Ein Leben für Musik und Frieden  – Pau Casals und die Weihnachtsgeschichte

Die Weihnachtsgeschichte hatte für den großen katalanischen Musiker Pau Casals seit jeher eine besondere Bedeutung. Wie das Cello und die hochgeschätzte Pfeife stellte sie eine Konstante im Leben des Künstlers dar. In Casals leidenschaftlichem Kampf für den Frieden ist seine Musik ihm die einzige Waffe – und die Weihnachtsgeschichte seine treue Begleiterin.

„Kunst und Menschlichkeit sind untrennbar“, lautete einer der Glaubenssätze von Pau Casals. Bis heute gilt er als einer der größten Cellisten aller Zeiten, dennoch schwebte er mit seiner Kunst nie in fernen Sphären abseits der Realität. Im Gegenteil: Casals, dessen Vorname Pau auf katalanisch passenderweise „Frieden“ bedeutet, vertrat konsequent seine politischen Überzeugungen, und  in deren Zentrum stand der Wunsch nach Frieden und Demokratie.

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Pau Casals © Museu Pau Casals

Eine klare Linie

Einladungen zu Konzerten in Ländern, deren politisches Regime er nicht akzeptieren konnte, lehnte er ab. Nach der Oktoberrevolution 1917 und der Etablierung des kommunistischen Regimes beschloss Casals in Russland nicht mehr aufzutreten, obwohl er seit Jahren gerne und intensiv mit russischen Komponisten gearbeitet hatte. Ebenso wies er 1933 nach der Machtergreifung Hitlers eine Einladung zurück, in Deutschland aufzutreten, da er die Ideologie und Ziele des Nationalsozialismus verabscheute.

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Pau Casals Museum – Sant Salvador, El Vendrell © Museu Pau Casals

Stille als Widerstand

Während des Spanischen Bürgerkrieges stellte er sich öffentlich auf die Seite der Republik und sah sich bereits 1936 gezwungen, aus Spanien zu fliehen. Bald darauf kündigte er an, nicht nach Spanien zurückzukehren, bis die Demokratie wiederhergestellt sei – eine Entscheidung, von der er sein Leben lang nicht abrückte. 1945 traf er die Entscheidung, so lange nicht öffentlich aufzutreten, wie die westlichen Demokratien ihre Haltung gegenüber dem Franco-Regime nicht ändern würden.

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Museum Pau Casals – Sant Salvador, El Vendrell © Museu Pau Casals

 

In die Herzen der Menschen

Fünf lange Jahre hielt er an diesem Entschluss fest. Dass er ab 1950 doch wieder auftrat war keine Inkonsequenz, sondern Ausdruck der anderen Seite der Medaille seines politischen Engagements. Mit seiner Musik wollte er den Wunsch nach Frieden in die Herzen der Menschen tragen und um dieses Ziel zu erreichen, war der Konzertsaal der beste Ort.

Weihnachten und die Musik

Wie bei vielen Menschen sind auch bei Pau Casals die ersten intensiven Kindheitserinnerungen mit Weihnachten verbunden. Und da Musik fast alle Erinnerungen des Künstlers durchzieht, spielt sie auch eine wichtige Rolle in den Weihnachtserinnerungen aus der Kindheit. Musik steht von Beginn an so sehr im Mittelpunkt seiner  kindlichen Erlebniswelt, dass Casals von sich sagte, er konnte bereits klar singen, bevor er gelernt hatte, richtig zu sprechen. Musik war im Hause Casals allgegenwärtig. Paus Vater war ein begabter Organist und Musiker, der mit seiner Tätigkeit ein bescheidenes Einkommen erzielte. Für seinen Sohn hatte er bereits frühzeitig eine Tätigkeit als Schreiner ins Auge gefasst, die ihm später einmal etwas großzügigere Einkünfte ermöglichen sollte. Die musikalische Begabung seines Sohnes sah er wohl; die Möglichkeit, mit ihr Geld zu verdienen, sah der lebenserfahrene Organist beim besten Willen nicht. Letztlich war es Pau Casals Mutter, die darauf bestand, dass Talent ihres Sohnes an der Musikschule in Barcelona fördern zu lassen. Paus frühe Neigung, nicht nur zu spielen, sondern auch kompositorisch tätig zu werden, war vermutlich eines der Indizien, das seiner Mutter Anlass gaben, sich konsequent für eine fundierte musikalische Ausbildung ihres Sohnes einzusetzen.

