Alle Beiträge von Eva Hakes

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Eine Brücke zwischen den Zeiten – Das Jüdische Museum von Girona

Mit seinen labyrinthischen Gassen, steilen Treppen und stillen Hinterhöfen gilt das Call de Girona nicht nur als Pflichtprogramm für jeden Besucher der Stadt – es zählt auch zu den best erhaltenen Jüdischen Vierteln weltweit. Seine mittelalterliche Atmosphäre macht das Call zur begehrten Kulisse für große Film- und Fernsehproduktionen: Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders oder die sechste  Staffel der Erfolgsserie Game of Thrones sind nur zwei von vielen berühmten Beispielen.

Nacht im Call von Girona © Aniol Resclosa. Patronat Call de Girona

Nacht im Call von Girona © Aniol Resclosa. Patronat Call de Girona

Über das Leben der Jüdischen Gemeinschaft in Girona, die hier vom 9. Jahrhundert bis zu ihrer Vertreibung im Jahr 1492 eine ganz eigene Identität und Kultur pflegte, erfährt man bei einem Bummel durch die labyrinthischen Gassen des Viertels jedoch wenig. Doch dies würde sich lohnen, denn die Geschichte der jüdischen Bewohner Gironas ist spannend und ihre Kultur gewinnt umso mehr Faszination, je mehr man von ihr erfährt und sich auf sie einlässt.

Wer einen Zugang zu den Geheimnissen des Viertels, zur Geschichte der jüdischen Kultur in Katalonien und deren nur scheinbar verborgenen Verbindungen zur Gegenwart sucht, dem sei dringend ein Besuch im Museum für Jüdische Geschichte des Patronat Call de Girona empfohlen.  Dieses beherbergt neben der großen permanenten Ausstellung zu den unterschiedlichsten Aspekten des Lebens der Jüdischen Gemeinschaft im historischen Girona auch temporäre Ausstellungen, die überraschende Schlaglichter auf interessante Facetten der jüdischen Kultur setzen. Derzeit ist zum Beispiel eine Ausstellung zu den Mikwes, den rituellen jüdischen Bädern Gironas zu sehen.

„Je mehr wir von einer Kultur wissen, umso mehr können wir sie schätzen“

Assumpció Ahosta, die Direktorin des Patronat Call de Girona, möchte bei den Besuchern des Museums vor allem eines erreichen: „ Wir sehen es als unsere Aufgabe, das Interesse an einer eigenständigen, hochentwickelten Kultur zu wecken, die für uns in weiten Teilen unbekannt ist. Das ist besonders wichtig in Zeiten schwelender Konflikte. Je mehr wir über eine Kultur wissen, umso mehr können wir sie schätzen.“

Die permanente Ausstellung im Museum für Jüdische Geschichte in Girona © Aniol Resclosa. Patronat Call de Girona

Im Patio des Museums für Jüdische Geschichte von Girona © Aniol Resclosa. Patronat Call de Girona

Assumpció selber weiß inzwischen jede Menge über die Jüdische Kultur. Ihre berufliche Laufbahn fasst sie so zusammen: Geschichtsstudium, danach Leitung einer eigenen Firma und 1992 wurde sie gebeten, die Leitung des Patronat Call de Girona zu übernehmen. Damit ist Assumpció mit dem Jüdischen Museum von Girona seit dem ersten Tag seines Bestehens verbunden.  „Manche Leute wechseln eben alle vier, fünf Jahre ihren Job, und andere erfinden sich in dem Job, den sie haben, immer wieder neu.“

Stagnation oder ein Verweilen beim Althergebrachten gehört für Assumpció Ahosta offenbar zu den eher undenkbaren Formen, einen Job zu machen oder  ein Museum zu leiten. „Wir arbeiten hier im kleinen Format, mit kleinem Budget und kleinen Ausstellungen, bei denen es uns viel mehr darum geht, die Neugier und die Kreativität zu wecken als darum, eine vollständige Erklärung aller Einzelheiten eines Themas zu geben“, sagt Ahosta. Um Synergien zu schaffen, arbeitet das Museum einerseits mit großen Institutionen wie der Bibliothek von Jerusalem zusammen, andererseits will man auch junge Forscher und Studenten anregen, zum Thema der jüdischen Kultur und Geschichte zu arbeiten.

 

Die permanente Ausstellung im Jüdischen Museum in Girona © Aniol Resclosa. Patronat Call de Girona

Die permanente Ausstellung im Jüdischen Museum in Girona © Aniol Resclosa. Patronat Call de Girona

Ein Europäisches Projekt

So kooperiert das Museum zum Beispiel mit der AEPJ, die sich für den Erhalt und die Vermittlung jüdischer Kultur in Europa einsetzt. Neben der Ausstellung zu den Rituellen Bädern hat das Patronat zum Beispiel im November 2016 eine Tagung zu den jüdischen Sprachen in Europa mitorganisiert. Für das kommende Jahr stehen außerdem Projekte zur jüdischen Diaspora und zu den Routen der jüdischen Flüchtlinge durch die Pyrenäen an. Das letztgenannte Projekt ist besonders interessant für historisch interessierte Wanderer, und wir werden beizeiten darüber berichten: Hier geht es nicht nur darum, die Fluchtrouten der Juden durch die Pyrenäen aufzuzeigen, sondern auch darum, heutigen Wanderern die Möglichkeit zu geben, die Geschichten dieser Flucht bei eigenen Wanderungen auf historischen Routen nachzuvollziehen.

