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Mittelalterliche Burgen und Dörfer am Riu Gaià

Verspüren Sie auch gelegentlich die Sehnsucht nach einer Zeitreise? Möchten Sie einfach mal den Alltag hinter sich lassen und eintauchen in eine beschauliche Welt jenseits der Beschleunigungsgesellschaft? Wie wäre es dann mit einem Besuch im Mittelalter, schöner noch, mit einem Besuch im katalanischen Mittelalter in der Provinz Tarragona?

Zeitreise ins mittelalterliche Tarragona

Falls dieser Vorstellung Ihre Begeisterung weckt, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Beginnen wir mit der schlechten: Ob Zeitreisen auch nur theoretisch möglich sind, ist bis heute ungewiss und der Tourismussektor investiert zur Zeit  in näherliegende Projekte. Vielleicht ist das aber gar nicht so schlecht, denn im Mittelalter ging es in der katalanischen Provinz Tarragona ziemlich hoch her und eine echte Zeitreise verliefe aller Wahrscheinlichkeit nach eher unentspannt. Die gute Nachricht ist: Heutzutage kann man in den stillen Naturlandschaften um den Riu Gaià ganz wunderbar trutzige Burgen und uralte Dörfer erkunden und dabei die Gedanken zurück in jene Zeit schweifen lassen, als die Grenze zwischen der mächtigen Grafschaft Barcelona und dem maurisch besetzten Al-Andalus genau hier verlief.

 

Grenzfluss Gaià

Im 10. Jahrhundert bildete der Fluss Riu Gaià die natürliche Grenze zwischen den beiden Reichen, deren unterschiedliche Kulturen und Religionen für reichlich Konfliktstoff im Grenzgebiet sorgten. Nicht umsonst entstanden zu jener Zeit an die 50 Burgen und Wachttürme entlang des Flusses. Unter der Regierung von Almanzor hatte die maurische Macht Ende des 10. und zu Beginn des 11. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreicht. Der Vielzahl von Schlössern und Burgen kam deshalb damals entscheidende strategische Bedeutung zu.

„Tausend Jahre später“ ist der perfekte Zeitpunkt

Heute lädt die Region zu einer Erkundungstour durch stille Landschaften ein, deren alte Dörfer und verlassene Burgen beredt von jener weit zurück liegenden Vergangenheit erzählen. Echte Freunde des Mittelalters planen ihren Trip in die Provinz von Tarragona für die Frühlingswochen um das Datum der Diada de Sant Jordi herum und besuchen zu diesem Anlass die Mittelalterwochen in Montblanc. So vorbereitet, wird die Tour zu den mittelalterlichen Dörfern und Burgen am Riu Gaià  zu einer ebenso spannenden wie entspannten Zeitreise. In manchen Fällen ist „tausend Jahre später“ der perfekte Zeitpunkt, um sich Kriege, Konflikte sowie historische Irrungen und Wirrungen noch einmal in Ruhe vor Augen zu führen.

Montblanc © Miguel Raurich

Montblanc © Miguel Raurich

Zwischen den Welten: Santa Coloma de Queralt

Startpunkt der Tour der Burgen entlang des Riu Gaià ist das Dorf Santa Coloma de Queralt, das in der Nähe der Quelle des Gaià-Flusses liegt. Die Geschichte des Ortes reicht bis in die Zeiten der Iberer zurück, seine erste schrifliche Erwähnung findet Santa Coloma de Queralt jedoch im Jahr 976 als Grenzort zwischen Spanien und Al-Andalus. Das ursprüngliche Schloss von Queralt aus dem 10. Jahrhundert wurde von den Truppen Almanzors zerstört, jedoch lohnt sich ein Besuch der Burg der Grafen von Queralt aus dem 11. Jahrhundert. Die Burg selbst ist heute ein Kulturzentrum, in dem unter anderem die Stadtbibliothek untergebracht ist. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Stadtmauer mit ihren vier Toren, die Pfarrkirche und das alte Jüdische Viertel .

Santa Coloma de Queralt © Miguel Raurich

Santa Coloma de Queralt © Miguel Raurich

Querol und seine Burgen

Weiter geht es in die Gemeinde Querol, in der es gleich drei Burgen zu besichtigen gilt. Querol liegt auf einem Hügel oberhalb des Flusses, die Burg von Querol aus dem 10. Jahrhundert bildet den höchsten Punkt des Dorfes. Obwohl das Schloss während der Carlistenkriege beträchtlichen Schaden erlitten hat, sind noch immer viele interessante Elemente wie Türme, Rundbögen, Schießscharten und Fenster  erhalten.

Querol © Miguel Raurich

Querol © Miguel Raurich

Die Burgen Pinyana und Saburella

Von der Burg Pinyana ist hingegen nur noch ein Teil der Mauern, ein Rundturm und die Kapelle Santa Maria de Pinyana erhalten. Dennoch wurde die seit dem Jahr 986 dokumentierte Burg, die an der Landstraße der Puente de Armentera liegt, 1985 zum Monument von kulturellem Interesse erklärt.  Gleiches gilt für die  zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbaute Burg von Saburella, von der zwei Rundtürme und ein Rest der Festungsmauer erhalten sind.

