Zauberhafte Herbstausflüge für die ganze Familie

Der Herbst ist eine wunderbare Zeit um zu reisen. Die Hitze und der Trubel des Sommers sind nun nur noch eine wehmütige Erinnerung. Die Temperaturen sinken, das Land wird still und im Licht der tiefer stehenden Sonne werfen Berge und Wälder geheimnisvolle Schatten. Dies ist die schönste Zeit, um ins Herz Kataloniens vorzudringen. Hier drei  zauberhafte Vorschläge..

Die herbstlichen Landschaften Kataloniens sind so bunt und zauberhaft, dass Sie gute Chancen haben, selbst Ihre wanderunwilligen Kinder für unsere Ausflüge zu begeistern. Ob Buchenwälder in geheimnisvoller Vulkanlandschaft, Spaziergänge zwischen Reben und Jahrhunderte alten Trockensteinbauten oder eine Hochgebirgswanderung auf den Spuren einer uralten Legende – entdecken Sie auf diesen leichten Wanderrouten das herbstliche Katalonien mit der ganzen Familie!

Can Jordà – Santa Pau © Kim Castells

Mit dem Pferdewagen durch Vulkanlandschaften und Buchenwälder der Garrotxa

Der Buchenwald Fageda d’en Jordà ist ein Mythos der katalanischen Landschaft. Das liegt vor allem daran, dass Buchenwälder im mediterranen Raum eine Seltenheit sind. Sie sind eher im mittel- und nordeuropäischen Raum zu finden und somit für uns erst mal „nix Besonderes…“  Zu Unrecht! Denn gerade im Herbst entfalten die Buchenwälder eine Farbenpracht und Schönheit, an die man sich nicht einfach gewöhnen sollte. Grund genug, aus einer neuen Perspektive auf den Buchenwald zu schauen und sich einmal wieder im Staunen zu üben.

La Fageda d’en Jordà © Jordi Pareto

Zauberwald auf der Lavazunge

Die Fageda d’en Jordà liegt über einer Lavazunge des berühmten Vulkans Croscat im Naturpark Garrotxa. Botaniker hören nicht auf, sich über die Existenz des Waldes in dieser Region zu wundern. Normalerweise wachsen Buchenwälder auf der Iberischen Halbinsel nämlich nur hoch in den Bergen – die Fageda d’en Jordà liegt hingegen auf einer Höhe von 550 Metern – und dürfte eigentlich überhaupt nicht da sein.
Die naheliegende Begründung für die Existenz des Waldes an dieser Stelle ist natürlich, dass es sich um einen Zauberwald handelt. Botaniker und Geologen mögen Einwände erheben und andere Gründe aufführen wollen. – In gewisser Weise haben sie damit bestimmt recht. – Dennoch sieht jeder Mensch, der gerade gucken kann, dass es sich hier um einen Zauberwald handelt. Kaum betritt man die gut markierten Wege der fageda d’en Jordà, schon versammeln sich vor dem inneren Auge all jene geheimnisvollen Wesen, die sich eben nur in Zauberwäldern finden.
Sollten Ihre Kinder für Argumentationen dieser Art zu aufgeklärt sein und sich weiterhin beharrlich weigern, durch den Wald zu laufen, dann schieben wir Ihnen jetzt noch ein Ass in den Ärmel. Getreu dem Motto „Laufen und laufen lassen“ können sie die Fageda d’en Jordà nämlich auch im Pferdewagen erkunden. Weil dies so etwas wunderbar Traditionelles an sich hat, pflegt der Kutscher dabei Gedichte des katalanischen Poeten Joan Maragall zu rezitieren. Der fand nämlich genau hier immer wieder Inspiration für seine Werke. Und obwohl wir ihn nicht mehr fragen können, ist doch anzunehmen, dass Sr. Maragall nicht versuchen würde, dies durch die botanischen oder geologischen Besonderheiten des Ortes zu erklären. Es ist eben ein Zauberwald – zumindest für diejenigen, die einen Poeten im Herzen tragen.
Weitere Infos gibt es hier.

Naturpark Garrotxa © José Luis Rodríguez

Les Garrigues – Mitten ins Herz einer einsamen Landschaft

Weit, einsam und trocken sind die Landschaften der Garrigues – und gerade darin liegt ihr rauher, stiller Charme, der nach Erde und Oliven duftet. Bevor die Menschen, die hier wohnten, ihre Geschichte in Büchern festhielten, schmückten sie die Wände ihrer Höhlen mit Bildern von sonderbarer Anmut und Intensität. In der Roca dels Moros bei Cogul warten diese Höhlenmalereien noch immer  auf diejenigen, die ihre Botschaft verstehen können.
Das weite Land der Garrigues wartet ebenfalls: Auf die Mandelblüte des Frühlings, auf die Sommersonne, die den Oliven ihr einzigartiges Aroma verleiht, auf die Erntewochen im Herbst und Winter. Denn die trockenen Weiten von Les Garrigues sind fruchtbar und lebendig. Dies ist das Zentrum des Olivenanbaus in Katalonien und auch Mandelbäume und Weinbau prägen die Landwirtschaft. Die riesigen Felder, die von knorrigen Bäumen und zarten Reben bevölkert sind, werden von Trockensteinmauern begrenzt, welche die Identität der Region prägen.