Eine Ausstellung zu den Jüdischen Bädern von Girona © Josep Maria Oliveras. Patronat Call de Girona

Eine Ausstellung zu den Jüdischen Bädern von Girona © Josep Maria Oliveras. Patronat Call de Girona

Kultur „am eigenen Leib“ erfahren

Jüdische Kultur und Geschichte sozusagen „am eigenen Leib“ erfahrbar zu machen, ist ein wesentlicher Teil des strategischen Fundus des Museums. Dessen Arbeit hört nämlich nicht an den Grenzen der Ausstellungsräume auf, sondern wirkt hinein in das kulturelle Leben Gironas und von dort aus in das kollektive Bewusstsein der Stadt und ihrer Besucher.

„Wir möchten nicht nur die jüdische Kultur des mittelalterlichen Kataloniens vorstellen, wir möchten auch eine Brücke zur Gegenwart schlagen“, sagt Assumpció Ahosta. Deshalb organisiert das Patronat Call de Girona immer wieder Aktivitäten und Veranstaltungen, bei denen die heutige jüdische Kultur im Mittelpunkt steht. So finden beispielsweise jährlich im Sommer in Kooperation mit dem Festival des Jüdischen Kinos in Barcelona die „Filmnächte im Call“ statt. Es gibt den Lesezirkel für Jüdische Literatur, das Festival der Jüdischen Musik und natürlich spielt auch die Kulinarik eine bedeutende Rolle, wenn im Call von Girona jüdische Kultur erfahrbar gemacht wird.

Jüdische Musik im Call © Patronat Call de Girona

Jüdische Musik im Call © Patronat Call de Girona

Die Früchte der Arbeit

Dass die Arbeit des Patronats Früchte trägt, wird besonders deutlich, wenn katalanische Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft mit Fragen auf die Institution zukommen, die sich vor dreißig Jahren vermutlich niemand gestellt hätte. „Wenn zum Beispiel die Organisatoren eines Kongresses an der Universität von Girona bei uns anfragen, wie und wo sie koscheres Essen für orthodoxe jüdische Teilnehmer organisieren können, oder wenn ein Winzer sich erkundigt, wer ihn über die Herstellung koscherer Weine informieren kann, dann merke ich, dass sich das Bewusstsein der Menschen in den letzten Jahren verändert hat“, sagt Assumpció. Der besagte Winzer produziert übrigens inzwischen sehr erfolgreich hochwertigen koscheren Wein, der fast komplett exportiert wird. Er ist nicht nur ein schönes Beispiel für erfolgreiche wirtschaftliche Beziehungen zwischen Katalonien und Israel, sondern auch ein Paradebeispiel dafür, dass Interesse und Offenheit für eine fremde Kultur zu neuen Ideen führen, die das eigene Leben komplett verändern können.

Facettenreich

Der Ansatz, die Neugier der Besucher zu wecken und sich selbst in Beziehung zu den Inhalten der Ausstellung zu setzen, ist auf ein breites und heterogenes Publikum ausgerichtet. Es geht in den Ausstellungen nicht um die Vermittlung religiöser Inhalte, sondern darum, verschiedene Facetten der jüdischen Kultur so zu präsentieren, dass unterschiedlichste Menschen daraus etwas für sich mitnehmen können. „Wir arbeiten viel mit Jugendlichen, die sind schließlich unsere Zukunft“, erläutert Assumpció Ahosta, „aber natürlich sollen sich 35- oder 75jährige von den Ausstellungen genauso angesprochen fühlen wie Fünfzehnjährige.  Wir mixen unterschiedliche Materialien, Präsentationstechniken und Informationen, so dass jeder sich etwas herauspicken kann, das ihn interessiert. So kann ein jüdischer Besucher des Museums, der seine Kultur gut kennt, hier jede Menge über die Geschichte und lokale jüdische Kultur Kataloniens erfahren, die anderswo wenig bekannt sind. Die nicht-jüdischen Besucher konzentrieren sich oft eher auf allgemeine Aspekte der jüdischen Kultur und weniger auf die lokalen Facetten.

