Alte Kirchen, tiefe Wälder und Hochgebirgszauber – Sommer in den Pyrenäen

Die mythischen Pyrenäengipfel recken sich in den sommerlichen Himmel und die Sonne knallt auf Felsgrate und Geröllfelder. Etwas weiter unten sickert sie leise durch die Baumkronen der tiefen Pyrenäenwälder und malt tanzende Schatten auf den Boden. Dann wieder schießen ihre Strahlen wie blitzende Sterne über hunderte von Bergseen, deren Wasseroberfläche sich sanft im Wind kräuselt. Währenddessen wachen im Vall de Boí tausendjährige Kirchen über den Wandel der Zeiten. Das alles war schon immer so, und es ist noch heute so. In diesem Sommer dürfen Sie den Zauber der Pyrenäen für sich entdecken!

Der Nationalpark Aigüestortes i Estany de Sant Maurici

Die sagenumwobenen Zwillingsgipfel der Encantats,  an die 200 leuchtendblaue Bergseen und die mäandernden Gebirgsbäche sind die Markenzeichen des Nationalparks Aigüestortes y Estany de Sant Maurici, der für Wanderer ein echtes Sommerparadies ist. Ob Seenlandschaften, Wildbäche, Wasserfälle, Hochmoore, Steinwüsten oder tiefe Wälder –26 Wanderrouten unterschiedlichster Länge und Schwierigkeitsgrade, darunter der berühmte Pyrenäenfernwanderweg GR-11 – halten immer wieder neue landschaftliche Höhepunkte bereit. Die beiden Hauptzugänge zum Nationalpark befinden sich in Boí und Espot in den Gebirgstälern Vall de Boí und Val d’Aran. Beide sind berühmt für ihre landschaftliche Schönheit und die einzigartigen Schätze der Pyrenäenkultur, die hier die Jahrhunderte überdauert haben.

Parc National Aigüestortes i Estany de Sant Maurici © Lluís Carro

Ein berühmtes Geheimnis

Wer die katalanische Romanik in ihrem innigsten Ausdruck erleben möchte, findet hierzu reichlich Gelegenheit im Vall de Boí. Das kleine Gebirgstal hütet das weltweit bedeutendste Ensemble romanischer Kirchen, die im 11. und 12. Jahrhundert von lombardischen Architekten, Künstlern und Steinmetzen geschaffen wurden. Neun der romanischen Kirchen des Val de Boí wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhoben – und dafür gibt es gute Gründe. Die Faszination dieser mittelalterlichen Kirchen verdankt sich nämlich  nicht allein der perfekten Harmonie von Landschaft und tausendjähriger Architektur, sondern auch den einzigartigen Fresken in ihren Innenräumen.

Sant Joan de Boí © Imagen M.A.S

Wie die Romanische Kunst nach Amerika gelangte

Insbesondere das Fresco des Gottessohnes als Weltenherrscher (Pantokrator) in Sant Climent de Taüll fasziniert mit einer perfekten räumlichen Darstellung, lebendigen Farben und einer Stilisierung der Figuren, wie man sie vorher noch nie gesehen hatte. Die Fresken der romanischen Kirchen des Vall de Boí versetzten nicht nur Maler wie den großen Pablo Picasso in Erstaunen, sie weckten zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch Begehrlichkeiten auf dem Kunstmarkt. Viele der Fresken aus dem Vall de Boí verließen ihre Heimat und fanden Eingang in Museen und Privatsammlungen der USA, nicht jedoch das Fresko von Sant Climent de Taüll, dafür sorgten die Bewohner von Taüll. Letztlich fand das mittelalterliche Kunstwerk einen sicheren Platz im Nationalen Kunstmuseum von Katalonien, während vor Ort eine exakte Reproduktion angefertigt wurde. Romanik besichtigen im Vall de Boí Natürlich kann man die Romanischen Kirchen des Vall de Boí auf eigene Faust besichtigen. Das Zentrum für Romanik  gibt dem Besucher alle hierfür notwendigen Informationen an die Hand. Wer jedoch faszinierende Details erfahren und  die historischen Zusammenhänge besser verstehen möchte, tut gut daran, eine geführte Besichtigung in Anspruch zu nehmen.

Sant Climent de Taüll © Adrià Ropero

Sant Climent de Taüll © Adrià Ropero

Wandern und Outdoor-Abenteuer

Von den höchsten Höhen der Romanischen Kunst einmal abgesehen, hat das Vall de Boí seinen Besuchern noch eine Menge weiterer spannender Erlebnisse zu bieten. Wem nach einem kurzen Spaziergang ist, der folgt den alten Wegen, die seit jeher die Dörfer des Tales miteinander verbinden. Kürzere Wanderungen führen vom Vall de Boí auf die Hochgebirgsweiden, zu Gebirgsseen und spektakulären Weitblicken. Wer von hier aus im Nationalpark wandern möchte, findet in Boí ein Informationszentrum mit vielen nützlichen Infos für Wanderungen in den Nationalparkgebieten Cavallers und Aigüestortes . Wem Wandern zu langweilig ist, der muss im Vall de Boí nicht lange nach Alternativen suchen: Egal ob Sie Mountainbike fahren möchten, oder Trailrunning Ihr Ding ist, ob Sie Canyoning betreiben, Klettern, Reiten oder Paragliden möchten – das Vall de Boí lockt mit einer bunten Palette an abenteuerlichen Sommerangeboten in einer unvergesslichen Gebirgslandschaft.

