Alle Beiträge von Eva Hakes

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Naturpark Cap de Creus

Der Naturpark Cap de Creus liegt in der Provinz Girona im Landkreis Alt Empordà am östlichsten Zipfel der Iberischen Halbsinsel. Der im Jahr 1998 geschaffene Park erstreckt sich über acht Gemeinden, nämlich Llançà, Vilajuïga, Pau, Palau Saverdera, Roses, Cadaqués, Port de la Selva and Selva de Mar. Insgesamt umfasst er eine Fläche von 13.886ha,  davon sind 10.386ha Landfläche, die übrigen 3.090ha entfallen auf geschütztes Meeresgebiet.

Der Naturpark Cap de Creus mit dem berühmten Kloster Sant Pere de Rodes © Oriol Alamany

Die hier unter Naturschutz stehenden Gebiete sind in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Hier stoßen die letzten Ausläufer der Pyrenäen auf das Mittelmeer, entsprechend gebirgig präsentiert sich die Halbinsel, deren höchster Punkt 670m über dem Meer liegt. Die Landschaftsform ist durch Erosion und die für die Region typischen Tramuntana-Winde geprägt, und zeichnet sich durch zum Teil bizarr anmutende Felsformationen aus, die aus geologischer Perspektive hochinteressant sind sind. Die spektakulären Aufschlüsse des Gesteins, die vor Jahrmillionen durch Druck und Hitze entstanden sind, gehören zu den beeindruckendsten landschaftlichen Elementen des Naturparks. Sie haben seit jeher die Fantasie der Menschen angeregt. Im Falle Salvador Dalís, der ganz in der Nähe seine Atelierwohnung in Cadaquès hatte, haben sie sogar das Werk eines unvergesslichen Künstlers entscheidend geprägt. Im maritimen Bereich des Naturparks finden im Schutz der kleinen Inseln und bizarr geformten Klippen Korallen und eine variantenreiche Meeresfauna einen Lebensraum.

Die fantastische Felsformationen des Naturparks inspirierten schon Salvador Dalí © Oriol Alamany

 

Vegetation

Die Vegetation des Cap de Creus ist einerseits durch die menschliche Nutzung des Gebietes und andererseits durch besondere klimatische Bedingungen geprägt. Große Teile des Caps wurden einst als Weinfelder genutzt, deren Terrassen von Trockensteinmauern gehalten wurden. Andere Teile fungierten als Weideland und es gab häufig Brände, welche die Landschaft gezeichnet haben. Eine ebenso bedeutende Rolle spielen die üblicherweise starken Winde, insbesondere der Tramuntana, der trockene Luft mit sich bringt und den Salzgehalt der Pflanzen und des Bodens erhöht. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass sich hier eine sehr spezielle Vegetation mit zahlreichen seltenen endemischen Arten entwickelt hat.
Insgesamt sind hier mehr als 800 Pflanzenarten zu finden, unter ihnen Strand-Grasnelke (Armeria Ruscinonencis), Meerlavendel (Limonium tremolsii) und Steinbrech (Seseli Farrenyi), der weltweit nur hier wächst. Aber auch häufiger vorkommende Arten wie Rosmarin und Johanniskraut haben einen Festen Platz in der Flora des Cap de Creus.
Bäume sind aufgrund der speziellen Umweltbedingungen nur an ausgewählten Stellen des Naturparks zu Hause. Zu den am häufigsten vorkommendne Arten zählen Aleppo-Kiefer, Korkeiche und Steineiche als typische Vertreter der mediterranen Vegetation. Vereinzelt wachsen hier jedoch auch Ulmen, Eschen, Erlen und Pappeln. Der Großteil der Halbinsel ist von buschartiger Vegetation überzogen, deren häufigste Vertreter der Mastixstrauch, Dornginster und Wacholder sind. Auch am Meeresgrund findet sich eine interessante Vegetation, die u.a. von Neptungras (Posidonia oceanica) und Tanggras (Cymodocea nodosa) geprägt ist.

Ginster bedeckt weite Teile des Naturparks Cap de Creus © Oriol Alamany

 

Fauna

Der Naturpark Cap de Creus ist Heimat einer Vielzahl bemerkenswerter Land- und Seetiere, unter ihnen Habichtsadler, Wanderfalke, verschiedene Seemöwenarten, die Krähenscharbe aus der Familie der Kormorane, der Turmfalke, die nur hier im Park vorkommende Schneckenart Mastigophalus rangianus, der Mittelmeerlaubfrosch und verchiedene Reptilien. Zu den beeindruckendsten Meerestieren, die hier vorkommen, gehört der Große Rote Drachenkopf aus der Familie der Skorpionfische, der Zackenbarsch und die Brandbrasse. Zu den Blumentieren, die im geschützten Meeresgebiet des Parks leben, gehören die Edelkoralle (Corallium rubrum) und die Gorgonie (Paramuricea sp.)

Unterschiedlichste Vogelarten sind an Cap de Creus zu Hause © Oriol Alamany

 

Kultur

Die wohl wichtigste kulturelle Sehenswürdigkeit des Naturparks Cap de Creus ist das Kloster San Pere de Rodes, das zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert erbaut wurde und zu den Perlen der katalanischen Romanik zählt. Vom sorgfältig restaurierten Kloster aus, hat man eine fantastische Aussicht. Wer von hier aus noch ein wenig höher zur Montaña de Saverdera hinaufsteigt, genießt einen unvergesslichen Panoramablick über den Golf von Roses und das Cap de Creus. Im Saverdera-Gebirge sind auch die Reste einer alten Burg, dem Castell de Sant Salvador, erhalten. Ebenfalls bemerkenswert ist die Vielzahl archäologischer Fundstätte am Cap de Creus, die belegen, dass die karge, felsige Landschaft seit Jahrtausenden bewohnt ist. So findet man hier viele Dolmen, zum Beispiel das gut erhaltene Grab La Creu d’en Cobertella, das zu den bedeutendsten Hünengräbern Kataloniens zählt. Darüber hinaus findet sich im Naturpark und seiner Umgebung eine bemerkenswerte Anzahl von Burgen und Kapellen. Zu den beeindruckendsten Beispielen zählen die spektakuläre und strategisch wichtige Burg von Carmençó (Vilajuiga) und die Burgen von Bufalaranya und Puig-rom sowie die malerische Kapelle San Onofre (Palau-saverdera). Auch in den Ortschaften in unmittelbarer Nähe des Parks gibt es viel Interessantes zu sehen, beispielsweise die Ciutadella von Roses, eine archäologische Fundstätte aus griechischer Zeit oder die  Pfarrkirche von Cadaquès mit ihrem eindrucksvollen barocken Altarbild.

Die vielen Dolmen sind Zeugen einer Jahrtausende langen Besiedlung des Cap de Creus © Oriol Alamany

Darüber hinaus bietet der zwischen Land und Meer gelegene Naturpark Roses sich für unterschiedlichste Outdooraktivitäten von Wandern über Kayak fahren und Scuba diving bis zum Radfahren und Reiten an.
Weitere Informationen stellen die Touristinformationen bereit. Links zu deren Websites finden Sie hier.

 

 

 

 

 

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Die unglaubliche Geschichte von Jordi Sargatal und der Rettung der Aiguamolls

Als die Zugvögel im Frühjahr 1976 von den Sumpfgebieten der Aiguamolls in Richtung Norden aufbrachen, hatten sie keine Ahnung, dass sie ihren angestammten Rastplatz vermutlich nicht wiedersehen würden. Das Gebiet war vor kurzem als Bauland freigeben worden und die Pläne zur Erbauung eines riesigen Yachthafens waren bereits genehmigt. Kaum jemand ahnte, dass die Aiguamolls mehr waren als ein Landstrich mit vielen Mücken und wenig wirtschaftlichem Nutzen. Das Schicksal eines der kostbarsten Biotope Kataloniens hing an einem seidenen Faden – und dieser lag in den Händen eines jungen Mannes, der 1976 noch nicht einmal volljährig war.

Der Naturpark Aiguamolls © Jaume Comas

“Schöne Geschichte, aber in der Realität läuft so was leider anders!”, würde man denken, wenn einem die Geschichte von Jordi Sargatal und der Rettung der Aiguamolls als Roman präsentiert würde. Da ist der jugendliche Held mit der ganz besonderen Beziehung zu den Vögeln. Da sind die geheimnisvollen Marschlande der Aiguamolls, in die kaum je ein Mensch einen Fuß setzt. Da ist das Schreckgespenst der Urbanisierung einer wilden Landschaft und ein Heer von heraufziehenden Baumaschinen zur Trockenlegung der Sümpfe. Da ist ein Traum, ein sieben Jahre währender Kampf, viele kleine und große Wunder und schließlich ein Happy End mit reichlich Potential, die Geschichte von Jordi Sargatal in Fortsetzung gehen zu lassen. Am Ende wird der Träumer, Kämpfer und jugendliche Held nämlich zum Direktor des Naturparks Aiguamolls ernannt und darf erfahren, wie es ist, wenn man den Traum, für den man gekämpft hat, am Ende auch verwalten muss. Aber eins nach dem anderen…

Der weiße Vogel

Alles beginnt mit einem weißen Vogel mit langem Hals und langen Beinen, der sich direkt neben Jordi im Wasser niederlässt, als dieser gerade mit seinem Großvater beim Angeln ist. “Was ist das für ein Vogel, Opa?” Der Großvater weiß es nicht, aber Jordis Neugierde ist geweckt. Noch am gleichen Nachmittag findet er in der Stadtbibliothek von Figueres ein Buch, das nicht nur Aufschluss über den weißen Vogel gibt, sondern das ganze Leben des Vierzehnjährigen verändern wird.

Das Buch ist den Vögeln Europas gewidmet und gleich daneben liegt eines über die Vogelwelt der Aiguamolls. Diese sind für die meisten Menschen ein reizloses Sumpfgebiet voller Mücken, von dem man sich am besten fernhält. Für Jordi Sargatal sind sie eine faszinierende Welt, die er nicht müde wird zu erkunden. Tag für Tag streift er alleine durch diese Landschaft, beobachtet Vögel, entdeckt Zusammenhänge und wird eins mit der Landschaft. Das hat er wohl von den Indianern gelernt.

Bereits als Junge verliebte sich Jordi Sargatal in die Landschaft der Aiguamolls © Bedmar

Indianer und Träume

Die nordamerikanischen Chippewa-Indianer kennt Jordi nur aus Büchern. Sie lebten in einem Gebiet voller Seen und hatten eine besondere Beziehung zu den Vögeln. Jordi fühlt sich als einer von ihnen. Neben Ornithologie und Umweltthemen stehen Abenteuer- und Indianerromane ganz oben auf seiner Leseliste. Außer dem Forschen und Lesen gibt es noch eine dritte Tätigkeit, der Jordi Sargatal reichlich Zeit widmet. Er ist ein unverbesserlicher Träumer.

Die Bedrohung

“Das Gebiet der Aiguamolls wird trockengelegt und zu einem Yachthafen ausgebaut, der noch viel größer und schöner werden soll als die berühmte Feriensiedlung Empuriabrava.”, heißt es im Frühjahr 1976. Jordi ist entsetzt. “Was wird aus den Vögeln, die hier seit Jahrtausenden leben oder auf ihren weiten Flügen von Europa nach Afrika Rast machen?”

Diese Frage hatte sich bislang niemand gestellt. Überhaupt scheint es wenig Bewusstsein dafür zu geben, dass die Trockenlegung eines unwirtschaftlichen Sumpfgebietes auch Nachteile mit sich bringen könnte. Jordi beschließt das zu ändern. Beflügelt vom Vollmond einer Sommernacht, in der er sich dem Geist der Chippewa wieder einmal besonders nahe fühlt, schreibt er im Juni 1976 einen Zeitungsartikel über die schützenswerte Artenvielfalt der Aiguamolls, die nicht nur ein ökologisches und kulturelles Gut der Region ist, sondern für die Zukunft auch ein bedeutendes wirtschaftliches Potential bereit halten könnte. Anstatt das Gebiet trocken zu legen, so die Forderung, sollte es als Naturpark unter Schutz gestellt werden.

Zeitungsartikel und Vorträge bringen die Kampagne zur Rettung der Aiguamolls ins Rollen © Arxiu Jordi Sargatal

Gegner

Mit diesem Artikel formieren sich die Fronten zwischen der Logik eines unter Franco groß gewordenen Establishments und den Ideen einer jungen, gerade erst in Bewegung kommenden Demokratie, die noch keine Zeit hatte, ihre eigenen Ideale zu vergessen. Spanien ist im Umbruch. Jordis Sichtweise findet Befürworter und Unterstützer. Die Freigabe der Aiguamolls als Bauland fand noch unter Franco statt und ist damit rechtlich anfechtbar. Aber der Bau des Yachthafens liegt im Interesse vieler reicher und mächtiger Investoren.

Das Geheimnis des Erfolges

Intuitiv bedient sich Jordi einer mächtigen Erfolgsstrategie, die heute ganze Regale der Ratgeberliteratur füllt und dennoch nur höchst selten so beeindruckende Ergebnisse erzielt wie im Falle der Aiguamolls. Er erträumt die Kampagne zur Rettung des Gebiets, sieht in aller Klarheit und allen Einzelheiten vor sich, was geschehen muss, damit sie Erfolg hat. Und dann setzt er alle Hebel in Bewegung, damit sein Traum wahr werden kann. Beim Demonstrieren allein, so viel ist klar, können er und die Unterstützer der Bewegung es nicht belassen.

Mit allen Mitteln

Eines Tages rollen die Baumaschinen an, um das Sumpfgebiet zuzuschütten. Der Erfolg der Kampagne steht auf Messers Schneide. Jordi überredet seine Freunde, sich gemeinsam mit ihm den Baumaschinen in den Weg zu stellen. Der Moment ist auf einem Foto verewigt: 14 langhaarige Hippies und ein Haufen Bagger Auge in Auge in den Aiguamolls.