Das Museum für Jüdische Geschichte © Aniol Resclosa. Patronat Call de Girona

Das Museum für Jüdische Geschichte © Aniol Resclosa. Patronat Call de Girona

Eine Rundum-Vision des jüdischen Lebens im historischen Girona

Die permanente Ausstellung gibt anhand archäologischer Funde, historischer Dokumente und architektonischer Modelle einen spannenden Überblick über die unterschiedlichen Aspekte des Lebens im Call de Girona: Feste und Traditionen, Rituale im Zyklus des Lebens und Alltagsgegenstände, die vom häuslichen und familiären Leben innerhalb des Calls erzählen, werden hier ebenso vorgestellt wie das religiöse Leben in den Synagogen und der jüdische Friedhof. Der Kontakt mit der jeweils anderen Kultur wird zum Beispiel in den Ausstellungen zur Koexistenz christlicher und jüdischer Kultur und zur Diaspora thematisiert, aber auch in jenem Teil des Museums, welcher den beruflichen Tätigkeiten der Juden von Girona gewidmet ist. Erhellend ist auch die Ausstellung zum Vermächtnis der jüdischen Kultur, welche die wissenschaftliche, literarische und philosophische Kultur des Mittelalters stark geprägt hat. Bekanntlich konnte dies die Unterdrückung und Vertreibung der Jüdischen Gemeinschaft nicht verhindern. Dieser Prozess wird reflektiert anhand architektonischer Modelle des Jüdischen Viertels, dessen Grenzen im Zuge der zunehmenden Anfeindungen immer enger wurden und insbesondere im Ausstellungssaal, welcher der Konvertierten Gesellschaft und der Inquisition gewidmet ist.

Über die Grenzen des Museums hinaus

Komplementär zu den permanenten und temporären Ausstellungen bietet das Museum für Jüdische Geschichte von Girona Aktivitäten an, die es ermöglichen, das jüdische Erbe der Stadt aus einer neuen Perspektive zu betrachten: Zum Beispiel bei einem musikalischen Spaziergang durch die Gärten des Call oder bei einer botanischen Route, die den Blick auf Jahrtausende alte Kulturpflanzen des historischn Viertels richtet und so die oft vergessenen Verbindungen zwischen christlicher und jüdischer Kultur aufzeigt.

Beim musikalischen Spaziergang durch das Call © Patronat Call de Girona

Beim musikalischen Spaziergang durch das Call © Patronat Call de Girona

Wer sich für die enge Verbindung verschiedenster kultureller Strömungen Europas mit der jüdischen Kultur interessiert, der sollte einmal einen Blick auf die Thematischen Routen der AEPF Website for Jewish Heritage werfen. Wenn Sie sich zum Beispiel in Katalonien in die Architektur der Art Noveau bzw. des Modernisme verliebt haben, dann sollten Sie vielleicht einmal einen Blick auf die Internationale Route zur Architektonischen Moderne der AEPF werfen, denn hier gilt es, unter anderem, sehenswerte Synagogen des Art Noveau von Ungarn über Frankreich bis Großbritannien entdecken. Auf dem Weg zu der ebenso alten wie inspirierenden Erkenntnis, das letztlich alles mit allem zusammenhängt, ist das Museum für Jüdische Geschichte in Girona zweifellos ein wunderbarer Ausgangspunkt.

Weitere Infos unter: http://www.girona.cat/call/cat/index.php

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Naturpark Cadí-Moixeró

Der Naturpark Cadí-Moixeró in der Provinz Lleida erstreckt sich auf Höhen zwischen 800m und 2.648m über die Landkreise Alt Urgell, Berguedà und Cerdanya. Er umfasst die Gebirgsmassive von Tosa, Puigllançada und Pedraforca sowie die namensgebenden Gebirgsketten von Cadí und Moixeró. Von Osten nach Westen ziehen sich diese auf der Grenzlinie zwischen den Flüssen Segre und Llobregat über eine Länge von 30km durch die Vorpyrenäen. Ihre Hänge bilden insbesondere an der Nordseite steile, zum Teil fast vertikale Felswände und tief eingeschnittene Täler. Der wohl berühmteste Berg des Naturparks ist der Pedraforca. Mit seinen zwei Spitzen, einem markanten Profil und ebenso schönen wie herausfordernden Abschnitten für Bergsteiger und Kletterer, ist er zu einem Symbol des katalanischen Bergsports geworden.

Der legendäre Pedraforca im Naturpark Cadí-Moixeró © Servicios Editoriales Georama

 

Klima

Das Klima des Naturpark Cadí-Moixeró ist nicht typisch für mediterrane Gebiete. Die Durchschnittstemperaturen liegen zwischen 11°C in den tieferen Gebieten des Alt Urgell und 0°C auf den höchsten Gipfeln. In den kalten Wintern können die Temperaturen bis auf -20°C sinken, auch die Sommer sind vergleichsweise frisch. Die Niederschlagsmenge liegt auf den im Osten gelegenen Gebirgsabschnitten bei 1.500mm pro Jahr und bei 700mm in den tiefer gelegenen Gebieten im Westen. Während sechs Monaten des Jahres liegt in den höhergelegenen Bereichen des Naturparks Schnee.

 

Vegetation

Die niedrigen Temperaturen in Kombination mit häufigen Regenfällen haben zur Entwicklung einer für den Mittelmeerraum wenig typischen Flora und Fauna geführt. Viele der hier lebenden Arten sind üblicherweise eher im nordeuropäischen oder gar arktischen Raum zu Hause, zum Teil auch in den Höhenlagen der Alpen.

