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Auf den Spuren des „ Parfüms“ – eine Entdeckungsreise zu den Drehorten der Romanverfilmung

Erinnern Sie sich an Jean-Baptiste Grenouille, der im Frankreich des 18. Jahrhunderts lebte und ein so krankhaftes Verhältnis zu Düften hatte, dass er selbst vor Mord nicht zurückschreckte?

So die Geschichte, die Patrick Süskind in seinem Roman Das Parfum erzählt. 1985 erschienen, rangierte er lange Zeit auf den vorderen Plätzen der Bestsellerlisten und verkaufte sich um die 15 Millionen Mal. 2005 verfilmte ihn dann Tom Tykwer in dem Streifen „Das Parfüm – die Geschichte eines Mörders“. Mit Ben Whishaw, Dustin Hoffman und ebenso unheimlichen wie mitreißenden Filmszenen beeindruckte er die Zuschauer.

Was die meisten nicht wissen: Zwar spielt der Roman in Frankreich, doch zahlreiche Szenen wurden in Katalonien gedreht. An bekannten und weniger bekannten, aber durchweg sehenswerten Orten. Wer will, kann sich in der Provinz Girona, in Barcelona und dem Süden auf eine spannende Entdeckungsreise begeben – und dabei versuchen zu erraten, welche Szene an der jeweiligen Locations gedreht wurde.

Schon die erste Station auf der Ruta del Perfum ist ein Paukenschlag: das Castell de Requesens, eine geheimnisvolle Burganlage, die sich ganz im Norden des Landes in der Serra de l’Albera nahe der französischen Grenze versteckt. Von wildem mediterranem Buschwerk und Jahrhunderte alten Stein- und Korkeichen umwuchert, hat die gut erhaltene Festung die Zeit seit dem 10. Jahrhundert überdauert, als hier die Grafen von Rosselló residierten. Zuletzt bot sie während des Spanischen Bürgerkriegs vielen Familien Zuflucht und steht heute einsam und verlassen da. Wer durch die verschachtelten Gebäudeteile bis zur obersten Dachterrasse hinaufsteigt, hat deswegen auch die grandiose Aussicht auf die Landschaft des Empordà meist für sich allein.

Von hier aus führt der Weg durch den Naturpark Albera und die sanft gewellten Weinberge des Empordà nach Figueres, wo mit dem Castell de Sant Ferran der nächste Schauplatz des „Parfüms“ wartet. Es ist die mächtigste Festungsanlage Europas aus dem 18. Jahrhundert, liegt auf einem Plateau außerhalb des Stadtzentrums und hat einen Durchmesser von drei Kilometern. Als Bollwerk gegen die Franzosen wurde das Castell während der Napoleonischen Kriege dann doch von eben diesen erobert. Während des Spanischen Bürgerkriegs diente es wiederum den Internationalen Brigaden als Munitionslager, ab 1966 als Gefängnis. Inzwischen steht es zur Besichtigung offen, außerdem werden Führungen in mehreren Sprachen angeboten.

Nicht weniger eindrucksvoll ist die nächste Station der Parfüm-Route: Der Pont Vell, die alte Brücke von Besalú gehört zu den schönsten Fotomotiven Kataloniens. 1315 errichtet, ist sie sozusagen Visitenkarte des mittelalterlichen Städtchens Besalú. Wer den Fluvià-Fluss überquert hat, findet sich dann auch gleich in einem Labyrinth  Jahrhunderte alter, denkmalgeschützter Gassen wieder. Unweit der Brücke haben sich zudem die Reste eines jüdischen Viertels samt Synagoge und Bädern erhalten.

Costa Brava. Besalú © Agència Catalana de Turisme. Maria Geli

Fährt man von hier aus in Richtung L’Estartit an der Costa Brava, zeichnen sich schon von weitem die Umrisse des Montgrí-Massivs über der weiten Ebene des Baix Empordà ab, das ebenfalls zu den Drehorten des Films gehört. Auf dem Berg sitzt wie eine Krone die Ruine einer weiteren mittelalterlichen Burg. Es lohnt, in etwa einer Stunde von Torroella aus hinaufzusteigen – oben wird man von einer fantastischen Aussicht belohnt.