Kampagne zu Rettung der Aiguamolls © Arxiu Jordi Sargatal

Der im gleichen Atemzug unternommene nächste Schritt zur Rettung des Biotops kostet nicht weniger Mut, dafür aber wesentlich mehr Vorbereitung und Arbeit. Die Umweltaktivisten schreiben einen Gesetzesentwurf, mit dem die Aiguamolls als Naturpark unter Schutz gestellt werden sollen und reichen ihn beim katalanischen Parlament ein. Das Wunder geschieht: Im Jahr 1984 wird das Gebiet der Aiguamolls offiziell zum Naturpark deklariert und Jordi Sargatal wird zum Direktor ernannt.

Der Naturpark Aiguamolls de l’Empordà umfasst knapp 5000 ha Fläche © Miquel Angel Pérez de Gregorio

 

Wir haben mit Jordi Sargatal über Träume, den Naturpark, seine besondere Beziehung zu den Vögeln und Verführung als probates Mittel zur Bildung von Umweltbewusstsein gesprochen.

 

KT: Als du zum Direktor des Naturparks Aiguamolls ernannt wurdest, warst du gerade einmal 27 Jahre alt. Hast du dich dieser Aufgabe von Anfang an gewachsen gefühlt?

JS: In vieler Hinsicht ja. Ich war ja während der ganzen Kampagne zur Ausweisung des Gebietes als Naturpark im Tiefsten immer davon überzeugt, dass wir gewinnen würden. Entsprechend genau hatte ich mir bereits alles ausgemalt und “erträumt”, was wir tun würden, wenn wir unser Ziel einmal erreicht hätten. Ich wusste nicht nur genau, wo die Wege entlang führen würden und wo die Observatorien stehen müssten, sondern auch, welche Schritte wir tun müssten, um die Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen im Naturpark weiter zu verbessern. Etwas schwieriger war der Umgang mit den vielen Leuten, die für die Aiguamolls andere Pläne gehabt hatten und sich nun ständig bei mir beschwerten.

Holzstege führen zu den Beobachtungspunkten im Naturpark © José Luis Rodríguez

KT: Inzwischen hat sich dieses Problem aber sicherlich gegeben, oder?

JS: Ja, inzwischen ist eine neue Generation herangewachsen, die ein ganz anderes Umweltbewusstsein hat. Manche der Verantwortlichen in den Gremien der Städte in der Umgebung waren sogar als Kinder bei uns im Naturpark im Sommerlager – und da haben wir sie wohl mit dem sehr wohltuenden “Virus des Umweltschutzes” angesteckt.

KT: Wie habt ihr das gemacht?

JS: Ich habe damals schnell herausgefunden, dass man die Menschen nur für die Natur begeistern kann, wenn sie auch wirklich etwas zu sehen bekommen, das sie wirklich fasziniert. Diese Lektion hat mir ein Storch erteilt, genauer gesagt eine Storchendame, die mich aufgrund einer merkwürdigen Verkettung von Zufällen für ihren Vater hielt und die ich per Hand gefüttert und aufgezogen habe. Als sie größer wurde und anfing zu fliegen, behielt sie die Angewohnheit bei, ins Informationszentrum des Parks zu kommen und sich dort auf meine Schulter zu setzen. Da ihr nicht ganz klar war, ob sie nun ein Vogel oder ein Mensch war, hatte sie auch die Gewohnheit, auf die anwesenden Besucher zuzugehen und sie sehr freundlich zu begrüßen. Vor allem den Kindern blieb dann immer der Mund offen stehen vor Staunen. Mir wurde damals klar, dass wir viel mehr erreichen können, wenn wir die Menschen dazu verführen, die Natur zu lieben, als wenn wir ihnen nur ihre Bedeutung erklären.

Störche sind im Naturpark Aiguamolls zu Hause © Turismo Verde S.L.

KT: Was habt ihr noch in dieser Richtung unternommen?

JS: Wir haben zum Beispiel ab 1995 ins gesamt 41 Fischotter im Park angesiedelt, die meisten von ihnen kamen aus Extremadura. Viele andere Tierarten sind von alleine wieder hierhin zurückgekehrt, als das Gebiet komplett unter Naturschutz stand und die Lebensbedingungen sich verbesserten. Bei Arten wie den Fischottern hätte dieser Prozess allerdings sehr viel Zeit gekostet, deshalb haben wir uns entschlossen, da nachzuhelfen. Wenn wir die neu eingeführten Fischotter freiließen, haben wir es so eingerichtet, dass zum Beispiel ein Gruppe von Schulkindern bei diesem Ereignis dabei sein konnte. An die begeisterten Gesichter der Kinder, wenn sie einen Fischotter in die Freiheit laufen sahen, erinnere ich mich noch wie heute. In einem Naturpark sollten die Menschen so viel wie nur irgendmöglich von der Natur und den dort lebenden Tieren zu sehen bekommen – das ist die beste Möglichkeit, Interesse und Liebe zur Natur zu wecken. Beachten muss man dabei natürlich immer, dass Natur und Tiere durch diesen Kontakt mit den Menschen so wenig wie möglich belastet werden.

KT: Kannst du dir erklären, woher deine Liebe zur Natur und zu den Vögeln kommt?

JS: Als ich anfing, die Aiguamolls zu erkunden, habe ich mich in diesen Landstrich und seine Vögel im wahrsten Sinne des Wortes verliebt. Aber ich hatte schon sehr früh eine ganz besondere Beziehung zu den Vögeln. Die Störche hatten es mir besonders angetan. Auch hier in Katalonien erzählt man den Kindern, dass die Störche die Babys bringen. Als mein kleiner Bruder geboren wurde, war ich sechs. Mein Vater nahm mich mit in die Klinik, wo wir meine Mutter und das neue Baby besuchen sollten. Allerdings war ich dann plötzlich verschwunden. Man fand mich eine ganze Weile später im Park des Krankenhauses – auf der Suche nach dem Storch, der meinen kleinen Bruder gebracht hatte.

In den Aiguamolls finden verschiedenste Vogelarten ein zu Hause © José Luis Rodríguez

KT: Offenbar bist du schon ziemlich früh deine eigenen Wege gegangen und du hast eine Neigung, Träume zu leben. Wieso funktioniert das bei dir so gut?

JS: Im Falle des Naturparks ist mir selber erst Jahre später klar geworden, wie unwahrscheinlich es eigentlich war, dass diese ganze Geschichte so ausgehen würde. Das ein paar Jugendliche eine Bewegung anstoßen, die ein von Banken und anderen großen Investoren finanziertes Projekt kippt, ist schon erstaunlich. Ich hatte allerdings damals in meinem Herzen nie Zweifel daran, dass wir gewinnen würden und ich hatte unser Ziel glasklar vor Augen. Jahre später habe ich ein Zitat von Goethe gelesen. Es ist die beste Erklärung für das, was passiert ist, die ich gefunden habe:

“In dem Augenblick, in dem man sich endgültig einer Aufgabe verschreibt, bewegt sich die Vorsehung auch. Alle möglichen Dinge, die sonst nie geschehen wären, geschehen, um einem zu helfen. Ein ganzer Strom von Ereignissen wird in Gang gesetzt durch die Entscheidung, und er sorgt zu den eigenen Gunsten für zahlreiche unvorhergesehene Zufälle, Begegnungen und materielle Hilfen, die sich kein Mensch vorher je so erträumt haben könnte. (…) Kühnheit trägt Genius, Macht und Magie. (…)”

An der Mündung des Flusses Muga © Servicios Editorials Georama

KT: Hast du diese Erfahrung öfter in deinem Leben gemacht?

JS: Ja, schon. Einige Jahr später hatten ein Kollege und ich zum Beispiel die Idee, ein “Handbuch der Vögel der Welt” zu veröffentlichen. Wie man sich vorstellen kann, sollte dieses Handbuch sehr, sehr viele Bände umfassen und war nur für eine sehr begrenzte Leserschaft interessant. Aber wir fingen an davon zu träumen, wie dieses Handbuch aussehen würde – und alle Verlage die wir anschrieben, lehnten unsere Idee ab.

KT: Und das war der Anfang…?

JS: Ja, das war der Anfang des Projekts. Wir überlegten natürlich weiter und kamen zu dem Schluss: “Wenn kein Verlag unser Buch veröffentlichen will, dann müssen wir eben selber einen Verlag gründen.”

KT: Das kostet allerdings Geld…

JS: Das wir natürlich nicht hatten. Aber dann kam mir in den Sinn, dass ich doch vor einigen Jahren diesen sehr netten Herrn kennengelernt hatte, dem zwei Campingplätze hier in der Gegend gehörten. Der Mann war eine völlige Ausnahmeerscheinung. Ich war daran gewöhnt, dass Geschäftsleute hauptsächlich zu mir kamen, um sich zu beschweren, weil die Regeln zum Schutz des Naturparks ihre Geschäfte einschränkten. Dieser Herr kam, weil er sich brennend für die Tiere der Region interessierte. Besonders angetan war er von Fischottern und Seehunden. Also trafen wir uns immer wieder und redeten eigentlich über nichts anderes als Tiere, Natur und Naturschutz. Bis zu dem Tag, als mir die Idee kam, ihn zu bitten, mir Geld für die Gründung eines Verlages zu leihen. Zwei Wochen später konnten wir unser Projekt starten.

KT: Und das Handbuch wurde tatsächlich ein Erfolg?

JS: Es wurde ein Erfolg. Wir haben es natürlich auf Englisch geschrieben, um einen internationalen Markt erreichen zu können. Heute liegt es in den Bibliotheken vieler Universitäten und auch in den Regalen einiger leidenschaftlicher Ornithologen. Insgesamt haben wir jeden der 16 Bände 19.000 Mal verkauft. Und wir schreiben inzwischen das Handbuch der Säugetiere der Welt. Im Moment sind wir bei Band 7.

Winter in den Aiguamolls de l’Empordà © Departament de Presidència de la Generalitat de Catalunya

KT: Das alles hast du neben der Leitung des Naturparks gemacht?

JS: Den Naturpark habe ich bis 1998 geleitet. Dann bot man mir die Leitung der Stiftung Territori i Paisatge an, bei der ich die Möglichkeit hatte, in noch größerem Rahmen im Umweltschutz tätig zu werden. Ihre finanziellen Ressourcen bezog die Stiftung von der Bank Caixa de Catalunya. Als Konsequenz der Wirtschaftskrise hatte diese Stiftung dann allerdings ab 2008/2009 praktisch keinerlei Gelder mehr zur Verfügung. Dort konnte ich nichts mehr bewegen.

KT: Du warst also sozusagen “arbeitslos”?

JS: Ich nahm mir ein Sabbatical und schaute mich nach neuen Möglichkeiten um. Man bot mir eine leitende Position im katalanischen Umweltministerium an. Aber ich hatte arge Zweifel, ob es in der gegenwärtigen Situation eine gute Idee wäre, die Arbeit im Naturschutz mit Politik zu vermischen. Und dann kam wieder dieser sehr nette Herr auf mich zu, mein alter Freund, mit dem ich immer diese langen Gespäche über Natur und Tiere geführt hatte.

KT: Um dir einen Job anzubieten?

JS: Es war noch verrrückter. Er sagte “Jordi, ich setze mich zur Ruhe und ich möchte, dass du von nun an meine Geschäfte leitest.” Ich sagte, “Das geht gar nicht. Ich habe keinerlei Erfahrung mit der Leitung von Campingplätzen.” Das war ihm egal, er bestand darauf. Und ich fühlte mich ihm auch irgendwie verpflichtet, schließlich hätte es ohne ihn das Handbook of the Birds of the World nie gegeben. Also sagte ich, “gut, ich mache eine Probezeit.” Und hier bin ich und leite zwei Campingplätze, auf denen Nachhaltigkeit und Umweltschutz natürlich eine große Rolle spielen. Die Arbeit nimmt mich von Mai bis September ziemlich in Anspruch – aber den Rest des Jahres habe ich auch viel Zeit, mich meinen wissenschaftlichen Interessen zu widmen.

KT: Welche besonderen Aktivitäten bietet ihr denn auf euren Campingplätzen an?

JS: Die Themen Umweltschutz und Vogelbeobachtung werden insbesondere auf unserem Campingplatz Castell Mar ganz groß geschrieben, der im Herzen des Naturparks Aiguamolls liegt. Hier kann man sich dem Birdwatching sogar auf dem Campingplatz selbst widmen. Überall stehen Futterplätze für Vögel und Nistkästen und wir bieten natürlich viele Aktivitäten in dieser Richtung an. Zum Beispiel geführte ornithologische Exkursionen, bei denen man lernt, Vögel zu bestimmen, die ganz in der Nähe des Campings vorkommen, Wanderwege für Birdwatcher, ein kleiner Bauernhof, auf dem die Kinder die Hühner füttern und Nahrungsmittel aus dem Gemüsegarten ernten können und Spiele und Aktivitäten rund um die Natur.
Natürlich ist der gesamte Campingplatz sehr tierfreundlich und wir haben ein in Spanien einzigartiges Angebot für den Urlaub mit Hund. Das Restaurant unseres Campingplatzes ist das erste, das ein Menü für Hunde aller Größen und Altersklassen anbietet, außerdem gibt es eine Hundedusche und am Strand la Rubina direkt am Campingplatz sind Hunde erlaubt. Übrigens haben wir auch ein Video vom “Hundeleben” auf unserem Camping Castell Mar gedreht. 😉 Viel Spaß!

INFO
Jordi Sargatal, geboren 1957 in Figueres, ist Zoologe. Seit 1972 widmet er sich dem Studium der Natur mit einem besonderen Schwerpunkt auf Ornithologie. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Artikel und Bücher veröffentlicht, u.a. war er Herausgeber der ersten sieben Bände des Handbooks of the Birds of the World. Von 1984 bis 1998 war er Direktor des Naturparks Aiguamolls de l’Empordà. Von 1998 bis Januar 2009 leitete er die Stiftung Territori i Paisatge, in deren Auftrag er ökologisch besonders wertvolle Gebiete erwarb, die unter Naturschutz gestellt wurden. Er war außerdem Koordinator des Observatorio del Medio Rural y la Biodiversidad. Derzeit ist er Direktor von Grup Mascort mit den Campingplätzen Castell Mar und Castell Montgri und widmet sich dort Themen des Nachhaltigen Tourismus sowie dem Natur- und Kulturmanagement. Er ist außerdem Vorsitzender des Vereins der Freunde des Naturparks Aiguamolls (APNAE), der u.a. Kurse und Exkursionen im Naturpark anbietet.