Schönheit mit alpinem Charakter © Kim Castells

Bergwiesen sind die typische Vegetationsform der Höhenlagen des Naturparks Cadí-Moixeró. Auf Höhen von 2.200m und mehr gedeihen vor allem grasartige Pflanzen, aber auch solche wie zum Beispiel der Alpen-Enzian. In den tiefergelegenen Bereichen finden sich Schwarzkiefernwälder mit kärglichem Unterholz, das vor allem aus Alpen-Wacholder und Rostblättriger Alpenrose besteht. In den tiefer gelegenen Abschnitten dieser Wälder und an den Nordhängen der Gebirgsketten finden sich auch Tannenwälder.

Eine weitere Pflanzenart des Waldes, die typisch für Gebiete mit Vergleichweise hoher Feuchtigkeit ist, ist die Buche, während die Flaumeiche eine typische Vertreterin der sonnenbeschienen Gebiete des Parks ist. Neben diesen besonders regionstypischen Laubbäumen finden sich zwischen den Kiefernwäldern auch mehr oder weniger große Flächen auf denen Feldahorn, Birke und Zitterpappel wachsen. Zu den wohl interessantesten Pflanzengemeinschaften des Parks gehören die der Steinwüsten mit Arten wie Xatardia scabra, das als botanisches Juwel des Parks gilt, Delphinium montanum (eine in Spanien und Frankreich beheimatete Art des Rittersporns) und der sogenannte Pyrenäen-Felsenteller (Ramonda myconi) als Relikt der Eiszeit.

Im Herbst besonders schön: Der Wald von Gresolet © Sergi Boixader

 

Fauna

Der Naturpark Cadí-Moixeró ist Lebensraum für eine außergewöhnliche große Poblation von Gämsen. Rehe und Hirsche, die seit langem in der Region nicht mehr vorkamen, bevölkern nun dank einer Wiedereinführung den Park. Ein weiteres interessantes Säugetier der hiesigen Wälder ist der Baummarder.
Erwähnenswerte Vertreter der Vogelwelt des Parkes sind der Auerhahn als Relikt der Eiszeit, der Raufußkauz und der Schwarzspecht, der übrigens das Symboltier des Naturparks ist. In den höher gelegenen Zonen kann man auch Steinadler beobachten.
Unter den Reptilien des Parkes seien stellvertretend nur zwei bemerkenswerte Vertreter erwähnt: Die Smaragdeidechse ist eine große, aber schlanke Eidechsenart mit grünlicher Grundfärbung, die eine Gesamtlänge von etwa 40cm erreiche kann. Auch die Gelbe Zornnatter (Coluber viridiflavus) ist Bewohnerin des Parks. Sie ist ungiftig, reagiert allerdings “zornig” wenn sie gefangen wird. Typischerweise beißt sie zu und lässt nach dem Zubeißen nicht sofort wieder los, sondern macht eine Art Kaubewegung. Als weitere Abwehrreaktion entleert sie ihren Darm und die Afterdrüsen. Unter den Amphibien des Parks verdienen der endemischer Pyrenäen-Gebirgsmolch und der Grasfrosch besondere Erwähnung. In den wenigen Wasserläufen des Parks sind  insgesamt nur drei Fischarten beheimatet: Forelle, Hundsbarbe und Elritze.

Der Schwarzspecht ist das Symboltier des Naturparks © José Luis Rodríguez

 

Interessante Orte

Insgesamt 17 Gemeinden liegen im Naturpark Cadí-Moixeró, der neben der Schönheit seiner zerklüfteten Bergwelt, auch auf kultureller und geschichtlicher Ebene einiges zu bieten hat.
So ist der mittelalterliche Stadtkern von Bagà, der einstigen Hauptstadt der Baronie Pinós y Bellver de Cerdanya, unbedingt einen Besuch wert. Die traditionelle ländliche Architektur ist in vielen Ortschaften der Region erhalten geblieben, wie man zum Beispiel in Castellar de n’Hug schön sehen kann. Weitere sehr schöne Dörfer sind zum Beispiel Saldes mit den Ruinen seines Schlosses, Montellà, Tuisén, Josa de Cadí und weitere winzige Dörfer die in malerischen Gegenden liegen. Beste Beispiele hierfür sind Orte wie Torres d’Alàs, Adraén, El Quer Foradat, Conellana, Cava, Ansovell, Gisclareny, Gréixer und Gósol.

Auch die romanische Architektur hat hier sehenswerte Spuren hinterlassen, beispielsweise in Sant Llorenç prop Bagà, der Kirche von Talló und vielen anderen, die sich über die Dörfer des Naturparks verteilen.

Das Kloster Sant Llorenç Prop Bagà © Juan José Pascual

Weitere Infos zu Routen und Aktivitäten im Naturpark Cadí-Moixeró finden Sie hier.

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Nachhaltiger Tourismus in Katalonien – Ein Blick hinter die Kulissen

2017 ist das Jahr des nachhaltigen Tourismus. Anlass genug, einigen Fragen rund um das Thema auf den Grund zu gehen. „Was ist eigentlich nachhaltiger Tourismus?“, „Wer interessiert sich für sowas?“ und „Was gewinnt man eigentlich, wenn man nachhaltig reist?“ Antworten auf diese und andere Fragen sowie jede Menge Insidertipps zu den interessantesten nachhaltigen Angeboten in Katalonien, finden Sie im folgenden Interview mit den Experten Josep Capellà und Inma Ballbé von der Tourismusberatung Decaba.

