblet ist die dreischiffige Kirche mit kunstvollem Spitzbogen und Kreuzrippengewölbe. Den Chor schmückt ein bedeutendes Renaissance-Retabel, in der Vierung befinden sich die Königsgräber. An der Nordseite schließt sich der romanisch-gotische Kreuzgang mit reich verzierten Kapitellen an. Besonderer Blickfang ist der wunderschöne, frühgotische Brunnenpavillon, wo viele Besucher eine ganze Zeit lang verweilen. 1835 wurden die Mönche vertrieben und die Gebäude angezündet. Doch 1940 zogen hier wieder italienische Zisterziensermönche ein, sodass die Gemeinschaft heute aus rund dreißig Brüdern besteht. Wer will, kann sich für ein paar Tage zu ihnen gesellen, im Gästehaus unterkommen und den gregorianischen Gesängen lauschen. Am Wochenende laden die Mönche auch zur Degustation in ihrem Weinkeller ein. Außerdem finden immer mal wieder Orgelkonzerte statt. Natürlich gibt es auch ein Restaurant. Da kann man sich stärken, bevor man weiter nach Santes Creus, der zweiten Station auf der Zisterzienserroute fährt.

 

Santes Creus © Maria Rosa Ferré

 

Eine ganze Weile braucht es, bis man ins Tal des Flüsschens Gaià vorgedrungen ist, wo sich das Reial Monestir de Santa Maria de les Santes Creus, das „Königliche Kloster der Maria der Heiligen Kreuze“ inmitten lieblicher Hügellandschaft erhebt. Anders als Poblet macht es keinen strengen, sondern ganz freundlichen Eindruck. Vor allem, wenn die Anlage – wie häufig – von der Sonne beschienen ist. Für die Gründung im Jahr 1174 am Ort einer Lichterscheinung war die katalanische Familie Montcada verantwortlich, doch wurden die Mönche später auch vom Königshaus unterstützt. Deshalb gehört auch das sogenannte Königspalais zum Kloster. Betritt man den Vorplatz mit Brunnen, fällt der Blick gleich auf die Fassade der Kirche. Von außen wirkt der eckige Bau relativ schmucklos und mit seinem Zinnenkranz fast festungsartig. Im Inneren bestechen dagegen eine wunderbare Rosette und der Hochalter mit barockem Aufsatz. Ein besonderer Höhepunkt ist der gotische Kreuzgang mit seinen reich verzierten Kapitellen. Mal schmücken sie Pflanzenmotive, mal Tiere, Menschen oder biblische Darstellungen. Auch Handwerke und Narrenspiele wurden in Stein gemeißelt – die Fantasie der mittelalterlichen Bildhauer scheint keine Grenzen zu kennen. Vom Kreuzgang führt ein majestätisches Portal in den eleganten Kapitelsaal, in dem sich auch Gräber von Äbten befinden. Nachdem 1835 die letzten Mönche Santes Creus verließen, machten Plünderungen und Brandschätze den Gebäuden zu schaffen. Nach der sorgsamen Restaurierung geben sie indes die schöne Kulisse für sommerliche Konzertreihen ab. Klösterliches Leben gibt es indes nicht mehr.

Wohl aber in Vallbona de les Monges, der dritten Station auf der Zisterzienserroute. Bis heute lebt eine Gemeinschaft von Nonnen in dem über 800 Jahre alten Kloster Santa Maria de Vallbona, in dem früher die Töchter bedeutender Adelsfamilien unterkamen. Wobei Vallbona zunächst recht ländlich wirkt und einen ganz intimen Charakter hat. Kaum vorstellbar, dass hier zeitweise um die 150 Nonnen lebten und die Äbtissin zugleich Herrin der Grafschaft Vallbona war! Herzstück ist die einschiffige, kreuzförmige Kirche aus dem 13. und 14. Jahrhundert mit schönem Kreuzrippengewölbe und achteckigem Glockenturm. An den Absiden lässt sich auch schalkhafter Skulpturenschmuck entdecken. Außerdem befinden sich hier die Grabstätten einiger Äbtissinnen, der Königin Violant von Ungarn und anderer adliger Frauen. Vom Hochaltar grüßt derweil eine farbige Marienskulptur aus Stein. An der Südseite schließt sich der Kreuzgang an. Während der eine Teil noch romanisch gestaltet ist, mit Pflanzenmotiven an den Kapitellen, sind andere im Stil der Hochgotik erbaut. Ebenso wie der Kapitelsaal, in dem sich weitere Grabplatten verstorbener Äbtissinnen erhalten haben. Wer länger verweilen möchte, kann sich in den schlichten Gästezimmern des Klosters einmieten. Aber auch so ist der Besuch ein einzigartiges Erlebnis, das man so schnell nicht vergessen wird!

 

Vallbona de les monges © Imagen M.A.S.

 

 

 

 

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