Naut d’Aran © Turismo Verde, S.L

Ein sehr individuelles Tal

Ein Bewohner des Val d’Aran würde uns an dieser Stelle sagen, dass es guten Grund gibt, das Vall de Boí zu loben. Bevor man aber überstürzt einen Urlaub bucht, sollte man unbedingt die Vorzüge des Val d’Aran in Augenschein nehmen. Zu diesen gehört zweifellos die Tatsache, dass das Val d’Aran eine Individualität pflegt, die bereits in seiner geographischen Ausrichtigung offensichtlich wird. Während sich die übrigen katalanischen Pyrenäentäler nach Süden zum Mittelmeer neigen, liegt das Val d’Aran nördlich des Hauptkamms der Pyrenäen und schaut zum Atlantik. Diese geographische Besonderheit hat nicht nur gravierende Auswirkungen auf Klima, Flora und Fauna des Tals, sondern auch auf seine Sprache und Kultur, die französisch-okzitanisch geprägt sind.

Naut d’Aran © Nano Cañas

 

Weshalb die Römer das Val d’Aran liebten

Die Individualität und Einzigartigkeit des Val d’Aran wird seit jeher gepflegt und zelebriert. Vielleicht haben die Aranesen in dieser Hinsicht auch gute Miene zum bösen Spiel gemacht, schließlich waren sie bis Mitte des 20. Jahrhunderts über den gesamten Winter komplett von der Außenwelt abgeschlossen. Erst der Tunnel von Vielha, der 1948 eröffnet wurde, ermöglichte den Bewohnern des Arantals auch im Winter Kontakte nach außen. Andererseits: Eigentlich ist es sowieso nirgendwo schöner als im Val d’Aran. Schließlich wussten schon die Römer, dass die besten Thermalquellen der Pyrenäen genau hier liegen: In Les, Vielha, Tredós und – zugegeben – auch in Boí liegt eine dieser Quellen. Mit dem 60km langen Fernwanderweg Vía Calda bietet das Val d’Aran die perfekte Mischung von Thermal- und Naturgenuss: Protagonisten auf diesem Weg sind der Nationalpark Aigüestortes, die Seen von Colomers – und natürlich auch die Romanischen Kirchen des Vall de Boí. Sommerwanderungen Die Römer waren es übrigens auch, die die Grundlage für den Fernwanderweg Camin Reiau legten, der das schmale Tal entlang der Garonne in voller Länge durchquert. Seit jeher einer der Hauptverkehrsadern des Val d’Aran, ist der technisch unkomplizierte Weg erste Wahl für alle, die Geschichte, Kultur und Natur dieses einzigartigen Hochgebirgstales kennenlernen möchten. Auf 150km führt der Weg in 10 Etappen zu 33 Dörfern des Val d’Aran, von denen jedes eine einzigartige Geschichte und einen sonderbaren Zauber hat. Die Nähe zur Garonne macht den Weg zu einer echten Sommerwanderung – ganz abgesehen von den wunderbaren Wäldern, die es hier zu entdecken gilt: Die tausendjährigen Buchenwälder des Bosc Carlac und der märchenhafte Bosc de Baricauba hüllen den Wanderer in die schattige Stille des Pyrenäensommers.

Arties © Turismo Verde S.L.

Ein Abenteuer wert

Das Val d’Aran ist jedoch nicht nur berühmt für seine Wälder, sondern auch für beeindruckende Wasserfälle wie Es Uelhs deth Joeu (zu Deutsch: Die Augen des Teufels), Salt D’Arbaet und Sauth deth Pish und einzigartige Seenlandschaften wie den Circ de Colomès und den Circ de Saboredo. Selbstverständlich genießen nicht nur Wanderer die Landschaften dieses Hochgebirgstals, sondern auch Mountainbiker und Outdoor-Abenteurer kommen hier voll auf ihre Kosten. Ob Hydrospeed oder Kanufahrt, ob Reiten oder Bogen Schießen, Klettern oder Rafting – intensive Naturerlebnisse sind jedem garantiert, der sich darauf einlässt.

Auge in Auge mit dem Auerhahn

Mit dem Aranpark in Bossost bietet das Val d’Aran seinen Besuchern die einzigartige Möglichkeit, mit 20 Tierarten der Pyrenäen in einem Freigehege  von 16 Hektar Größe nähere Bekanntschaft zu machen. Zu den Bewohnern des Parks gehören Braunbären und Arktische Wölfe, Murmeltiere und Mufflons, Hirsche und Rehe, Uhus und Geier, und selbst den scheuen Auerhahn bekommt man hier zu Gesicht. Erleben Sie den Sommer in den Pyrenäen!