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Der Westen von Barcelona – Prickelnd, maritim und voller Überraschungen

Dürfen wir Sie zu einer Tour voller prickelnder Erlebnisse einladen? Von diesen hat der Westen Barcelonas jede Menge zu bieten. Der Landstrich ist das perfekte Reiseziel für alle, die sich schwer entscheiden können, weil sie nun mal alles wollen: An herrlichen Stränden entspannen, fangfrischen Fisch und maritime Atmosphäre genießen, Berge erkunden und Naturparke durchstreifen, die oft überraschende Geschichte und Kultur charmanter Küstenorte kennenlernen und natürlich mit allen Sinnen die weintouristischen Angebote dieser renommierten Weinregion genießen. Klingt, als könnte das Spaß machen? Dann passen Sie auf…

 

Sitges

Startpunkt der Tour ist das knapp 40 Kilometer von Barcelona entfernte Sitges. Der Ort ist seit Jahren ein Besuchermagnet und dafür gibt es eine ganze Menge Gründe. Da sind einerseits die 17 feinsandige Strände, die für sich alleine schon ein gutes Argument für einen Aufenthalt hier sind. Darüber hinaus ist das im Landkreis Garraf gelegene Sitges auch ein perfekter Ausgangspunkt für Wanderungen im Naturpark Garraf. Andererseits – weshalb in die Ferne schweifen, wenn man doch auch in Sitges selbst ganz wunderbar spazieren und flanieren kann? Einerseits durchzieht den ganzen Ort eine schöne, palmengesäumte Promenade, andererseits bietet Sitges  dem Besucher eine Vielzahl touristischer Routen, auf denen man das historische Zentrum, die verschiedenen Stadtteile und ihre Sehenswürdigkeiten und auch die einzigartigen Villen der „americanos“ kennenlernen kann. Sitges unterhielt im 19. Jahrhundert enge Handelsbeziehungen mit Amerika. Erstaunliche 27% aller Katalanen, die mit Amerika Handel betrieben, kamen aus Sitges. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kehrten viele ehemalige Einwohner des Dorfes, die es in Amerika zu Wohlstand gebracht hatten, nach Sitges zurück und bauten jene prunkvollen Villen, die bis heute hier zu bewundern sind. Ein historischer Einwohner von Sitges, der es zu besonderer Berühmtheit gebracht hat, war Facundo Bacardí, der in Kuba sein Glück suchte und machte. In der Casa Bacardí kann man nicht nur die Lebensgeschichte dieses großen Sohnes von Sitges nachvollziehen, man darf auch den berühmten Rum kosten und lernen, wie man Mojito richtig zubereitet. Und da wir gerade über Kunst sprechen, in Sitges gibt es einige Museen, die unbedingt einen Besuch wert sind. Allen voran Santiago Rusiñols berühmte Museumswerkstatt Cau Ferrat – einst ein Treffpunkt der Künstler des Modernisme, heute ein Museum das unter anderen Werke von Ramón Casas, El Greco, Zuloaga und Picasso beherbergt. Darüber hinaus ist hier auch eine große Sammlung von Keramik, Glas- und schmiedeeisernen Objekten ausgestellt. Auch ein Besuch im Museum Maricel ist ein ganz besonderes Erlebnis. Wann hat man schon die Gelegenheit, im Rahmen einer einzigen Sammlung einen Streifzug durch die Geschichte der Kunst vom 10. bis zum 20. Jahrhundert zu unternehmen? Ebenso spannend wie bezaubernd ist ein Besuch im Museu Romàntic, in dem der katalanische Lebensstil im Zeitalter der Romantik lebendig wird. Zu all diesen reizvollen Möglichkeiten, den Geheimnissen von Sitges auf die Spur zu kommen, gesellen sich im Laufe des Kalenderjahres auch immer wieder besondere kulturelle Ereignisse und Events: Vom berühmten Karneval in Sitges, über das Festival für Fantasyfilme, die Oldtimerrallye und das Schachturnier bis hin zum großen internationalen Tango-Argentino-Festival. Und natürlich wollen wir auch einen der gastronomischen Höhepunkte von Sitges nicht unerwähnt lassen: Der berühmte Xató ist ein fester Bestandteil des kulturellen Erbes und ein Geschmackserlebnis, dem sogar eine ganze kulinarische Route (verlinke auf Xató-Route) gewidmet ist.

Sitges ©Felipe J. Alcoceba

 

 

Die Route des Xató

Xató ist eines der beliebtesten Gerichte in den Landkreisen Alt Penedès, Baix Penedès und el Garraf. Er besteht aus einer  Sauce auf Basis gerösteter Mandeln oder Haselnüsse mit migas de pan (Brotkrumen mit Öl, Essig, Knoblauch, Salz und Pfeffer). Diese Sauce begleitet einen Endiviensalat mit Anchovis, Thunfisch, bacalao (Kabeljau) und Oliven. Die Route des Xató verbindet Önotourismus, Natur- und Kulturerlebnisse mit Besuchen in hervorragenden Restaurants, die alle ausgewiesene Experten in der Zubereitung von Xató sind. Protagonisten der Route sind die Orte Sitges, El Vendrell , Vilanova i la Geltrú und Vilafranca del Penedès.