 

Die Burg von Semella

Etwas weiter südlich auf einem Hügel der Sierra Morena liegt die Burg von Semella, von der einige Mauern, die Festungsmauer sowie die Grundmauern eines Turmes erhalten geblieben sind. Die Katalogisierung als Monument von kulturellem Interesse signalisiert auch hier die historische Bedeutsamkeit des Ortes.

Das Zisterzienserkloster Santes Creus

Weiter flussabwärts treffen wir auf das das Zisterzienser Kloster Santes Creus, das zu den beeindruckendsten Monumenten Kataloniens gehört. 1160 gegründet, stand das Kloster nicht nur unter dem Schutz jener Adelsfamilien, welche damals auch die Herren der bereits erwähnten Burgen waren.  Santes Creus wurde auch von Ramon Berenguer IV gefördert, jenem berühmt gewordenen Grafen von Barcelona, der die Königreiche Aragons und Kataloniens vereinigte und die Wiedereroberung des modernen Kataloniens abschloss. Auch in späteren Jahrhunderten wirkten katalanische Adelige als Mäzene für das Kloster, das sie sich als letzte Ruhestätte auserkoren hatten. Noch heute sind die Grabstätten  der Großen des katalanischen und aragonesischen  Adels hier zu besichtigen. Das nach den Regeln des Zisterzienser-Ordens gemäß der Notwendigkeiten der Gemeinschaft gestaltete Kloster hat jedoch auch darüber hinaus bemerkenswerte Kunstschätze zu bieten und gilt als eines schönsten Zisterzienser-Klöster auf der Iberischen Halbinsel.

Santes Creus - Katalonien © Maria Rosa Ferré

Santes Creus – Katalonien © Maria Rosa Ferré

Aiguamúrcia und die Burgen von Selma und Albà

Das Kloster Santes Creus gehört zur Gemeinde Aiguamúrcia, einem uralten Dorf, dessen Geschichte bis in die Römerzeit zurückreicht. Heute widmet man sich hier vor allem dem Weinbau und dem Empfang von Besuchern aus aller Welt, die kommen, um das Kloster zu bewundern. Wenn man schon einmal hier ist, sollte man sich ruhig ein wenig Zeit nehmen, um zu bleiben, denn Aiguamúrcia verführt mit authentischer Gastronomie und wunderbaren Rad- und Wanderwegen dazu, die Seele eine Weile planlos baumeln zu lassen. Allerdings sollte sich niemand davon abhalten lassen, seinem ursprünglichen Plan zu folgen. Die Burgen Castell de Selma i de Albà liegen schwer zugänglich im hohen Gebirge, weshalb es das klügste ist, sie einfach vom Dorf aus zu bewundern.

Die nächste Station ist das Dorf Rodonyà mit der gleichnamigen Burg, die allerdings gerade restauriert wird. Eine interessante Option ist der Besuch der Burg Rocamora, die in der Nähe von Montferri auf einem Hügel liegt.  Sie beherbergt ein auf traditionell katalanische Küche spezialisiertes Restaurant, das auf den Empfang großer Gästegruppen spezialisiert ist.

Die Burg von Catllar

Einer der Höhepunkte dieser Route ist die Burg von Catllar. Als Interpretationszentrum für die Burgen am Riu Gaià liefert sie sozusagen den Schlüssel zum besseren Verständnis der gesamten Route. Darüber hinaus ist die Burg von Catllar dank der vor einigen Jahren durchgeführten Restaurationsarbeiten in hervorragendem Zustand und erlaubt dem Besucher, sich ein lebendiges Bild vom Leben auf der Burg in vergangenen Zeiten zu machen.

Die Burgen von Tamarit und Altafulla

Am Ende des Flusses wartet das Meer – und am Ende dieser Route warten die Burgen von Tamarit und Altafulla sowie ein kleines Naturparadies, das Marschland an der Mündung des Riu Gaià ins Meer. Während das Naturparadies vor allem von Singvögeln geschätzt wird, zieht es die ungefiederten Zweibeiner eher an die schönen Strände von Tamarit und Altafulla. Von hier aus lässt sich die Burg von Tamarit sowieso am besten bewundern. Sie ist in privatem Besitz und macht sich in den letzten Jahren einen Namen als Hochzeits-Location der Extraklasse. (Dass sie folglich in hervorragendem Zustand ist, versteht sich von selbst. Es lohnt ein Blick auf die Internetseite, vielleicht wollen Sie ja doch mal demnächst heiraten…) Unbedingt einen Besuch wert ist die historische Altstadt von Altafulla, die von der sehr gut erhaltenen Burg von Altafulla gekrönt wird. Von hier aus bietet sich ein wunderbarer Blick über die Küste und das alte Fischerviertel Baixamar.  Also auf, es gibt viel zu entdecken!

Tamarit - Katalonien © Servicios Editoriales Georama

Tamarit – Katalonien © Servicios Editoriales Georama

 

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