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Zen in der Kunst des Vögelguckens – Birdwatching in Katalonien für Einsteiger

Dem Himmel so nah

Bislang konnten Sie keinerlei Verständnis aufbringen für diese Menschen, die von Mücken umtanzt regungslos an einem See oder tief im Gebüsch stehen, angestrengt durch ein Fernglas linsen und dann plötzlich aufjauchzen, weil sie endlich eine Samtkopf-Grasmücke entdeckt haben? Dann wird es jetzt Zeit, das zu ändern. Wir möchten Ihnen Birdwatching bzw. Vögelgucken in Katalonien als eine ebenso entspannende wie unterhaltsame Urlaubsaktivität ans Herz legen. Auf diese Art lernen Sie einige charmante Bewohner des Landes in ihrem natürlichen Lebensraum kennen und genießen abwechslungsreiche Naturlandschaften, die zur Vogelbeobachtung wie geschaffen sind.

 

Leidenschaftliche Birdwatcher in Aktion

Zugegeben: Wer ahnungslos ein etwas umfangreicheres Vogelbestimmungsbuch aufschlägt, mag schnell zu dem Schluss kommen, dass Ornithologie für Normalmenschen ein hoffnungsloses Unterfangen ist. Es scheint so viele Möglichkeiten zu geben, bei der Bestimmung daneben zu liegen, dass man am besten einfach nicht anfängt.

 

Mit den Vögeln Bekanntschaft schließen

Aber wir möchten Sie ja auch nicht dazu anregen, Ornithologie zu studieren, sondern dazu, Vögel zu beobachten. Vögel sind uns in vielem sehr ähnlich. Sie haben Balzrituale und Auseinandersetzungen um das beste Territorium, sie sind hingebungsvolle Eltern und begeistern sich für die Köstlichkeiten, welche die katalanische Natur im Wechsel der Jahreszeiten zu bieten hat. Andererseits sind sie auf geheimnisvolle Weise anders. Wann immer sie wollen, schwingen sie sich auf in luftige Höhen. So können sie entweder irgendwohin fliegen, wo das Wetter besser ist oder zumindest eine neue Perspektive gewinnen, in dem sie das Leben da unten mit ein bisschen Abstand betrachten. Vögel sind einfach sehr interessante Zeitgenossen und im Gegensatz zu den meisten anderen Tieren ist es relativ leicht, sie zu beobachten. Man muss einen Vogel nicht exakt bei seinem deutchen, lateinischen und katalanischen Namen nennen können, um Freude daran zu haben, ihm zuzuschauen. Andererseits, wenn wir mit jemandem Bekanntschaft schließen, interessieren wir uns auch irgendwann dafür, wie er heißt. An diesem Punkt wird dann ein Vogelbestimmungsbuch doch wieder interessant.

Im Gegensatz zu anderen Tieren sind Vögel relativ leicht zu beobachten © Turismo Verde S.L.

 

Ausrüstung

Man braucht nicht viel Ausrüstung, um Vögel beobachten zu können. Zwei Utensilien sind aber doch immer wieder lohnende Begleiter auf einer Exkursion zur Vogelbeobachtung: ein ordentliches Fernglas und ein handliches Vogelbestimmungsbuch. Das Fernglas erlaubt uns nicht nur, klarer zu sehen, wie ein Vogel aussieht, sondern auch, was genau er tut. Mit dem Vogelbestimmungsbuch können wir dann herausfinden, um was für einen Vogel es sich handelt. (Tipps vom Experten für den Ausrüstungskauf gibt es zum Beispiel hier. In manchen Naturparks und Vogelschutzgebieten kann man Ferngläser aber auch vor Ort mieten.) Für Einsteiger lohnt sich allerdings in jedem Fall eine vogelkundliche Führung oder Wanderung.

Die Basics der Ausrüstung: Fernglas und Vogelbestimmungsbuch CC0 Public Domain

 

Ansteckende Begeisterung

Eine vogelkundliche Wanderung mit einem Experten, der das Gebiet und seine Vögel bestens kennt, ist eine der besten Möglichkeiten, ins “Vögelgucken” einzusteigen. Wer mit einem begeisterten Ornithologen unterwegs ist, erfährt nicht nur schnell, welche Vögel in diesem Landstrich leben oder während der Migration hier Rast machen, sondern auch, wo man sie am besten beobachten kann. Mit seinen geübten Augen erkennt der Experte viel schneller und sicherer, wo gerade ein interessanter gefiederter Zeitgenosse unterwegs ist. So kann er den Blick der Teilnehmer in die richtige Richtung lenken und gleichzeitig erklären, was nun gerade diesen Vogel so besonders macht. Hinzu kommt: Nichts ist so ansteckend wie Begeisterung. Ein bis zwei Stunden unterwegs mit einem begeisterten Ornithologen können lebensverändernd wirken. Denn Vögel gibt es überall, nicht zuletzt und vor allem auch im eigenen Garten oder im Baum vor dem Bürofenster. Wer sich im Urlaub aufs Vögelgucken einlässt, bringt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine liebgewordene neue Gewohnheit mit nach Hause, die ihm ein Leben lang Freude machen wird.

 

Zen in der Kunst des Vögelguckens

Vögelgucken ist übrigens eine sehr effektive Art, zu entschleunigen und aus der Hektik des Alltags einen schnellen Einstieg in den Urlaubsmodus zu finden. Spaziergänge und Wanderungen in unberührten Naturlandschaften gehören natürlich so oder so zu den schönsten Urlaubsaktivitäten. Wer sie mit Vogelbeobachtung verbindet, wird weniger Kilometer machen – dafür aber die Natur und ihre Bewohner mit Sicherheit intensiver wahrnehmen und sich mehr denn je entspannen. Wer über einen längeren Zeitraum mit ruhiger Konzentration die Ohren spitzt und genau hinschaut, gerät schon bald in einen meditativen Zustand. Stress fällt ab, Entspannung stellt sich ein und die Fähigkeit, die Schönheit der Natur richtig auf sich wirken zu lassen, steigt von Stunde zu Stunde. Das wird übrigens wiederum Ihre Möglichkeiten zur Vogelbeobachtung positiv verstärken, denn Vögel und auch andere Wildtiere haben feine Sensoren dafür, “in welcher Frequenz ihre Beobachter ticken.” Sie wissen, dass von einem entspannten, friedvollen Gehirn keine Gefahr ausgeht und werden weniger Scheu haben, sich in der Nähe des Menschen zu zeigen. Die beste Zeit, um Vögel zu beobachten ist übrigens in der Dämmerung, also entweder in den frühen Morgenstunden oder am Abend.

Strandspaziergang und Birdwatching – Das perfekte Duo für einen entspannten Urlaub © José Luis Rodríguez

 

Über Lärmtoleranz

Natürlich richtet sich dieser kleine Hinweis nicht an Sie, denn Ihnen würde so etwas garantiert nicht passieren. Aber es könnte ja mal, und deshalb wollen wir folgendes nicht völlig unerwähnt lassen. Vermeiden Sie unbedingt, aufzuspringen und wild gestikulierend zu rufen “Hey, ein Graureiher, ein Graureiher!!!”, wenn gerade ein Graureiher in der Nähe des Observatoriums landet, in dem Sie mit Ihrer bezaubernden Begleitung sitzen. Dann ist der Graureiher nämlich vermutlich sofort wieder weg. Es sei denn, Sie befinden sich in einem Gebiet in der Nähe einer Autobahn oder ähnlich lauten Verkehrsverbindungen. Biologen haben nämlich herausgefunden, dass Vögel, die in der Nähe großer Städte oder lauter Verkehrswege leben, eine erstaunliche Lärmtoleranz entwickeln und sich den Gegebenheiten des 20. und 21. Jahrhunderts auf intelligente Weise angepasst haben: Sie singen einfach lauter als noch vor 50 Jahren. Auf diese Weise erleichtern sie denn auch dem beginnenden Vogelbeobachter das Bestimmen von Vogelstimmen in den Städten.

Vogelalltag im 21. Jahrhundert: Frühstück auf dem Stromkabel ©José Luis Rodríguez

 

Wie man unvergessliche Erinnerungen schafft

Machen Sie sich von Anfang an Notizen über die Vögel, die Sie sehen. Schreiben Sie auf, wo und um welche Uhrzeit Sie einen bestimmten Vogel gesehen haben. Und auch wenn Sie überzeugt sind, nicht zeichnen zu können: Versuchen Sie doch einfach mal, die Vögel, die Sie beobachten zu zeichnen. Wer zeichnet, schaut viel genauer hin und achtet auf feinere Details als jemand, der einen Vogel nur mit Worten kategorisiert. Sie werden mehr sehen, und da Zeichnen eine über die rechte Hirnhälfte verarbeitete Aktivität ist, werden Sie mit der Kombination von Notizen und Zeichnen beide Hirnhälften aktivieren. Das wirkt nicht nur ausgleichend, es vertieft auch die Erinnerung an das, was Sie beobachtet haben. Wenn Sie Urlaubserinnerungen wünschen, die im wahrsten Sinne des Wortes “unvergesslich” sind, sollten Sie dieses Experiment vielleicht einfach einmal wagen. Schließlich sind Sie im Urlaub – es ist die beste Zeit im Jahr, um etwas auszuprobieren, das einem ein wenig verrückt erscheint!

Auch wenn nicht immer ein Kunstwerk daraus wird – Vögel zu zeichnen schafft unvergessliche Urlaubserinnerungen… CC0 Public Domain

In die gleiche Richtung zielt der Vorschlag, die Vogelstimmen, die Sie hören, durch Silbenfolgen zu beschreiben (“Diudut-diudut-diudut-kükliwi-kükliwi-krüü- krüü…” oder auch einfach ”Zizidäh…”). Auch dies fällt nicht von Beginn an leicht, aber die Bemühung schult die Wahrnehmung, mal ganz abgesehen davon, dass die Beschäftigung mit Vogelstimmen auch in der europäischen Kultur eine ehrenwerte Tradition hat. Ganz besonders en vogue waren Vogelstimmen in der Barockmusik und da wir nun gerade bei Vögeln und Musik sind, wollen wir an dieser Stelle auch noch kurz daran erinnern, dass El Cant dels Ocells, eines der berühmtesten katalanischen Volkslieder, das vom großen Cellisten Pau Casals berühmt gemacht wurde, ebenfalls dem Gesang der Vögel gewidmet ist. Die Grenzen zwischen Naturbeobachtung und Kunst sind fließend und niemand kann ahnen, welch wunderbare Ideen Ihnen kommen, während Sie die katalanische Landschaft auf sich wirken lassen und Vögel beobachten. Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungen!

Tipp:
Die 10 besten Orte Kataloniens, um Vögel zu beobachten, finden Sie hier.

 

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Sealight – Camí de Llum Reloaded

Bereits zum zweiten Mal fand im Oktober 2017 an der Costa Brava ein außergewöhnlicher Mountainbike-Event statt. Sealight – Camí de Llum verbindet ein intensives MTB-Erlebnis zwischen den Steilklippen und Reblandschaften der Costa Brava mit der Degustation von regionalen Weinen und Köstlichkeiten aus der Region.

© Sealight – Camí de Llum

75 Teilnehmer aus ganz Europa haben in diesem Jahr die insgesamt 150km lange Strecke des Sealight Camí de Llum unter die Räder genommen, welche die malerischen Mittelmeer-Orte Cadaqués und Colliure miteiander verbindet. Satte 3.500m Höhenunterschied boten reichlich Gelegenheit, die Muskeln am Berg spielen zu lassen. Darüber hinaus waren bei diesem Event auch alle Sinne gefordert, denn Sealight-Camí de Llum versteht sich als exquisite Mischung von MTB, Landschaft, Kultur, Vergnügen, Reben und  Kulinarik unter dem namensgebenden Licht des Mittelmeers.

Ein MTB-Event für die Sinne

Die zweitägige Tour führte entlang sorgfältig ausgewählter Pfade von der nördlichen Costa Brava über die Serra de l’Albera und die Côte Vermeille bis nach Collioure. Viele der Teilnehmer waren mit einer ganzen Gruppe von Freunden angereist, um gemeinsam Landschaft und Gastronomie des Mittelmeers zu genießen. Garantiert unvergesslich blieben die herrlichen Aussichten über die Küste, aber auch die Gastronomie des Ortes konnte bleibenden Eindruck hinterlassen.

© Sealight – Camí de Llum

So gab es nicht nur in Cadaqués und Colliure Degustationen regionaler Spezialitäten, Teil der ersten Etappe war auch eine Weinprobe in einer Bodega mit kleiner, aber feiner Weinproduktion. Hier konnten die Teilnehmer und deren mit angereiste Familien und Freunde einige Spezialitäten dieses traditionsreichen Weinbaugebietes verkosten.

Übrigens: Mit am Start waren in diesem Jahr auch etwa 20 E-Bikes. Obwohl die Tour so angelegt ist, das fitte Mountainbiker am Ende des Tages noch den Aufenthalt in Cadaqués und Colliure genießen können, sind die Elektroräder eine sehr geeignete Option, den fordernden Abschnitten des Sealight – Camí de Llum die Härte zu nehmen.