 

Nachhaltige Projekte sind ein Schwerpunkt in eurer Arbeit als Tourismusberater. Könnt ihr unseren Lesern in aller Kürze erklären, was es mit dem nachhaltigen Tourismus auf sich hat? Worum geht es eigentlich und was unterscheidet nachhaltigen Tourismus vom konventionellen Tourismus?

Der Begriff des nachhaltigen Tourismus entwickelte sich in den 80er-Jahren in den hochentwickelten Industrieländern und wurde bald zu einem weltweit anerkannten Konzept. Die Kernidee ist, dass ein nachhaltiges Entwicklungsmodell gegenwärtigen Bedürfnissen gerecht werden muss, ohne die Ressourcen der folgenden Generationen zu gefährden oder zu beeinträchtigen. Diese Prämisse hat in den letzten Jahren in einer Bewegung Gestalt angenommen, die auf die gemeinsame Übernahme von Verantwortung aller Akteure abzielt: Tourismusanbieter, Touristen, lokale Bevölkerung und öffentliche Verwaltungen müssen am gleichen Strang ziehen, damit nachhaltiger Tourismus gelingen kann. Das Motto lautet: Je attraktiver ein Ort für seine Bewohner ist, umso attraktiver ist er auch für seine Besucher.

„Je attraktiver ein Ort für seine Bewohner ist, umso attraktiver ist er auch für seine Besucher.“ © Rafael López-Monné

 

In der Praxis unterscheidet sich nachhaltiger Tourismus von konventionellen Angeboten in vielerlei Hinsicht: Nachhaltiger Tourismus

  • zielt darauf ab, negative Auswirkungen auf Umwelt, Wirtschaft und soziale Gefüge vor Ort auf ein Minimum zu reduzieren.
  • macht die wirtschaftlichen Gewinne aus touristischer Aktivität für die Menschen vor Ort verfügbar, verbessert die Arbeitsbedingungen und erhöht die Lebensqualität.
  • bezieht die lokale Bevölkerung mit ein, wenn es um Entscheidungen geht, die ihr Leben und ihre Zukunftschancen betreffen.
  • trägt zum Erhalt der Natur und des Kulturellen Erbes bei, und somit in umfassendem Sinne zum Erhalt der Vielfalt.
  • ermöglicht Touristen interessante und berührende Erfahrungen durch die innige Verbindung mit der lokalen Bevölkerung. Dies führt gleichzeitig zu einem tieferen Verständnis der betreffenden Natur, Kultur und den sozialen Gegebenheiten.
  • bietet barrierefreie Angebote
  • ist kulturell sensitiv, fördert den Respekt zwischen Touristen und Gastgebern und fördert Selbstwertgefühl und -vertrauen der Menschen vor Ort.

Im Einzelnen kann man das übrigens hier nachlesen.

Barrierefreie Angebote, wie hier auf der Via Verde in der Garrotxa, sind ein wichtiges Element des nachhaltigen Tourismus. © Oriol Clavera

 


Wer interessiert sich denn für solche Angebote? Gibt es so etwas wie ein „Profil des nachhaltigen Touristen?“

Ja, das gibt es tatsächlich. Studien zeigen, dass der nachhaltige Tourismus ein generationenübergreifendes Thema ist. Menschen, die sich für nachhaltigen Tourismus interessieren, achten in der Regel auf einen gesunden Lebensstil und zeigen eine erhöhte Sensibilität für das Thema Nachhaltigkeit auf allen Ebenen – vom Klima bis zur Auswirkung persönlicher Konsumgewohnheiten auf die Menschen in der Umgebung. Im englischsprachigen Raum werden diese Leute kurz als LOHAS bezeichnet, das Akronym steht für den „Lifestyle of Health and Sustainability“.
Schon zu Beginn des 21. Jahrhunderts zeigten Marktstudien in den USA, dass bereits 20% der Bevölkerung in diese Gruppe fällt. Ähnliche Zahlen gelten für Kanada, aber auch für Deutschland. Der „typische nachhaltige Tourist“ lebt im wirtschaftlich und technisch hochentwickelten Umfeld von Großstädten und sein Interesse am Thema Nachhaltigkeit konzentriert sich auf die Bereiche Gesundheit, Bauwesen und Tourismus.
In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass der Bereich der Nachhaltigkeit immer weiter an Bedeutung gewinnt. 2016 wurde in der Eurobarometer-Umfrage zu Tourismus und Urlaubsplanung zum ersten Mal erfragt, welche Bedeutung das Thema Nachhaltigkeit für die Wahl des Ferienziels hat. Allein, dass diese Frage gestellt wird, sagt schon einiges aus. Interessant ist dann auch zu hören, dass bei 46% der Reisenden die Urlaubsplanung durch das Thema Nachhaltigkeit mitbestimmt wird.

Nachhaltiger Tourismus ist ein generationenübergreifendes Thema. © Oriol Clavera


Was sind die besonderen Erfahrungen, die Menschen machen, die „nachhaltig reisen“?