Xató © Lluís Carro

 

 

Vilanova i la Geltrú

Der charmante Küstenort Vilanova i la Geltrú ist die Hauptstadt des Landkreises Garraf. Schöne Alleen und geschichtsträchtige Plätze laden ein, in einem der viele Straßencafés Platz zu nehmen und einfach einmal das bunte Leben des Ortes auf sich wirken zu lassen. Ebenso reizvoll ist es, durch die weitläufigen Gartenanlagen zu flanieren oder bei einem Bummel durch die Stadt, Geschichte, Architektur und Kultur von Vilanova i la Geltrú kennenzulernen. Echtes Mittelalterfeeling bietet zum Beispiel das Viertel la Geltrú. Wer umfassende Einblicke in die Epoche der katalanischen Romantik, ihrer Geschichte, Kunstgeschichte und das tägliche Leben wohlhabender Familien dieser Zeit gewinnen möchte, dem sei ein Besuch im Interpretationszentrum zur Romantik Manuel de Cabanyes sowie dem Museu Romántico Can Papiol empfohlen. Die Architektur der heimgekehrten „americanos“ prägt die verschiedensten Winkel der Stadt, unbedingt sehenwert ist auch das Bibliotheksmuseum Víctor Balaguer, das zu den ältesten und bemerkenswertesten in Katalonien gehört. Hier finden sich nicht nur einzigartige Werke der katalanischen Kunst, sondern auch Ölgemälde des spanischen Barock sowie eine Kollektion aus Ägypten, die eine von fünf Mumien enthält, die es derzeit in Katalonien gibt.

La Rambla de Vilanova i la Geltrú © Ajuntament de Vilanova i la Geltrú

 

 

Vila Museu Pau Casals

In der beeindruckender Liste spannender Museen, die der Westen Barcelonas zu bieten hat, nimmt die Vila Museu Pau Casals an der  Sant Salvador Strand in El Vendrell einen besonderen Platz ein. Das Museum ist eine Station der Route der Genies und der ideale Ort, um sich mit dem Leben und Schaffen eines der größten Musiker des 20. Jahrhunderts vertraut zu machen. Das Museum ist im ehemaligen Familiensitz untergebracht und gewährt Einblicke in das Privat- und Familienleben von Pau Casals. Gegenüber liegt das Auditorios Pau Casals, das rund ums Jahr ein exzellentes Musikprogramm bietet. Ein Spaziergang ins Stadtzentrum von El Vendrell führt zu den Orten der frühen Kindheit des großen Musikers: Zu seinem Geburtsort und zu jener Kirche, auf deren barocker Orgel er als Kind zu spielen lernte.

Pau Casals Villa am Mittelmeer © Vil.la Museu Pau Casals

 

 

Vilafranca del Penedès

Vilafranca del Penedès ist die Hauptstadt des Weines, berühmt für seinen Cava und die Weines der DO Penedès. Jüngste archäologische Studien belegen, dass hier Kataloniens älteste Weinbaugebiete lagen und bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts, also die Reblausplage gerade erst überstanden war, bezog die Region den größten Teil ihres Wohlstands aus der Weinproduktion. Man darf also gespannt sein, wenn man in den Weinkellern der Region edle Tropfen verkostet oder einfach mal im Wein badet. Ja, diese Möglichkeit gibt es tatsächlich, und sie läuft ebenso wie ein Peeling mit Weintraubenkernen unter dem respektablen Namen „Weintherapie“. Wer im Oktober oder November hier zu Besuch ist, hat außerdem die Gelegenheit, einer Performance der Castellers beizuwohnen und garantiert unvergessliche Erinnerungen mit nach Hause zu nehmen.
Eine Entdeckungstour durch die Stadt, kann man hervorragend mit einem Besuch des „Vinseum, Museum der Kultur des Weines in Katalonien“ beginnen und sich auf diese Art für die ganze kulturelle Tragweite der noch folgenden Erlebnisse sensibilisieren. Im Anschluss empfiehlt es sich, die Stadt zu Fuß auf einer der touristischen Routen zu erkunden, die dem Modernismus und der mittelalterlichen Geschichte und Architektur gewidmet sind. Und dann ist es auch schon Zeit für das Mittagessen. Zur Auswahl steht eine große Auswahl an Bars und Restaurants, denen ein hervorragender Ruf vorauseilt und zum Aperitif empfiehlt sich die Einkehr in mindestens einem Weinkeller. Wie es nun weiter geht, ist bestimmt durch persönliche Vorlieben und Leistungsfähigkeit. Sie könnten nun einen Spaziergang durch das nahegelegene Gebirge de Sant Pau machen. Wenn’s ein bisschen mehr Action sein darf, können Sie auch mit Enorunning Penedès durch die Weinlandschaften der Region laufen. (Die kürzeste Route ist 9 Kilometer lang. Sollte Sie die 60 Kilometer lange „Gran Reserva-Tour“  mehr reizen, dann hängen Sie hier doch einfach noch einen Tag dran.)