„Malerische Orte“ – Cadaqués und Collioure

Nicht nur die MTB-Strecke, auch Start- und Zielpunkt von Sealight – Camí de Llum sind eine echte Augenweide. Die ebenso reizvolle wie bizarre Landschaft um Cadaqués und das einzigartige Licht des Ortes hat eine Vielzahl von Künstlern inspiriert. Salvador Dalí residierte hier über Jahrzehnte, aber auch Picasso, Chagall und Klein erfuhren hier tiefgreifende Inspiration. Nicht weniger „malerisch“ ist Collioure, Entstehungsort des Fauvismus mit Matisse und Derain als herausragenden Vertretern.
Weitere Infos: http://sealight.cc/

 

75 Teilnehmer waren im Oktober 2017 bei der 2. Edition von Sealight – Camí de Llum dabei © Sealight Camí de Llum

MTB an der malerischen Costa Brava © Sealight Camí de Llum

© Sealight – Camí de Llum

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10 Katalanische Museen für Insider und Entdecker

Katalonien hat viele berühmte Museen, durch die jährlich um die 11 Millionen Besucher strömen. Publikumsmagneten wie das Teatre-Museu-Dalí und das Museu del FC-Barcelona liefern sich Kopf an Kopf-Rennen im Wettbewerb um die meisten Besucher. Ganz oben in der Liste der meistbesuchten Museen stehen auch die Fundació Miró und das Museu Picasso. Wir könnten diese Liste Kataloniens berühmter Museen noch lange fortführen. Aber wir möchten statt dessen etwas ganz anderes tun. Wir stellen ihnen 10 erstaunliche, berührende, historische, freakige, heimatkundliche, spleenige, moderne und urkatalanische Museen vor, die zum Teil aus privaten Initiativen heraus entstanden sind. Mit den oben genannten Giganten unter den katalanischen Museen, können sich deren Besucherzahlen sicherlich nicht messen. Dafür verführen Sie ihre Besucher zu Reisen durch die Zeit, schärfen den Blick für den Zauber des Alltäglichen, die Schrecken der Geschichte und die Schönheit der kleinen Dinge, die im Begriff sind in Vergessenheit zu geraten.

Die Auswahl der Museen verdanken wir den Experten für Kommunikation und Alternativen Tourismus von Kiribatis, deren Arbeit unsere Beiträge zum Nachhaltigen Tourismus in der einen oder anderen Form immer wieder inspiriert. Die Originalversion des Artikels finden Sie hier.

Barcelona und Umgebung

 

Museu del Perfum

”Parfum ist eine innere Dimension der Weiblichkeit, die auf unnachahmliche Weise das ausdrückt, was anders nicht gesagt werden könnte”, soll Coco Chanel gesagt haben. Wer nicht nur Parfums, sondern auch deren vielgestaltige Flakons liebt, der sollte das Parfummuseum am Passeig de Gràcia 39 besuchen. Bereits im Jahr 1961 wurde hier ein Museum eröffnet, das ganz der Geschichte des Parfums und dessen Flakons gewidmet ist. 5000 unterschiedliche Flakons, die einst Parfum enthielten, sind hier ausgestellt: Antike ägyptische, griechische, römische und arabische, ebenso wie moderne Flakons. Übrigens: Ein Besuch des Parfummuseums lässt sich bestens kombinieren mit einer Besichtigung der Sightseeing-Klassiker La Pedrera oder Casa Batlló, die direkt um die Ecke liegen.

Foto: Museu del Perfum

Adresse: Passeig de Gràcia, 39 (Barcelona)
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10:30h – 20:00h, Samstag 11:00-14:00h
Eintritt: 5,00€, ermäßigt 3,00€
Info unter http://www.museudelperfum.com

Museu dels Autòmats

Auf dem Berg Tibidabo befindet sich der älteste Vergnügungspark Spaniens, der bis heute in Betrieb ist. Er wurde im Jahr 1889 eingerichtet und viele seiner Attraktionen stammen aus dieser Zeit. Wer auf der Suche nach dem ultimativen Adrenalinkick ist, findet vermutlich in Kataloniens modernen Freizeitparks schneller sein Glück. Für all jene, die einen Sinn für den nostalgischen Charme des Ortes haben, versprüht der Vergnügungspark am Tibidabo pure Magie. Das gilt auch und ganz besonders für das Automatenmuseum, Museu dels Autòmats. Mit 40 Automaten aus dem 19. und 20. Jahrhundert ist dieses Museum ein kleines Schmuckstück unter den vielen beeindruckenden Museen Barcelonas. Die Automaten stammen aus unterschiedlichen Ländern, der älteste von ihnen, der Mandolinisten-Clown, erblickte 1880 das Licht der Welt. Die jüngste Errungenschaft des Parks ist hingegen ein Automat mit dem Namen “Die Gebrüder Gaüs oder das Gleichgewicht der Welt” aus dem Jahr 2005, entworfen und hergestellt von Lluís Ribas, dem Konservator des Museums.

Foto: Museu dels Automàts

Adresse: plaça Tibidabo, 3-4 (Barcelona)
Öffnungszeiten: 12:00h-21:00h
Eintritt: Erwachsene 12,70€, Kinder unter 120cm, 7,80, Kinder unter 90cm gratis
Infos: www.tibidabo.cat Den Link zum Automatenmuseum finden Sie hier.

Museu de carrosses fúnebres – Die luxuriösesten Beerdigungskutschen der Geschichte

Barcelonas Friedhöfe sind wahre Horte der Kunst und Kultur – nicht umsonst gibt es seit einiger Zeit Führungen über die schönsten Friedhöfe Barcelonas, die einen faszinierenden neuen Blick auf Geschichte und Leben der Stadt erlauben. Interessant ist natürlich auch, einen Blick auf die Fahrzeuge zu werfen, in denen die berühmten und weniger berühmten Verstorbenen der Stadt ihre letzte Reise antraten – und genau das kann man im Museu de carrosses fúnebres mit seinen 20 Ausstellungsstücken tun, unter denen nicht nur historische Kutschen, sondern auch Autos sind.

Foto: Cementiris Barcelona

Adresse: Mar de Déu de Port, s/n (Barcelona)
Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag, 10:00 – 14:00 Uhr, geführte Besichtigung samstags um 12:00 Uhr
Eintritt: gratis
Info: http://www.cbsa.cat/colleccio/

Museu de les Mines de Cercs – Das Museum der Minen von Cercs

Im 20. Jahrhundert war der Bergbau eine der Hauptsäulen der wirtschaftlichen Entwicklung im Landkreis Berguedà. Heute ist er nur noch Geschichte, allerdings Geschichte von der Art, die sich lebendig am “Ort des Geschehens” erfahren lässt. Das Museum der Minen von Cercs ist dem Kohlebergbau und der lokalen Geschichte gewidmet, dem Einfluss der Bergbaus auf die Landschaft, die wirtschaftliche Entwicklung und das Leben der Menschen in der Region. Ein Besuch im Museum umfasst auch einen Rundgang durch einen Abschnitt der alten Mine, der teils zu Fuß und teils in einer Lore stattfindet und spannende Einblicke in die Arbeitsbedingungen der Minenarbeiter gibt.

Museu de les Mines de Cercs

Adresse plaza Sant Romà s/n Sant Corneli (Cercs, Berguedà)
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10:00h – 14:00h, an Wochenenden und Feiertagen 10:00h – 15:00h, im August Dienstag bis Freitag von 10:00h – 14:00h und von 16:00h – 19:00h.
Eintritt: 7,50€, ermäßigt 6,-€ Kinder unter 12 Jahren 2,-€
Infos unter www.mmcercs.cat

 

Girona und Umgebung

Museu de la Història dels Jueus – Museum für Jüdische Geschichte

Das “Call” genannte Jüdische Viertel von Girona zählt zu den besterhaltenen Jüdischen Vierteln weltweit. Es fasziniert mit seiner wahnwitzig verwinkelten Architektur und der bewegten Geschichte seiner ehemaligen Bewohner. Die Jüdische Gemeinschaft von Girona pflegte hier vom 9. Jahrhundert bis zu ihrer endgültigen Vertreibung im Jahr 1492 eine ganz eigene Kultur, welche die Kultur Kataloniens in vielerlei Hinsicht beeinflusst und geprägt hat.
Das Museum für Jüdische Geschichte in Girona vermittelt seinen Besuchern über eine große permanente und wechselnde temporäre Ausstellungen spannende Einblicke in das Jüdische Leben in Katalonien, die Errungenschaften jüdisch-katalanischer Kultur und die Geheimnisse des Call, das Pflichtprogramm für jeden Besucher Gironas ist.

Patio des Museums für Jüdische Geschichte von Girona © Aniol Resclosa. Patronat Call de Girona

Adresse: carrer de la Força, 8 (Girona)
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstags 10:00h – 18:00h, Montag, Sonn- und Feiertags 10:00h-14:00h, im Juli und August Montag bis Samstag 10:00h – 20:00h, Sonn- und Feiertags 10:00h – 14:00h
Eintritt: 4,-€, ermäßigt: 2,-€. Audioguide: 2,-€
Infos unter http://www.girona.cat/call

Museu Etnogràfic de Ripoll

Foto: Museu Etnogràfic Ripoll

Das Etnographische Museum von Ripoll versteht sich als Hüter des wertvollsten Gutes dieser Region: Der Erinnerung an das, was Tausende von Menschen immer wieder und wieder an nachfolgende Generationen weitergegeben haben. Im Museum von Ripoll findet man Arbeitsgeräte und Gegenstände des Alltags, die das Leben der Menschen über Jahrhunderte geprägt haben. Aufgeteilt in 12 Themenbereiche, wie zum Beispiel “Spielzeuge”, “Landwirtschaftliche Geräte”, “Religiöses” oder “Haushaltsutensilien” bietet die Ausstellung vergnügliche und lehrreiche Einblicke in den katalanischen Alltag vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte.

Adresse: plaça de l’Abat Oliba, s/n (Ripoll)
Öffnungszeiten: Di – Sa von 10:00h – 13:30h und von 16:00h – 18:00h, Sonn- und Feiertags sowie an Montagen im August: 10:00 – 14:00h
Eintritt: 4,00€, reduziert 3,00€
Infos unter www.museuderipoll.org

Museu de l’Anxova i la Sal – Das Museum für Sardellen und Salz

Die berühmtesten Sardellen Spaniens stammen aus L’Escala, einem Fischerdorf an der Costa Brava, das Dank der Sardellenindustrie weltbekannt wurde. Das Museu de l’Anxova i la Sal zeichnet die Geschichte der Sardellenfischerei und der kunstgerechten Verarbeitung des blauen Fisches nach und spannt einen zeitlichen Bogen vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Besonders schön ist ein Besuch des Museums übrigens Mitte September, wenn die jährliche Festa de la Sal ansteht, aber auch zu jeder anderen Jahreszeit lohnt es sich, hier vorbeizuschauen.

Foto: Museu de l’Anxova i de la Sal

Adresse: av.Francesc Macià, 1 (L’Escala, Girona)
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 10:00h – 13:00h. Vom 1. Juli bis 30. August von 10:00h – 13:00h und 17:00 – 20:00h.
Eintritt: 2,15€, ermäßigt 1,10€
Infos unter http://museudelanxovaidelasal.blogspot.de/

Museu del Suro – Das Korkmuseum

Kork ist ein wunderbares Material. Es ist leicht, stabil und umweltfreundlich und die Krönung jeder guten Weinflasche. 60% des weltweit produzierten Korks werden in Portugal hergestellt, Spanien belegt mit 30% den Platz 2 dieser wenig beachteten Weltrangliste und auch in Katalonien widmet man sich seit Jahrhunderten mit Hingabe dem ehrwerten Handwerk der Korkproduktion . Im Korkmuseum in Palafrugell erfährt man alles über den Prozess der Korkgewinnung und -verabeitung. Dieser beginnt bei den Korkeichen, die in regelmäßigen Abständen so geschält werden, dass die Bäume keinerlei Schaden nehmen und endet, wenn der Kork die Form eines Flaschenverschlusses angenommen hat. Anhand von insgesamt 6000 Ausstellungsstücken wird der tief in der Kultur des Mittelmeerraumes verwurzelte Prozess der Korkgewinnung und -verarbeitung auf spannende Weise nachvollziehbar.

Ausstellungsraum des Korkmuseums © Pitu Garcia Batlle. Arxiu d’Imatges del MSP

Adresse: placeta del Museu del Suro, s/n (Palafrugell, Girona
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10:00 – 13:00h und 16:00h – 19:00h, Samstag 10:00h – 14:00h und 17:00h – 20:00h, an Sonn- und Feiertagen 10:00h – 14:00h

Im Juli und August Montag bis Samstag 10:00h – 14:00h und 17:00 – 20:30h, Sonntag 10:00h – 14:00h
Eintritt: 3,-€, ermäßigt 1,50€
Infos unter www.museudelsuro.cat

Provinz Lleida

Parc dels búnkers de Martinet – Park der Bunker von Martinet

Das Interpretationszentrum Park der Bunker von Martinet ist einem wenig bekannten Aspekt der Geschichte Spaniens in den Jahren nach dem Bürgerkrieg gewidmet. Die sogenannte “P-Linie” war eine Verteidigungsfront, die nach dem Ende des spanischen Bürgerkrieges Anfang der 40er-Jahre mit der Absicht errichtet wurde, Spanien vor einer Invasion durch die Aliierten zu “schützen”. Sie durchzog die gesamten Pyrenäen vom Cap de Creus bis in Baskenland. Der Landkreis Cerdanya, in dem der Park der Bunker liegt, galt als strategisch besonders wichtig und weist deshalb eine besonders hohe Konzentration von Bunkern auf. Im Parc dels búnkers de Martinet kommen die Besucher diesem gut gehüteten Geheimnis auf die Spur, das in Vergessenheit fiel, als das Franco-Regime sich etabliert hatte.

Foto: Parc dels Búnquers de Martinet i Montellà

Adresse: carretera LV – 4055 de Martinet a Montellà (Lleida)
Öffnungszeiten: Wechselnde Öffnungszeiten je nach Jahreszeit. Infos gibt es hier.
Eintritt: 8,-€
Infos unter www.bunquersmartinet.net

Botigues-Museu de Salàs – Das Museum der alten Läden von Salàs

Die Landschaften und Dörfer des Pallars Jussà sind nach wie vor ein Geheimtipp unter Kataloniens Reisezielen – und zwar einer, der es in sich hat. So befindet sich eines der bezauberndsten Museen Kataloniens, das Jung und Alt gleicher Maßen in seinen Bann zieht, im historischen Örtchen Salàs de Pallars. Dieses ist bislang in erster Linie für seine Bahnstation bekannt, an welcher der berühmte Nostalgiezug Tren de Llacs hält. Wir empfehlen dringend, auszusteigen und dem Botigues-Museu de Salàs einen Besuch abzustatten. Auf private Initiative hin sind die Untergeschosse einiger Dorfhäuser in jene historischen Geschäfte und Lädchen zurückverwandelt worden, die einst der Lebensmittelpunkt von Salàs waren. Mit verschwenderischem Detailreichtum beeindruckt hier nicht nur der Kolonialwarenladen mit all seinen fantastisch-exotischen Schachteln und Produkten, sondern auch ein Friseursalon, eine Apotheke, ein Kurzwarenladen und ein Tabakwarenladen. Sie alle katapultieren den Besucher zurück in die Lebenswelt der spanischen Nachkriegszeit des 20. Jahrhunderts. Bei geführten Besuchen auf Spanisch und Katalanisch erfährt man außerdem spannende Details und viele Anekdoten über das Leben in Salàs.