Menschen, die sich dem nachhaltigen Reisen verschrieben haben, treten auf eine ganz besondere Weise mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt. Das kann zum Beispiel mit der Degustation von Produkten beginnen, die direkt vor Ort hergestellt wurden. Ein Schafskäse zum Beispiel schmeckt einfach anders, wenn man nicht nur seinen Hersteller kennt, sondern auch die Schafe, die die Milch gaben und den Hirten, der sie hütet. Nachhaltige Angebote jenseits des Massentourismus bieten die Möglichkeit, tiefe Einblicke in das Leben vor Ort zu gewinnen. Mehr noch, man kann für eine Weile ein Teil davon zu werden. Das ist nicht nur für die Besucher eine bereichernde Erfahrung, es erhöht auch die Lebensqualität der Menschen vor Ort und schafft Arbeitsplätze mit fairen Bedingungen. Letztlich schenkt man sich selbst ein gutes Gefühl, indem man seinen Urlaub auf eine Weise genießt, die auch anderen gut tut.

Einblicke in das Leben einer Region: Der Wettbewerb der Hirtenhunde in Castella de n’Hug hat eine lange Tradition. © Oriol Llauradó

 

 

Und welche Vorteile bringt der nachhaltige Tourismus den Anbietern in den Regionen?
Eine ganze Menge. Erstens Sicherheit, in dem Sinne, dass dieses Wachstumsmodell verhindert, dass gerade die Dinge, die touristisch attraktiv sind, durch den Tourismus ausgebeutet und zerstört werden. Zweitens stärkt der nachhaltige Ansatz das Vertrauensverhältnis zum Kunden. Initiativen dieser Art erfordern eine erhöhte Sensibilisierung und Professionalität der Anbieter. Die Kunden wissen das. Je erfahrener sie sind, umso mehr neigen sie dazu, Nachhaltigkeit mit Qualität in Verbindung zu bringen. Natürlich bringt der nachhaltige Ansatz den Anbietern auch Prestige, denn Nachhaltigkeit ist wie eben bereits erwähnt zum Lifestyle-Thema geworden. Schließlich, und das ist besonders wichtig, fördert der nachhaltige Tourismus Chancengleichheit und Gerechtigkeit, da er nur unter Einbeziehung der lokalen Bevölkerung funktionieren kann und darauf abzielt, deren Lebensqualität zu erhöhen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Aktiv- und Adventure-Tourismus. Nach Aussage der Welttourismusorganisation UNWTO erzeugt diese Form des Tourismus höhere Gewinne für die lokale Bevölkerung, weil die entsprechenden Aktivitäten von einer Vielzahl kleiner regionaler Firmen angeboten werden. Deshalb verbleiben bei Aktiv- und Adventure-Tourismus mehr als 65% der Reisekosten vor Ort, während bei einem All-Inclusive Urlaub nur ein sehr geringer Prozentsatz der investierten Reisekosten der lokalen Bevölkerung zu Gute kommt.

Natur- und Adventure Tourismus kommen in besonderem Maße der lokalen Bevölkerung zu Gute. © Rafael López-Monné

 

 

Gibt es Regionen Kataloniens, in denen der nachhaltige Tourismus besonders stark vertreten ist?

Die meisten Angebote aus dem Bereich des nachhaltigen Tourismus finden wir im Landesinneren, in ländlichen Gegenden und im Umfeld der Natur- und Landschaftsschutzgebiete.

 

Warum ist das so?

In diesen Gegenden ist es einfach leichter, Konzepte zu verwirklichen, die grundlegend für den nachhaltigen Tourismus sind: Regionale Entwicklung, Aufwertung der Landschaft, ein gastronomisches Angebot, das auf lokale Produkte setzt und der Kontakt mit den Menschen, die hier leben.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Tatsache, dass es sich hier oft um relativ neue touristische Initiativen handelt, die von jungen, gebildeten Unternehmern ins Leben gerufen wurden. Diese sind häufig besonders für das Thema der Nachhaltigkeit sensibilisiert und erkennen, dass Projekte in touristisch wenig bekannten Regionen eine sehr klare Positionierung auf dem Markt benötigen. Um erfolgreich sein zu können, müssen sie sich von Standard-Angeboten abgrenzen. Ein herausragendes Beispiel dafür, wie so etwas funktionieren kann, ist der Wanderweg El Cinquè Llac.

Der ganz auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Wanderweg El Cinquè Llac führt durch nahezu unentdeckte Pyrenäenlandschaft © Jordi Peró

 

 

Wie sieht es aus mit Städtetrips und Urlaub an der Küste – gibt es dort auch nachhaltige Angebote?