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Museum Pau Casals – Sant Salvador, El Vendrell © Museu de Pau Casals

Das erste Krippenspiel

Schon damals ist es die Weihnachtsgechichte, die Pau Casals inspiriert, neues musikalisches Territorium zu erkunden. In der Biographie „Licht und Schatten auf einem langen Weg“ sagt er:

„Eine meiner frühesten kompositorischen Arbeiten – ich war damals sechs oder sieben Jahre alt – war die Musik, die mein Vater und ich für eine Aufführung von Els Pastorets, der „Anbetung der Hirten“, schrieben. Das Krippenspiel fand im Centro Católico in Vendrell statt und ich spielte darin die Rolle des Teufels, der (…) allerlei Ränke schmiedet, um die Hirten und die Könige aus dem Morgenland daran zu hindern, nach Bethlehem zu gelangen.“

Wie Pau Casals Weihnachten durch sein Leben trug

Einige Jahrzehnte später hatte Pau Casals, der nun im Exil lebte, es sich zur Gewohnheit gemacht, alle seine Konzerte und Musikfestspiele mit einem alten katalanischen Weihnachtslied zu beschließen. Es heißt El Cant dels Ocells, der Gesang der Vögel, und handelt von der Freude, mit welcher viele kleine und große Vögel die Geburt Christi feiern. Durch Pau Casals wurde das traditionelle katalanische Volkslied nicht nur weltbekannt, mit der Zeit wurde es auch zu einer heimlichen Hymne, einem katalanischen Nationalsymbol. Oder, in Pau Casals eigenen Worten: „Seither ist diese Melodie zum Lied der heimwehkranken spanischen Flüchtlinge geworden.“

 

In Prades, in den französischen Pyrenäen, wurde in einem Turm ein Glockenspiel von 15 Glocken angeordnet, für das Casals „Den Gesang der Vögel“ einrichten ließ. „Nun ist diese Musik stündlich zu hören, stündlich werfen die Berge ihr Echo zurück“, erinnert sich Casals in seiner Biographie. Auf der größten Glocke besagt eine Inschrift:  „Ich besinge in diesem Lied Sorge und Heimweh der Katalanen. Möge es für sie zu einem Lied des Friedens und der Hoffnung werden.“

Der Inbegriff der Hoffnung

Die Weihnachtsgeschichte ist für Casals Inbegriff der Hoffnung und der Ehrfurcht vor dem Leben. Sein liebstes Lied, El Cant dels Ocells bringt darüber hinaus eine tiefe Naturverbundenheit zum Ausdruck. In diesem Lied bringen Adler und Sperlinge, Nachtigallen und Zaunkönige dem Kind einen Willkommensgruß dar und besingen es als Blume, die jedermann auf Erden mit ihrem süßen Duft entzücken wird.

Pau Casals auf einem Kreuzzug für den Frieden

Noch ein weiteres Mal ist es die Weihnachtsgeschichte, die Pau Casals in seinem Kampf für den Frieden begleitet. Es ist die Zeit des Kalten Krieges und die ganze Welt ist in Furcht vor einem Atomkrieg. Dies ist der Moment, in dem Pau Casals nach eigenen Worten „einen Kreuzzug für den Frieden“ beginnt, einen Kreuzzug auf eigene Faust und mit der einzigen Waffe, die ihm zur Verfügung steht, mit seiner Musik. „Wieder war es die Weihnachtsgeschichte, die ich aufschlug“ , erinnert sich Casals. Inspiriert vom Text eines Krippenspiels, das sein alter katalanischer Freund, der Schriftsteller Joan Alavedra geschrieben hatte, komponierte Casals das Weihnachtsoratorium El Pessebre, „die Krippe“, das in den Konzertsälen vieler Länder aufgeführt wurde.

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Museu Pau Casals – Sant Salvador, El Vendrell © Linus Urpi

„Wenn wir brüderlich und friedlich zusammenarbeiten…“

„Mit dieser  Musik versuchte ich, die Aufmerksamkeit auf all das Leiden zu lenken, das  die Menscheit bedrückt, auf die fürchterlichen Gefahren eines Atomkrieges, aber auch auf das Glück, das uns Menschen beschert ist, wenn wir  alle brüderlich und friedlich zusammenarbeiten. Zu mir spricht die alte Weihnachtsgeschichte gerade im nuklearen Zeitalter mit besonderer Eindringlichkeit.“

Ein guter Grund, Pau Casals und seine einzigartigen musikalischen Interpretationen der Weihnacht zu uns sprechen zu lassen. Es gibt Anlass genug, den Gefahren unseres Zeitalters Hoffnung entgegenzusetzen. Hoffnung und die Musik, die uns an einen jener Menschen erinnert, von denen wir gerne mehr auf dem Planeten hätten.

Weitere Informationen:

http://www.paucasals.org/en/Museum-Villa-Casals/

http://www.auditoripaucasals.cat/

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