Wer sich auf die Landschaften von Les Garrigues einlassen möchte, findet auf der 15km langen Ruta de les miradors i les fonts de Fulleda (Route der Aussichtspunkte und Quellen von Fulleda) den entsprechenden Wanderweg. Auf 15 Kilometern führt die Route zu drei Aussichtspunkten mit beeindruckenden Panoramablicken, nämlich zum Mirador dels Pirineus,  zum Mirador de les Garrigues und zum Mirador de la Conca de Barberà. Vor allem aber führt dieser Weg zur Essenz der Landschaften von Les Garrigues. Oliven- und Mandelbäume dominieren die Höhen, in den tieferen Lagen prägen Getreide- und Weinfelder das Bild. Der westliche Teil des Weges führt durch ein Natura 2000 Schutzgebiet, das Vall de Vinaixa. Von hier aus eröffnen sich weite Blicke auf die zwischen Pinienwäldern liegenden Terrassenfelder de Ulldebou-Tales. Trockensteinmauern, Wasserspeicher, Steinhütten und Brunnen erzählen vom Wirken des Menschen an diesem Ort, an dem die Zeit still zu stehen scheint.

Einen besonderen Reiz hat die Ruta de les Fonts  zur Zeit der Olivenernte, die im November beginnt. Im Frühling macht die Mandelblüte den besonderen Reiz dieser Wanderung aus, im Frühherbst kann man hier Zeuge der Weinernte werden.

Eine kürzere, für Kinder leichter zu bewältigende Alternative zu dieser Route ist die 9 Kilometer lange Ruta de les fonts de Vinaixa: Ihre Eckpunkte sind Vinaixa – marge del Bessó – font del Macot – fondo de les Sivines – Piquetes del Gallart – Vinaixa. Eine entsprechende Karte gibt es zum Beispiel hier.

Cogul © Servicios Editoriales Georama

Der alte Weg von Queralbs zum Tal von Núria

Straßen führen bis heute nicht in das Vall de Núria, jenes berühmte Hochgebirgstal, das sich auf einer Höhe von 2000 Metern zwischen die Pyrenäengipfel schmiegt. Wer diesen vielleicht malerischsten Ort der katalanischen Pyrenäen erreichen möchte, ist auf die Kraft seiner eigenen Füße angewiesen – oder auf die Zahnradbahn, die den Bewohnern von Núria das Leben seit etwa hundert Jahren etwas leichter macht. Wir möchten Ihnen den Fußweg ans Herz legen, dessen Geschichte ebenso alt und wundersam ist wie die des ganzen Tales.

Der Legende nach erreichte Sant Gil, in Deutschland Sankt Ägidius genannt, das Tal von Núria um das Jahr 700 n.Chr. Er lebte das Leben eines Einsiedlers und verbrachte seine Tage mit der Arbeit am Bildnis einer Gottesmutter. Hierhin floss all sein Herzblut und all seine Kunstfertigkeit. Doch nach vier Jahren sah er aufgrund seiner religiösen Überzeugung sein Leben in Gefahr. Sant Gil war gezwungen zu fliehen. Er versteckte das Bildnis der Gottesmutter gemeinsam mit seinen Habseligkeiten – einem Kreuz, einem Kochtop und einer Glocke, mit der er die Hirten zum Essen gerufen hatte – in einer Höhle, machte sich auf den Weg in die Provence und ward im Tal nie wieder gesehen. Sein Kochtopf, das Kreuz und die Glocke sind jedoch bis heute die Symbole des Vall de Núria.

Drei Jahhunderte später nahm sich ein Engel der Geschichte um die Heilige Jungfrau von Núria an. Er erschien im Traum Amadeu, der in Damaskus wohnte und ließ ihn wissen, er habe eine Aufgabe. Die Zeit sei reif, um die Habseligkeiten von Sant Gil und insbesondere die Heilige Jungfrau von Núria ans Tageslicht zu holen und zu Ehren der Gottesmutter eine Kapelle im Vall de Núria zu errichten. Amadeu machte sich auf den Weg und tat, wie ihm geheißen.

Der historische Fußpfad von Queralbs, auf dem wir uns dem Heiligtum der Jungfrau von Núria nun nähern, war bis in die 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts die einzige Möglichkeit, das Tal vom Ripollès aus zu erreichen. Am Anfang des Weges erinnern die Zahnradbahn und ein im Bau befindlicher Tunnel daran, dass die Zivilisation auch im Hochgebirge ihre Spuren hinterlässt. Doch schon bald erreichen wir die Schluchten von Núria mit spektakulären Aussichten auf den Torreneules und les Roques de tot lo Món. Die Landschaften des Gebirgsweges nach Núria sind eine reine Augenweide. Über den Köpfen der Wanderer erheben sich majestätische Felswände und am Grunde der Schlucht liegt die romanische Brücke von Cremal. Der Weg führt nun entlang zweier sagenumwobener Wasserfälle und endet schließlich mit einem beeindruckenden Blick auf das Heiligtum von Núria.

Weitere Infos unter: www.valldenuria.com

Santuari de Núria © Servicios Editoriales Georama

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