Der historische Kolonialwarenladen ist Teil des außergewöhnlichen Museums in Salàs © Kiribatis

Adresse: carrer de Bon Jesús (Salás del Pallars, Pallars Jussà)
Öffnungszeiten: Die je nach Wochentag und Jahrezeit wechselnden Öffnungszeiten kann man unter http://botiguesmuseusalas.cat/es/visita/horarios/ nachschauen
Eintritt: 5,00€, für Kinder unter 14 Jahren ist der Eintritt frei
Weitere Infos: http://botiguesmuseusalas.cat

Und hier noch ein paar weitere Museumsempfehlungen:

Provinz Tarragona:

Museu de la Vida Rural
Einen großen Teil unseres Lebens verbringen wir in virtuellen Räumen – sei es, wenn wir das Navigationsgerät konsultieren, um die beste Strecke für eine anstehende Autofahrt herauszufinden, beim Online-Shopping oder gar auf Beziehungssuche im Internet. Das Museu de la Vida Rural, das “Museum des Lebens auf dem Lande” ruft uns in Erinnerung, welche Werkzeuge und Geräte Bauern, Handwerker und Kunsthandwerke über Jahrhunderte verwendet haben. Es erlaubt seinen Besuchern, sich auf eine ganz taktile Weise jener materiellen Welt anzunähern, die das erfolgreiche Leben und Überleben auf dem Lande erst möglich machte. Die hier ausgestellten Stücke darf man anfassen und erfahren, welche Bedeutung sie bis vor wenigen Jahrzehnten für das Leben auf dem Lande hatten.

Adresse: crta. de Montblanc (L’Espluga de Francolí, Tarragona)
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 10:30h – 14:00h und 16-18:30h. An Sonn- und Feiertagen von 10:30h bis 14h
Eintritt: 5,-€, ermäßigt, 4,-€
Infos unter www.museuvidarural.com

La Trinxera
Das kleine Museum La Trinxera ist der Ebroschlacht des Jahres 1938 gewidmet und damit einer der härtesten und blutigsten des spanischen Bürgerkrieges. La Trinxera verdankt seine Existenz den Bemühungen von Pere Sanz, der seit vielen Jahren Kriegsfundstücke aus der Umgebung sammelt. Im Museum finden sich Postkarten von Soldaten an ihre Familien, Uniformen beider Parteien und Geschütze aller Art. Prunkstück der Sammlung ist eine Fotokamera, die laut Pere Sanz dem großen Fotografen Robert Capa selbst gehört hat. Es lohnt sich, den Besuch von La Trinxera mit dem Besuch des Centre d’Interpretació 115 zu verbinden, das nur wenige Meter entfernt im verlassenen Stadtkern von Corbera d’Ebre liegt, dessen Ruinen ein Mahnmal des Bürgerkrieges sind.

Adresse: Ponent 11 (Corbera d’Ebre, Terra Alta)
Öffnungszeiten: An Werktagen nach Vereinbarung, an Feiertagen von 11:00 – 13:00 Uhr und von 16:00 bis 20:00 Uhr.
Eintritt: 4,00€
Info unter www.latrinxera.es

Barcelona und Umgebung:

Museu de Badalona – Unter Römern
Lust auf einen Spaziergang durch eine antike römische Stadt? Dann besuchen Sie doch das Mueum von Badalona. Nur 20 Minuten in der Metro vom Stadtzentrum Barcelonas entfernt, hütet das Museum auf 3.400m2 Fläche die begehbaren Reste der römischen Stadt Baetulo aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Hier sind nicht nur Straßen und Thermen erhalten, sondern auch verschiedenste Gegenstände des römischen Alltags. Soundcollagen begleiten die Ausstellung und geben dem Besucher das Gefühl, bei einer Zeitreise in die Antike mitten im alten Baetulo gelandet zu sein.

Adresse: pl. Assemblea de Cataluña, 1 (Badalona)
Öffnungszeiten: Di – Sa 10:00-14:00h und 17:00 bis 20:00h, Sonntag: 10:00h – 14:00h
Eintritt: 6,00€, ermäßigt 4,80€
Info und Öffnungszeiten an Feiertagen unter www.museudebadalona.cat

Museu Molí Paperer
Die Molí Paperer de Capellades ist eine alte Papiermühle, deren aus dem 18. Jahrhundert stammende Strukturen komplett erhalten sind. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Quelle, welche diese und die 16 weiteren Mühlen des Dorfes mit Wasser versorgte. Capellades war im 18. und 19. Jahrhundert eine der bedeutendsten Papierproduktionsstätten Spaniens. Das 1958 gegründete Museu-Molí Paperer de Capellades begnügt sich allerdings nicht damit, den Besuchern die alten Werkzeuge, Geräte und Techniken vorzustellen. Bis heute produziert man hier Papier von Hand und ermöglicht somit den Besuchern besonders lebendige Einblicke in dieses alte Handwerk.

Adresse: carrer de Pau Casals 10 (Capellades, Barcelona)
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 9:00h – 14:00h und 15:00h – 18:00h. Freitag, Samstag und an Feiertagen 10:30h – 14:30h
Eintritt: 6,25€, ermäßigt, 3,55€
Infos unter www.mmp-capellades.net

 

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Eine Brücke zwischen den Zeiten – Das Jüdische Museum von Girona

Mit seinen labyrinthischen Gassen, steilen Treppen und stillen Hinterhöfen gilt das Call de Girona nicht nur als Pflichtprogramm für jeden Besucher der Stadt – es zählt auch zu den best erhaltenen Jüdischen Vierteln weltweit. Seine mittelalterliche Atmosphäre macht das Call zur begehrten Kulisse für große Film- und Fernsehproduktionen: Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders oder die sechste  Staffel der Erfolgsserie Game of Thrones sind nur zwei von vielen berühmten Beispielen.

Nacht im Call von Girona © Aniol Resclosa. Patronat Call de Girona

Nacht im Call von Girona © Aniol Resclosa. Patronat Call de Girona

Über das Leben der Jüdischen Gemeinschaft in Girona, die hier vom 9. Jahrhundert bis zu ihrer Vertreibung im Jahr 1492 eine ganz eigene Identität und Kultur pflegte, erfährt man bei einem Bummel durch die labyrinthischen Gassen des Viertels jedoch wenig. Doch dies würde sich lohnen, denn die Geschichte der jüdischen Bewohner Gironas ist spannend und ihre Kultur gewinnt umso mehr Faszination, je mehr man von ihr erfährt und sich auf sie einlässt.

Wer einen Zugang zu den Geheimnissen des Viertels, zur Geschichte der jüdischen Kultur in Katalonien und deren nur scheinbar verborgenen Verbindungen zur Gegenwart sucht, dem sei dringend ein Besuch im Museum für Jüdische Geschichte des Patronat Call de Girona empfohlen.  Dieses beherbergt neben der großen permanenten Ausstellung zu den unterschiedlichsten Aspekten des Lebens der Jüdischen Gemeinschaft im historischen Girona auch temporäre Ausstellungen, die überraschende Schlaglichter auf interessante Facetten der jüdischen Kultur setzen. Derzeit ist zum Beispiel eine Ausstellung zu den Mikwes, den rituellen jüdischen Bädern Gironas zu sehen.

„Je mehr wir von einer Kultur wissen, umso mehr können wir sie schätzen“

Assumpció Ahosta, die Direktorin des Patronat Call de Girona, möchte bei den Besuchern des Museums vor allem eines erreichen: „ Wir sehen es als unsere Aufgabe, das Interesse an einer eigenständigen, hochentwickelten Kultur zu wecken, die für uns in weiten Teilen unbekannt ist. Das ist besonders wichtig in Zeiten schwelender Konflikte. Je mehr wir über eine Kultur wissen, umso mehr können wir sie schätzen.“

Die permanente Ausstellung im Museum für Jüdische Geschichte in Girona © Aniol Resclosa. Patronat Call de Girona

Im Patio des Museums für Jüdische Geschichte von Girona © Aniol Resclosa. Patronat Call de Girona

Assumpció selber weiß inzwischen jede Menge über die Jüdische Kultur. Ihre berufliche Laufbahn fasst sie so zusammen: Geschichtsstudium, danach Leitung einer eigenen Firma und 1992 wurde sie gebeten, die Leitung des Patronat Call de Girona zu übernehmen. Damit ist Assumpció mit dem Jüdischen Museum von Girona seit dem ersten Tag seines Bestehens verbunden.  „Manche Leute wechseln eben alle vier, fünf Jahre ihren Job, und andere erfinden sich in dem Job, den sie haben, immer wieder neu.“

Stagnation oder ein Verweilen beim Althergebrachten gehört für Assumpció Ahosta offenbar zu den eher undenkbaren Formen, einen Job zu machen oder  ein Museum zu leiten. „Wir arbeiten hier im kleinen Format, mit kleinem Budget und kleinen Ausstellungen, bei denen es uns viel mehr darum geht, die Neugier und die Kreativität zu wecken als darum, eine vollständige Erklärung aller Einzelheiten eines Themas zu geben“, sagt Ahosta. Um Synergien zu schaffen, arbeitet das Museum einerseits mit großen Institutionen wie der Bibliothek von Jerusalem zusammen, andererseits will man auch junge Forscher und Studenten anregen, zum Thema der jüdischen Kultur und Geschichte zu arbeiten.

 

Die permanente Ausstellung im Jüdischen Museum in Girona © Aniol Resclosa. Patronat Call de Girona

Die permanente Ausstellung im Jüdischen Museum in Girona © Aniol Resclosa. Patronat Call de Girona

Ein Europäisches Projekt

So kooperiert das Museum zum Beispiel mit der AEPJ, die sich für den Erhalt und die Vermittlung jüdischer Kultur in Europa einsetzt. Neben der Ausstellung zu den Rituellen Bädern hat das Patronat zum Beispiel im November 2016 eine Tagung zu den jüdischen Sprachen in Europa mitorganisiert. Für das kommende Jahr stehen außerdem Projekte zur jüdischen Diaspora und zu den Routen der jüdischen Flüchtlinge durch die Pyrenäen an. Das letztgenannte Projekt ist besonders interessant für historisch interessierte Wanderer, und wir werden beizeiten darüber berichten: Hier geht es nicht nur darum, die Fluchtrouten der Juden durch die Pyrenäen aufzuzeigen, sondern auch darum, heutigen Wanderern die Möglichkeit zu geben, die Geschichten dieser Flucht bei eigenen Wanderungen auf historischen Routen nachzuvollziehen.

Eine Ausstellung zu den Jüdischen Bädern von Girona © Josep Maria Oliveras. Patronat Call de Girona

Eine Ausstellung zu den Jüdischen Bädern von Girona © Josep Maria Oliveras. Patronat Call de Girona

Kultur „am eigenen Leib“ erfahren

Jüdische Kultur und Geschichte sozusagen „am eigenen Leib“ erfahrbar zu machen, ist ein wesentlicher Teil des strategischen Fundus des Museums. Dessen Arbeit hört nämlich nicht an den Grenzen der Ausstellungsräume auf, sondern wirkt hinein in das kulturelle Leben Gironas und von dort aus in das kollektive Bewusstsein der Stadt und ihrer Besucher.

„Wir möchten nicht nur die jüdische Kultur des mittelalterlichen Kataloniens vorstellen, wir möchten auch eine Brücke zur Gegenwart schlagen“, sagt Assumpció Ahosta. Deshalb organisiert das Patronat Call de Girona immer wieder Aktivitäten und Veranstaltungen, bei denen die heutige jüdische Kultur im Mittelpunkt steht. So finden beispielsweise jährlich im Sommer in Kooperation mit dem Festival des Jüdischen Kinos in Barcelona die „Filmnächte im Call“ statt. Es gibt den Lesezirkel für Jüdische Literatur, das Festival der Jüdischen Musik und natürlich spielt auch die Kulinarik eine bedeutende Rolle, wenn im Call von Girona jüdische Kultur erfahrbar gemacht wird.

Jüdische Musik im Call © Patronat Call de Girona

Jüdische Musik im Call © Patronat Call de Girona

Die Früchte der Arbeit

Dass die Arbeit des Patronats Früchte trägt, wird besonders deutlich, wenn katalanische Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft mit Fragen auf die Institution zukommen, die sich vor dreißig Jahren vermutlich niemand gestellt hätte. „Wenn zum Beispiel die Organisatoren eines Kongresses an der Universität von Girona bei uns anfragen, wie und wo sie koscheres Essen für orthodoxe jüdische Teilnehmer organisieren können, oder wenn ein Winzer sich erkundigt, wer ihn über die Herstellung koscherer Weine informieren kann, dann merke ich, dass sich das Bewusstsein der Menschen in den letzten Jahren verändert hat“, sagt Assumpció. Der besagte Winzer produziert übrigens inzwischen sehr erfolgreich hochwertigen koscheren Wein, der fast komplett exportiert wird. Er ist nicht nur ein schönes Beispiel für erfolgreiche wirtschaftliche Beziehungen zwischen Katalonien und Israel, sondern auch ein Paradebeispiel dafür, dass Interesse und Offenheit für eine fremde Kultur zu neuen Ideen führen, die das eigene Leben komplett verändern können.

