Alle Beiträge von Eva Hakes

El Brogit – Die Seele Kataloniens entdecken

Meritxell leitet die Reiseagentur El Brogit. Die ausgebildete Biologin ist Expertin für Ökotourismus, spricht fließend Deutsch und Englisch und liebt es seit jeher, zu wandern und zu reisen. Außerdem liebt sie ihr Land und möchte ihren Gästen genau das bieten, was sie selber auf Reisen immer sucht. Herrliche Naturlandschaften, aber auch authentische Einblicke in das Leben und die Kultur des Landes. Ganz wichtig ist ihr außerdem, dass ihre Gäste die Möglichkeit haben, mit den Menschen, die hier leben in Kontakt zu treten und so aus erster Hand zu erfahren, wie diese denken, leben und arbeiten. Im Rahmen unserer Beiträge zum Jahr des Nachhaltigen Tourismus haben wir mit ihr über ihre Arbeit und ihre ganz besonderen Reiseangebote gesprochen. Zu diesen zählen zum Beispiel Weinwanderungen durch einen Landstrich der Guerillakämpfer und Vampire im Priorat, Fotowanderungen auf den Spuren der Schlacht am Ebro und genussvolle gastronomische Reisen durch die DOQ Priorat mit Wein- und Olivenölverkostungen.

Die Geheimnisse der katalanischen Natur, Kultur und Gastronomie sind Mertitxells Leidenschaft


Meritxell, erzähl uns ein wenig über deine Arbeit. Wie bist du dazu gekommen, das zu tun, was du heute machst?

Ich habe El Brogit vor nun fast zehn Jahren gegründet und damit ein Hobby zum Beruf gemacht. Ursprünglich habe ich vor allem geführte Wanderungen angeboten, die auf das katalanische Publikum zugeschnitten waren. Da ich auch gut Englisch und Deutsch spreche, habe ich diese Wanderführungen mit der Zeit ausgebaut und mich verstärkt an ein internationales Publikum gerichtet. El Brogit ist heute eine Reiseagentur für Wanderreisen, Ökotourismus und Weintourismus, die international arbeitet. Wir bieten die komplette Reiseorganisation inklusive Führungen, Unterkunft, Verpflegung und Transfers.

Eine Weinwanderung in Gratallops © El Brogit


Da hat sich das Angebot von El Brogit innerhalb von zehn Jahren ja ganz schön erweitert. Wie ist es dazu gekommen?

Rückblickend erscheint die Ausweitung unserer Wanderreisen in den Bereich Ökotourismus und Weintourismus mir eigentlich nur logisch und sie ergab sich praktisch von selbst. Denn wenn wir zum Beispiel durch den Priorat wandern, durchqueren wir ja keinen Urwald oder unberührte Natur, sondern eine seit Jahrtausenden kultivierte Landschaft, die seit den Zeiten der Iberer besiedelt war. Diese Landschaft ist vom Menschen geprägt und sie wird auch heute noch geprägt von den Menschen, die hier arbeiten: den Landwirten, den Weinbauern und den Hirten, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Diese Leute sind tief in dem Land verwurzelt, das sie bearbeiten. Wer sich mit ihnen unterhält, erfährt Dinge über die Region, die man schwerlich in Büchern oder Reiseführern lesen kann. Deshalb besuchen wir mit unseren Gästen gerne die Weinbauern und Olivenölproduzenten und bieten ihnen so eine ganz besondere Erfahrung.

Wandern durch Jahrtausende alte Kulturlandschaften © El Brogit


Wie sieht euer Angebot konkret aus?

Wir bieten einerseits Reisevorschläge zu unterschiedlichen Themen, insbesondere zum Wein- und Öltourismus, aber auch Fotowanderungen, Küstenwanderungen, Kulturwanderungen oder Wanderungen für die ganze Familie. Auf unserer Website stellen wir verschiedene Angebote vor – manche davon dauern nur einen halben Tag, andere 2-3 Tage, 5 Tage oder auch eine ganze Woche. Andererseits arbeiten wir auch Reisen nach individuellen Vorstellungen aus. Die Kunden schicken uns dann eine Wunschliste mit Dingen, die sie sehen und erleben möchten und Orten, die sie kennenlernen wollen. Sie sagen uns, ob sie mit oder ohne Reiseführer unterwegs sein möchten und nennen uns den Zeitrahmen und das verfügbare Urlaubsbudget. Wir übernehmen die komplette Planung und Organisation der Reise.
Wir arbeiten auch mit ausländischen Reiseagenturen zusammen, für die wir dann komplette Reiseprogramme zusammenstellen. Nach einem geeigneten Kooperationspartner in Deutschland sind wir allerdings bislang noch auf der Suche.

Was macht eure Reiseangebote einzigartig?
Die Reisen mit El Brogit verbinden das Naturerlebnis mit Einblicken in die Kultur und Geschichte des Landes – insbesondere Einblicke in die Alltagskultur, welche die Gestalt dieser Landschaft bis heute prägt – und das ist insbesondere die Arbeit der Weinbauern und Olivenölproduzenten. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist natürlich die Gastronomie der Region, die bei unseren Reiseangeboten ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Wir möchten, dass die Menschen, die mit uns reisen, das echte Leben dieser Region kennenlernen und authentische Erfahrungen machen. Wir möchten ihnen die Möglichkeit geben, das Land zu erkunden und seine Menschen kennenzulernen und so alle Voraussetzungen schaffen, damit sie die besondere Atmosphäre des Ortes in sich aufnehmen und seine Magie erfahren können.

Wein und Gastronomie sind Schlüsselelemente der Reisen mit El Brogit © El Brogit


Nach welchen Kriterien wählt ihr die Weinbauern und Ölproduzenten aus, die ihr mit euren Gästen besucht?

Wir arbeiten wann immer wir können mit Partnern, die ökologisch oder biondynamisch produzieren und auf Nachhaltigkeit setzen. Das sind dann in der Regel auch die Menschen, für die das Interesse an dem, was für das Land und seine Menschen gut ist, über dem Interesse steht, für sich persönlich den maximal möglichen Gewinn zu erwirtschaften. Es sind Menschen, die tief in ihrem Land verwurzelt sind und die Freude daran haben, mit ihren Besuchern über das zu sprechen, was sie tun.

Wer ist der ideale Kunde für euch?
Unsere idealen Kunden sind Menschen, die für einige Tage tief in die Natur dieses Landstrichs eintauchen und gleichzeitig den Alltag der Menschen, die hier leben, kennenlernen möchten. Wer in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Sehenswürdigkeiten “abhaken” möchte, ist bei uns nicht an der richtigen Adresse. Bei El Brogit geht es darum, auf ruhige und entspannte Art zu genießen. Wir stellen uns auf die unterschiedlichsten Wünsche unserer Gäste ein und passen das Programm an, wenn sie zum Beispiel mehr oder weniger wandern wollen. Es gibt allerdings Fälle, in denen wir uns weigern, den Wünschen unserer Gäste nachzukommen, nämlich dann wenn uns klar ist, dass die Erfüllung ihrer Wünsche zwangsläufig Stress nach sich ziehen würde. Menschen in ihrem Urlaub eilig durch die Berge rennen zu lassen, damit sie es rechtzeitig von einem Programmpunkt zum nächsten schaffen und acht Bodegas an einem Tag besuchen können, ist mit der Philosophie von El Brogit einfach nicht vereinbar.

Mit Muße die Landschaft genießen © El Brogit


Apropos, was bedeutet eigentlich “El Brogit”?

”Brogit” ist ein katalanisches Wort, für das ich noch keine adäquate Übersetzung in den Sprachen gefunden habe, die ich kenne. Es bezeichnet das Geräusch des Windes und des Wassers, das sowohl ein leises Säuseln als auch ein lautes Tosen sein kann. Dieses Geräusch erinnert daran, dass die Dinge immer in Bewegung sind und sich verändern, wie bei einem Fluss, dessen Wasser immer weiter fließt. Dieses Gefühl für die Lebendigkeit der Natur möchten wir bei unseren Reisen mit El Brogit wecken.

Welche Aufgaben bei El Brogit übernimmst du heute noch selbst?
Meine Arbeit ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Ich kümmere mich um die Konzeption und Organisation der Reisen und übernehme zum Teil auch selber Reise- und Wanderführungen. Außerdem bin ich als Beraterin für Tourismusinstitutionen tätig. Im Zuge meiner Arbeit als Wanderführerin habe ich mich auf die Entwicklung von Wanderwegenetzen spezialisert, die auf den traditionellen Fußwegen der Region aufsetzen. Daraus hat sich dann diese zweite Arbeitslinie ergeben, bei der ich beratend für Touristiker tätig bin, die ihr Wanderangebot erweitern wollen.

Ein Besuch in der legendären Karthause Escaladei im Priorat © El Brogit


Welche eurer Angebote würdest du denn unseren Lesern in Deutschland besonders empfehlen?

Ich würde ihnen ganz besonders unsere Trek&Wine-Angebote empfehlen, die wir für die Regionen Priorat, Terra Alta und Montserrat anbieten. Der zeitliche Rahmen dieser Arrangements reicht von der Halbtagestour bis zur kompletten Urlaubswoche. Naturlandschaft und Weingenuss sind, wie schon der Name sagt, die zwei zentralen Elemente dieser Angebote. Nebenbei erfährt man dann allerdings auch noch viel Spannendes und Bemerkenswertes über die Geschichte der Region.

Stimmt, ihr habt einige Angebote, die nach spannenden Geschichten klingen. Nenn uns doch zum Abschluss ein Beispiel für das, was ihr so macht…
Eines unserer Trek&Wine Angebote im Priorat trägt den Namen “Im Land der Vampire und Guerrillakämpfer.” Es ist eine Halbtageswanderung in der Umgebung des Dorfes Capçanes, um das sich geheimnisvolle Legenden und Geschichten ranken. Man erzählt sich, Capçanes sei die Heimat einer besonderen Art von Vampiren, die man hier “Dips” nennt. Sicher ist, das Capçanes der Geburtsort des Guerillakämpfers Carrasclet ist, dem im Dorf sogar ein Denkmal gewidmet ist. Wir wandern auf den Spuren dieser alten Legenden und Geschichten. Darüber hinaus schenken wir der hier stark verbreiteten Trockensteinarchitektur besondere Aufmerksamkeit, die uns an die Mühen der Landarbeiter vergangener Zeiten erinnert. Die Wanderung endet mit einem geführten Besuch und einer Weinverkostung in der Bodega Capçanes. Die Weinbauern des Dorfes haben es geschafft, ihrem Wein ein Alleinstellungsmerkmal zu geben, das diese Bodega weltbekannt gemacht hat. Sie produzieren koscher, gemäß den Standards der jüdischen Tradition. Wer Lust hat herauszufinden, ob koscherer Wein anders schmeckt als herkömmlicher Wein, der sollte sich uns einfach mal anschließen…

Tockensteinmauern, Wein und alte Legenden: Ein Wanderung in Capçanes © El Borgit


Weitere Infos unter http://www.elbrogit.com

 

Nationalpark Aigüestortes i Estany de Sant Maurici

Der Nationalpark Aigüestortes i Estany de Sant Maurici liegt in den Hochpyrenäen der Provinz Lleida. Der 1955 eingerichtete Nationalpark ist der einzige auf katalanischem Gebiet. Er erstreckt sich über Höhen zwischen 1.200 und gut 3.000 Meter und beherbergt eine extrem abwechslungsreiche Landschaft mit einer artenreichen Flora und Fauna. Sein Markenzeichen sind die vielen tiefblauen Seen und mäandernden Flüsse (“Aiguestortes”), die sogar zum Namensgeber des Parks geworden sind.