Ja, natürlich. Im Bereich der Städtetrips ist Barcelona Vorreiter, was Angebote des nachhaltigen Tourismus betrifft. Die Tourismus-Institutionen haben das Thema Nachhaltigkeit als grundlegendes Element in Planung und Marketing integriert. Außerdem gibt es auch viele private Initiativen, die auf Nachhaltigkeit setzen – von Unterkünften über Gastronomie bis zu Aktivitätsangeboten. Ich denke zum Beispiel an Unterkünfte wie das preisgekürte INOUT-Hostel in Barcelona. Das Haus ist Teil einer Non-Profit Organisation, die sich für die Integration behinderter Menschen einsetzt. Seine Belegschaft besteht zu einem großen Teil aus Menschen mit Behinderung. Das im Naturpark Collserola gelegene Hostel ist barrierefrei und setzt auch auf ökologischer Ebene in jeder Hinsicht auf Nachhaltigkeit. Weitere Beispiele sind das ebenfalls preisgekrönte Hostel Twentytú, das als erste Unterkunft in Barcelona das Prädikat für „höchste Energieeffizienz“ erhalten hat und das Hostel Centre Esplai, das ökologisch und nachhaltig arbeitet und an die Bedürfnisse bewegungseingeschränkter Personen angepasst ist. Weitere wichtige Initiativen sind zum Beispiel umweltfreundliche Taxis (Elektro- oder Hybridautos) und der Fahrradverleih Bicing.

Der Tourismus orientiert sich aber inzwischen auch in den Küstenregionen neu. Im Gegensatz zu vorangegangenen Jahrzehnten unterliegen die Städte- und Landschaftsplanung viel strengeren Restriktionen. Es hat eine Sensibilisierung dafür stattgefunden, dass eine Ausbeutung der landschaftlichen und kulturellen Ressourcen der falsche Weg ist. Stattdessen muss der Tourismus in die Gesamtheit der Lebenszusammenhänge einer Region integriert werden. Und tatsächlich tut sich auch hier einiges: Die aktuellen Richtlinien der Landschaftsplanung stimulieren die Schaffung neuer Naturschutzgebiete und den Erhalt des kulturellen Erbes, das letztlich die Identität der Regionen ausmacht. Außerdem wird nachhaltige Mobilität gefördert und die Schaffung neuer Wege und Routen, um die Landschaft und ihre Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Ein weiterer wichtiger Schachzug ist es, Aktivitäten und Programme zu bewerben, mit deren Hilfe Besucher die Besonderheiten einer Region wirklich verstehen und wertschätzen können. Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist der Wander- und Tourismusanbieter El Brogit. Im Bereich der Unterkünfte an der Küste finden wir unter anderen Camping La Tordera sehr erwähnenswert. Als Reaktion auf die harten Jahre der Wirtschaftskrise fließt hier 1 Euro jeder über die Website getätigten Buchung in ein Projekt, das sozial benachteiligten Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen soll.

Unterwegs mit den Wanderführern von El Brogit erfährt man Überraschendes und Geheimnisvolles über Kataloniens Kultur und Landschaften © El Brogit

Eine weitere interessante Entwicklung in den Küstenregionen ist die Abkehr vom reinen Strandtourismus und hin zu einem gemischten Angebot, das auch auf Angebote für Aktivtouristen setzt. Ziel ist es, die Besucherströme nicht mehr allein auf die Hauptsaison zu konzentrieren und die Besuchermagneten „Strand und Sonne“ mit Angeboten für Wanderer, Radfahrer und Naturfreunde zu kombinieren. Inzwischen haben viele Orte an der Küste interessante Angebote für Wanderer und Radfahrer entwickelt. Zu diesen gehören u.a. die Küstenwanderwege Camins de Ronda, oder auch die Angebote im Naturpark Montgrí, um nur zwei Beispiele zu nennen. Allerdings gehen diese Ansätze in der Fülle des Angebots für reine Strandtouristen noch ein bisschen unter.

Strandtourismus einmal anders: Wandern auf dem Camí de Ronda © Daniel Punseti

 

 

Also lässt sich das Konzept der Nachhaltigkeit im Prinzip auf alle touristischen Angebote anwenden?

Ja, dieses Modell kann und sollte auf alle touristischen Angebote angewendet werden. Der Respekt für die Umwelt und die Ressourcen eines Ortes müssen bei jedem touristischen Angebot berücksichtigt werden. Ebenso der Gedanke daran, dass solche Prozesse langfristig wirtschaftlich sein sollten, indem sie die Entwicklung einer Region unterstützen, Arbeitsplätze schaffen und insgesamt die Lebensqualität erhöhen.

 

 

Welche nachhaltigen Tourismusprojekte sind denn in Katalonien besonders erfolgreich?

Besonders erfolgreich sind Projekte, in deren Zentrum Naturlandschaften und kulturelles Erbe stehen. In Katalonien hat man den nachhaltigen Tourismus sehr oft mit Naturtourismus oder „Ferien auf dem Lande“ in Verbindung gebracht. Aber, wie wir eben schon im Zusammenhang mit Barcelonas Vorreiterrolle im nachhaltigen Städtetourismus erwähnt haben, gibt es noch viele weitere spannende Ansätze, wie barrierefreie Unterkünfte, ökoeffiziente Einrichtung, Mobilität vor Ort mit geringem CO2-Abdruck etc. Wichtig ist auch der enge Kontakt zur lokalen Bevölkerung und Aktivitätsangebote, die Naturlandschaften und kulturelles Erbe sinnlich erfahrbar machen. Last but not least sind gastronomische Erfahrungen – seien sie „innovativ“ oder „traditionell“ – essentieller Bestandteil eines nachhaltigen Urlaubs. Paradebeispiele für die Kombination dieser Elemente, sind Aktivitätsangebote, wie man sie zum Beispiel bei Naturalwalks findet.