Facettenreich

Der Ansatz, die Neugier der Besucher zu wecken und sich selbst in Beziehung zu den Inhalten der Ausstellung zu setzen, ist auf ein breites und heterogenes Publikum ausgerichtet. Es geht in den Ausstellungen nicht um die Vermittlung religiöser Inhalte, sondern darum, verschiedene Facetten der jüdischen Kultur so zu präsentieren, dass unterschiedlichste Menschen daraus etwas für sich mitnehmen können. „Wir arbeiten viel mit Jugendlichen, die sind schließlich unsere Zukunft“, erläutert Assumpció Ahosta, „aber natürlich sollen sich 35- oder 75jährige von den Ausstellungen genauso angesprochen fühlen wie Fünfzehnjährige.  Wir mixen unterschiedliche Materialien, Präsentationstechniken und Informationen, so dass jeder sich etwas herauspicken kann, das ihn interessiert. So kann ein jüdischer Besucher des Museums, der seine Kultur gut kennt, hier jede Menge über die Geschichte und lokale jüdische Kultur Kataloniens erfahren, die anderswo wenig bekannt sind. Die nicht-jüdischen Besucher konzentrieren sich oft eher auf allgemeine Aspekte der jüdischen Kultur und weniger auf die lokalen Facetten.

Das Museum für Jüdische Geschichte © Aniol Resclosa. Patronat Call de Girona

Das Museum für Jüdische Geschichte © Aniol Resclosa. Patronat Call de Girona

Eine Rundum-Vision des jüdischen Lebens im historischen Girona

Die permanente Ausstellung gibt anhand archäologischer Funde, historischer Dokumente und architektonischer Modelle einen spannenden Überblick über die unterschiedlichen Aspekte des Lebens im Call de Girona: Feste und Traditionen, Rituale im Zyklus des Lebens und Alltagsgegenstände, die vom häuslichen und familiären Leben innerhalb des Calls erzählen, werden hier ebenso vorgestellt wie das religiöse Leben in den Synagogen und der jüdische Friedhof. Der Kontakt mit der jeweils anderen Kultur wird zum Beispiel in den Ausstellungen zur Koexistenz christlicher und jüdischer Kultur und zur Diaspora thematisiert, aber auch in jenem Teil des Museums, welcher den beruflichen Tätigkeiten der Juden von Girona gewidmet ist. Erhellend ist auch die Ausstellung zum Vermächtnis der jüdischen Kultur, welche die wissenschaftliche, literarische und philosophische Kultur des Mittelalters stark geprägt hat. Bekanntlich konnte dies die Unterdrückung und Vertreibung der Jüdischen Gemeinschaft nicht verhindern. Dieser Prozess wird reflektiert anhand architektonischer Modelle des Jüdischen Viertels, dessen Grenzen im Zuge der zunehmenden Anfeindungen immer enger wurden und insbesondere im Ausstellungssaal, welcher der Konvertierten Gesellschaft und der Inquisition gewidmet ist.

Über die Grenzen des Museums hinaus

Komplementär zu den permanenten und temporären Ausstellungen bietet das Museum für Jüdische Geschichte von Girona Aktivitäten an, die es ermöglichen, das jüdische Erbe der Stadt aus einer neuen Perspektive zu betrachten: Zum Beispiel bei einem musikalischen Spaziergang durch die Gärten des Call oder bei einer botanischen Route, die den Blick auf Jahrtausende alte Kulturpflanzen des historischn Viertels richtet und so die oft vergessenen Verbindungen zwischen christlicher und jüdischer Kultur aufzeigt.

Beim musikalischen Spaziergang durch das Call © Patronat Call de Girona

Beim musikalischen Spaziergang durch das Call © Patronat Call de Girona

Wer sich für die enge Verbindung verschiedenster kultureller Strömungen Europas mit der jüdischen Kultur interessiert, der sollte einmal einen Blick auf die Thematischen Routen der AEPF Website for Jewish Heritage werfen. Wenn Sie sich zum Beispiel in Katalonien in die Architektur der Art Noveau bzw. des Modernisme verliebt haben, dann sollten Sie vielleicht einmal einen Blick auf die Internationale Route zur Architektonischen Moderne der AEPF werfen, denn hier gilt es, unter anderem, sehenswerte Synagogen des Art Noveau von Ungarn über Frankreich bis Großbritannien entdecken. Auf dem Weg zu der ebenso alten wie inspirierenden Erkenntnis, das letztlich alles mit allem zusammenhängt, ist das Museum für Jüdische Geschichte in Girona zweifellos ein wunderbarer Ausgangspunkt.

Weitere Infos unter: http://www.girona.cat/call/cat/index.php

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Naturpark Cadí-Moixeró

Der Naturpark Cadí-Moixeró in der Provinz Lleida erstreckt sich auf Höhen zwischen 800m und 2.648m über die Landkreise Alt Urgell, Berguedà und Cerdanya. Er umfasst die Gebirgsmassive von Tosa, Puigllançada und Pedraforca sowie die namensgebenden Gebirgsketten von Cadí und Moixeró. Von Osten nach Westen ziehen sich diese auf der Grenzlinie zwischen den Flüssen Segre und Llobregat über eine Länge von 30km durch die Vorpyrenäen. Ihre Hänge bilden insbesondere an der Nordseite steile, zum Teil fast vertikale Felswände und tief eingeschnittene Täler. Der wohl berühmteste Berg des Naturparks ist der Pedraforca. Mit seinen zwei Spitzen, einem markanten Profil und ebenso schönen wie herausfordernden Abschnitten für Bergsteiger und Kletterer, ist er zu einem Symbol des katalanischen Bergsports geworden.

Der legendäre Pedraforca im Naturpark Cadí-Moixeró © Servicios Editoriales Georama

 

Klima

Das Klima des Naturpark Cadí-Moixeró ist nicht typisch für mediterrane Gebiete. Die Durchschnittstemperaturen liegen zwischen 11°C in den tieferen Gebieten des Alt Urgell und 0°C auf den höchsten Gipfeln. In den kalten Wintern können die Temperaturen bis auf -20°C sinken, auch die Sommer sind vergleichsweise frisch. Die Niederschlagsmenge liegt auf den im Osten gelegenen Gebirgsabschnitten bei 1.500mm pro Jahr und bei 700mm in den tiefer gelegenen Gebieten im Westen. Während sechs Monaten des Jahres liegt in den höhergelegenen Bereichen des Naturparks Schnee.

 

Vegetation

Die niedrigen Temperaturen in Kombination mit häufigen Regenfällen haben zur Entwicklung einer für den Mittelmeerraum wenig typischen Flora und Fauna geführt. Viele der hier lebenden Arten sind üblicherweise eher im nordeuropäischen oder gar arktischen Raum zu Hause, zum Teil auch in den Höhenlagen der Alpen.

Schönheit mit alpinem Charakter © Kim Castells

Bergwiesen sind die typische Vegetationsform der Höhenlagen des Naturparks Cadí-Moixeró. Auf Höhen von 2.200m und mehr gedeihen vor allem grasartige Pflanzen, aber auch solche wie zum Beispiel der Alpen-Enzian. In den tiefergelegenen Bereichen finden sich Schwarzkiefernwälder mit kärglichem Unterholz, das vor allem aus Alpen-Wacholder und Rostblättriger Alpenrose besteht. In den tiefer gelegenen Abschnitten dieser Wälder und an den Nordhängen der Gebirgsketten finden sich auch Tannenwälder.

Eine weitere Pflanzenart des Waldes, die typisch für Gebiete mit Vergleichweise hoher Feuchtigkeit ist, ist die Buche, während die Flaumeiche eine typische Vertreterin der sonnenbeschienen Gebiete des Parks ist. Neben diesen besonders regionstypischen Laubbäumen finden sich zwischen den Kiefernwäldern auch mehr oder weniger große Flächen auf denen Feldahorn, Birke und Zitterpappel wachsen. Zu den wohl interessantesten Pflanzengemeinschaften des Parks gehören die der Steinwüsten mit Arten wie Xatardia scabra, das als botanisches Juwel des Parks gilt, Delphinium montanum (eine in Spanien und Frankreich beheimatete Art des Rittersporns) und der sogenannte Pyrenäen-Felsenteller (Ramonda myconi) als Relikt der Eiszeit.

Im Herbst besonders schön: Der Wald von Gresolet © Sergi Boixader

 

Fauna

Der Naturpark Cadí-Moixeró ist Lebensraum für eine außergewöhnliche große Poblation von Gämsen. Rehe und Hirsche, die seit langem in der Region nicht mehr vorkamen, bevölkern nun dank einer Wiedereinführung den Park. Ein weiteres interessantes Säugetier der hiesigen Wälder ist der Baummarder.
Erwähnenswerte Vertreter der Vogelwelt des Parkes sind der Auerhahn als Relikt der Eiszeit, der Raufußkauz und der Schwarzspecht, der übrigens das Symboltier des Naturparks ist. In den höher gelegenen Zonen kann man auch Steinadler beobachten.
Unter den Reptilien des Parkes seien stellvertretend nur zwei bemerkenswerte Vertreter erwähnt: Die Smaragdeidechse ist eine große, aber schlanke Eidechsenart mit grünlicher Grundfärbung, die eine Gesamtlänge von etwa 40cm erreiche kann. Auch die Gelbe Zornnatter (Coluber viridiflavus) ist Bewohnerin des Parks. Sie ist ungiftig, reagiert allerdings “zornig” wenn sie gefangen wird. Typischerweise beißt sie zu und lässt nach dem Zubeißen nicht sofort wieder los, sondern macht eine Art Kaubewegung. Als weitere Abwehrreaktion entleert sie ihren Darm und die Afterdrüsen. Unter den Amphibien des Parks verdienen der endemischer Pyrenäen-Gebirgsmolch und der Grasfrosch besondere Erwähnung. In den wenigen Wasserläufen des Parks sind  insgesamt nur drei Fischarten beheimatet: Forelle, Hundsbarbe und Elritze.

Der Schwarzspecht ist das Symboltier des Naturparks © José Luis Rodríguez

 

Interessante Orte

Insgesamt 17 Gemeinden liegen im Naturpark Cadí-Moixeró, der neben der Schönheit seiner zerklüfteten Bergwelt, auch auf kultureller und geschichtlicher Ebene einiges zu bieten hat.
So ist der mittelalterliche Stadtkern von Bagà, der einstigen Hauptstadt der Baronie Pinós y Bellver de Cerdanya, unbedingt einen Besuch wert. Die traditionelle ländliche Architektur ist in vielen Ortschaften der Region erhalten geblieben, wie man zum Beispiel in Castellar de n’Hug schön sehen kann. Weitere sehr schöne Dörfer sind zum Beispiel Saldes mit den Ruinen seines Schlosses, Montellà, Tuisén, Josa de Cadí und weitere winzige Dörfer die in malerischen Gegenden liegen. Beste Beispiele hierfür sind Orte wie Torres d’Alàs, Adraén, El Quer Foradat, Conellana, Cava, Ansovell, Gisclareny, Gréixer und Gósol.

Auch die romanische Architektur hat hier sehenswerte Spuren hinterlassen, beispielsweise in Sant Llorenç prop Bagà, der Kirche von Talló und vielen anderen, die sich über die Dörfer des Naturparks verteilen.

Das Kloster Sant Llorenç Prop Bagà © Juan José Pascual

Weitere Infos zu Routen und Aktivitäten im Naturpark Cadí-Moixeró finden Sie hier.

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Nachhaltiger Tourismus in Katalonien – Ein Blick hinter die Kulissen

2017 ist das Jahr des nachhaltigen Tourismus. Anlass genug, einigen Fragen rund um das Thema auf den Grund zu gehen. „Was ist eigentlich nachhaltiger Tourismus?“, „Wer interessiert sich für sowas?“ und „Was gewinnt man eigentlich, wenn man nachhaltig reist?“ Antworten auf diese und andere Fragen sowie jede Menge Insidertipps zu den interessantesten nachhaltigen Angeboten in Katalonien, finden Sie im folgenden Interview mit den Experten Josep Capellà und Inma Ballbé von der Tourismusberatung Decaba.

 

Nachhaltige Projekte sind ein Schwerpunkt in eurer Arbeit als Tourismusberater. Könnt ihr unseren Lesern in aller Kürze erklären, was es mit dem nachhaltigen Tourismus auf sich hat? Worum geht es eigentlich und was unterscheidet nachhaltigen Tourismus vom konventionellen Tourismus?

Der Begriff des nachhaltigen Tourismus entwickelte sich in den 80er-Jahren in den hochentwickelten Industrieländern und wurde bald zu einem weltweit anerkannten Konzept. Die Kernidee ist, dass ein nachhaltiges Entwicklungsmodell gegenwärtigen Bedürfnissen gerecht werden muss, ohne die Ressourcen der folgenden Generationen zu gefährden oder zu beeinträchtigen. Diese Prämisse hat in den letzten Jahren in einer Bewegung Gestalt angenommen, die auf die gemeinsame Übernahme von Verantwortung aller Akteure abzielt: Tourismusanbieter, Touristen, lokale Bevölkerung und öffentliche Verwaltungen müssen am gleichen Strang ziehen, damit nachhaltiger Tourismus gelingen kann. Das Motto lautet: Je attraktiver ein Ort für seine Bewohner ist, umso attraktiver ist er auch für seine Besucher.

„Je attraktiver ein Ort für seine Bewohner ist, umso attraktiver ist er auch für seine Besucher.“ © Rafael López-Monné

 

In der Praxis unterscheidet sich nachhaltiger Tourismus von konventionellen Angeboten in vielerlei Hinsicht: Nachhaltiger Tourismus

  • zielt darauf ab, negative Auswirkungen auf Umwelt, Wirtschaft und soziale Gefüge vor Ort auf ein Minimum zu reduzieren.
  • macht die wirtschaftlichen Gewinne aus touristischer Aktivität für die Menschen vor Ort verfügbar, verbessert die Arbeitsbedingungen und erhöht die Lebensqualität.
  • bezieht die lokale Bevölkerung mit ein, wenn es um Entscheidungen geht, die ihr Leben und ihre Zukunftschancen betreffen.
  • trägt zum Erhalt der Natur und des Kulturellen Erbes bei, und somit in umfassendem Sinne zum Erhalt der Vielfalt.
  • ermöglicht Touristen interessante und berührende Erfahrungen durch die innige Verbindung mit der lokalen Bevölkerung. Dies führt gleichzeitig zu einem tieferen Verständnis der betreffenden Natur, Kultur und den sozialen Gegebenheiten.
  • bietet barrierefreie Angebote
  • ist kulturell sensitiv, fördert den Respekt zwischen Touristen und Gastgebern und fördert Selbstwertgefühl und -vertrauen der Menschen vor Ort.