Der Nationalpark Aigüestortes i Estany de Sant Maurici mit den Zwillingsgipfeln els Encantats im Hintergrund © Asier Castro de la Fuente

Ein Kleiner Überblick


Der Nationalpark Aigüestortes i Estany de Sant Maurici gehört zu den spektakulärsten Landschaftsgebieten der Pyrenäen. An dessen Ursprung stehen geologische Entwicklungen, die dazu führten, dass vor etwa 300 Millionen Jahren durch das Wirken von Erosion und tektonischen Kräften eine enorme Masse von Granitgestein an die Erdoberfläche trat. Erst sehr viel später im Tertiär nahmen die Pyrenäen die Form an, wie wir sie heute kennen. Im Nationalpark Aigüestortes ist ihre Landschaft geprägt von Seen, Sturzbächen und Wasserfällen, von Torfmooren, Steinwüsten und rauen Gipfeln, aber auch durch dichte Wälder mit Kiefern, Tannen, Birken und Buchen. Zu den Wahrzeichen des Parks gehören neben den etwa 200 tiefblauen Bergseen die majestätischen Zwillingsgipfel Els Encantats und die U-förmigen Täler, die auf Gletscherbewegungen zurückzuführen sind.

Ein interessantes Klimaphänomen dieser Region sind die unterschiedlichen Mikroklimata der Pyrenäentäler, die von deren Ausrichtung abhängig ist. Da die überwiegende Zahl der Tiefdruckgebiete vom Atlantik heranzieht, tendieren die nach Westen und Norden ausgerichteten Täler zu einem feuchteren Klima mit deutlich mehr Nebel und Regenfällen als die nach Osten oder Süden und damit zum Mittelmeer ausgerichteten Täler. Die großen Höhenutnerschiede innerhalb des Nationalparks führen zur Ausprägung weiterer Mikroklimata, die den Bedürfnissen unterschiedlichster Tiere und Pflanzen gerecht werden.  Hier sind zum Beispiel Gemse, Auerhahn, Murmeltier und Bartgeier zu Hause, um nur einige wenige zu nennen. Auch der Mensch siedelt seit Jahrtausenden in dieser Region und hat ein faszinierendes kulturelles Erbe hinterlassen. Besonders beeindruckend ist zweifellos das Ensemble romanischer Kirchen im Vall de Boí, das zum Unesco-Welterbe deklariert wurde.

Flora

Dank der großen Höhenunterschiede und der Vielzahl an Mikroklimata findet sich im Nationalpark Aigüestortes i Estany de Sant Maurici auf relativ kleinem Raum eine relativ große Zahl unterschiedlichster Pflanzenarten. Diese sind verschiedenen Vegetationszonen zuzuordnen, die im Wesentlichen höhenabhängig sind.

Auf Höhen bis zu 1.800m (“Montane Höhenlage”) sind die sommergrünen Flaum-Eichen und Buchenwälder angesiedelt. Die Nutzung des Gebietes durch den Menschen hat diese ursprüngliche Vegetation allerdings vielerorts zurückgedrängt. Sie wurde durch Waldkiefern ersetzt, die unter natürlichen Umständen in sehr viel trockeneren Gebieten wachsen würden. Typisch für die Vegetation der Talsohlen sind Weiden, Heuwiesen und Sträucher.

Estany Llong im Vall de Boí © Gonzalo Azumendi

Oberhalb von 1.800m und auf Höhen bis zu 2.400m (subalpine Höhenlage) finden sich die typischen Tannen- und Bergkiefernwälder des Nationalparks. Lawinenkanäle und die Rodung von Waldflächen zur Schaffung neuen Weidelandes begünstigen das Wachstum von Arten wie Hängebirken, Himbeeren, Schmalblättrigen Weideröschen und Rotem Fingerhut.
An den schattigen Hängen wachsen Weißtannen auf Höhen bis zu 2.000 Metern. Weiter aufwärts wird der Wald dünner, Bergkiefern bestimmen nun das Bild, begleitet von Sträuchern und Bodengewächsen wie Heidelbeeren, Alpenrose, Wacholder und Ginster.

Oberhalb von 2400m in alpiner Höhenlage gibt es vor allem Bergwiesen und Almen. In diesem Bereich ist der Sommer zu kurz, um Forstbeständen das Wachsen zu ermöglichen und nur einige besonders widerstandsfähige krautartige Gewächse und Sträucher können hier überleben. Die Hochgebirgswiesen erstrecken sich hier über saure Böden mit Granit als Grundlage, auf denen vor allem Schwingelgras und Borstgras wachsen. Beide Arten sind sehr widerstandsfähig, aber als Tierfutter ungeeignet sind. Dafür wachsen hier Blumen wie der alpine Enzian, Pyrenäen-Hahnenfuß und Stängelloses Leimkraut.

Auf den felsigen Bergkämmen und Gipfeln auf Höhen über 2.700m findet man Vegetation nur noch in geschützten Felsspalten und Mulden. Ein typisches Beispiel für Pflanzen, die in diesem Bereich wachsen können, ist der Moos-Steinbrech.

Les Agulles d’Amitges in Espot © Kim Castells

Neben den Höhenunterschieden spielen noch weitere Aspekte bei der Ausbildung der  Gebirgsflora eine Rolle, so zum Beispiel die Moorlandschaften mit ihren Seen, Quellen und Sümpfen. Pflanzen, die hier wachsen, sind hoch spezialisiert und werden von anderen Faktoren wie Höhe, Niederschlag und Temperatur wenig beeinflusst. Einige von ihnen, wie die Orchideen und der Gewöhnliche Hahnenfuß, bilden spektakuläre Blüten aus. Andere, wie der fleischfressende rundblättrige Sonnentau, haben erstaunliche Formen der Anpassung an die Herausforderungen der Umwelt entwickelt.

Fauna

Wildtiere suchen nicht die Gesellschaft des Menschen. Wer sie im Hochgebirge entdecken will, muss besonders aufmerksam sein und seine Sinne schärfen. Doch die Mühe lohnt sich. 200 unterschiedliche Arten von Wirbeltieren leben im Nationalpark Aigüestortes, zum Beispiel Pyrenäen-Gämsen, Wildschweine, Hermeline, Murmeltiere und Rehe.
Den größten Teil der Wirbeltiere des Parkes machen allerdings die Vögel aus. In den abgelegenen Wäldern leben u.a. Schwarzspecht, Auerhahn, Raufußkauz und Fichtenkreuzschnabel. In den Höhen kreisen Gänsegeier, Bartgeier und Steinadler über den kargen Hängen und Kämmen des Hochgebirges. Auf den Bergwiesen sind Alpenschneehuhn, Alpenbraunelle, Schneefink und Alpendohle zu Hause.
Zu den interessantesten Amphibien des Nationalparks zählt der Pyrenäengebirgsmolch, der nur in dieser Region vorkommt. Beispiele für im Park lebende Reptilien sind die ungiftige Schlingnatter und die Aspisviper. Letztere ist zwar giftig, greift jedoch nur an, wenn sie gestört wird.
Ein sehr typischer Vertreter unter den Fischen des Nationalparks ist die Bachforelle, die in den klaren, kalten Gewässern einen optimalen Lebensraum findet.

Kultur

Die Geschichte der Menschen und ihrer Dörfer in der Umgebung des Nationalparks Aigüestortes i Estany de Sant Maurici war seit jeher aufs engste mit den geographischen Bedingungen diese Hochgebirgsgebietes verbunden. Einblicke in den Alltag des Lebens in den Pyrenäen gewinnen Besucher zum Beispiel bei einem Besuch des Ecomuseu Valls d’Àneu. Mit der Verbreitung der romanischen Kunst in den Pyrenäen erfuhr die Region im Mittelalter eine unvergleichliche kulturelle Blüte. So entstand hier ein einzigartiges künstlerisches Erbe, das sich in perfekter Harmonie in die Landschaft einfügt. Im Hochgebirgstal Vall de Boí, das eines der Tore zum Nationalpark bildet, befindet sich eines der bedeutendsten Ensembles romanischer Kirchen Europas, das im Jahr 2000 von der Unesco zum Weltkulturerbe deklariert wurde. Unter ihnen sind lokale Berühmtheiten wie Sant Climent, Santa Maria de Taüll, Sant Joan de Boí und Santa Eulàlia d’Erill la Vall. In den Tälern Valls d’Àneu sind neben den Kirchen Sant Just, Sant Pastor, Sant Joan d’Ilsil und Sant Pere de Burgal auch die Wachttürme von Espot und Escaló einen Besuch wert.

Die romanische Kirche Sant Feliu de Barruera im Vall de Boí © Servicios Editorials Georama

Tradition und Feste

Uralte Feste und Traditionen, wie zum Beispiel die falles genannten Feiern zur Sommersonnenwende, sind bis heute ein integraler Bestandteil des Lebens in den Pyrenäen. Die falles bestehen aus Holzfackeln, die je nach Landkreis und Gemeinde unterschiedlich gestaltet sind. Sie werden des Nachts entzündet und dann aus dem Gebirge hinab zum zentralen Platz des Dorfes getragen, wobei eine Art Feuerschlange entsteht. Im Dorf angekommen wird ein großes Feuer entzündet und man feiert dieses geheimnisvolle Sommerfest mit Tanz und Musik. In den letzten Jahren sind viele althergebrachte Elemente der Pyrenäenkultur wiederbelebt worden, die in Vergessenheit zu fallen drohten. Zu diesen gehören die traditionellen Tänze, die Märkte und Viehmärkte und unterschiedlichste Formen des kulturellen und künstlerischen Ausdrucks, die über Jahrhunderte integraler Bestandteil des Lebens in den Pyrenäen waren.

Interessante Orte

Die Fläche des Nationalparks Aigüestortes i Estany de Sant Maurici verteilt sich über vier Landkreise in der Provinz Lleida: Alta Ribagorça, Pallars Sobirà, Val d’Aran und Pallars Jussà.

Die Täler Vall de Boí im Landkreis Alta Ribagorça und Espot im Pallars Sobirà bilden die beiden Tore und traditionellen Hauptzugänge zum Nationalpark. Von Boí aus erreicht man die Ebene von Aigüestortes und von Espot aus den See Sant Maurici und damit die beiden namensgebenden Orte des Parks. Um im Auto von einer Seite zur anderen zu fahren, ist man etwa zwei Stunden auf Gebirgslandstraßen unterwegs.

In jedem der Landkreise gibt es wenig bekannte, dafür aber umso reizvollere Orte zu entdecken. Nähere Infos gibt es auf den Websites von Alta Ribagorça, Pallars Sobirà, Val d’Aran und Pallars Jussà.

Karten und Informationen zu Wanderrouten durch den Park gibt es hier. Die Wege haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, einige von ihnen sind auch für mobilitätseingeschränkte Personen geeignet.

Weiterführende Informationen zum Naturpark und seinem Angebot für Naturliebhaber, Bergsportler und Kulturtouristen gibt es hier.

Abenteuer, Action und Adrenalin an der Costa Daurada – Port Aventura und Ferrariland

Die Costa Daurada hat mehr zu bieten als herrliche Strände und ein reizvolles Hinterland. Wer Action und Abenteuer für die ganze Familie sucht, der ist hier genau an der richtigen Adresse. PortAventura World ist Spaniens größter Freizeitpark, der jährlich 3,5 Millionen Besucher anzieht. Seit April 2017 bietet Port Aventura mit dem Park Ferrari Land seinen Besuchern ein neues, faszinierendes Highlight.

PortAventura World ist zweifellos einer der spannendsten und vielseitigsten Freizeitparks Europas. Mit dem PortAventura Themenpark, dem PortAventura Caribe Aquatic Park und dem Ferrari Land bietet er ein sensationelles Spektrum von Attraktionen für die ganze Familie.

Ferrari Land – Im Rausch der Geschwindigkeit
Ferrari Land zieht Adrenalinjunkies und Formel-1-Freaks gleichermaßen in seinen Bann. Der frisch eröffnete dritte Themenpark der PortAventura World erstreckt sich über eine Fläche von 60.000 Quadratmetern und verspricht große Emotionen auf unterschiedlichsten Ebenen. Zu seinen absoluten Sensationen gehört der futuristisch anmutende Vertikalbeschleuniger Red Force, mit 112 Metern Höhe und einer Geschwindigkeit von 180km/h ist er der schnellste und höchste in ganz Europa. Gerade einmal 5 Sekunden braucht Red Force für die Beschleunigung von 0 auf 180km/h. Allein das löst einen Kick aus, der mit dem einer Rennwagenfahrt absolut vergleichbar ist. Freunde außergewöhnlicher Erlebnisse werden zweifellos auch die weitere Fahrt genießen, die mit Höchstgeschwindigkeit im 90° Winkel bergauf und bergab führt. Die beiden Freifalltürme sind zwar nur halb so hoch wie die Achterbahn, versprechen aber ebenfalls ein Erlebnis mit unvergesslichen Gefühlen: Die Fahrgäste werden zunächst auf eine Höhe von 55 Metern hochkatapultiert – dann folgt der Fall in die Tiefe.

