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Kein Weihnachtsmann, aber Tions

Andere Länder, andere Sitten – das gilt natürlich auch für die Weihnachtsbräuche. Plätzchenbacken und Glühweintrinken, das kennt man in Katalonien nicht. Und es gibt auch nicht so viele Weihnachtsmärkte wie in Deutschland. Immerhin locken in vielen Orten die sogenannten Santa Llúcia-Märkte, die Weihnachtsdekoration, Krippenfiguren, Kerzen, kleinen Geschenkartikel oder Süßigkeiten anzubieten haben. Besonders stimmungsvoll ist die Fira de Santa Llúcia von Barcelona, die rund um die Kathedrale für buntes Treiben sorgt. Natürlich kündigt sich Nadal – wie Weihnachten auf Katalanisch heißt – auch mit festlich geschmückten Straßen, Plätzen und Läden an.

 

Barcelona, fira de Santa Llúcia 4. Copyright Turisme de Barcelona

Pessebre Vivent

Zu Sankt Nikolaus am 6. Dezember ziehen auch in einigen Ortschaften Kinder von Haus zu Haus – eins von ihnen in Bischofstracht -, um Süßigkeiten einzusammeln. Doch werden hier keinesfalls alle Kinder mit Leckereien beschenkt. Viel wichtiger ist die Tradition der Pessebres – Krippendarstellungen. Alten Gebräuchen zufolge werden die Krippen am 13. Dezember, dem Namenstag der Heiligen Luzia aufgestellt – mit ganz unterschiedlichen Darstellungen wie zum Beispiel der Verkündigungsszene, in denen mitunter auch Figuren in typisch katalanischer Bauerntracht Platz haben. Daneben gibt es auch das, was pessebres vivents – zu deutsch lebendige Krippendarstellungen genannt wird. An derartigen Krippenspielen wirken zum Teil mehrere hundert Dorfbewohner mit, um Gassen und Plätze mit Szenen der Weihnachtsgeschichte zu bespielen.

Besonders berühmt ist für der Pessebre vivent von Pals im Hinterland der Costa Brava. Hier gibt es Handwerker, Händler und Gaukler zu bestaunen, vor den Augen der Schaulustigen wird auch Brot gebacken, gehämmert und geschmiedet. Auch das mittelalterliche Dorf Bàscara bei Figueres wird regelmäßig zur Kulisse für Inszenierungen der Geburt Jesu – mittlerweile kommen bis zu 10 000 Besucher, um die eindrucksvollen Auftritte zu bestaunen.

Pessebre Vivent La Pobla de Lillet © jqmj (Queralt). Lizenz. www.creativecommons.orglicensesby-sa2.0deed.de

Pessebre Vivent La Pobla de Lillet © jqmj (Queralt). Lizenz. www.creativecommons.orglicensesby-sa2.0deed.de

 

Tió de Nadal i El Caganer

Höhepunkt ist dann der Heilige Abend, der vor allem im Kreis der Familie gefeiert wird. Und zwar mit einer besonders exotischen Tradition heidnischen Ursprungs: Im Mittelpunkt steht der Tió de Nadal. Bei dem Tió – zu Deutsch Holzklotz –  handelt es sich um einen toten Baumstamm, der mit zwei Beinen, einem lächelnden Gesicht und einer roten Kappe geschmückt und mit einer Decke zugedeckt wird, damit er sich nicht erkältet. Während ihn die Kinder im Lauf der Weihnachtszeit eifrig mit Äpfeln und Brot „füttern“, verstecken die Eltern heimlich Geschenke unter der Decke. In den Weihnachtskrippen stehen meist dazu passende CaganerFiguren. Während früher unter der Decke eher Kleinigkeiten und Süßigkeiten zum Vorschein kamen, fallen die Geschenke heutzutage wesentlich opulenter aus.

 

Tió de Nadal © Ajuntament de Barcelona. Lizenz. www.creativecommons.orglicensesby-sa2.0deed.de

Tió de Nadal © Ajuntament de Barcelona. Lizenz. www.creativecommons.orglicensesby-sa2.0deed.de

 

El Caganer © Adrià Garcia. Lizenz. www.creativecommons.orglicensesby-sa2.0deed.de

El Caganer © Adrià Garcia. Lizenz. www.creativecommons.orglicensesby-sa2.0deed.de

 

Cavalcada de Reis

Wie den Weihnachtsbaum haben die Katalanen auch die mitteleuropäischen Geschenkorgien übernommen, die eigentlich Reis, dem Dreihkönigstag am 6. Januar vorbehalten blieben. Trotzdem haben die Heiligen. Drei Könige nicht an Bedeutung verloren. Das fest beginnt am Abend des 5. Januar, wenn die als Könige verkleideten Männer bei der sogenannten Cavalcada de Reis festlich in Städten und Ortschaften Einzug halten. Oft reisen sie auf reich geschmücktem Boot an und gehen zeremoniell am Hafen von Bord, wo sie von Scharen von Kindern und ihren Eltern begrüßt werden. Die begleiten die Könige dann auch auf ihrem Zug durch die Straßen und wer kann, übergibt ihnen an diesem Abend seinen Wunschzettel, um am nächsten Tag die – hoffentlich ersehnte – Ausbeute davon zutragen. Aber erst mal heißt es am 24. Dezember Bon Nadal!

 

Cavalcada de Reis © Ollau

Cavalcada de Reis © Ollau

 

 

 

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