Im Einzelnen kann man das übrigens hier nachlesen.

Barrierefreie Angebote, wie hier auf der Via Verde in der Garrotxa, sind ein wichtiges Element des nachhaltigen Tourismus. © Oriol Clavera

 


Wer interessiert sich denn für solche Angebote? Gibt es so etwas wie ein „Profil des nachhaltigen Touristen?“

Ja, das gibt es tatsächlich. Studien zeigen, dass der nachhaltige Tourismus ein generationenübergreifendes Thema ist. Menschen, die sich für nachhaltigen Tourismus interessieren, achten in der Regel auf einen gesunden Lebensstil und zeigen eine erhöhte Sensibilität für das Thema Nachhaltigkeit auf allen Ebenen – vom Klima bis zur Auswirkung persönlicher Konsumgewohnheiten auf die Menschen in der Umgebung. Im englischsprachigen Raum werden diese Leute kurz als LOHAS bezeichnet, das Akronym steht für den „Lifestyle of Health and Sustainability“.
Schon zu Beginn des 21. Jahrhunderts zeigten Marktstudien in den USA, dass bereits 20% der Bevölkerung in diese Gruppe fällt. Ähnliche Zahlen gelten für Kanada, aber auch für Deutschland. Der „typische nachhaltige Tourist“ lebt im wirtschaftlich und technisch hochentwickelten Umfeld von Großstädten und sein Interesse am Thema Nachhaltigkeit konzentriert sich auf die Bereiche Gesundheit, Bauwesen und Tourismus.
In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass der Bereich der Nachhaltigkeit immer weiter an Bedeutung gewinnt. 2016 wurde in der Eurobarometer-Umfrage zu Tourismus und Urlaubsplanung zum ersten Mal erfragt, welche Bedeutung das Thema Nachhaltigkeit für die Wahl des Ferienziels hat. Allein, dass diese Frage gestellt wird, sagt schon einiges aus. Interessant ist dann auch zu hören, dass bei 46% der Reisenden die Urlaubsplanung durch das Thema Nachhaltigkeit mitbestimmt wird.

Nachhaltiger Tourismus ist ein generationenübergreifendes Thema. © Oriol Clavera


Was sind die besonderen Erfahrungen, die Menschen machen, die „nachhaltig reisen“?

Menschen, die sich dem nachhaltigen Reisen verschrieben haben, treten auf eine ganz besondere Weise mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt. Das kann zum Beispiel mit der Degustation von Produkten beginnen, die direkt vor Ort hergestellt wurden. Ein Schafskäse zum Beispiel schmeckt einfach anders, wenn man nicht nur seinen Hersteller kennt, sondern auch die Schafe, die die Milch gaben und den Hirten, der sie hütet. Nachhaltige Angebote jenseits des Massentourismus bieten die Möglichkeit, tiefe Einblicke in das Leben vor Ort zu gewinnen. Mehr noch, man kann für eine Weile ein Teil davon zu werden. Das ist nicht nur für die Besucher eine bereichernde Erfahrung, es erhöht auch die Lebensqualität der Menschen vor Ort und schafft Arbeitsplätze mit fairen Bedingungen. Letztlich schenkt man sich selbst ein gutes Gefühl, indem man seinen Urlaub auf eine Weise genießt, die auch anderen gut tut.

Einblicke in das Leben einer Region: Der Wettbewerb der Hirtenhunde in Castella de n’Hug hat eine lange Tradition. © Oriol Llauradó

 

 

Und welche Vorteile bringt der nachhaltige Tourismus den Anbietern in den Regionen?
Eine ganze Menge. Erstens Sicherheit, in dem Sinne, dass dieses Wachstumsmodell verhindert, dass gerade die Dinge, die touristisch attraktiv sind, durch den Tourismus ausgebeutet und zerstört werden. Zweitens stärkt der nachhaltige Ansatz das Vertrauensverhältnis zum Kunden. Initiativen dieser Art erfordern eine erhöhte Sensibilisierung und Professionalität der Anbieter. Die Kunden wissen das. Je erfahrener sie sind, umso mehr neigen sie dazu, Nachhaltigkeit mit Qualität in Verbindung zu bringen. Natürlich bringt der nachhaltige Ansatz den Anbietern auch Prestige, denn Nachhaltigkeit ist wie eben bereits erwähnt zum Lifestyle-Thema geworden. Schließlich, und das ist besonders wichtig, fördert der nachhaltige Tourismus Chancengleichheit und Gerechtigkeit, da er nur unter Einbeziehung der lokalen Bevölkerung funktionieren kann und darauf abzielt, deren Lebensqualität zu erhöhen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Aktiv- und Adventure-Tourismus. Nach Aussage der Welttourismusorganisation UNWTO erzeugt diese Form des Tourismus höhere Gewinne für die lokale Bevölkerung, weil die entsprechenden Aktivitäten von einer Vielzahl kleiner regionaler Firmen angeboten werden. Deshalb verbleiben bei Aktiv- und Adventure-Tourismus mehr als 65% der Reisekosten vor Ort, während bei einem All-Inclusive Urlaub nur ein sehr geringer Prozentsatz der investierten Reisekosten der lokalen Bevölkerung zu Gute kommt.

Natur- und Adventure Tourismus kommen in besonderem Maße der lokalen Bevölkerung zu Gute. © Rafael López-Monné

 

 

Gibt es Regionen Kataloniens, in denen der nachhaltige Tourismus besonders stark vertreten ist?

Die meisten Angebote aus dem Bereich des nachhaltigen Tourismus finden wir im Landesinneren, in ländlichen Gegenden und im Umfeld der Natur- und Landschaftsschutzgebiete.

 

Warum ist das so?

In diesen Gegenden ist es einfach leichter, Konzepte zu verwirklichen, die grundlegend für den nachhaltigen Tourismus sind: Regionale Entwicklung, Aufwertung der Landschaft, ein gastronomisches Angebot, das auf lokale Produkte setzt und der Kontakt mit den Menschen, die hier leben.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Tatsache, dass es sich hier oft um relativ neue touristische Initiativen handelt, die von jungen, gebildeten Unternehmern ins Leben gerufen wurden. Diese sind häufig besonders für das Thema der Nachhaltigkeit sensibilisiert und erkennen, dass Projekte in touristisch wenig bekannten Regionen eine sehr klare Positionierung auf dem Markt benötigen. Um erfolgreich sein zu können, müssen sie sich von Standard-Angeboten abgrenzen. Ein herausragendes Beispiel dafür, wie so etwas funktionieren kann, ist der Wanderweg El Cinquè Llac.

Der ganz auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Wanderweg El Cinquè Llac führt durch nahezu unentdeckte Pyrenäenlandschaft © Jordi Peró

 

 

Wie sieht es aus mit Städtetrips und Urlaub an der Küste – gibt es dort auch nachhaltige Angebote?

Ja, natürlich. Im Bereich der Städtetrips ist Barcelona Vorreiter, was Angebote des nachhaltigen Tourismus betrifft. Die Tourismus-Institutionen haben das Thema Nachhaltigkeit als grundlegendes Element in Planung und Marketing integriert. Außerdem gibt es auch viele private Initiativen, die auf Nachhaltigkeit setzen – von Unterkünften über Gastronomie bis zu Aktivitätsangeboten. Ich denke zum Beispiel an Unterkünfte wie das preisgekürte INOUT-Hostel in Barcelona. Das Haus ist Teil einer Non-Profit Organisation, die sich für die Integration behinderter Menschen einsetzt. Seine Belegschaft besteht zu einem großen Teil aus Menschen mit Behinderung. Das im Naturpark Collserola gelegene Hostel ist barrierefrei und setzt auch auf ökologischer Ebene in jeder Hinsicht auf Nachhaltigkeit. Weitere Beispiele sind das ebenfalls preisgekrönte Hostel Twentytú, das als erste Unterkunft in Barcelona das Prädikat für „höchste Energieeffizienz“ erhalten hat und das Hostel Centre Esplai, das ökologisch und nachhaltig arbeitet und an die Bedürfnisse bewegungseingeschränkter Personen angepasst ist. Weitere wichtige Initiativen sind zum Beispiel umweltfreundliche Taxis (Elektro- oder Hybridautos) und der Fahrradverleih Bicing.

Der Tourismus orientiert sich aber inzwischen auch in den Küstenregionen neu. Im Gegensatz zu vorangegangenen Jahrzehnten unterliegen die Städte- und Landschaftsplanung viel strengeren Restriktionen. Es hat eine Sensibilisierung dafür stattgefunden, dass eine Ausbeutung der landschaftlichen und kulturellen Ressourcen der falsche Weg ist. Stattdessen muss der Tourismus in die Gesamtheit der Lebenszusammenhänge einer Region integriert werden. Und tatsächlich tut sich auch hier einiges: Die aktuellen Richtlinien der Landschaftsplanung stimulieren die Schaffung neuer Naturschutzgebiete und den Erhalt des kulturellen Erbes, das letztlich die Identität der Regionen ausmacht. Außerdem wird nachhaltige Mobilität gefördert und die Schaffung neuer Wege und Routen, um die Landschaft und ihre Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Ein weiterer wichtiger Schachzug ist es, Aktivitäten und Programme zu bewerben, mit deren Hilfe Besucher die Besonderheiten einer Region wirklich verstehen und wertschätzen können. Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist der Wander- und Tourismusanbieter El Brogit. Im Bereich der Unterkünfte an der Küste finden wir unter anderen Camping La Tordera sehr erwähnenswert. Als Reaktion auf die harten Jahre der Wirtschaftskrise fließt hier 1 Euro jeder über die Website getätigten Buchung in ein Projekt, das sozial benachteiligten Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen soll.

Unterwegs mit den Wanderführern von El Brogit erfährt man Überraschendes und Geheimnisvolles über Kataloniens Kultur und Landschaften © El Brogit

Eine weitere interessante Entwicklung in den Küstenregionen ist die Abkehr vom reinen Strandtourismus und hin zu einem gemischten Angebot, das auch auf Angebote für Aktivtouristen setzt. Ziel ist es, die Besucherströme nicht mehr allein auf die Hauptsaison zu konzentrieren und die Besuchermagneten „Strand und Sonne“ mit Angeboten für Wanderer, Radfahrer und Naturfreunde zu kombinieren. Inzwischen haben viele Orte an der Küste interessante Angebote für Wanderer und Radfahrer entwickelt. Zu diesen gehören u.a. die Küstenwanderwege Camins de Ronda, oder auch die Angebote im Naturpark Montgrí, um nur zwei Beispiele zu nennen. Allerdings gehen diese Ansätze in der Fülle des Angebots für reine Strandtouristen noch ein bisschen unter.

Strandtourismus einmal anders: Wandern auf dem Camí de Ronda © Daniel Punseti

 

 

Also lässt sich das Konzept der Nachhaltigkeit im Prinzip auf alle touristischen Angebote anwenden?

Ja, dieses Modell kann und sollte auf alle touristischen Angebote angewendet werden. Der Respekt für die Umwelt und die Ressourcen eines Ortes müssen bei jedem touristischen Angebot berücksichtigt werden. Ebenso der Gedanke daran, dass solche Prozesse langfristig wirtschaftlich sein sollten, indem sie die Entwicklung einer Region unterstützen, Arbeitsplätze schaffen und insgesamt die Lebensqualität erhöhen.

 

 

Welche nachhaltigen Tourismusprojekte sind denn in Katalonien besonders erfolgreich?

Besonders erfolgreich sind Projekte, in deren Zentrum Naturlandschaften und kulturelles Erbe stehen. In Katalonien hat man den nachhaltigen Tourismus sehr oft mit Naturtourismus oder „Ferien auf dem Lande“ in Verbindung gebracht. Aber, wie wir eben schon im Zusammenhang mit Barcelonas Vorreiterrolle im nachhaltigen Städtetourismus erwähnt haben, gibt es noch viele weitere spannende Ansätze, wie barrierefreie Unterkünfte, ökoeffiziente Einrichtung, Mobilität vor Ort mit geringem CO2-Abdruck etc. Wichtig ist auch der enge Kontakt zur lokalen Bevölkerung und Aktivitätsangebote, die Naturlandschaften und kulturelles Erbe sinnlich erfahrbar machen. Last but not least sind gastronomische Erfahrungen – seien sie „innovativ“ oder „traditionell“ – essentieller Bestandteil eines nachhaltigen Urlaubs. Paradebeispiele für die Kombination dieser Elemente, sind Aktivitätsangebote, wie man sie zum Beispiel bei Naturalwalks findet.

Bei Naturalwalks wird die Verbindung von Naturlandschaften und Kultur sinnlich erfahrbar © Naturalwalks

 

 

Welche nachhaltigen Angebote findet ihr persönlich denn besonders interessant?

Es gibt so viele – da ist es schwierig, eine Auswahl zu treffen. Erwähnenswert sind sicherlich die Naturschutzgebiete, die durch die Europäische Charta für Nachhaltigen Tourismus akkreditiert sind, wie zum Beispiel die Naturparke Garrotxa, Delta de l’Ebre, Montgrí-Illes Medes-Baix Ter und Montseny.
Begeistert sind wir auch von Initiativen wie El Cinquè Llac. Hier haben Besitzer von Landhotels ein Produkt geschaffen, dass für den internationalen Markt interessant ist und gleichzeitig auf großartige Weise die Prämissen des nachhaltigen Tourismus integriert.

Initiativen lokaler Produzenten, welche ihre Werkstätten und Betriebe den Besuchern öffnen: Dabei erfahren die Gäste nicht nur, wie die Produkte hergestellt werden. Sie können auch ein Gefühl dafür entwickeln, in welcher besonderen Beziehung ein Produkt und der Landstrich aus dem es stammt zu einander stehen. Eine große Auswahl lokaler Betriebe von Käse über Wein und Obst bis hin zu Honig und Kräutern, findet man zum Beispiel unter http://benvingutsapages.cat/. Die Seite ist zwar auf Katalanisch gehalten, aber dennoch leicht zu navigieren. Einfach auf „Participants“ klicken und dann nach gewünschter Region oder gewünschtem Produkt auswählen.