Ferrari erleben!
Sobald man die Füße wieder auf dem Boden hat, kann man das Ferrari-Land weiter erkunden und zum Beispiel bei einem spielerischen Wettbewerb für die ganze Familie auf der 570 Meter langen Maranello Grand Race-Strecke Formel-1-Luft schnuppern. In der Ferrari Land Gallery erlebt man eine interaktive Reise durch die Geschichte von Ferrari. Im Flying Dreams können Besucher am eigenen Leibe erfahren, wie sich eine Reise in einem GT von Ferrari anfühlen würde und bei der Junior Championship dürfen auch die jungen Helden der Rennbahn einmal ans Steuer. Das Herz von Ferrari-Land ist das beeindruckende Gebäude von Ferrari-Experience mit einer Fläche von 4000 Qudaratmetern, das ein in Europa einzigartiges technologisches Erlebnis bietet. Hier gewinnt man Einblicke in Vergangenheit und Zukunft der legendären italienischen Marke und erfährt faszinierende Einzelheiten über jenen Mann, der seinen Traum zu einem weltweiten Phänomen mit Millionen Fans gemacht hat.

PortAventura – Die ganze Welt in einem Park
Der PortAventura Park ist der Klassiker unter den Parks von PortAventura World. Er gliedert sich in sechs Themenbereiche: Mediterrània, Polynesia, China, Mexico, FarWest und die Kinderwelt SésamoAventura entführen die Besucher in ferne Länder, exotische Kulturen und die unvergessliche Welt der Sesamstraße und ihrer Bewohner. Egal, ob Sie im PortAventura Park gerade die Ruhe eines Mittelmeerdorfes genießen, durch den Wald von Polynesien streifen, das China der Kaiserzeit besuchen, das Mexiko der Kolonialzeit oder den Wilden Westen entdecken, auf eines können Sie sich gefasst machen: Hier gibt es Attraktionen für jede Nervenstärke und wer will, kann seinen Wagemut hier einmal so richtig herausfordern. Zum Beispiel auf der Stahlachterbahn „Dragon Khan“ in der Themenwelt China, die für eine ganze Weile weltweit die einzige mit acht Inversionen war. Der Coaster mit einer Länge von 1270 Metern und einer Spitzengeschwindigkeit von 105kmh bietet eine großartige Aussicht und gilt als eines der Wahrzeichen des Parks. Mit „Shambala“ befindet sich hier auch die höchste Achterbahn Europas, auf der Hartgesottene sich an einer Fallhöhe von 76 Metern erfreuen können. Und wo wir gerade Superlative aufzählen: Mit der Katapultachterbahn „Furius Baco“ in der Themenwelt Mediterrània, die bis auf 135km/h beschleunigt, beherbergt PortAventura auch die schnellste Achterbahn Europas.

Wer findet, es darf auch ruhig ein bisschen weniger sein, kann sich natürlich mit seinen Kindern in SesamoAventura amüsieren – zum Beispiel auf der Familienachterbahn Tami-Tami und der Kinderachterbahn Tomahawk. Vielleicht haben Sie aber auch Lust, sich auf Schiffsreise ins alte China zu begeben oder per Lokomotive die geheimnisvollsten Winkel des Parks zu entdecken? Alternativ dazu können Sie auch shoppen, chillen, den Freuden einer abwechslungsreichen Gastronomie frönen oder sich bei einer der vielen Themenshows einfach blendend unterhalten.

PortAventura Caribe Aquatic Park
Sie finden Themenwelten und Achterbahnen gut und schön, aber Ihr Element ist halt einfach das Wasser? Super! Dann besuchen Sie doch einfach den PortAventura Caribe Aquatic Park. In diesem 34.000 Qudratmeter großen Wasserpark kommt garantiert keine Langeweile auf. Hier gibt es schwindelerregende Rutschen mit unzähligen Kurven, Abenteuer im Wellenpark Bermuda Dreieck, verrückte Wasserabenteuer am „Rio Loco“ und den Adrenalin-Blast „King Khajuna“, bei dem Sie sich dem freien Fall aus einer Höhe von 31 Metern und dem schwindelerregenden Gefälle von 55 Grad stellen dürfen. Nach so viel Action gönnen Sie sich am besten zunächst mal eine Auszeit, am besten auf den Wasserliegen von „Playa Paraíso“ oder am „Bahama Beach“. Hier können Sie dem leisen Rauschen der Wellen lauschen und sich einfach mal in Ruhe die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Es sei denn, Ihre Kinder möchten ihre Freude über die unendlichen Möglichkeiten, im Wasser zu spielen, unbedingt mit Ihnen teilen. In diesem Fall müssen Sie Ihre mutigen kleinen Piraten vermutlich unter anderem zum „Galeón Pirata“ begleiten und die bunte Tropeninsel der „Junior Body Slides“ besuchen. Garantiert ganz viel Spaß bieten auch der „Sésamo Beach Kinderpool“ sowie die „Laguna de Woody“, eine Lagune, die das Maskottchen von PortAventura extra für die kleinen Besucher des Parks erbaut hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Naturpark Alt Pirineu

Der Naturpark Alt Pirineu in der Provinz Lleida erstreckt sich über die Landkreise Pallars Sobirà und das nördliche Alt Urgell. Mit einer Fläche von 69.850ha ist er der größte Naturparks Kataloniens. Seine facettenreiche Gebirgslandschaft beherbergt die höchsten Gipfel der Pyrenäen, eine artenreiche Flora und Fauna sowie geologische Formationen, die Kenner des Fachs in Begeisterung versetzen. Darüber hinaus ist in den teilweise abgeschiedenen Gebirgstälern die Jahrtausende alte Kultur der Pyrenäen erhalten geblieben. Der besondere Schutz des Naturparks Alt Pirineu gilt deshalb einerseits den  Naturlandschaften, die durch die Jahrtausende lange Nutzung als Weideland geprägt sind. Andererseits bietet der Park auch einen geschützten Raum für die althergebrachte Pyrenäenkultur, welche ihren höchsten Ausdruck in der berühmten romanischen Architektur findet.

Der Gletschersee von Certascan im Naturpark Alt Pirineu © Sergi Boixader

Ein kleiner Überblick

Aufgrund der großen Höhenunterschiede und einem komplexen Relief findet man im Naturpark Alt Pirineu eine erstaunliche Vielfalt von Ökosystemen, Pflanzen- und Tiergemeinschaften sowie verschiedenste geologische Strukturen. Mit dem 3.143m hohen Pica d’Estats beherbergt der Naturpark Alt Pirineu den höchsten Gipfel der katalanischen Pyrenäen, die Cigalera de l’obaga de Valeran ist eines der tiefsten Erdlöcher auf katalanischem Gebiet und die Laguna de Certascan darf sich rühmen, der größte Gletschersee Kataloniens zu sein.

Die Landschaft des Parks zeichnet sich aus durch das Miteinander von Wildwasserflüssen und stillen Gebirgsseen, tiefeingeschnittenen Tälern und himmelstürmenden Gipfeln. Diese ziehen im Sommer Bergsportler an und bieten im Winter beste Möglichkeiten für Skifahrer und Snowboarder. Das kulturelle Erbe der Region wird greifbar in Kirchen und Einsiedeleien, Burgen und Megalithgräbern, die entlang der Dörfer und alten Wege verstreut in der Landschaft liegen. Ebenso spürbar wird die althergebrachte Kultur der Pyrenäen bei den regelmäßig zelebrierten, traditionellen Volksfesten, bei denen die lokale Gastronomie und der typische Pyrenäenlikör eine besondere Rolle spielen. Auch in Museen wie dem Museu de la Madera in Areu und dem Ecomuseu de las Valls de Aneu wird die regionale Kultur auf lebendige Weise erfahrbar.

Dolmen in der Nähe von Cabó © Servicios Editorials Georama

Natürliche Vielfalt

Die von Fels und kargem Weideland geprägte alpine Landschaft der Höhen geht in den tieferliegenden Gebieten des Naturparks in ein Mosaik von Wiesen, Büschen und Wäldern über, in denen Kiefer und Schwarzkiefer, Tannen und Birken beheimatet sind. Der Wald von Virós beherbergt als einziger der Region auch Buchenbestände, in den niedrig gelegenen Abschnitten des Vallferrera wachsen Eichen, Eschen, Pappeln und Kirschbäume. An den sonnenbeschienen Hängen des Vallferrera krallen sich sogar die typisch mediterranen Steineichen in den trockenen Boden.

Flora

In diesen Wäldern wächst eine Vielzahl von Pilzen, die nicht nur botanisch interessant sind, sondern auch eine wichtige Rolle in der Pyrenäenküche spielen. Außerdem finden in den verschiedenen Naturräumen, die sich von alpinen Höhen bis in die Niederungen erstrecken, viele seltene Tiere und Pflanzen eine Heimat. Weite Teile des Parks stehen deshalb als Natura-2000 Gebiet unter besonders strengem Naturschutz. Die Flora dieses Gebietes umfasst etwa 1.500 Arten, von denen viele extrem selten und/oder endemisch sind, also ausschließlich in den Pyrenäen vorkommen. So gibt es im Alt Àneu eine Gruppe von Pflanzen, die typisch für kalkhaltige Böden des Hochgebirges sind und in Katalonien sehr selten vorkommen. Ein populäres Beispiel hierfür ist das Alpen-Edelweiß (Leontopodium alpinum). Noch bemerkenswerter ist vielleicht das Vorkommen von Pflanzen wie der Matthiola valesiaca (Walliser Levkoje), die in den Pyrenäen fast ausschließlich im Naturpark Alt Pirineu vorkommen.

Herbst im Naturpark Alt Pirineu © Servicios Editoriales Georama

Fauna

Beeindruckend ist auch die Fauna des Naturparks Alt Pirineu. Hier lebt die größte Poblation von Auerhähnen der gesamten Ibersichen Halbinsel, auch Steinadler, Geier und Bartgeier kommen hier häufig vor. Zu den großen Säugetieren, die man hier beobachten kann, gehören Gemsen, Mufflons, Rehe, Hirsche, Damwild und Wildschweine. Auch der Braunbär ist in den nördlichen Wäldern des Parks zu Hause. Die offenen Landschaften der Höhenzüge sind Heimat von Alpenschneehuhn, Schneefink und Mauerläufer. In den Hochgebirgswäldern leben neben dem Auerhahn auch der Raufußkauz, die Waldschnepfe, der Waldbaumläufer und der Baummarder.
Das weitgespannte Netz von Flüssen und Bächen ist Lebensraum großer Forellenpoblationen, auch seltene Wirbeltiere wie Pyrenäen-Desman, Biberratte und Wasseramsel sind hier zu Hause. Eine Besonderheit ist die lagartija pallaresa (Pallars-Eidechse), die nur in den Pyrenäen zwischen dem Mont-roig Massiv und West-Andorra vorkommt und erst in den 90er-Jahren von der Wissenschaft entdeckt wurde.

Im Naturpark Alt Pirineu zu Hause: der Auerhahn © José Luis Rodríguez

Kultur

Auch auf kultureller Ebene hat der Naturpark Alt Pirineu eine Menge zu bieten. Hervorzuheben sind insbesondere die romanischen Kirchen, die für die Region in hohem Maße identitätsbildend waren, aber auch die alten Burgen und Festungen. Zeugnis vom historischen Alltag der Region geben die überall in der Landschaft verstreuten Schäferhütten, die mit Wasserkraft betriebenen Sägewerke, die Schmieden, als bedeutsamer wirtschaftshistorischer Faktor der eisenreichen Region, die Mühlen, Kohlenmeiler und Taubenschläge.
Ein idealer Ort, um sich diesem kulturellen Erbe anzunähern ist das Tal Vallferrera mit einer seit mehr als tausend Jahren dokumentierten Geschichte, in dem Ursprung und Entwicklung der Pyrenäendörfer von der vorromanischen Epoche bis in die Gegenwart nachvollzogen werden können.