Bei Naturalwalks wird die Verbindung von Naturlandschaften und Kultur sinnlich erfahrbar © Naturalwalks

 

 

Welche nachhaltigen Angebote findet ihr persönlich denn besonders interessant?

Es gibt so viele – da ist es schwierig, eine Auswahl zu treffen. Erwähnenswert sind sicherlich die Naturschutzgebiete, die durch die Europäische Charta für Nachhaltigen Tourismus akkreditiert sind, wie zum Beispiel die Naturparke Garrotxa, Delta de l’Ebre, Montgrí-Illes Medes-Baix Ter und Montseny.
Begeistert sind wir auch von Initiativen wie El Cinquè Llac. Hier haben Besitzer von Landhotels ein Produkt geschaffen, dass für den internationalen Markt interessant ist und gleichzeitig auf großartige Weise die Prämissen des nachhaltigen Tourismus integriert.

Initiativen lokaler Produzenten, welche ihre Werkstätten und Betriebe den Besuchern öffnen: Dabei erfahren die Gäste nicht nur, wie die Produkte hergestellt werden. Sie können auch ein Gefühl dafür entwickeln, in welcher besonderen Beziehung ein Produkt und der Landstrich aus dem es stammt zu einander stehen. Eine große Auswahl lokaler Betriebe von Käse über Wein und Obst bis hin zu Honig und Kräutern, findet man zum Beispiel unter http://benvingutsapages.cat/. Die Seite ist zwar auf Katalanisch gehalten, aber dennoch leicht zu navigieren. Einfach auf „Participants“ klicken und dann nach gewünschter Region oder gewünschtem Produkt auswählen.

Nachhaltiger Genuss: Einblicke in die Arbeit lokaler Produzenten gewinnen © Torisme Val d’Aran

In der gleichen Linie arbeiten Firmen, die Führungen anbieten und die charakteristischen Besonderheiten ihrer Region für unterschiedlichste Besucher erfahrbar machen. Deltapolet, Naturalwalks, Gregalada und SK Kayak sind einige von vielen spannenden Beispielen für diesen Ansatz.

Und dann dürfen wir natürlich auch nicht die Projekte in den Bereichen Hotellerie und Gastronomie vergessen, die sich im Umweltschutz engagieren und dabei auch die soziale Inklusion nicht vergessen, wie zum Beispiel Inout Hostel, Hotel Empuries, Hotel Algadir del Delta, Mas del Joncar, oder Casa Leonardo

Nachhaltigkeit mit Stil – Casa Leonardo im Pyrenäendorf Senterada © Tom Sólo

 

 

Ihr seid nun schon seit vielen Jahren als Berater im Bereich des nachhaltigen Tourismus tätig. Wenn ihr einmal zurückblickt und dann einen Vergleich zur Gegenwart zieht – wie schätzt ihr die Entwicklung ein?

Wie wir bereits gesagt haben gibt es wirklich eine bemerkenswerte Entwicklungen, nicht nur im Bereich des Natur- und Aktivtourismus, sondern auch an der Küste und im Städtetourismus und wir gehen davon aus, dass diese Projekte immer mehr Schule machen werden. Auch in den öffentlichen Institutionen finden in dieser Hinsicht große Veränderungen statt. Nachhaltigkeit ist heute ein Thema, das selbstverständlich in die Projektplanung und das Marketing einbezogen wird. In der Masse des gesamten touristischen Angebotes erreichen die nachhaltigen Projekte aus unserer Sicht noch immer nicht die Sichtbarkeit, die sie verdienen. Deshalb freuen wir uns, dass das Jahr des nachhaltigen Tourismus die Sensibilisierung in diesem Bereich fördert und zur Reflexion anregt.

INFO:
Josep Capellà und Inma Ballbé sind Experten für nachhaltigen Tourismus. Gemeinsam führen sie die Tourismusberatung DCB, zu deren Schwerpunkten die Entwicklung nachhaltiger Tourismusprojekte gehört. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Wertschätzung der authentischen Kultur und Natur eines Ortes und deren respektvolle und nachhaltige touristische Erschließung.

DCB berät öffentliche Institutionen und private Anbieter in touristisch wenig entwickelten Gebieten mit dem Ziel, deren Serviceleistungen zu verbessern, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und Produkte zu schaffen, die den Gästen einen Anreiz bieten, längere Zeit vor Ort zu bleiben. Besonders aktiv ist DCB in den letzten Jahren in den Pyrenäen und den Terres de l’Ebre, wo die Tourismusberatung an der Entwicklung unterschiedlicher Angebote im Bereich Wandern, Radfahren, Tierbeobachtung sowie im Weintourismus und gastronomischen Tourismus beteiligt war.

Ein weiterer Arbeitsbereich der Tourismusberatung ist die “Neuerfindung” des touristischen Angebots in klassischen Urlaubsdestinationen an der Costa Brava, über die wir hier schon einmal berichtet haben.