Frühlingstrends

KT: Joan, was sind die aktuellen Frühlingstrends, die ihr in Descobrir vorstellt?

Joan Morales: In letzter Zeit haben die Reisen, die mit dem Thema der Obstblüte in Verbindung stehen, sehr an Bedeutung gewonnen. Von der Mandelblüte, die im Januar beginnt, bis zur Kirschblüte, die je nach Gebiet bis in den Mai hinein reicht, bietet Katalonien eine bunte Palette an Reisemöglichkeiten in ursprüngliche, landwirtschaftlich geprägte Gebiete, die einen besonderen Charme haben. Ein weiterer Frühlingstrend ist der Aktivtourismus (Wandern, Radfahren oder auch Wassersport), der mit gastronomischen Angeboten kombiniert wird. Besonders bedeutsam ist in dieser Hinsicht der Weintourismus: Katalonien verfügt über 10 DO-Gebiete, die excellente Weine produzieren. Aber auch die Routen des Olivenöls sind interessant, ganz abgesehen  von den wunderbaren regionalen Produkten aus den Gemüsegärten wie Artischocken, Erbsen, Bohnen und Erdbeeren.

Alella © Turismo Verde S.L

Alella © Turismo Verde S.L

KT: Gibt es klassische Frühlingtrips, die ihr immer wieder von neuem empfehlt?

JM: Ja, sicher. Wir fahren eigentlich zu jeder Jahreszeit immer wieder an die Küste, porträtieren die berühmten Buchten und Strände. Meer- und Flusstourismus sind Klassiker, die immer wieder auf dem Themenplan stehen. Außerdem nutzen wir die Gelegenheit, spannende und artenreiche Naturschutzgebiete vorzustellen, die zu besuchen in dieser Jahreszeit besonders interessantist. Jetzt im Frühling sind das zum Beispiel die Aigüamolls de L’Empordà oder das Ebrodelta. Weitere Evergreens sind Routen entlang von Talsperren oder Wasserfällen, schöne Wälder mit frischem Frühlingsgrün usw. Die touristische Infrastruktur in diesen Naturschutzgebieten ist inzwischen hervorragend ausgebaut. Es gibt viele Landhotels und Landgasthäuser, viele Restaurants mit schönen Terrassen und wunderbare Plätze in den Dörfern und Städten – und natürlich rund ums Jahr Volksfeste, Festivals und traditionsreiche Märkte.

Ebrodelta

Ebrodelta

KT: Das heißt, ihr stellt gezielt Orte abseits des touristischen Mainstreams vor?

JM:Ich glaube, wir Katalanen haben manchmal eine etwas begrenzte Sicht auf uns und unser Land. Unsere Vorstellung von unserer Region ist sehr viel weniger bunt und vielfältig als die Wirklichkeit, deshalb greifen wir öfter einmal auf Allgemeinplätze zurück: Katalonien ist der Montseny, die Pyrenäen, die Costa Brava, die Romanische Kunst und der Modernismus, der Strand und die Gastronomie… Dem Team von Descobrir liegt daran, die vielen weiteren Erlebnismöglichkeiten aufzuzeigen, die das Land bietet, ohne deshalb den Ikonen des katalanischen Reiseerlebnisses ihren Wert oder ihre Bedeutung absprechen zu wollen, die uns zu einer Reisedestination von weltweitem Interesse gemacht haben.

Parc Nacional Aigüestortes i Estany de Sant Maurici

KT: Welches sind deine Lieblings-Frühlingstrips des Jahres 2015?

JM: Der interessanteste Trip in diesem Frühling war für mich tatsächlich die Reise in die Gebiete der Obstblüte. Ich denke, es ist wichtig festzuhalten, dass die katalanischsprachigen Gebiete auf dem Gebiet des Ökotourismus ein ganz großes Potential haben, das wir noch besser nutzen können, als das bislang getan wird. Man stelle sich einmal vor: Mitte Mai ist es möglich, einen sommerlich warmen Tag am Meer zu verbringen und kurz darauf durch das  immer noch verschneite Hochgebirge zu wandern. Diese natürliche Vielfalt ist die Quelle eines landschaftlichen und auch klimatischen Reichtums, die sicherlich auf die Dauer immer mehr Menschen begeistern wird – seien es Katalanen oder ausländische Gäste.

KT: Gibst du uns ein paar konkrete Reisetipps? Eine gute Freundin von mir, möchte in diesem Frühling nach Katalonien reisen. Was empfiehlst du ihr?

JM: Das kommt natürlich auf ihre Interessen und Vorlieben an. In Katalonien gibt es abseits der bekannten touristischen Bahnen, viele ganz wunderbare Gegenden zu entdecken. Wer zum Beispiel das Hochgebirge mag, sollte einmal anstatt des bekannten Vall de Boí den Pallars  besuchen. Wer das Landesinnere erkunden möchte, dem emfpehle ich Lluçanès, la Segarra, la Terra Alta oder  la Garrotxa. Wer ein Reiseziel am Meer sucht, dem empfehle ich die Ufer des Ebro um l’Ametlla de Mar und das Delta. Wer Städtereisen mag, sollte einmal statt Barcelona, Tarragona oder Girona in Betracht ziehen.

La Garrotxa

KT: Hast du einen besonderen Tipp für Outdoor-Abenteuer in Katalonien?

JM: Der Montsec bietet in dieser Hinsicht unglaublich viele spannende Möglichkeiten:  Gleitschirm fliegen im Val d‘ Àger, Canyoning, Klettern, Wandern – und Sterne beobachten. Der Sternenhimmel dort ist spektakulär klar.

KT: Deine Empfehlung für Freunde von Festivals und Kulturtourismus?

JM: Das Festival Tarraco Viva ist unbedingt einen Besuch wert. Es ist das weltweit größte Festival für Reenactment römischer Geschichte und Kultur, und einer der besten Zeitpunkte um Tarragona zu besuchen.

Costa Daurada - Tarragona. Tarraco Viva © Tarragona Turisme

Costa Daurada – Tarragona. Tarraco Viva © Tarragona Turisme

KT: Stichwort „Gastronomischer Tourismus“, der ja eine katalanische Spezialität ist. Welches ist hier dein Favorit?

JM: Die Maresme-Region. Hier gibt es das ganze Jahr über – aber insbesondere im Frühling – gastronomische Events, bei denen die Produkte dieser von Meer und Bergen gleichermaßen geprägten Region im Zentrum des Geschehens stehen: Fisch, Obst, Gemüse, Pilze usw…

KT: Und wer einen Frühlingsurlaub mit der ganzen Familie in Katalonien verbringen möchte..?

JM:… der sollte unbedingt nach Regionen mit dem Gütesiegel „Reiseziele für Familien“ Ausschau halten. Am Meer sind das zum Beispiel Cambrils, Roses, Sant Feliu de Guixols, im Landesinneren Valls d’Àneu, Valle de Boí, Berguedà und Prades. Die Auswahl ist groß – man muss sich nur entscheiden…

Joan Morales