Die romanische Kirche Sant Joan d’Isil in Alt Àneu © Servicios Editorials Georama

Interessante Orte im Naturpark Alt Pirineu

Der Naturpark Alt Pirineu kann in fünf Bereiche aufgeteilt werden, die für Besucher von besonderem Interesse sind. Zu diesen gehören die Täler Vall d’Àneu, Vall de Cardós, Vall Ferrera und das Tal Vall de Santa Magdalena sowie das Orri-Massiv (Massis de l’Orri). Karten mit Informationen zu Wanderwegen, Unterkünften, Restaurants, Kunsthandwerk, Führungen durch den Naturpark etc. stehen für jede der fünf Zonen hier zum Download bereit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einmal Antike und zurück – Tarragona mit Kindern entdecken

Tarragona gehört zu jenen Orten, die wie geschaffen sind für einen Citytrip mit der ganzen Familie. Der Faszination ihrer historischen Mauern werden sich selbst die größten Geschichtsmuffel nur mit Mühe entziehen können. Die bewegte Vergangenheit der Stadt, die vor etwa 2000 Jahren als das “Rom der Iberischen Halbinsel” galt, ist noch heute allgegenwärtig. Erfahrbar wird dies nicht nur bei einem Gang durch die Arena des monumentalen Römischen Circus oder einem Besuch des direkt am Meer gelegenen Amphitheaters, sondern auch bei einem Bummel durch die schattigen Gassen der Altstadt. Doch Tarragona hat weit mehr zu bieten, als antike Mauern und Monumente. Das alte Stadtviertel El Serrallo lädt ein, die Atmosphäre eines traditionsreichen Fischerviertels und eine hervorragende Gastronomie zu genießen. Maritimes Flair und Fernweh deluxe kann man in Tarragonas modernem Hafen erleben. Wer zwischendurch einfach nur entspannen möchte, genießt die feinsandigen Strände oder nimmt an einer geführten Kayaktour für die ganze Familie teil. Sonst noch Wünsche? Dann lesen Sie weiter – denn all das ist nur der Anfang…

Das Amphitheater in Tarragona © Imagen M.A.S.

Sehenswürdigkeiten wie die Stadtmauer, das Provinzforum, der Römische Zirkus und das Amphitheater, die übrigens allesamt den Status “Unesco-Welterbe” tragen, sind bedeutende touristische Anziehungspunkte Tarragonas. Doch sie sind noch viel mehr. Die historischen Mauern der Stadt stehen im Zentrum zweier großer Festivals, die Tarragonas ganz besonderes Verhältnis zur Vergangenheit zum Ausdruck bringen.

Die Festivals der Geschichte

Regelmäßig im Juni findet das Festival Tarraco Viva statt und die Straßen füllen sich mit sorgfältig im römischen Stil bekleideten Bewohnern, die mehr oder weniger alltäglichen Aktivitäten des römischen Alltags nachgehen. Die Macher des Festivals sind übezeugt: Wer die Vergangenheit kennt, versteht die Gegenwart und hat die Chance, die Zukunft zu bestimmen. Vor diesem Hintergrund bietet das Festival Reenactment vom Feinsten und gewährt den Besuchern faszinierende Einblicke in die unterschiedlichsten Aspekte der antiken Vergangenheit der Stadt, zum Beispiel in das militärische Leben, die Gladiatorenkämpfe, das Theater, die Schrift, die Küche, den Haushalt, das Ingenieurswesen und die Mode. Das ist einerseits lustig und spannend, andererseits ein Anstoß zum Nachdenken. Nicht selten kommen Besucher des Festivals zu dem Schluss, dass wir alle viel “römischer” sind als wir glauben.

Das Festival Història viva bietet an den Sommerabenden Vorführungen in mehreren historischen Anlagen, in denen Geschichte lebendig wird: Gladiatorenkämpfe, Musik aus dem alten Rom, Militärparaden im Amphitheater oder auch die Welt der Prostitution im Römischen Circus – Història viva entführt die Besucher der Stadt zu einer abenteuerlichen Reise in die Vergangenheit.

Ein Spaziergang durch das historische Viertel Part Alta

Aber natürlich kann man auch außerhalb der “Festival-Saison” Tarragonas Vergangenheit auf die Spur kommen. Goßartig für Familien ist dabei, das man beinahe alles, was wichtig ist, auf einem gemütlichen Spaziergang erkunden kann. In den schattigen Gassen des historischen Viertels Part Alta gibt es viel zu entdecken. Zum Beispiel die Plaça del Font, Rathausplatz und Zentrum des Lebens in Tarragona, die sich über ein Kernstück des alten römischen Circus erstreckt, oder die bemalte Fassade an der Plaça dels Sedassos, die eines der meistfotografierten Motive des Altstadtviertels ist. Der Spaziergang führt weiter durch die Carrer Major, die Carrer Cavallers und die Carrer del Comte mit den verzierten Säulengängen. Unbedingt sehenswert ist auch das große Modell von Tarraco auf der Plaça del Pallol, das die Stadt im zweiten Jahrhundert, dem Zeitalter ihrer größten Pracht, zeigt. Zu den Höhepunkten dieses Altstadtbummels gehört natürlich ein Besuch des Amphitheaters von Tarraco, das offen am Mittelmeer liegt und des nur wenige Schritte entfernten Circ, den man durch den Turm Torre del Pretori betritt. Ein weiteres Highlight für Familien ist ein Besuch der Casa de la Festa, in dem Figuren von Riesen, Zwergen und Bestien untergebracht sind, die am Festtag der Heiligen Tecla, Tarragonas großem Stadtfest, die Straßen bevölkern.

Der römische Circus in Tarragona © Imagen M.A.S.

Restaurants für Familien

Aber irgendwann ist es dann auch einmal Zeit, auszuruhen und etwas Leckeres zu essen. Ein schöner Platz für ein Essen mit der ganzen Familie ist das Restaurant Granotes Terrassa mit Blick aufs Meer und das Amphitheater. Ein etwa ebenso wichtiger Pluspunkt dieses Restaurants ist, dass es fernab vom Autoverkehr direkt an einem Spielplatz liegt. Wer es vorzieht, im Part Alta zu speisen, findet garantiert in einem der zahlreichen kleinen Restaurants zwischen Plaça del Font, Plaça del Rei und Plaça del Forum den perfekten Platz. Wem der Sinn danach steht, das Essen umgeben von antiken Mauern zu genießen, schaut im Pulvinar vorbei. Das Restaurant zählt zu den ältesten Pizzerien Tarragonas und ist auf den Überresten der Tribüne des römischen Circus errichtet.

Routen zur Geschichte Tarragonas

Das Tourismusbüro von Tarragona stellt außerdem verschiedene Routen bereit, die eine weitere Möglichkeit bieten, der Geschichte der Stadt auf die Spur zu kommen. Zu diesen gehört neben der Römerroute die mittelalterliche Route, in deren Zentrum die beeindruckende Kathedrale steht. Dort steht Informationsmaterial bereit, welches die Geschichte dieses geheimnisvollen Bauwerks auf kindgerechte Weise erklärt. Weitere spannende Einblicke in die Geschichte der Stadt bieten die Route der ersten Christen Tarragonas sowie die modernistische Route, die uns der Gegenwart wieder ein Stückchen näher bringt.
Die entspannteste Art Tarragona kennenzulernen, ist vermutlich eine Fahrt im Tarracotren, einer Straßenbahn, die durch das gesamte Stadtzentrum und ins Fischerviertel El Serrallo fährt.

Kreuzgang der Kathedrale von Tarragona © Imagen M.A.S.

Das Fischerviertel El Serrallo

Der unverwechselbare Charakter von El Serrallo macht den besonderen Reiz dieses traditionsreichen Fischerviertels aus. Wer sich nachmittags gegen halb vier an der Mole einfindet, kann die vom Meer kommenden bunten Fischerboote beobachten, die nun hier anlegen. Bei einem Spaziergang durch El Serrallo lernt man Tarragona von seiner maritimsten Seite kennen. Die Straßencafés an der Moll de Pescadors laden ein, sich ein erfrischendes Getränk im Schatten zu gönnen und im Sommer gibt es hier einen Markt mit lauter Sachen, die kleinen Kindern Freude machen. Die tinglados, ehemalige Schuppen und Lagerhallen am Hafen, bilden eine reizvolle Kulisse für einen weiteren Spaziergang. Wer sich für die Kunst des Fischfangs und die Geschichte des Hafens interessiert, besucht das Hafenmuseum. An den Sommerabenden werden von hier aus auch geführte Touren durch El Serrallo angeboten. Wer Tarragona in den Wintermonaten besucht, hat die Chance, im Hafen Marina Tarraco einige der größten Yachten der Welt zu sehen. Diese kann man zwar leider nicht besichtigen, dafür lohnt sich eine Bootsexkursion entlang der Küste mit Tarragona Blau. Schließlich bietet El Serrallo natürlich auch jede Menge Möglichkeiten, frisch gefangenen Fisch zu probieren. Die besten alten Fischerrezepte und dazu noch einen Kinderspielplatz findet man zum Beispiel im Restaurant Xaloc.

Tarragona – Strand und Meer

Wer Tarragona im Sommer besucht, wird irgendwann zweifellos auch den Strand genießen wollen. Strand und Meer lassen sich hier hervorragend mit einem geführten Kayakausflug für Familien verbinden, einem besonderen Bootsvergnügen, das in den Sommermonaten von KayakTarragona angeboten wird. Start ist der Yachthafen, wo man zuerst einige Grundlagen über das Kayakfahren lernt. Weiter geht es dann mit dem Kayak entlang der Küste zu den schönsten und verstecktesten Perlen der Costa Daurada. Zu den Höhepunkten zählen Punta del Miracle, Fortí de la Reina, Monumento a Sant Magí, Punta de l’Arrabassada und ein Bad im offenen Meer. Die Kayaktour ist leicht und bereits für Kinder ab sechs Jahren geeignet, wenn sie schwimmen können.

Der Ökohistorische Park Pont del Diable

Der Ökohistorische Park Pont del Diable ist insbesondere für Familien ein perfektes Ausflugsziel in unmittelbarer Nähe von Tarragona. Er beherbergt das Aquädukt de las Ferreres, im Volksmund auch Pont del Diable, “Teufelsbrücke” genannt, und damit eines der beeindruckendsten und besterhaltenen Monumente aus der römsichen Epoche Tarragonas. Dieses Aquädukt durchzieht eine Landschaft, die in unnachahmlicherweise den Naturraum des Mittelmeers mit seiner artenreichen Tier- und Pflanzenwelt repräsentiert. Zu den weiteren Highlights des Ortes gehört eine zauberhafte romantische Gartenanlage und ein Restaurant, das zum Verweilen einlädt. Jeden ersten Samstag des Monat bietet der Ökohistorische Park ein eigens auf Familien zugeschnittenes Programm, bei dem große und kleine Gäste auf spielerische Weise die Natur, Kultur und Geschichte des Ortes erkunden können. Dabei entdecken sie die verborgenen Winkel der romantischen Gärten, wandeln auf römischen Spuren, erleben die Kraft der aromatischen Pflanzen des Mittelmeerraumes und schließen Bekanntschaft mit den Tieren, die hier leben. Weitere Infos finden Sie hier.

El Pont del Diable © Servicios Editorials Georama

Ausflugsziel Jungle Trek

Wer sich richtig austoben und dabei einen prickelnden Adrenalinrausch erleben möchte, findet vielleicht eher im Jungle Trek sein perfektes Ausflugsziel. Der Hochseilgarten im Wald von Tamarit bietet verschiedene Parcours mit Seilrutschen, Lianen und Seilschaukeln, die gerade kleinen Wildlingen die perfekte Kulisse für ausgiebigen Naturgenuss bieten.