Weintourismus in Vilafranca ©Celler Torres

 

 

Museu-Molí Paperer de Capellades

Nach so viel sinnlichem Genuss ist es nun wieder Zeit für einen weiteren Museumsbesuch: Die Molí Paperer de Capellades ist eine alte Papiermühle, deren aus dem 18. Jahrhundert stammende Strukturen komplett erhalten sind. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Quelle, welche diese und die 16 weiteren Mühlen des Dorfes mit Wasser versorgte. Capellades war im 18. und 19. Jahrhundert eine der bedeutendsten Papierproduktionsstätten Spaniens. Das 1958 gegründete Museu-Molí Paperer de Capellades begnügt sich allerdings nicht damit, den Besuchern die alten Werkzeuge, Geräte und Techniken vorzustellen. Bis heute produziert man hier Papier von Hand und ermöglicht somit den Besuchern besonders lebendige Einblicke in dieses alte Handwerk.

 

 

Sant Sadurní d’Anoia

Wenn Vilafranca del Penedès die Hauptstadt des Weines ist, dann ist Sant Sadurní d’Anoia die des Cava. Anfang Oktober findet hier eine Messe statt, die ganz dem Cava und der lokalen Gastronomie gewidmet ist und dem Besucher reichlich Gelegenheit gibt, sich den Eigenschaften dieses vorzüglichen Schaumweines auf praktische Weise zu nähern. Für das entsprechende Hintergrundwissen, das die Freude am Verkosten und Genießen ja bekanntlich steigert, empfiehlt sich ein Besuch im im multimedial und interaktiv gestalteten Interpretationszentrum des Cava, das 1.200m2 einer 1814 erbauten Destillerie belegt. Hier erfährt man alles, was man schon immer über Cava wissen wollte, von der Geschichte seines Ursprungs, seine Entwicklung und Herstellung, seiner Kultur und dem besonderen Lebensstil mit dem er verbunden ist.

Caves Codoniu © Codorniu

 

 

Montserrat

Der Klassiker unter den Sehenswürdigkeiten im Westen Barcelonas ist der Berg Montserrat mit seinem berühmten Kloster. Der Naturpark mit seinen bizarr zerklüfteten Felsen bietet die Möglichkeit, an einem Einführungskurs in Sportklettern teilzunehmen. Doch auch mobilitätseingeschränkte Personen können die Kunstschätze des Klosters und die umliegende Natur genießen, denn weite Teile des Komplexes und des ihm angschlossenen Freilichtmuseums sind barrierefrei zugänglich.
Einer der Höhepunkte bei einem Besuch im tausendjährigen Benediktinerklosters ist die Basilika, in deren Kapelle sich die la Moreneta genannte Jungfrau vom Montserrat und Schutzpatronin Kataloniens befindet. Die Basilika selbst beindruckt mit einer  Vielzahlr von Gemälden und Kunstwerken die Besucher ebenso wie das Museum, das Schätze aus dem alten Ägypten enthält, aber auch Werke von El Greco, Picasso und Dalí. Für Buchliebhaber ist die Bibliothek mit ihren 300.000 Bänden pure Faszination. Für alle, die Montserrat auf eigene Faust und dennoch gut informiert erkunden möchten, stehen Audioguides zur Verfügung. Wer tiefer in die einzigartige Kultur und Geschichte des Ortes einsteigen möchte, erkundet die höchsten Gipfel des Montserrat mit einem Biologen oder lernt in einem Workshop den berühmten Kräuterlikör Aromes del Montserrat selbst zuzubereiten.

Montserrat und das Kloster ©Juan José Pascual

 

 

Colònia Güell und die Krypta Gaudí

Zum krönenden Abschluss lohnt sich der Besuch eines der weniger bekannten Werke Gaudìs, das dennoch in vieler Hinsicht besonders interessant ist. Die Colònia Güell, eine modellhafte Industrie-Kolonie im modernistischen Stil, bezaubert mit ihrer stillen, ganz dem 19. Jahrhundert verhafteten Atmosphäre. Hier liegt auch die Krypt Gaudís, eine Kirche, die dem großen Architekten sozusagen als Modell für den Bau der Sagrada Familia in Barcelona diente. Die schrägen Wände und Säulen, die Mischung von Backstein und anderen Materialien wie Keramik, die Ornamentalik  sowie das Ineinandergreifen von Landschaft und Architektur sind nur einige der hier bereits vertretenen Elemente, die Gaudí in seinem späteren Werk immer wieder aufgegriffen hat. Ursprünglich sollte die Kirche der Colònia Güell ein Oberschiff und ein Unterschiff haben. Geldmangel führte dazu, dass nur der untere Teil, die namengebende Krypta realisiert wurde.

Colonia Güell © Imagen M.A.S.

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