Von Torroella aus erreicht man dann in einer knappen Stunde die Provinzhauptstadt Girona, in der besonders viele Filmszenen gedreht wurden. Da huschen die Protagonisten durch Gassen und Plätze wie die Pujada de Sant Domènec oder die Escales de Sant Martí. Auch die wundervolle Kathedrale und der Call, das jüdische Viertel, das im Mittelalter eines der bedeutendsten Zentrum des Sepharden war, bilden die perfekte Kulisse der mysteriösen Geschichte. Ganz anders die nächste Etappe, die Platja del Castell. Der traumhafte Strand bei Palamós ist eine der wenigen unverbauten Buchten an der Küste und bietet sich außerhalb der Badesaison als Ziel einer kleinen Wanderung an. Aber welche Szene hier wohl spielt? Auf kurvenreicher Strecke entlang der zerklüfteten Costa Brava erreicht man schließlich den nächsten Schauplatz, den Convent de Blanes. Das ehemalige Kloster aus dem 16. Jahrhundert liegt hoch über der Felsküste an der Punta de Santa Anna. Inzwischen hat es sich in eine Eventlocation verwandelt, die unter anderem bei prominenten Hochzeitspaaren beliebt ist. Hier kann man noch einmal das Panorama der Costa Brava genießen, bevor einen die Ruta del Perfum nach Barcelona führt.

Girona. Catedral de Girona © Ajuntament de Girona. J.M. Oliveras

Auch hier lässt sich so Manches abseits der ausgetretenen Touristenpfade entdecken. Wer kennt schon den Parc del Laberint, die wunderbare Parkanlage aus dem 18. Jahrhundert im nördlichen Stadtgebiet? Anders als der Park Güell ist sie tatsächlich noch eine Oase der Ruhe und ein echter Geheimtipp. Auch in die Església dels Sants Just i Pastor verirren sich nur selten Touristen, obwohl die gotische Kirche unweit der Kathedrale im historischen Zentrum liegt. Im 16. Jahrhundert auf den Resten einer romanischen Basilika erbaut, lässt der Filmregisseur hier den Bischoff von Grasse eine Predigt an das verwirrte Volk halten – ansonsten werden hier an jedem 25. Dezember die Armen des Viertels mit einem traditionellen Weihnachtsessen abgespeist. Wesentlich stärker frequentiert ist die Plaça de la Mercè nahe dem Passeig de Colom. Doch kaum ein Passant wird ahnen, dass ausgerechnet hier, zwischen dem Neptunbrunnen und der barocken Fassade der Basílica de la Mercè zwei Schlüsselszenen des „Parfüms“ verfilmt wurden – Geburt und Tod von Jean-Baptiste Grenouille. Dabei wäre der Protagonist vorher fast schon auf einem Platz im Poble Espanyol hingerichtet worden – jenem Themenpark am Montjüic-Berg, der so etwas darstellt wie Spanien im Kleinformat. Den Mord an seiner Geliebten hat er indessen auf der romantischen Plaça Sant Felip Neri nahe der Kathedrale verübt. Und welche Szene mag im Castell de Tamarit südlich von Barcelona spielen? Jener Burg aus dem 14. Jahrhundert, die sich mit imposanter Festungsmauer über dem Strand der Costa Daurada erhebt? Schließlich hatte auch noch der Ebro seinen Auftritt im Film. Wer es bis hierher geschafft hat, wird vielleicht nicht jede Location den entsprechenden Filmszenen zuordnen können. Aber er wird verstehen, warum vieles hier gedreht wurde. An vielen Stellen ist Katalonien eben schon für sich großes Kino.

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