 

Tipp: Minipop-Festival
Wer Anfang Juni mit der Familie nach Tarragona reist, hat die Chance das Minipop Festival mitzuerleben. Das bekannte Musik- und Kulturfestival für die ganze Familie verspricht drei erlebnisreiche Tage voller Konzerte, Kreativ-Workshops, Kino, Theater und Spielen für die ganze Familie. Location ist unter anderem das direkt am Meer gelegene Amphitheater von Tarragona. Der Eintritt umfasst Besichtigungen und Aktivitäten in den historischen Monumenten und besondere Preisnachlässe für Übernachtungen und Restaurants. Info unter www.minipop.cat.

 

Die Diada de Sant Jordi – Liebe und Literatur in Barcelona

Wenn Sie Ihren Todestag gerne in guter Gesellschaft feiern möchten, dann wäre der 23. April zweifellos ein geeignetes Datum. An einem 23. April gingen nicht nur der katalanische Nationalheilige und „Drachentöter“ Sant Jordi, sondern auch zwei Giganten der abendländischen Literatur von uns. Aber natürlich möchten wir Ihnen hier nicht nahelegen, den drei Berühmtheiten nachzufolgen, sondern mit uns zu feiern: Den Tag der Liebenden, den Tag der Literatur und natürlich den Tag des unvergesslichen Sant Jordi. Wie das alles zusammenhängt, erfahren Sie hier…

Bald ist es wieder so weit. Zur Diada de Sant Jordi füllen sich die Straßen Barcelonas mit Blumen und Büchern, mit frisch Verliebten, Literaten und Buchliebhabern. Die Stadt feiert den romantischsten aller katalanischen Feiertage, zelebriert die Liebe zum Buch und lädt ein, lokalen und internationalen Helden der Literatur auf ausgesuchten Routen durch die Stadt zu folgen. Das Programm enthält Leckerbissen für unterschiedlichste literarische Geschmäcker. Doch bevor wir näher darauf eingehen, sei an dieser Stelle noch einmal kurz daran erinnert, weshalb Liebe, Literatur und der Nationalheilige Sant Jordi am 23. April in Katalonien ein so unzertrennliches Dreiergespann bilden…

Am 23. April kam es zu einer schicksalhaften Häufung bemerkenswerter Ereignisse, die eng miteinander verknüpft sind und dem  Frühlingsfest Diada de Sant Jordi seine ganz einzigartige Form gaben. Hier eine kurze Darstellung der frappierenden Details:

Rosen in la Diada de Sant Jordi © Oriol Llauradó



1.) Der Traum der Blumenhändler oder „Die Legende von Sant Jordi“
Am 23.4.303 stirbt der Ritter Sant Jordi im Nahen Osten den Märtyrertod. Bevor es so weit kam, hatte er gerade noch rechtzeitig das katalanische Dorf Montblanc erreicht, um eine schöne Prinzessin vor einem Drachen zu retten, der seit Jahren immer neue Menschenopfer forderte. Als Sant Jordi dem Ungeheuer seine Lanze ins Herz stieß, schoss ein Blutschwall zur Erde, aus dem sofort ein wunderschöner Rosenbaum wuchs. St. Jordi schenkte der Prinzessin eine Rose, lehnte eine Hochzeit dankend ab und ritt seiner letzten Bestimmung entgegen.

Aus diesem Grund werden schon seit dem 15. Jahrhundert in Katalonien am 23. April Rosenfeste zu Ehren der Liebenden gefeiert. Und so ist es auch heute noch Brauch, seiner Liebsten an diesem Tag Rosen zu schenken. Das freut natürlich nicht nur die Liebste, sondern auch die Blumenhändler. Am 23. April füllen zahllose Menschen und zahllose Blumenstände die Straßen. Doch ein entscheidendes Detail fehlt noch. Denn an diesem Tag gehen Liebe und Literatur eine geheimnisvolle Liaison ein. Eine Tatsache, die sich letztlich unter anderem einer besonderen Form europäischer Uneinigkeit verdankt.

„Die Legende von Sant Jordi“ in Montblanc ©Oriol Llauradó

2.) Konkurrierende Kalender und „Der Tod der Dichter“
Am 23.4.1616 starb Miguel de Cervantes Saavedra. 10 Tage später starb William Shakespeare ebenfalls am 23.4.1616. Wie sowas möglich ist? Knapp 400 Jahre, bevor die Einzelheiten des europäischen Zusammenlebens durch rund 21.000 EU-Verordnungen und Richtlinien geregelt wurden, kam es gelegentlich auch auf den grundlegendsten Ebenen zu Unregelmäßigkeiten: Als Shakespeare starb, galt in Großbritannien noch der Julianische Kalender, während sich in Spanien bereits der Gregorianische Kalender etabliert hatte.

3.) Der Tag der Liebenden als Welttag des Buches
Sei’s drum, ebenso wie Sant Jordi starben die beiden Giganten der europäischen Literatur an einem 23. April. Natürlich waren die Katalanen die ersten, denen dieses erstaunliche Zusammentreffen ins Auge fiel. Sie ernannten den 23. April zum Tag des Buches, eine Anregung, die sie später an die UNESCO weitergaben, weshalb der 23. April seit 1995 der Welttag des Buches ist. Dieser wird allerdings nirgendwo mit so viel Enthusiasmus begangen wie in Katalonien. So ist das klassische Geschenk der Frau für den Mann am Tag der Liebenden ein Buch und die Straßen füllen sich am 23. April mit ebenso vielen Bücher- wie Blumenständen. Und das ist erst der Anfang, denn an diesem Tag erobert die Literatur die Straßen und von dort aus die Herzen ihrer Bewohner und Besucher.

Die Diada de Sant Jordi in Barcelona
Wie so oft nimmt Barcelona auch im Rahmen der Feierlichkeiten der Diada de Sant Jordi eine Sonderrolle ein. Kein Wunder schließlich ist der selbstlose Ritter hier allgegenwärtig. Als Nationalheiliger ziert er zum Beispiel die Fassade des Palau de la Generalitat im Gotischen Viertel, in der märchenhaften Casa de les Punxes verrät eine audiovisuelle Installation faszinierende Details über die Heiligenlegende und die Casa Batlló, Gaudís architektonische Hommage an den Drachen und dessen Bezwinger, trägt nicht umsonst den Beinamen „das Drachenhaus“. Zur Feier der Diada de Sant Jordi wird dessen Fassade mit Rosen bedeckt sein und im Inneren wird es Blütenblätter regnen. Um alle Elemente der Legende in die Gegenwart zu transportieren, wird es auf der Straße außerdem eine solidarische Blutspende-Aktion geben.

Nicht nur Sant Jordi, auch die Literatur ist in Barcelona allgegenwärtig. Am 23. April zieht sie hinaus auf die Straßen – und das nicht nur in Form von Bücherständen. Leidenschaftlich Lesende haben an diesem Tag auch die Gelegenheit, ihre liebsten Bücher von deren Autoren signieren zu lassen und es gibt in vielen Vierteln der Stadt ein breitgefächertes literarisches Programm. Das Zentrum der Feierlichkeiten liegt im Umkreis des Passeig de Gràcia, Rambla Catalunya und La Rambla.

Wer noch tiefer in die Erinnerungen, Geschichten und Fantasien des literarischen Barcelona eintauchen möchte, dem seien die Routen auf den Spuren großer Schriftsteller und Romanhelden ans Herz gelegt.

 

Bücherständen in Rambla Catalunya ©Oriol Llauradó

Das Gotische Viertel auf den Spuren von Cervantes und Don Quixote
Miguel de Cervantes ist nicht nur eine der Referenzfiguren der Diada de Sant Jordi, er ist auch der Protagonist einer literarischen Route durch das Gotische Viertel von Barcelona. Diese beginnt an der Kathedrale, welche die Statue des Christus von Lepanto beherbergt. Bei der Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571, in welcher die christlichen Mittelmeermächte als „Heilige Liga“ das Osmanische Reich bekämpften, war diese Skulptur der Legende nach zugegen. Darüber hinaus war auch der junge und kampfeslustige Miguel de Cervantes zugegen, der als einfacher Soldat in der Schlacht kämpfte und dabei zwei Schusswunden in der Brust und eine dauerhaft entstellte linke Hand davontrug. Die rechte, mit der er schrieb, blieb – dem Himmel sei Dank – verschont. Und so schenkte der reifer gewordene Haudegen Cervantes der Welt nicht nur den ersten modernen Roman, sondern auch einige literarische Gestalten, die eine Entsprechung im realen Leben hatten. Zu diesen gehört zum Beispiel jener berühmte Bandit, nach dem die nahe der Kathedrale gelegene Allee Perot lo Lladre benannt ist, den Cervantes in Roque Guinart umbenannt hat. Nächster spannender Punkt auf dieser Route ist die auf Cervantes-Literatur spezialisierte Biblioteca de Catalunya. Weiter geht es zum Schifffahrtsmuseum von Barcelona an den ehemaligen Königlichen Schiffswerften. Hier ist die Galeere zu sehen, die während der Schlacht von Lepanto vom Oberbefehlshaber der Heiligen Liga, Juan de Austria kommandiert wurde. Ganz in der Nähe, am Ende der Rambla hinter dem Columbus-Denkmal, liegt das Gebäude Passeig de Colon, 2, in dessen dritter Etage der Legende nach Cervantes gelebt hat. Der Spaziergang endet am Gebäude der Facultat de Nàutica. Von hier aus eröffnet sich der Blick auf das Meer, das Don Quijote in Barcelona zum ersten Mal sah und auf jenen Strand, an dem der Ritter vom weißen Mond unseren weltberühmten Ritter von der traurigen Gestalt vom Pferd stieß.

George Orwells Barcelona
Die zweite literarische Route startet mitten im Zentrum Barcelonas und ist einem der großen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts gewidmet: George Orwell.
Wer an Orwell denkt, denkt wohl zunächst an dessen berühmte Dystopien Farm der Tiere und 1984. Sein Buch Mein Katalonien dokumentiert hingegen die Realität jenes Krieges, die er im Barcelona des Jahres 1936 erlebte. Angereist als Journalist und Kriegsberichterstatter, wurde Orwell schon bald von den Wogen der Revolution mitgerissen und schloss sich einer antifaschistischen Miliz an, um im republikanischen Lager zu kämpfen. Mein Katalonien verarbeitet seine „von innen heraus gewonnenen“ Einblicke in das damalige Kriegsgeschehen. Die Route durch Barcelona auf den Spuren George Orwells führt zu jenen Orten, die in diesem Zusammenhang besonders bedeutsam waren:

Die Route beginnt an der Plaça Catalunya. Hier hatte die Kommunistische Partei damals ihr Hauptquartier im Hotel Colón (das heute nicht mehr existiert), während der Hauptsitz der Anarchistischen Vereinigung CNT im Telefónica Gebäude lag. Von hier aus führt der Weg zum Hotel Continental, in dem Orwell damals untergebracht war. Es war gerade von der lokalen Regierung entprivatisiert worden und Orwell notierte erstaunt „Es war das erste Mal, dass ich in einer Stadt war, in der die Arbeiterklasse das Sagen hatte.“ Kurz dahinter liegt das Hotel Rivoli mit der Hausnummer 128, damals Hauptquartier der Marxistischen Partei (POUM). Orwell gehörte zu den Männern, die damals zur Verteidigung des POUM-Sitzes am Theater Poliorama postiert waren. Auch das in diesem Zusammenhang von Orwell erwähnte, nebenan gelegene Café Moka existiert – in stark modernisierter Forme – noch heute. Wenn man von hier aus in Richtung Raval weiterläuft, erreicht man schließlich die Plaça George Orwell.