Nachhaltiger Genuss: Einblicke in die Arbeit lokaler Produzenten gewinnen © Torisme Val d’Aran

In der gleichen Linie arbeiten Firmen, die Führungen anbieten und die charakteristischen Besonderheiten ihrer Region für unterschiedlichste Besucher erfahrbar machen. Deltapolet, Naturalwalks, Gregalada und SK Kayak sind einige von vielen spannenden Beispielen für diesen Ansatz.

Und dann dürfen wir natürlich auch nicht die Projekte in den Bereichen Hotellerie und Gastronomie vergessen, die sich im Umweltschutz engagieren und dabei auch die soziale Inklusion nicht vergessen, wie zum Beispiel Inout Hostel, Hotel Empuries, Hotel Algadir del Delta, Mas del Joncar, oder Casa Leonardo

Nachhaltigkeit mit Stil – Casa Leonardo im Pyrenäendorf Senterada © Tom Sólo

 

 

Ihr seid nun schon seit vielen Jahren als Berater im Bereich des nachhaltigen Tourismus tätig. Wenn ihr einmal zurückblickt und dann einen Vergleich zur Gegenwart zieht – wie schätzt ihr die Entwicklung ein?

Wie wir bereits gesagt haben gibt es wirklich eine bemerkenswerte Entwicklungen, nicht nur im Bereich des Natur- und Aktivtourismus, sondern auch an der Küste und im Städtetourismus und wir gehen davon aus, dass diese Projekte immer mehr Schule machen werden. Auch in den öffentlichen Institutionen finden in dieser Hinsicht große Veränderungen statt. Nachhaltigkeit ist heute ein Thema, das selbstverständlich in die Projektplanung und das Marketing einbezogen wird. In der Masse des gesamten touristischen Angebotes erreichen die nachhaltigen Projekte aus unserer Sicht noch immer nicht die Sichtbarkeit, die sie verdienen. Deshalb freuen wir uns, dass das Jahr des nachhaltigen Tourismus die Sensibilisierung in diesem Bereich fördert und zur Reflexion anregt.

INFO:
Josep Capellà und Inma Ballbé sind Experten für nachhaltigen Tourismus. Gemeinsam führen sie die Tourismusberatung DCB, zu deren Schwerpunkten die Entwicklung nachhaltiger Tourismusprojekte gehört. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Wertschätzung der authentischen Kultur und Natur eines Ortes und deren respektvolle und nachhaltige touristische Erschließung.

DCB berät öffentliche Institutionen und private Anbieter in touristisch wenig entwickelten Gebieten mit dem Ziel, deren Serviceleistungen zu verbessern, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und Produkte zu schaffen, die den Gästen einen Anreiz bieten, längere Zeit vor Ort zu bleiben. Besonders aktiv ist DCB in den letzten Jahren in den Pyrenäen und den Terres de l’Ebre, wo die Tourismusberatung an der Entwicklung unterschiedlicher Angebote im Bereich Wandern, Radfahren, Tierbeobachtung sowie im Weintourismus und gastronomischen Tourismus beteiligt war.

Ein weiterer Arbeitsbereich der Tourismusberatung ist die “Neuerfindung” des touristischen Angebots in klassischen Urlaubsdestinationen an der Costa Brava, über die wir hier schon einmal berichtet haben.

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Die Seele Kataloniens entdecken

Meritxell leitet die Reiseagentur El Brogit. Die ausgebildete Biologin ist Expertin für Ökotourismus, spricht fließend Deutsch und Englisch und liebt es seit jeher, zu wandern und zu reisen. Außerdem liebt sie ihr Land und möchte ihren Gästen genau das bieten, was sie selber auf Reisen immer sucht.

Herrliche Naturlandschaften, aber auch authentische Einblicke in das Leben und die Kultur des Landes. Ganz wichtig ist ihr außerdem, dass ihre Gäste die Möglichkeit haben, mit den Menschen, die hier leben in Kontakt zu treten und so aus erster Hand zu erfahren, wie diese denken, leben und arbeiten. Im Rahmen unserer Beiträge zum Jahr des Nachhaltigen Tourismus haben wir mit ihr über ihre Arbeit und ihre ganz besonderen Reiseangebote gesprochen. Zu diesen zählen zum Beispiel Weinwanderungen durch einen Landstrich der Guerillakämpfer und Vampire im Priorat, Fotowanderungen auf den Spuren der Schlacht am Ebro und genussvolle gastronomische Reisen durch die DOQ Priorat mit Wein- und Olivenölverkostungen.

Die Geheimnisse der katalanischen Natur, Kultur und Gastronomie sind Mertitxells Leidenschaft

Meritxell, erzähl uns ein wenig über deine Arbeit. Wie bist du dazu gekommen, das zu tun, was du heute machst?


Ich habe El Brogit vor nun fast zehn Jahren gegründet und damit ein Hobby zum Beruf gemacht. Ursprünglich habe ich vor allem geführte Wanderungen angeboten, die auf das katalanische Publikum zugeschnitten waren. Da ich auch gut Englisch und Deutsch spreche, habe ich diese Wanderführungen mit der Zeit ausgebaut und mich verstärkt an ein internationales Publikum gerichtet. El Brogit ist heute eine Reiseagentur für Wanderreisen, Ökotourismus und Weintourismus, die international arbeitet. Wir bieten die komplette Reiseorganisation inklusive Führungen, Unterkunft, Verpflegung und Transfers.

Eine Weinwanderung in Gratallops © El Brogit

Da hat sich das Angebot von El Brogit innerhalb von zehn Jahren ja ganz schön erweitert. Wie ist es dazu gekommen?

Rückblickend erscheint die Ausweitung unserer Wanderreisen in den Bereich Ökotourismus und Weintourismus mir eigentlich nur logisch und sie ergab sich praktisch von selbst. Denn wenn wir zum Beispiel durch den Priorat wandern, durchqueren wir ja keinen Urwald oder unberührte Natur, sondern eine seit Jahrtausenden kultivierte Landschaft, die seit den Zeiten der Iberer besiedelt war. Diese Landschaft ist vom Menschen geprägt und sie wird auch heute noch geprägt von den Menschen, die hier arbeiten: den Landwirten, den Weinbauern und den Hirten, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Diese Leute sind tief in dem Land verwurzelt, das sie bearbeiten. Wer sich mit ihnen unterhält, erfährt Dinge über die Region, die man schwerlich in Büchern oder Reiseführern lesen kann. Deshalb besuchen wir mit unseren Gästen gerne die Weinbauern und Olivenölproduzenten und bieten ihnen so eine ganz besondere Erfahrung.

Wandern durch Jahrtausende alte Kulturlandschaften © El Brogit

Wie sieht euer Angebot konkret aus?

Wir bieten einerseits Reisevorschläge zu unterschiedlichen Themen, insbesondere zum Wein- und Öltourismus, aber auch Fotowanderungen, Küstenwanderungen, Kulturwanderungen oder Wanderungen für die ganze Familie. Auf unserer Website stellen wir verschiedene Angebote vor – manche davon dauern nur einen halben Tag, andere 2-3 Tage, 5 Tage oder auch eine ganze Woche. Andererseits arbeiten wir auch Reisen nach individuellen Vorstellungen aus. Die Kunden schicken uns dann eine Wunschliste mit Dingen, die sie sehen und erleben möchten und Orten, die sie kennenlernen wollen. Sie sagen uns, ob sie mit oder ohne Reiseführer unterwegs sein möchten und nennen uns den Zeitrahmen und das verfügbare Urlaubsbudget. Wir übernehmen die komplette Planung und Organisation der Reise.
Wir arbeiten auch mit ausländischen Reiseagenturen zusammen, für die wir dann komplette Reiseprogramme zusammenstellen. Nach einem geeigneten Kooperationspartner in Deutschland sind wir allerdings bislang noch auf der Suche.

Was macht eure Reiseangebote einzigartig?

Die Reisen mit El Brogit verbinden das Naturerlebnis mit Einblicken in die Kultur und Geschichte des Landes – insbesondere Einblicke in die Alltagskultur, welche die Gestalt dieser Landschaft bis heute prägt – und das ist insbesondere die Arbeit der Weinbauern und Olivenölproduzenten. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist natürlich die Gastronomie der Region, die bei unseren Reiseangeboten ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Wir möchten, dass die Menschen, die mit uns reisen, das echte Leben dieser Region kennenlernen und authentische Erfahrungen machen. Wir möchten ihnen die Möglichkeit geben, das Land zu erkunden und seine Menschen kennenzulernen und so alle Voraussetzungen schaffen, damit sie die besondere Atmosphäre des Ortes in sich aufnehmen und seine Magie erfahren können.

Wein und Gastronomie sind Schlüsselelemente der Reisen mit El Brogit © El Brogit

Nach welchen Kriterien wählt ihr die Weinbauern und Ölproduzenten aus, die ihr mit euren Gästen besucht?

Wir arbeiten wann immer wir können mit Partnern, die ökologisch oder biondynamisch produzieren und auf Nachhaltigkeit setzen. Das sind dann in der Regel auch die Menschen, für die das Interesse an dem, was für das Land und seine Menschen gut ist, über dem Interesse steht, für sich persönlich den maximal möglichen Gewinn zu erwirtschaften. Es sind Menschen, die tief in ihrem Land verwurzelt sind und die Freude daran haben, mit ihren Besuchern über das zu sprechen, was sie tun.

Wer ist der ideale Kunde für euch?

Unsere idealen Kunden sind Menschen, die für einige Tage tief in die Natur dieses Landstrichs eintauchen und gleichzeitig den Alltag der Menschen, die hier leben, kennenlernen möchten. Wer in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Sehenswürdigkeiten “abhaken” möchte, ist bei uns nicht an der richtigen Adresse. Bei El Brogit geht es darum, auf ruhige und entspannte Art zu genießen. Wir stellen uns auf die unterschiedlichsten Wünsche unserer Gäste ein und passen das Programm an, wenn sie zum Beispiel mehr oder weniger wandern wollen. Es gibt allerdings Fälle, in denen wir uns weigern, den Wünschen unserer Gäste nachzukommen, nämlich dann wenn uns klar ist, dass die Erfüllung ihrer Wünsche zwangsläufig Stress nach sich ziehen würde. Menschen in ihrem Urlaub eilig durch die Berge rennen zu lassen, damit sie es rechtzeitig von einem Programmpunkt zum nächsten schaffen und acht Bodegas an einem Tag besuchen können, ist mit der Philosophie von El Brogit einfach nicht vereinbar.

Mit Muße die Landschaft genießen © El Brogit

Apropos, was bedeutet eigentlich “El Brogit”?

”Brogit” ist ein katalanisches Wort, für das ich noch keine adäquate Übersetzung in den Sprachen gefunden habe, die ich kenne. Es bezeichnet das Geräusch des Windes und des Wassers, das sowohl ein leises Säuseln als auch ein lautes Tosen sein kann. Dieses Geräusch erinnert daran, dass die Dinge immer in Bewegung sind und sich verändern, wie bei einem Fluss, dessen Wasser immer weiter fließt. Dieses Gefühl für die Lebendigkeit der Natur möchten wir bei unseren Reisen mit El Brogit wecken.

Welche Aufgaben bei El Brogit übernimmst du heute noch selbst?


Meine Arbeit ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Ich kümmere mich um die Konzeption und Organisation der Reisen und übernehme zum Teil auch selber Reise- und Wanderführungen. Außerdem bin ich als Beraterin für Tourismusinstitutionen tätig. Im Zuge meiner Arbeit als Wanderführerin habe ich mich auf die Entwicklung von Wanderwegenetzen spezialisert, die auf den traditionellen Fußwegen der Region aufsetzen. Daraus hat sich dann diese zweite Arbeitslinie ergeben, bei der ich beratend für Touristiker tätig bin, die ihr Wanderangebot erweitern wollen.

Ein Besuch in der legendären Karthause Escaladei im Priorat © El Brogit

Welche eurer Angebote würdest du denn unseren Lesern in Deutschland besonders empfehlen?

Ich würde ihnen ganz besonders unsere Trek&Wine-Angebote empfehlen, die wir für die Regionen Priorat, Terra Alta und Montserrat anbieten. Der zeitliche Rahmen dieser Arrangements reicht von der Halbtagestour bis zur kompletten Urlaubswoche. Naturlandschaft und Weingenuss sind, wie schon der Name sagt, die zwei zentralen Elemente dieser Angebote. Nebenbei erfährt man dann allerdings auch noch viel Spannendes und Bemerkenswertes über die Geschichte der Region.

Stimmt, ihr habt einige Angebote, die nach spannenden Geschichten klingen. Nenn uns doch zum Abschluss ein Beispiel für das, was ihr so macht…


Eines unserer Trek&Wine Angebote im Priorat trägt den Namen “Im Land der Vampire und Guerrillakämpfer.” Es ist eine Halbtageswanderung in der Umgebung des Dorfes Capçanes, um das sich geheimnisvolle Legenden und Geschichten ranken. Man erzählt sich, Capçanes sei die Heimat einer besonderen Art von Vampiren, die man hier “Dips” nennt. Sicher ist, das Capçanes der Geburtsort des Guerillakämpfers Carrasclet ist, dem im Dorf sogar ein Denkmal gewidmet ist. Wir wandern auf den Spuren dieser alten Legenden und Geschichten. Darüber hinaus schenken wir der hier stark verbreiteten Trockensteinarchitektur besondere Aufmerksamkeit, die uns an die Mühen der Landarbeiter vergangener Zeiten erinnert. Die Wanderung endet mit einem geführten Besuch und einer Weinverkostung in der Bodega Capçanes. Die Weinbauern des Dorfes haben es geschafft, ihrem Wein ein Alleinstellungsmerkmal zu geben, das diese Bodega weltbekannt gemacht hat. Sie produzieren koscher, gemäß den Standards der jüdischen Tradition. Wer Lust hat herauszufinden, ob koscherer Wein anders schmeckt als herkömmlicher Wein, der sollte sich uns einfach mal anschließen…

Trockensteinmauern, Wein und alte Legenden: Ein Wanderung in Capçanes © El Borgit


Weitere Infos und Buchung über
El Brogit
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Tel: +34 689 00 61 99