„Die Stadt der Wunder“ und mehr: Der Südwesten Barcelonas
Eine weitere empfehlenswerte Route verläuft durch zwei Viertel im Südwesten der Stadt. Die Plaça Santa Madrona im Poble Sec bildet das Setting einer Kurzgeschichte des bekannten Barceloneser Autors Quim Monzó, am Hügel des Montjuïc porträtierte Juli Vallmitjana das „Zigeunerleben“. Auch Eduardo Mendozas Roman Stadt der Wunder nimmt diese Ecke der Stadt ganz genau unter die Lupe. Folgen Sie den Spuren des Protagonisten Onofre Bouvila, der sich vom armen Jungen vom Lande zum reichsten Mann Spaniens aufschwingt, und erkunden Sie zum Beispiel den Parc de la Ciutadella. Hier, wo einst eine militärische Festung stand, befinden sich heute das katalanische Parlament und der Zoo. Weiter geht es zur Plaça Espanya und weiter über die Avinguda Reina Maria Cristina zum Palau Nacional, in dem das Museu Nacional d’Art Catalunya untergebracht ist. Von hier aus bietet sich ein unglaublicher Panoramablick. Wer den Handlungsverlauf von Mendozas Roman Stadt der Wunder vor Augen hat, der den Wandel der Stadt zwischen 1888 und 1929 nachzeichnet, wird mit besonderem Interesse auf diesen eigens für die Weltausstellung 1929 errichteten Teil der Stadt schauen. Der beste Ort, um diese literarische Route zu beenden, ist natürlich die Festung am Montjuïc.

Buchsignierung © Oriol Llauradó

Tipps:

Geführte LiteraTouren zur Diada de Sant Jordi
Anlässlich der Diada de Sant Jordi bietet Icono Serveis Culturals 2,5stündige geführte Touren (spanisch und englisch), die in die großen „Romanwelten“ Barcelonas führen. Die Tour zu Ildefonso Falcones Die Kathedrale des Meeres findet am 16., 22. und 30. April statt. Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Schatten des Windes ist eine Tour am 15., 22. und 29. April gewidmet.

Die schönsten Bibliotheken und Buchhandlungen
Barcelona bietet seinen Besuchern nicht nur Routen zur Literatur und zahllose literarische Events, sondern auch eine Vielzahl schöner Buchhandlungen und Bibliotheken, von denen einige echte Sehenswürdigkeiten sind.
Ein herausragendes Beispiel ist die Biblioteca de Catalunya im Raval, die in einem gotischen Gebäude untergebracht ist, das vormals das Hospital de la Santa Creu beherbergte. Auch die Biblioteca Jaume Fusta wäre allein aus ästhetischen Gründen bereits einen Besuch wert. Das Gebäude im Viertel Gràcia erhielt 2006 den spanischen Architekturpreis FAD. Interessant ist auch ein Besuch der Stadtbücherei Can Rosés in Les Corts. Sie ist in einem alten Bauernhaus untergebracht, das an die ländliche Vergangenheit des Ortes erinnert und heute unter Denkmalschutz steht. Ebenfalls interessant: die Biblioteca Pública Arús im Eixample, die eine Nachbildung der Freiheitsstatue hütet.

Barcelona, Stadt der Literatur
Literatur ist in Barcelona allgegenwärtig. Die Stadt ist nicht nur Schauplatz zahlloser berühmt gewordener Romane, sie ist auch ein Ort, an dem Literatur seit jeher gepflegt wurde. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert zum Beispiel fanden berühmte spanischsprachige Schriftsteller wie Gabriel García Marquez und Mario Vargas Llosa hier einen Ort, an dem sie frei von Zensur ihrer literarischen Berufung nachgehen konnten. Ihre legendär gewordene katalanische Literaturagentin, Carmen Balcells, revolutionierte die klassische Form des Autorenvertrags zu Gunsten der Schriftsteller, löste durch ihre Arbeit in den 60er Jahren den Boom der lateinamerikanischen Literatur aus und wurde noch zu Lebzeiten zur literarischen Figur in Werken von Größen wie García Marquez und Max Aub. Erstaunliche Geschichten wie diese stehen hinter der Tatsache, dass Barcelona bis heute zu den weltweit wichtigsten Zentren des Verlagswesens zählt und im UNESCO Creative Cities Network den Platz der „Stadt der Literatur“ einnimmt.

Dem Frühling entgegen – Wandern ohne Gepäck auf dem Camí de Ronda ®

Endlich ist es so weit: In Windeseile entfaltet sich das frische Grün an den Zweigen der Bäume, an Büschen und Sträuchern ploppen im stündlichen Rhythmus neue weiße und rosige Blüten auf und die Vögel pfeifen es schon ab morgens um vier von den Dächern: Es wird Frühling! Zeit aufzubrechen und der Sonne entgegen zu reisen, Zeit für eine einzigartige Wanderung an der Costa Brava!

Dass touristische Zentren wie Lloret de Mar und Platja d’Aro ihren Besuchern die Möglichkeit bieten, auf Küstenwanderwegen die nahezu unberührte Natur der Costa Brava zu erkunden, haben wir bereits berichtet. Inzwischen ist die „Wilde Küste“ noch wanderbarer geworden. Mit dem Camí de Ronda® gibt es nun einen Wanderweg, dessen Infrastruktur exakt auf die Bedürfnisse von Wanderern zugeschnitten ist, die mehr als nur einen Spaziergang oder eine Tageswanderung an der Costa Brava machen wollen.

Calella de Palafrugell © Daniel Punseti Arxiu Camí de Ronda

Ein Weg – zwei Varianten

Camí de Ronda®umfasst eine lineare Route von 43 Kilometer Länge, die in Sant Feliú de Guíxols beginnt und im kleinen Fischerdorf Begur endet sowie eine Rundroute mit einer Gesamtlänge von 140 Kilometern, deren Start- und Endpunkt Girona ist. Beide Routen zeigen die Landschaften der Costa Brava von ihrer schönsten Seite. Über weite Strecken ist man hier auf schmalen Pfaden unterwegs, die nur zu Fuß zu bewältigen sind. Sie sind für Wanderer aller Fitnesslevel geeignet, da die Länge der jeweiligen Tagesetappen frei gewählt werden kann. Aufgrund von Unebenheiten, Anstiegen und Gefälle ist allerdings immer wieder einmal eine gewisse Trittsicherheit nötig. Andere Teilstrecken sind hingegen völlig flach und leicht zu erwandern. Wer mag, organisiert seine Wanderung ganz auf eigene Faust. Wer es sich etwas leichter machen möchte, bucht Hotels oder Pensionen der gewünschten Kategorie und den Gepäcktransfer aus einer Hand bei  Camí de Ronda®.

Wandern mit Blick aufs Mittelmeer © Daniel Punseti – Arxiu Camí de Ronda®

Zu jeder Jahreszeit

Einer der großen Vorzüge dieses Weges ist es, dass er zu jeder Jahreszeit wanderbar ist – und auch zu jeder Jahreszeit einen besonderen Reiz hat. Im Frühling leuchten hier die Blumen in allen Farben, im Sommer verführt das Mittelmeer zu häufigen Erfrischungspausen. Das Herbstlicht zaubert einen rotgoldenen Schimmer auf die Felsen der Steilküste und der Winter ist die Gelegenheit, die Costa Brava von ihrer wildesten, stillsten und ursprünglichsten Seite kennenzulernen.

Auf alten Wegen

Übrigens folgt man auf dem Camí de Ronda® keinen neu angelegten Pfaden entlang der Costa Brava, sondern einem historischen Weg, der wohl weit über tausend Jahre alt ist. Er war nicht nur seit jeher ein Kommunikationsweg zwischen den kleinen Ortschaften, Buchten und Stränden der zerklüfteten Küste, sondern auch der „Rettungsweg“, der es im Notfall ermöglichte, Schiffbrüchige und Schiffsladung schnellstmöglich zu bergen. Ab dem 19. Jahrhundert drehten die Patrouillen der Grenzwache hier ihre Runden, die dem Camí de Ronda seinen Namen gaben. Ihre Aufgabe war es, Schwarzhändler und Schmuggler an der Ausübung ihres Handwerks zu hindern.

Ob nun zur Rettung von Schiffbrüchigen oder zur Rettung der staatlichen Ordnung, der Camí de Ronda bot seit jeher beste Aussichten über die Küste und das tut er auch heute noch. Aber natürlich gab es auch Winkel und Ecken, die den Blicken der patroullierenden Grenzwache verborgen blieben. An eben diesen Orten, die vom Meer aus recht leicht zugänglich, aber vom Lande aus kaum einzusehen waren, versteckten die Schmuggler ihre buntgemischten Waren von Tabak über Penicillin bis zu Seidenwäsche und Schminketuis. Die heute berühmtesten dieser Verstecke lagen zwischen Begur und Palamos und damit genau auf dem Kernstück des heutigen Camí de Ronda ®

Weite Blicke über die Küste sind ein Markenzeichen des Camí de Ronda © Daniel Punseti Arxiu Camí de Ronda

Ein Weg voller Höhepunkte

Dieser ist übrigens nicht mit dem Fernwanderweg GR 92 zu verwechseln, der ebenfalls entlang der Küste verläuft und immer wieder einmal mit dem Camí de Ronda® zusammentrifft. Letzterer verläuft jedoch in seiner linearen Version durchgängig auf den historischen Pfaden des Camí de Ronda und führt zu den schönsten Stränden und Buchten der Costa Brava. Höhepunkte sind unter anderen die Cala del Pi, das Cap de Planes, el Crit und die idyllische Sandbucht  von Aiguablava.

Die Rundroute Camí de Ronda® ist der erste Wanderweg, der die Provinzhauptstadt Girona mit der Küste verbindet. Neben den Landschaften der Küste kann man auf dieser etwa 8-tägigen Tour auch die Gebirgsmassive von Gavarres und l’Ardenya sowie die Ebene des Empordà erkunden. Über 80 Prozent des Weges führt durch Naturschutzgebiete. Seine kontrastreichen Etappen verbinden Meer und Gebirge, die schroffen Klippen der Costa Brava, mittelalterliche Dörfer, paradiesisch anmutende Strände und natürlich die Stadt Girona mit ihrer fasziniernden Architektur und Geschichte.

Calella de Palafrugell – einer der schönsten Fischerorte der Costa Brava © Daniel Punseti Arxiu Camí de Ronda

Nachhaltig und komfortabel

Die Macher des Camí de Ronda® sind zurecht stolz darauf, einen Weg gefunden zu haben, ihren Gästen auf nachhaltige Art die Costa Brava in ihrer ganzen Schönheit und Ursprünglichkeit zugänglich zu machen. Und die Wanderer können sich freuen: Sie dürfen hier auf tausendjährigen Wegen wandern und sich gleichzeitig an modernstem Wanderkomfort erfreuen. Je nach Bedarf können GPS-Geräte oder die Begleitung eines Wanderführers gebucht werden und neben den Gepäcktransfers besteht auch die Möglichkeit, sich selbst zum gewünschten Start- oder Zielpunkt einer Etappe chauffieren zu lassen.

Pssst…

Exklusiv für unsere Leser haben wir mit dem Urheber des Camí de Ronda®, Daniel Punseti, gesprochen und ihn nach den schönsten Plätzen und den besten Restaurants am Weg gefragt. Damit haben wir ihn mit zwei schwer zu beantwortenden Fragen konfrontiert, denn „alle Abschnitte des Weges sind ganz unterschiedlich und verlaufen durch verschiedenartige Landschaften, die alle ihren eigenen Reiz haben.“ Besonders gut gefällt Daniel jedoch der Abschnitt von Palamós nach Tamariu mit seinen unberührten Naturlandschaften, in denen die Zeit still zu stehen scheint.

Die Frage nach dem besten Restaurant war natürlich noch gemeiner, denn wie wir wissen, wimmelt es an der Costa Brava von hervorragenden Restaurants. Dennoch empfiehlt uns Daniel ausdrücklich das Clot dels Mussols in Tamariu, wo es den allerbesten „arròs negre de Palafrugell“ gibt. Diesen dürfen wir übrigens auf gar keinen Fall mit Paella verwechseln, die zwar an vielen Orten der Costa Brava angeboten wird, aber kein typisches Gericht der Region ist. Ganz im Gegensatz zum arrós negre, dem schwarzen Reis, der hier eine tief verwurzelte Tradition hat. Ahnen Sie, woher der Reis sein Farbe hat? Wenn Sie auf die Tinte des Calamars tippen, dann liegen Sie falsch. Arros negre erhält seine dunkle Färbung durch die Zwiebeln, welche die Basis des Gerichts bilden und über mehr als vier Stunden langsam geröstet werden. Diese Köstlichkeit in Kombination mit der exklusiven Lage des Clot dels Mussols am Strand und mit Blick auf die Weiten des Mittelmeers machen das Essen garantiert zu einem absolut unvergesslichen Erlebnis.

Weitere Infos zum Weg und zur Buchung unter http://www.camideronda.com/de

 

Wandern zwischen Buchten und Stränden – zu jeder Jahreszeit ein Genuss… © Daniel Punseti Arxiu Camí de Ronda

 

Wenn verrückte Ideen Berge versetzen – Interview mit einer Überzeugungstäterin

Kennen Sie das? Sie fahren mit dem Auto über eine Landstraße in den Pyrenäen. Die ganze Zeit sind Sie versucht anzuhalten, auszusteigen und sofort die Geheimnisse der Gebirgslandschaft abseits der Landstraße  zu erkunden. Ganz anders geht es den betagten Bewohnern der Region. In stoischer Ruhe treten sie den Asphalt der Landstraße und bewegen sich gemächlichen Schrittes einem uns unbekannten Ziel entgegen.  Weshalb ziehen diese Leute die Monotonie des Asphalts den Reizen der alten Hirtenpfade vor? Warum schauen sie lieber auf die Landstraße als auf die Gebirgspanoramen, die Wanderer aus aller Welt begeistern?

Wandern in den Pyrenäen auf alten Hirtenwegen © Archiv El Cinquè Llac

Mireia Font Vidal, dreifache Mutter, Gastwirtin des Landhauses Casa Leonardo und die Urheberin des mehrfach preisgekrönten Wanderweges El Cinquè Llac, kennt die Antworten auf diese Fragen. Mit dem „Wanderweg zum Fünften See“, dem Cinquè Llac, hat sie ein nachhaltiges Tourismusprojekt geschaffen, das nicht nur Europäer, sondern auch schon Wanderer aus Hawaii und Neuseeland begeistert hat. Der wahre Erfolg dieses Weges zeigt sich aus der Sicht seiner Urheberin jedoch auf einer anderen Ebene: Die älteren Leute in der Region haben wieder begonnen, den Zauber ihrer einsamen Gebirgslandschaft wahrzunehmen. Sie bringen ihren Dörfern, ihrer alten Kultur und sich selbst eine neue Wertschätzung entgegen – und manche von ihnen beginnen, die Schönheit der alten Gebirgspfade für sich wiederzuentdecken.

Über die Ursachen dieses erstaunlichen Wandels, die Entwicklung einer verrückten Idee zu einem preisgekrönten touristischen Produkt, die Dialektik des Eigenen und des Fremden sowie die Frage, welchen Einfluss der Geist ihrer Großmutter auf die erfolgreiche Durchführung des Projekts hatte, spricht Mireia mit uns im Interview.

Katalonien-Tourismus: Mireia, erzähl uns ein bißchen über die Gegend, durch die der Wanderweg El Cinquè Llac verläuft…

Mireia Font-Vidal: El Cinquè Llac ist ein etwa hundert Kilometer langer Fernwanderweg, der durch authentische und bis heute vom Tourismus nahezu unentdeckte Pyrenäenlandschaften führt. Das liegt daran, dass unsere Region, der Pallars, seit Beginn des 20. Jahrhunderts und insbesondere in den 60er-Jahren eine starke Landflucht erlebt hat. Viele Dörfer sind nahezu vollständig verlassen zurückgeblieben. Die einstigen Obst-, Getreide- und Gemüsefelder sind den Wäldern gewichen und die traditionellen Gebirgspfade sind, seit es die Landstraßen gibt, fast vollständig in Vergessenheit geraten.

Die meisten Bewohner der Pyrenäen sind ältere Menschen, das gilt ganz besonders in unserer Region. Die Bevölkerung lebt verstreut in abgelegenen Dörfern und die gebirgige Landschaft erschwert die Mobilität. Wir Bewohner des Pallars gelten als Leute mit einem verschlossenen Charakter, die tief verwurzelt sind in ihrer Heimat. In gewisser Weise kann man unsere Region mit einem Cherokee-Reservat vergleichen: Sie ist das Resultat ihrer geographischen Isolation, wirtschaftlich wenig entwickelt und geprägt durch die Schwierigkeiten einer Gebirgslandschaft mit einem Straßennetz, das erst in den letzten Jahren ausgebaut wurde. Aber all diese Widrigkeiten hatten letztlich auch einen entscheidenden Vorteil: Durch die geographische Isolation hat die Region ihre Authentizität bewahrt und ihre Traditionen sind erhalten geblieben.

Mireia Font im Museumslädchen, das sie in ihrem Landhotel Casa Leonardo eingerichtet hat. ©
Ana Meneses

Katalonien-Tourismus:
Wie bist du nun auf die Idee gekommen, einen Wanderweg ins Leben zu rufen?

Mireia Font-Vidal: Ich betreibe ja seit über 15 Jahren ein kleines Landhotel in meinem Heimatdorf Senterada. Deshalb wusste ich aus erster Hand, dass unsere Gäste nicht in erster Linie wegen der hübschen Hotels hierherkommen, sondern wegen der unberührten Naturlandschaft und der Pyrenäenkultur, die hier noch lebendig ist.

Allerdings kamen unsere Besucher immer sehr punktuell an Wochenenden, Feiertagen und in den Ferienzeiten. Damit die Landhotels in der Region als kleine Familienbetriebe vom Tourismus leben konnten, mussten wir einen Weg finden, auch außerhalb der Hochsaison Gäste anzuziehen. Ein Wanderweg, der auf ein internationales Publikum ausgerichtet ist, schien also für unsere Zwecke auf Anhieb das ideale touristische Produkt zu sein.
Gleichzeitig kam mir der Gedanke, dass es unsere Aufgabe war, etwas für diese Region zu tun, die ja unsere Lebensgrundlage ist. Ich glaube, die entscheidenden Veränderungen, die diese Welt braucht, werden nicht aus der Politik kommen. Diese Veränderungen entstehen durch uns, wenn wir genau dort, wo wir uns gerade befinden, etwas tun, um die Welt ein wenig besser zu machen.

Casa Leonardo im Gebirgsdorf Senterada © Tom Sólo

Katalonien-Tourismus: Deshalb hast du das Projekt so auf Nachhaltigkeit ausgerichtet?

Mireia Font-Vidal: Ja, ich hatte von Anfang an den Gedanken, das wir ein nachhaltiges Projekt aufziehen müssten. Die Idee nahm Gestalt an, als ich 2010 zur Einweihung des Nostalgiezuges Tren del Llacs (Zug der Seen) fuhr, der durch eine grandiose Landschaft entlang vier großer Stauseen von der Provinzhauptstadt Lleida bis nach Pobla de Segur im Pallars fährt. In der nächsten Nacht konnte ich überhaupt nicht schlafen, denn ich wusste plötzlich „Das ist es!“ Wir brauchen einen Wanderweg, der mit dem Tren del Llacs, also mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu erreichen ist, weil wir so von Anfang an die Weichen auf Nachhaltigkeit stellen. Und wir können konzeptuell an die Idee vom „Zug der Seen“ anschließen, denn hier oben in den Bergen gibt es einen weiteren versteckten See, den l’Estany de Montcortès, den man vom Zug aus nicht entdecken kann. Deshalb der Name El Cinquè Llac, der „Fünfte See“.
Nachhaltigkeit ist ein Kernkonzept des Cinquè Llac. Wir wollen nicht nur Emissionen bei der Anreise reduzieren, wir achten auch darauf, möglichst wenig Abfälle zu produzieren. Wir setzen in der Gastronomie ganz auf regionale Lebensmittel und wir haben eine Route geschaffen, auf der die Gäste authentische Pyrenäenlandschaft und –kultur kennenlernen.

„El Cinquè Llac – Der Fünfte See“, Estany de Montcortès © Jordi Peró

Katalonien-Tourismus: Das klingt super. Hattest du es leicht, deine Mitstreiter im Projekt von dieser Idee zu überzeugen?

Mireia Font-Vidal: Naja, es gab ja zunächst mal kein Projekt. Alles fing damit an, dass ich nicht schlafen konnte und statt dessen diese Idee vom Wanderweg vor Augen hatte. Also nahm ich eine Karte und suchte nach Landhotels mit gastronomischem Angebot, die für ein solches Unternehmen günstig gelegen waren. Am nächsten Morgen um acht rief ich bei all diesen Hotelbesitzern an und sagte, „Ihr müsst vorbeikommen, ich habe eine Idee!“.

Katalonien-Tourismus: Und dann?

Mireia Font-Vidal: Sie kamen am nächsten Tag. Viele von ihnen hatte ich angesprochen, weil ich den Eindruck hatte, dass sie für ein solches Projekt offen sein könnten.  – Andere habe ich angesprochen, weil ihre Hotels so optimal gelegen waren. Die letzteren sind fast komplett abgesprungen.  Rein wirtschaftlich gesehen, schien dieses Projekt für den einzelnen auf kurze Sicht gar nicht lohnend. Wenn man mit einer Investition von 100 Euro in Werbung für eine Saison lang den Speisesaal füllt, warum sollte man dann das Fünffache in ein Projekt mit unsicherem Ausgang investieren?
Für diejenigen, die sich zu dieser Investition entschlossen haben, ging es nicht einfach nur um schnelles Geld. Es ging darum, die Region langfristig aufzuwerten und neues Leben in die entvölkerten Dörfer zu bringen.

Picknick und ein Blick ins liebevoll gestaltete Roadbook des Wanderweges El Cinquè Llac. © Oriol ClaveraMontcortŽs

Mit den Interessierten gründeten wir den Verein „El Cinquè Llac“ und jeder von uns hat zunächst 500 Euro investiert, um das Projekt professionell evaluieren zu lassen, eine Website zu erstellen und Fotos in Auftrag zu geben. Wir haben dann bestehende Gebirgswege zu diesem 100 Kilometer langen Rundweg verknüpft. Schließlich befanden wir uns mitten in der Wirtschaftskrise – schon aus ökonomischen Gründen mussten wir auf bestehende Infrastrukturen zurückgreifen. Aber genau darin liegt ja auch der besondere Reiz des Weges.

Da das ganze meine Idee war, hat man mich zur Vorsitzenden des Vereins gewählt – das bedeutetvor allem, dass ich den wesentlichen Teil der Organisation übernommen habe. Ich sage immer, der Cinquè Llac ist mein viertes Kind und das, mit dem ich es am schwersten hatte. Aber die Mühe lohnt sich. Es geht um Lebensqualität für die Menschen hier. So langsam stellen sie fest, das sie mit Recht stolz auf ihre Region sein können. Das war früher ganz anders.

Katalonien-Tourismus: Wie war es denn früher?

Mireia Font-Vidal: Als wir begannen, diesen Wanderweg anzulegen, sagten die Leute aus dem Dorf „Ihr seid verrückt! Warum sollte jemand zehn Kilometer durch die Berge laufen, wenn es doch über die Landstraße nur drei sind? Sie haben die Schönheit der Landschaft und die Blicke über unsere herrlichen Berge überhaupt nicht wahrgenommen. Die einzige Assoziation, die sie zum Gehen über die alten Pfade hatten, war die Mühsal der Fortbewegung in den Jahren, bevor die Landstraßen gebaut wurden.

Nun kommen Leute von außerhalb, interessanterweise scheinen die Deutschen ein besonderes Faible für unseren Wanderweg zu haben. Aber wir hatten auch schon Gäste aus Neuseeland und Hawaii. Hawaii ist für die Leute von hier natürlich der Inbegriff der Exotik und das Traumreiseziel überhaupt. Wenn nun plötzlich ein Pärchen aus Hawaii mit den alten Leuten aus dem Dorf ins Gespräch kommt und ihnen erzählt, wie abwechslungsreich und wundervoll diese Landschaft ist, dann gibt das den Leuten zu denken und sie beginnen, ihre Region anders zu sehen. Und während sie den Gästen ihre alten Traditionen erklären, fangen sie an, diese selbst neu zu sehen und wertzuschätzen. Und sie beginnen zu begreifen, dass wir eine Kultur haben, der man sich im Gehen besonders gut annähern kann. Ganz langsam kommt es so zu einem Bewusstseinswandel und sie machen vielleicht selbst einmal einen Spaziergang auf einem dieser alten Hirtenpfade, die sie seit 50 Jahren nicht mehr betreten haben.  Oder sie stellen eine Bank an den Weg, damit die Wanderer dort ausruhen und die Aussicht genießen können, oder sie reparieren einen Brunnen, damit die Gäste dort unterwegs wieder trinken können. Sie beginnen, dieses Projekt zu ihrem eigenen zu machen, werden aktiv und entwickeln eine neue Wertschätzung für ihre Kultur und Landschaft. Und das ist so wichtig, denn letztlich macht es sie auch glücklicher…

Der Wanderweg bringt neues Leben in die Region. Hier: Studenten bei der Rekonstruktion alter Trockensteinmauern. © Archiv El Cinquè Llac

Katalonien-Tourismus: Und wie sieht es mit dem wirtschaftlichen Erfolg des Projektes aus?

Mireia Font-Vidal:
2015 war unser bislang erfolgreichstes Jahr, in dem El Cinquè Llac 100.000 Euro generiert hat. Das scheint nicht so viel, aber für eine wirtschaftlich so wenig entwickelte Region wie den Pallars ist das eine ziemlich beeindruckende Zahl. Abgesehen vom wirtschaftlichen Erfolg hat der Wanderweg der Region eine Menge Renommé eingebracht. Er wurde unter anderem mit dem Naturschutz-Preis Premio Medio Ambiente 2015 de la Generalitat de Catalunya und dem ersten Preis für nachhaltigen Tourismus I Premio de Turismo Responsable de Catalunya 2013 ausgezeichnet. In diesem Jahr hat El Cinquè Llac  auf der Tourismusmesse FITUR außerdem den Preis für das beste Produkt im Aktivtourismus im Bereich Natur erhalten. (Premio al Mejor Producto de Turismo Activo en la modalidad naturaleza.)

Die Gastgeber am Cinquè Llac setzen ganz auf regionale Produkte © Tom Sólo

Katalonien-Tourismus: Wie kommt es, dass für dich das Potential deiner Region so offensichtlich war, während die meisten deiner Landsleute ihre Region als so wenig attraktiv wahrgenommen haben?

Ich bin in Senterada geboren und aufgewachsen, aber als ich 18 Jahre alt war, bin ich nach Barcelona gezogen. Ich habe Archäologie studiert und natürlich bin ich zu Ausgrabungen in viele Länder gereist, von Syrien über Israel bis Frankreich. Für jemanden, der aus einem kleinen Dorf kommt, hat zu reisen gleich zwei riesige Vorteile. Erstens findet man zu sich selbst. In einem kleinen Dorf hat man immer die gleiche Rolle, die man nicht einfach ablegen kann. In der Fremde lernt man sich selbst neu kennen. Gleichzeitig beginnt man das, was man zu Hause hat, auf eine neue Art wertzuschätzen.

Katalonien-Tourismus: Letztlich bist du also wieder nach Senterada zurückgekehrt. Ist dir nie der Gedanke gekommen, einmal woanders hinzuziehen? Immerhin hast du viele interessante Orte kennen gelernt?

Mireia Font-Vidal: Nein, ich war immer sicher, dass ich in mein Dorf zurückkehren würde, selbst wenn das bedeuten würde, nicht mehr als Archäologin, sondern als Angestellte in einem Lebensmittelgeschäft zu arbeiten. Mir geht es nirgendwo besser als hier.

Der heutige Gästebereich von Casa Leonardo war über Jahre für Mireia und ihre Geschwister der „Spielplatz im Haus“. © Tom Sólo

Irgendwann kam mir der Gedanke „Ja klar, ich eröffne Casa Leonardo, das alte Hotel meiner Großmutter wieder!“ Das Hotel war seit 1975 geschlossen, aber ich bin in diesem Haus aufgewachsen. Als ich klein war, habe ich mit meinen Geschwistern in den heutigen Gästezimmern im oberen Teil des Hauses verstecken gespielt. Das Obergeschoss wurde nicht benutzt und eignete sich mit all seinen Winkeln, Treppen und Stiegen ganz hervorragend zum Spielen.

Als ich auf einer Ausgrabung im Vall de Boí war, habe ich bei einer Familie in einem ganz ähnlichen Landhotel gewohnt. Damals dachte ich, „Wunderbar, ich eröffne Casa Leonardo wieder und arbeite nebenbei als Archäologin. Die Realität hat dann gezeigt, dass diese beiden Jobs nicht miteinander vereinbar sind. Aber als wir den Wanderweg eröffneten, zeigte sich, dass ich auch hier eine Verbindung zur Archäologie schaffen konnte. Die alten Gebirgspfade werden von Trockensteinmauern gegen Erosion geschützt, die auch gleichzeitig die öffentlichen Wege von den privaten Feldern abgrenzen. Diese Trockensteinarchitektur ist ein Jahrhunderte- zum Teil sogar Jahrtausende altes kulturelles Erbe. Zehn Prozent der Einnahmen des Cinquè Llac werden investiert, um diese typische Pyrenäenarchitektur in Stand zu halten. Übrigens läuft inzwischen ein Antrag bei der Unesco, die Trockensteinarchitektur Europas zum Weltkulturerbe zu erheben.

Katalonien-Tourismus: Und dein Hotel, Casa Leonardo, gehörte seit jeher deiner Familie?

Mireia Font-Vidal: Mein Großvater hat Casa Leonardo gebaut. Er war sehr viel älter als meine Großmutter, es war eine dieser arrangierten Ehen, wie sie damals auf den Dörfern üblich waren. Als er starb, blieb meine Großmutter allein mit ihrer zweijährigen Tochter, meiner Mutter, zurück. In der Zeit nach dem Bürgerkrieg war es für eine alleinerziehende Mutter in einem Dorf in den Pyrenäen unheimlich hart, ein Hotel zu führen und damit ihre Familie zu ernähren.  Es war nicht nur die schwere Arbeit, sondern auch die Mühe, die es kostete, sich gegenüber den Männern, die zu jener Zeit natürlich das Sagen hatten, zu behaupten. Meine Großmutter setzte alles daran, dass ihre Tochter studieren konnte. Meine Mutter hat ihr Leben lang als Lehrerin gearbeitet – aber seit sie pensioniert ist, hilft sie mir im Hotel. Es ist schon erstaunlich, meine Großmutter hat alles daran gesetzt, den Frauen, die nach ihr kamen die „Sklavenarbeit im Hotel“, wie sie das nannte, zu ersparen – und ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als genau das zu tun.

Mireia in der alten Küche von Casa Leonardo. © Ana Meneses

Katalonien-Tourismus: Dafür hast du von deiner Großmutter anscheindend das Durchsetzungsvermögen geerbt?

Mireia Font-Vidal: (lacht) Ja, das mag wohl sein. Es ist nicht immer leicht, die Leute hier von neuen Ideen zu überzeugen, besonders dann nicht, wenn das für sie Veränderungen bedeutet. Es gab Bauern, die mir am liebsten Steine an den Kopf geschmissen hätten, als ich ihnen erklärt habe, dass durch ihre Weiden ein öffentlicher Wanderweg verlaufen soll. Ich bemühe mich dann, sie davon zu überzeugen, dass dieses Projekt auch für sie von großem Vorteil ist. Wenn mehr Gäste in die Region kommen, dann verkauft der Bauer zum Beispiel mehr von seinem Bio-Rindfleisch. Man muss die Vorteile für alle Seiten kommunizieren – und natürlich hartnäckig bleiben. Und das lohnt sich. Ich könnte den ganzen Tag damit verbringen zu erzählen, wieviele wunderbare Dinge durch diesen Wanderweg passiert sind. Vor kurzem hat zum Beispiel ein Fotograf für eine Zeitschrift ganz großartige Fotos von einigen alten Menschen aus dem Dorf gemacht. Von einer alten Dame, die hier seit Jahrzehnten eine Marienstatue hütet, von einem Hirten und einem alten Herrn, der mit seinen 84 Jahren noch immer auf die traditionelle Art Wurst für uns herstellt. Der Verein El Cinquè Llac hat dann eine kleine Feier zu Ehren der Protagonisten dieser Fotoserie organisiert und die Bilder großformatig abgezogen. Am nächsten Tag kam die alte Dame zu mir nach Hause und sagte, wir hätten ihr am Vortag das größte Geschenk ihres Lebens gemacht. Und der alte Herr, der die Wurst herstellt, hat am nächsten Tag seinen Laden neu gestrichen, um das Foto auf eine saubere Wand hängen zu können. Es war wohl 20 Jahre her, dass er das letzte Mal gestrichen hatte. Die Leute spüren durch solche Dinge eine ganz ungewohnte Wertschätzung für das, was sie tun. Sie werden aktiver und dadurch werden sie insgesamt glücklicher. Vor einigen Wochen hat sogar eine Gruppe von Rentnern aus unserem Nachbardorf Sort einen Ausflug auf dem Wanderweg Cinquè Llac unternommen. Und weißt du, was sie gesagt haben: „Unglaublich! So eine wunderschöne Landschaft! Ein großartige Idee, dieser Wanderweg…“

Das Vall Fosca hütet viele Mythen und Legenden, die auf dem Wanderweg El Cinquè Llac erfahrbar werden. © Rafael López Monné

Hintergrundinfo zur Region Pallars
Der Landkreis Pallars liegt in den Zentralpyrenäen ganz im Nordwesten Kataloniens. Seit jeher haben die Menschen in dieser gebirgigen Grenzregion zwischen Frankreich, Aragón und Andorra von Ackerbau und Viehzucht gelebt und sich im wesentlichen von ihrer eigenen Produktion selbst ernährt. Es gab wenig Handel und die wenigen Industrien wie der Eisenabbau und der Holzhandel versiegten bereits ab dem 18. Jahrhundert.

Die Ernten der Bauern und damit auch die demographische Situation waren bestimmt durch Klima- und Witterung sowie Schädlingsplagen auf den Feldern. Im 19. Jahrhundert machten einige sehr kalte Jahre mit wenig Niederschlag den Landwirten zu schaffen. Die darauf folgende Reblausplage verschlimmerte die Situation und führte dazu, dass etwa ein Fünftel der Einwohner nach Amerika emigrierte.
Die wirtschaftliche Lage entspannte sich mit der Entstehung der Wasserkraftwerke ab 1912, als man begann, die großen Talsperren von Capdella und Tremp zu erbauen. Es folgte eine Periode wirtschaftlicher und demographischer Stabilität, die mit Beginn des Bürgerkrieges im Jahr 1936 schlagartig endete. Zwischen 1936 und 1939 verlor die Region erneut ein Fünftel der Bervölkerung. Die 50er-Jahre bescherten dem Pallars einen Aufschwung dank des Baus der Wasserkraftwerke im Becken des Noguera Ribagorzano und dem Alt Pallars. Die Entwicklungen der 60er-Jahre schienen der Region hingegen einen finalen Schlag zu versetzen: Die fortschreitende Industrialisierung Barcelonas und schlechte Ernten führten dazu, dass nun ein Drittel der Bevölkerung in die industrialisierten Gebiete in der Nähe der Hauptstadt abwanderte. Von da an bewegte sich die Einwohnerzahl des Landkreises Pallars mit gewissen Fluktuationen um die 20.000-Marke.

In den 80er-Jahren entwickelt sich ein neues Wirtschaftsmodell: der Tourismus. In den Küstenregionen hatte dieser bereits in den 50er-Jahren eingesetzt, die Pyrenäen hingegen waren Rückzugsort für einige wenige Wanderer und Touristen, die hier fischten oder Ski fuhren. Ab 1985 gewannen die Schnee- und Abenteuersportarten und damit der Dienstleistungssektor in der Region immer mehr Bedeutung. Der Tourismus begann für viele Familien zur Haupteinkommenssäule zu werden, weshalb in den folgenden Jahren die landwirtschaftliche Produktion zurückging während die Beschäftigung im Tourismus allmählich immer mehr zunahm. Heute leben im Pallars ca. 24.000 Menschen. Die geographische und wirtschaftliche Isolierung, der die Region über lange Zeit ausgesetzt war, hat letztlich dazu geführt, dass hier die authentische Pyrenäenkultur und ihre alten Traditionen erhalten blieben und für Gäste in unverfälschter Form erfahrbar sind.